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Laufberichte

Unter den Brücken von Porto

03.11.19 Special Event
 

Wieder einmal sind wir auf dem Weg in ein Land, das wir letztmalig vor vielen Jahren besucht haben. 2001 waren Judith und ich in Lissabon, zwei Jahre später in Porto. Die beiden Metropolen Portugals sind recht unterschiedlich. Während die Hauptstadt Lissabon sich eher um das Ausgeben des Geldes kümmert, wird dieses in Porto verdient. Auch wenn mit dem Niedergang des portugiesischen Kolonialreichs die Bedeutung Portos als eine der wichtigsten europäischen Handelsmetropolen abgenommen hat, bleibt die Stadt das wirtschaftliche und industrielle Zentrum des Landes.

Für mich stand schon länger fest, dass ich nochmals herkommen möchte, gern in Verbindung mit dem Marathon, der seit 15 Jahren veranstaltet wird. Bislang scheiterte dieses Vorhaben allerdings daran, dass ab München keine günstigen Flüge zu ergattern waren. Vor einigen Monaten gab es bei der Airline TAP dann endlich ein entsprechendes Angebot, was allerdings einen viertägigen Aufenthalt in der rund 240.000 Einwohner zählenden Stadt an der Mündung des Flusses Douro bedeutete. Immerhin hat man damit zwei zusätzliche Tage für Besichtigungen und kann mit Ausnahme des Marathontags dreimal lang ausschlafen.

Das Wetter macht einem hier an der Atlantikküste im Norden Portugals oft einen Strich durch die Rechnung. Häufige Regenschauer sind im Herbst möglich, aber die Temperaturen sind meist angenehm mild. Unsere Landung verschiebt sich wegen Nebels auf die späte Nacht und bei unserem kurzen Trainingslauf am Freitagmorgen werden wir im Sprühregen schon mal richtig nass. Dafür kommen wir am Kongresszentrum Alfandega vorbei, wo eine große Marathonmesse auf die Sportler wartet.

 

 

Stopp, wir haben ja mangels Zimmersafe unser Smartphone und unsere Wertsachen samt Ausweis griffbereit in der Bauchtasche. Also gleich hinein. Auch einige Mitstreiter haben offensichtlich den Besuch hier mit läuferischer Ertüchtigung verbunden. In zwei Hallen des ehrwürdigen Gemäuers präsentieren Anbieter von Sportartikeln ihr Programm, außerdem Marathonveranstalter fast nur aus Städten, an deren Läufen wir schon teilgenommen haben. Bis auf Castellon bei Barcelona, wo ich Judith mal hinlocken wollte. Da kann ja gleich Überzeugungsarbeit geleistet werden. Auch eine Gesundheitsmesse, die sich der Vorbeugung von Osteoporose widmet, findet hier statt. Wir holen  unsere Startnummern ab und erhalten zusätzlich einen kleinen Rucksack samt Funktionshemd und Socken.

Den restlichen Tag nutzen wir für lange Spaziergänge in der sehr hügeligen Stadt, die bekannt ist für ihre – oft vom italienischen Barock-Baumeister Nicolau Nasoni gestalteten - Kirchen, die blauen, „azulejos“ genannten Wandfliesen und den in alle Welt importierten Portwein. Unglaublich, wie viele Touristen unterwegs sind. Schon 2001 war Porto Kulturhauptstadt Europas und in  den letzten vier Jahren, so vermerkt es unser Reiseführer, hat der Fremdenverkehr in der Universitäts- und Industriestadt deutlich zugenommen. Auch bei chinesischen Reisegruppen steht Porto offenbar hoch im Kurs. Das historische Zentrum am Nordufer des Douro gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Am Samstag wollen wir unsere Beine schonen und fahren mit der Metro ins nahe Matosinhos, wo sich auch Start und Ziel des Marathons befinden. Die 175.000 Einwohner zählende Stadt nördlich von Porto verfügt neben dem zweitgrößten Industriehafen über den größten Sardinenhafen Portugals und außerdem über wunderbare Strände, die besonders für Surfer sehr einladend sind. Die Wassertemperatur von 15 Grad hält mich allerdings davon ab, hier mal ein Bad zu wagen. Der 500er Bus bringt uns am Meer entlang zur Douro-Mündung und dann weiter ins Zentrum von Porto zurück.

 

 

 

Marathontag

 

Start des Laufs ist um 9:00 Uhr am Meer in Matosinhos. Im schönen, in Portugiesisch und Englisch gehaltenen Infoheft werden die Läufer gebeten, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Noch am Abend zuvor hatte ich im Internet die Metro-Seite aufgerufen, aber keine Information über zusätzliche Fahrten gefunden. Letztendlich stehen wir also wie Sardinen gedrängt in einem Sonntagmorgen-Kurzzug und hoffen, dass die lange Fahrt bald vorbei sein möge. Wenigstens bleibt Zeit für ein Schwätzchen mit Bernhard, der aus Hamburg angereist ist und zufällig neben uns steht. Ansonsten fallen uns bei dem international besetzten Lauf vor allem Gruppen aus Frankreich und Italien auf.

