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Laufberichte

Wexfort Marathon: Endlich Hundert!

09.06.19 Special Event
 

Drei Jahre ist es her, als ich im irischen Wexford meinen 46. Marathon lief. Damals war es mehr oder weniger Zufall, dass ich ausgerechnet beim Wexford Marathon an den Start ging. Silke und ich wollten den Südosten Irlands erkunden und dabei sollte nach Möglichkeit auch noch ein Marathon herausspringen.

Der Wexford Marathon entsprach dabei genau meinen Vorstellungen. Ein familiärer Landschaftslauf mit gut einhundert Teilnehmern, einem ansprechenden Höhenprofil und einer herrlichen Umgebung. Der Marathon blieb mir natürlich in bester Erinnerung und es blieb auch die Freundschaft zur Organisatorin Dee Browne. So kam es dann auch irgendwann zu dem Versprechen, dass ich wieder zurückkomme und wenn möglich sollte es mein Jubiläumsmarathon, also der Einhundertste, werden.

Es war nicht ganz einfach dieses Versprechen zu halten. Über zwanzig Marathons musste ich dafür im vergangenen Jahr bewältigen. Dieses Jahr war mein Laufkalender mit acht Marathons bis Anfang Juni ebenfalls dicht gefüllt. Alles ging gut und meine Sorgen über eventuelle Verletzungen oder Erkrankungen waren unbegründet. So ging es für Silke und mich schon am Donnerstag endlich wieder nach Irland. Nach gut zweieinhalb Flugstunden landeten wir in Dublin, mieteten uns einen Kleinwagen und machten uns auf den Weg in den Süden. Die Fahrt nach Wexford dauert noch einmal gut zweieinhalb Stunden.

Wexford ist eine kleine beschauliche Stadt, die im 9. Jahrhundert von den Wikingern gegründet wurde. Sie liegt an der Mündung des Flusses Slaney, den wir bei unserer Anreise auf einer langen Brücke überqueren. Die langen Kaianlagen Wexford`s liegen nun vor uns und dahinter erhebt sich die Silhouette der Stadt. Die Vorfreude auf die kommenden Tage steigt nochmal an. Ich freue mich auf die gelassene Atmosphäre in Wexford, deren Altstadt eine für Irland wirklich typische Fußgängerzone hat. Altmodische Geschäfte wechseln sich mit gemütlichen Pubs ab. Zusammen mit der Ruine der Selskar Abbey aus dem 12. Jahrhundert und den bunten Fassaden der Geschäfte bietet sich hier für das Auge an jeder Ecke etwas.

 

 

Nachdem wir uns in unserer Ferienwohnung einquartiert haben, bleibt noch Zeit für ein gemütliches Abendessen und natürlich geht es in`s Kilrane Inn, unserer Stammkneipe von vor drei Jahren. Ein genialer Burger und frischgezapftes Guinness und schon fühlen wir uns wieder wie zu Hause. Obwohl wir die Umgebung damals schon ausreichend erkundet haben, finden sich für die kommenden Tage noch genügend neue Möglichkeiten. Der Irish National Heritage Park und die Wicklow Mountains sind jedenfalls einen Besuch wert. Natürlich gibt es auch ein paar Plätze, die wir unbedingt noch einmal besuchen wollen. Am Samstagnachmittag steht Wexford`s Altstadt auf dem Plan, denn zwischen 12 und 15 Uhr gibt es die Möglichkeit, im Clayton White Hotel die Startunterlagen abzuholen und das lässt sich wunderbar verbinden. Eine Marathonmesse oder ähnliches sucht man vergeblich. In einem kleinen Büro im ersten Stock treffen wir auf Dee und es gibt natürlich erst einmal ein herzliches Wiedersehen. Als ich das Büro wieder verlasse, habe ich allerdings nur mein Laufshirt in den Händen. Die Startnummer will mir Dee erst kurz vor dem Start geben. Da wartet wohl eine Überraschung auf mich.

