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Laufberichte

Windige Angelegenheit

 

Zum 12. Mal ging es wieder nach Tangermünde zur diesmal 12. Auflage des Elbdeichmarathon. Geplant war wieder ein Lauf- und Relax-Wochenende in der Altmark mit einem kleinen Kulturpaket und dem eigentlichen Lauf am Sonntag. Das Wetter wollte irgendwie aber nicht mitspielen. Kälte, Wind und Regen standen bei Petrus auf dem Programm und davon schien er sich auch nicht abbringen zu lassen.

Nachdem wir unser Hotel bezogen hatten, ging es traditionell erstmal ins Cafe Engel. Ein leckeres Stück Kuchen und einen guten Kaffee, so findet man schnell den eigenen Ruhepol. Anschließend wurde zu Schulzens Brauerei geschlendert, wo es eine interessante Führung rund um das Thema Bierbrauen gab. Schon wichtig zu wissen, wie nahrhaft eine Gerstenkaltschale doch ist. Viele Vitamine, Spurenelemente und gesunde Bestandteile machen das Getränk soooo wichtig für uns Sportler. Naja in der Theorie!

Von dort ging es schließlich auf das Marathongelände zum Abholen der Startunterlagen und nach einem Abendessen zum Abendbummel durch Tangermünde. So können Tage gerne vergehen.

 

 

Der Sonntagmorgen war immer vor einem Lauf. Erstmal aus dem Fenster schauen, das Wetter checken und Laufoutfit wählen. Da jeder ein anderes Kälteempfinden hat, kann man diesen Punkt beim gemeinsamen Frühstück herrlich rauf und runter diskutieren. Für mich stand fest: nicht zu warm anziehen aber winddicht musste es sein. Der angeblich leichte Regen sollte einfach vernachlässigt werden. Ob sich diese Strategie auszahlt, war nicht ganz klar aber egal. Ist ja nicht der erste Marathon. Also im Zweifel Augen zu und durch.

Pünktlich um 8h hat sich unser Team gesammelt und so ging es in aller Ruhe Richtung Start/Zielgebiet. Wie jedes Jahr stand um  9Uhr die Läuferandacht in der St. Stephan Kirche als ruhiger Einstieg in den Lauftag auf dem Programm. Abermals ein wirklich toller Programmpunkt, der ein wenig zum Nachdenken anregt und die nötige Ruhe und Gelassenheit vermittelt. 15 Minuten, die sich absolut lohnen. Anschließend hieß es fertig machen für den Lauf. Unseren noch nicht so ganz erfahrenen Läufern merkte man die steigende Nervosität immer mehr an. Was aber unbegründet war, denn  alle waren gut trainiert und in der Gruppe geht vieles einfacher.

Für mich ging es um 10h auf die Strecke. Unsere Teams starteten um 10,05h in den 10km – Wettbewerb und um 10,25h in den Halbmarathon. Damit war für die Starter anschließend noch Zeit zur Tangermünder Shoppingrunde… Laufwochenende eben.

Pünktlich zum Start setzte wieder der Regen ein. Geschmeidige 3 Grad, Wind aus Nord-Ost und auseichend Regen von vorne, von links oder rechts oder von hinten (je nach dem, wo man sich gerade auf der Strecke befand), waren garantiert. Die Veranstalter denken eben an alles.

 

 

Aufgrund der Bauarbeiten rund um das Neustädter Tor gab es zwar ein paar kleine Streckenänderungen, die fielen aber nicht weiter ins Gewicht. So ging es von Tangermünde raus nach Boilsdorf, weiter nach Buch und von dort zur Wendemarke Schelldorf und weiter übern bzw am Deich zurück nach Tangermünde. Das Ganze durften wir Marathonis zweimal erleben, allerdings mit der kleinen Ausnahme, dass die zweite Runde zu Beginn nicht über die Straße, sondern sofort wieder auf den Deich Richtung Boilsdorf führte.

Das Schöne am Elbdeichmarathon ist zweifelsfrei die Tatsache, dass sich beide Runden zwar weniger optisch, dafür aber deutlich von der Belebtheit unterscheiden. Beim Einlaufen in die Elbniederung hörte man in der Ferne die Anfeuerung des 10km – Feldes, das gerade den neuen Aussichtsturm passierte. War man zu Beginn noch im Marathon-Läuferfeld alleine, erreichten uns zur Mitte der ersten Runde die schnellen Halbmarathonis, womit es deutlich belebter wurde. Nach dem Durchlaufen von Start/Ziel für die zweite Runde war zudem jede Menge Bewegung auf dem Deich, denn jetzt kam einem das Hauptfeld Halbmarathon entgegen.

Und dann kam, was immer kommt: die totale Ruhe. Mit dem Abbiegen vom Deich Richtung Boilsdorf wurde es nicht nur ruhiger, es wurde sehr ruhig. Jetzt bei km 27 war kaum noch ein Läufer in Sichtweite, denn das Feld hat sich merklich auseinander gezogen. Auf den Feldern schauten die Wildgänse und Storche gefühlt eher mitleidig den Läufern nach. Das diesige Wetter verklärte etwas den Weitblick. In den Dörfern herrschte aufgrund des Wetters eher spirituelle Ruhe und die Elbniederung gab allen Zeit, um zu sich selbst zu finden. Auf der zweiten Runde wurde man nicht mehr von weltlichen Dingen abgelenkt.