Am Sonntagmorgen ist es dann endlich so weit. Mein Jubiläumsmarathon steht an und ich bin tatsächlich etwas nervös. Eigentlich ist es doch nur ein Marathon wie jeder andere, aber irgendwie gribbelt es etwas mehr im Magen als sonst. Auch das Wetter scheint etwas zu einem tollen Jubiläum betragen zu wollen: Die Sonne strahlt,  am Himmel ist keine Wolke zu sehen. Es hat gut 15 Grad. Silke und ich treffen gut eine Stunde vor dem Start um 9 Uhr am Hafen ein. Der Zielbogen ist auf dem Kai im Hafen aufgebaut und der Startbogen gut dreihundert Meter weiter direkt am Hafen. Es wartet eine neue Strecke auf mich. Es geht 21 Kilometer runter nach Rosslare und auf der identischen Strecke wieder zurück. Im Gegensatz zu meiner letzten Teilnahme soll die Strecke flach sein, was aber alles relativ ist. Die Straßen hier sind immer leicht wellig, so dass mit Sicherheit auch keine einfache Aufgabe ist, die da vor mir liegt.

Am Hafen ist es noch ruhig. Die meisten der gut 140 gemeldeten Läufer sind zwar schon da, doch Aufregung ist unter ihnen nicht zu spüren. Ich treffe vor dem Start zu meiner Freude noch auf Alexandra, die in Deutschland aufgewachsen ist, aber schon seit Jahren in Wexford lebt, und kann mich so sogar noch ein paar Minuten auf Deutsch unterhalten. Eine viertel Stunde vor dem Start versammeln sich die Teilnehmer rund um den Startbogen. Gerry Forde, ein Handbiker, der auch vor drei Jahren schon am Start war, ist schon startklar. Heute hat er sogar einen Konkurrenten. Den beiden wird etwas Vorsprung gegeben, damit sie beim Start keine Probleme bekommen. Es sind noch gut zehn Minuten bis zum Start.

Dee überreicht mir nun auch meine Startnummer. Es ist die „100“. Wow, was für eine Ehre. Zudem hebt sich meine Startnummer auch farblich von den anderen ab. Natürlich machen wir noch ein gemeinsames Erinnerungsfotos, bevor mir Silke helfen muss, die Startnummer ans Shirt zu heften. Die Finger sind doch etwas zittrig. Schon vor dem Start erkennen mehrere Teilnehmer den Grund für die besondere Startnummer und gratulieren schon mal vorab. Dann geht es aber endlich los.

 

 

Dee`s Sohn Aidan übernimmt das Startprozedere und schickt uns auf die Reise. Kaum bin ich ein paar hundert Meter gelaufen, verfliegt auch schon die Nervosität und ein gutes Gefühl stellt sich ein. Ich sortiere mich knapp hinter dem 4:30-Stunden-Pacer ein und will ihn nur langsam davonziehen lassen. 2:20 Stunden habe ich mir für die erste Hälfte vorgenommen, um dann gemütlich zurücklaufen zu können. Unter fünf Stunden will ich trotz des fordernden Höhenprofils bei meinem Jubiläum dann doch bleiben.

Am Hafen entlang laufen wir erst einmal in Richtung Süden. Die Strecke ist lediglich auf dem ersten Kilometer für den Verkehr gesperrt und zum Ortsende hin geht es schon mal leicht bergan. Als wir Wexford verlassen, geht es auf einer breiten Landstraße weiter. Ab hier ist die Strecke wieder für den Verkehr freigegeben, was jedoch nicht stört. Die Iren sind äußerst rücksichtsvoll und zuckeln schon mal für mehrere Minuten hinter einem her, wenn es gerade keine Überholmöglichkeit gibt. Kurz nach dem „2 Meilen“-Schild geht es nach links weg und es wird ruhiger. Hier herrscht kaum noch Verkehr und wir passieren auch unser Hotel.

Ich bin inzwischen warmgelaufen und kann dem Pacer vor mir leicht folgen. Dennoch will ich ihm, wie geplant, nicht auf den Fersen bleiben und unnötig Körner zu verbraten. Dieser Streckenabschnitt ist wirklich herrlich. Bäume und Büsche säumen den Weg. Weitläufige Weiden liegen ebenso links und rechts von uns. Auf ihnen weiden riesige Kuh- und Schafherden. Einfach Irland! Unterwegs komme ich auch immer wieder mit Läufern ins Gespräch und so vergeht die Zeit wie im Flug.

Nach vier Meilen biegen wir wieder auf die N25 ein, die uns weiter in Richtung Rosslare führt. Wieder nimmt der Verkehr etwas zu, doch die Fahrer sind nicht nur weiterhin rücksichtsvoll, sondern sie hupen und jubeln uns zu. Auch wenn die Straße ziemlich breit ist und gefühlt endlos geradeaus führt, kann ich doch die Landschaft um mich herum genießen.

Am Kreisverkehr kurz vor Rosslare geht es nun nach links weg und es wird erneut ruhig. Wie man es vielleicht von Irland nicht erwartet, säumen hier Palmen und Blumenbeete den Weg. Durch ein größeres Wohngebiet geht es weiter wellig dahin und ich bin mir jetzt schon sicher, dass das auf dem Rückweg nicht einfach werden wird. Ich nehme dennoch alle Anstiege im Laufschritt und kann meinen Schnitt gut halten. Um mich herum wird es nun auch wieder schön grün und ich genieße den Schatten, denn die Sonne hat trotz moderater Temperaturen ordentlich Kraft. Am Ende dieses Bogens kommen wir wieder auf die N25 und erreichen bald Kilrane, einen Ortsteil von Rosslare. Auf Höhe „unserer Stammkneipe“ biegen wir nach links ab und laufen eine kleine Schleife, um auf die vollen 42,195 Kilometer zu kommen. Ich erreiche am Ende der Straße den Wendepunkt und damit wäre auch schon die Hälfte geschafft. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich voll im Soll liege und es nun deutlich gemütlicher angehen kann.

Wir machen uns also auf den Rückweg, der wie gesagt identisch mit dem Hinweg ist. Für mich Gelegenheit, die letzten 21 Kilometer zu genießen. So nehme ich nun manchen Anstieg, den ich zuvor noch gelaufen war, im Marschtempo, schließlich will ich ja auch den Zieleinlauf noch genießen können. Eines ist mir beim Wexford Marathon auch aufgefallen und das finde ich vorbildlich. An den Verpflegungsstationen gibt es neben Cola, Iso und Wasser auch stets Süßes (Gummibärchen) und Salziges. Becher am Streckenrand wegzuwerfen, ist nicht erlaubt. Man muss sie gleich am Verpflegungsstand entsorgen. Das Wasser wird in Flaschen gereicht, so dass man es mitnehmen kann und auch unterwegs gut versorgt ist. Dies funktioniert unwahrscheinlich gut. Ich sehe nirgendwo Flaschen oder Becher liegen.

 

 

Als ich gut zwei Stunden später wieder an unserem Hotel vorbeikomme, kommt wieder ein leichtes Gribbeln auf. Nur noch gut drei Meilen, dann ist es geschafft. Schon wenig später liegt die Stadt vor mir. Es sind noch ein paar kleinere Anstiege zu bewältigen, bevor es den letzten Kilometer sanft bergab geht und ich es locker laufen lassen kann.

Gut vierhundert Meter vor dem Ziel am Hafen sehe ich Dee mit ihren beiden Kindern am Streckenrand stehen. Sie reicht mir meine „Finisher-Flagge“, die ich eigens für diesen Lauf habe anfertigen lassen. Sie vereint die bayerischen und irischen Farben, womit ich meine Verbundenheit zu Irland zeigen möchte. Natürlich ziert sie auch ein großes 100 Marathon-Logo. Für die Gestaltung der Fahne möchte ich mich bei Bernie bedanken, der meine Idee super umgesetzt hat. Ich nehme meine Flagge, Dee umarmt mich und gratuliert. Die Glückwünsche für 100 Marathons nehme ich kurz  vor dem Ziel schon gerne entgegen.

Die letzten vierhundert Meter kann ich nun einfach nur genießen. Als ich auf die letzten Meter in den Hafen abbiege, brandet tatsächlich großer Jubel auf. Einige Zuschauer und Finisher haben sich im Zielbereich versammelt und bereiten mir einen unvergesslichen Zieleinlauf. Natürlich wartet auch Silke auf mich und gehört mit zu den ersten Gratulanten. Ich bin zwar erschöpft, freue mich aber riesig über meinen 100. erfolgreichen Marathon. Nachdem ich noch etliche Glückwünsche entgegennehmen darf, mache ich mich zusammen mit Silke auf den Weg ins Hotel.

 

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Eine Stunde später treffen wir uns nochmal mit Dee im Hotel, um uns ausgiebig zu unterhalten. Natürlich überreichen wir ihr auch ein kleines Geschenk als Dank für ihre Gastfreundschaft. Wir verabschiedeten uns schließlich mit dem Versprechen, in Kontakt zu bleiben. Vielleicht komme ich eines Tages wieder nach Wexford. Die Startnummer 100 und die riesige Medaille bekommen jedenfalls einen Ehrenplatz.

 

 


 

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