In der Ferne sah man einige Kirchtürme, das Kloster Jerichow grüßte von weitem -  alles in einer absoluten Ruhe. Nur Vögel, die sich trotz des pieseligen Wetters in die Luft gewagt hatten, hörte man zwitschern. Hier musste man mit sich selbst klar kommen. Den eigenen Kampf gegen die Zeit und die Unbilden des Wetters annehmen und führen. Jetzt war Marathon angesagt. Jetzt hieß es, konzentriert die eigenen Ziele abzuarbeiten.


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Tangermünde:

 

Die 1009 erstmals erwähnte Stadt Tangermünde liegt südöstlich von Stendal in der Altmark auf einer Hochfläche, die durch eine eiszeitliche Endmoräne gebildet wurde. Sie liegt am linken Ufer der Elbe direkt an der Mündung des Tangers in die Elbe, woher auch der Name Tangermünde stammt. Der historische Stadtkern, die Stephanskirche und die Burg sind durch ihre Hochlagen vor Hochwasser sicher. Tangermünde ist durch die gut erhaltene Altstadt mit vielen Fachwerk- und Backsteinbauten, sowie durch die recht vollständig erhaltene Burg Tangermünde und die Stadtbefestigung in Backsteinbauweise bekannt.

 

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Für mich stand eigentlich eine Zeit von 4:15h auf dem Plan, da der Wind schwer einzuschätzen war und einem ganz schön zusetzen konnte. Alles schwer zu kalkulieren. Bei km27 kam die Zeit der Entscheidung, was auf der restlichen Strecke zu tun sei. Entweder Geschwindigkeit rausnehmen oder weiter Attacke. Ich entschied mich für Attacke, denn das Gefühl war gut und der Regen kühlte. Der Wind, der hinter jeder Deichkurve irgendwie von einer anderen Seite kam, zehrte an den Kräften. Immer wieder Pulskontrolle und Geschwindigkeitscheck an den km-Schildern und immer wieder die eigene Rückmeldung, dass es perfekt lief.

Schließlich abermals rein in die Elbniederung. Von Buch nach Schelldorf, vorbei an den schön blühenden Obstbäumen und ran an die letzte Wendemarke. Jetzt wurde es nochmals kniffelig. Wieder drückte der Wind von vorne, blies gegen die Muskeln und kühlte immer mehr aus. Ein letztes Mal ran an den Deich, nochmal aufs Laufen und das Zwischenziel, dem Verpflegungspunkt am Aussichtsturm, konzentrieren. Nase, Hände und Ohren waren kalt. Man könnte glatt denken, es sei wieder Winter.

 

 

Ansonsten noch immer diese Ruhe auf der Strecke. Wieder Pulskontrolle, wieder Geschwindigkeitsscheck. Wieder rauf auf den Deich. Tempo halten, dachte ich, die Zeit passt. Nochmal ein Blick nach rechts, denn jetzt kam zum ersten Mal Tangermünde in der Ferne in Sicht. Das ist immer ein schöner Moment. Schließlich folgte der letzte und immer wieder sehr motivierende Verpflegungsstand, den die Triathleten organisieren. Ein letztes Mal Wasser aufnehmen und ran an die letzten 2,5km.

Hier auf dem Deich wurde es nochmal richtig kalt, der Wind kam direkt von vorne. Also Mütze ins Gesicht und weiter.  Dann runter vom Deich und den Blick auf die Altstadt-Silhouette von Tangermünde genießen, die letzten Kräfte sammeln und rauf auf die lange Gerade vor dem Ziel, rein in die Hafenpromenade mit den Türmen, der Altstadtmauer und den Tangermünder Dächern. Eine herrliche Kulisse und ein toller Start-/Zielbereich. Dafür lohnen sich die Anstrengungen allemal. Vor der Ziellinie ist Thomas wie jedes Jahr fleißig am Moderieren und so geht es mit dem guten Gefühl über die Ziellinie, abermals einen tollen Lauf gefinisht zu haben. Mit 3:54h blieb die Uhr in einer für mich perfekten Zeit stehen, die den AK-Platz9 bedeutete.

Sicherlich fordert die Elbniederung die Läufer. Aber egal für welche Distanz man sich entscheidet, die  attraktive Streckenführung einschließlich des genialen Zieleinlaufs vor der Altstadtkulisse machen das alles wett. Besonders beeindruckend fand ich die hoch motivierten Helfer und Streckenposten, die  dem nasskalten Wind trotzten und die Läufer stundenlang anfeuerten. Großen Dank an alle.

Ich werde auch nächstes Jahr nach Tangermünde kommen. Dann heißt es wieder: Laufen unter Freunden, diesmal Teil 13.

 

 

Informationen: Tangermünder Elbdeichmarathon
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