 

 

Von der Station sind es dann noch 15 Gehminuten zum Start-/Zielareal. Parkplätze gäbe es hier zuhauf. Auf dem Queimódromo, einer Eventfläche mit viel Teer, befinden sich Umkleidezelte und die Taschenabgabe. Irgendwo soll es auch Tee und Kaffee für die Sportler geben. Nach dem Lauf kann man im nahen Sportzentrum duschen. Toiletten sind hier und ein paar hundert Meter weiter am Ende des Startkorridors. Der führt aufgeständert über eine schöne Bucht. Judith und ich müssen uns nach vorne kämpfen, denn außer den gut 4.000 Marathonis sind auch die Teilnehmer/innen des 15 km langen „Family-Race“ mit von der Partie, sammeln sich jedoch ganz hinten. Pünktlich zum Start, der absolut lautlos über die Bühne geht, sind wir bereit.

Die ersten 12 Kilometer werden wir in Matosinhos erlaufen, zu Beginn am Parque da Cidade do Porto (Park der Stadt Porto) entlang. Der wurde erst 1990 angelegt. Die breite Av. da Boavista führt schnurgerade nach Porto. Wir biegen aber nach 3 Kilometern links ab. Platz zum Überholen ist auf den breiten Straßen genug, trotzdem geht es im großen Feld recht ruppig zu. Judith wird angerempelt und kann durch Festhalten am Trikot des Vordermanns einen Sturz gerade noch vermeiden. An dem Kirchlein Igreja Matriz de Aldoar vorbei,  natürlich mit azulejos verziert. Einige Zuschauer feuern uns an, dann geht es auf eine erste Pendelstrecke. Einziger architektonischer Höhepunkt ist hier der nette Brunnen am Kreisel. Dahinter wäre die Metro-Haltestelle. Zurück zum Startbereich, wo viele Begleiter auf uns warten. Das großzügig dimensionierte Netz über uns hat nicht mit Computernetzwerken zu tun, sondern ist eine 27 Meter hohe „fließende“ Skulptur der US-amerikanischen Künstlerin Janet Echelman mit dem Titel “She Changes“. Das Kunstwerk aus dem Jahr 2005, das die Industrie- und Seefahrergeschichte der Stadt symbolisieren soll, wird wegen seiner Form auch „Anemone“ genannt.

Es geht hinein ins Zentrum von Matosinhos, vorbei an der blauen Brücke Ponte móvel. Rechts neben uns das dunkelgrüne Rasengleis der Metro. Wende und das Ganze zurück. Empfehlenswert ist ein Besuch der Markthalle, wo in erster Linie Fisch verkauft wird, aber auch Gemüse und lebende Kleintiere wie Hühner und Kaninchen. Die Hauptstraße des Ortes, die Rua de Brito Capelo, sehen wir heute nicht, da dort zu viel Kopfsteinpflaster verlegt ist. Trotzdem wäre sie auch einen Besuch wert, denn zahlreiche Infotafeln erklären sehr ausführlich die Entwicklung dieser Einkaufsstraße.

 

 

Bei km 12 passieren wir nochmals den Startbogen. Nun ist es Zeit für einen Blick auf das Castelo do Queijo, auch Forte de Sao Francisco Xavier genannt, dessen dreieckiger Grundriss an ein Stück Käse (queijo) erinnert. Die Festung war 1831-32 Schauplatz der Belagerung Portos durch Dom Miguel I, den Bruder des am Ende siegreichen Königs Pedro IV.

Im großen Kreisverkehr das Reiterdenkmal des Königs João VI. Dann geht es auf die wunderbar neu geteerte Allee de Montevideu. Links schöne Villen, rechts brechen sich die Wellen an den Felsen, das Ganze eingehüllt in einen leichten Nebelschleier. Wunderbar. In der Vila Foz würde ich auch gerne übernachten. Das Spa-Hotel bietet zwei Nächte zum Marathon schon für schlappe 425€ an. In Foz do Douro, das sich 2013 mit den Gemeinden Nevogilde und Aldoar zusammengeschlossen hat, soll es auch viele gute Restaurants geben. Das Zentrum von Foz umrunden wir auf der aufgeständerten Straße, dann die Festung São João Baptista da Foz, erbaut im 16. Jahrhundert mit dem Ziel, die Küste und die Douro-Mündung zu schützen.

Unangenehmes Kopfsteinpflaster aus rohen Steinen. Der Name Esplanada do Castelo klingt aber gar nicht so schlecht. Ein cooler Alleinunterhalter. Ich fühle mich an ein Strandhotel mit deutschen Senioren erinnert. Bald bin ich ja selbst einer….

Der Douro (spanisch Duero) ist der drittlängste Fluss der Iberischen Halbinsel. Er entspringt in der spanischen Provinz Soria, durchfließt Nordspanien und Nordportugal und mündet hier in den Atlantischen Ozean. Er ist 897 Kilometer lang. Von hier aus ist er 200 km schiffbar.

Nette kleine Häuschen am Straßenrand. Eine Tür, ein Fenster und anscheinend auf den anderen Seiten von ähnlichen Häusern umgeben. So kann man klimaneutral wohnen, wobei ich mir als Eigentümer eine Dachterrasse bauen würde. Daneben dann die Appartementblöcke für die Reichen, samt Blick auf das Meer und die Hänge am Douro. Dahinter die erste große Brücke, Ponte da Arrábida. Als sie 1963 fertiggestellt wurde, war sie mit 270 m Spannweite die größte Stahlbeton-Bogenbrücke der Welt. Die Aufzüge für Fußgänger sind nicht mehr in Betrieb, da die Fußwege für zusätzliche Fahrspuren der A1 verwendet wurden. Darunter im Wartehäuschen musiziert die nächste Band.

Ich komme mit einem deutschen Läufer ins Gespräch, Er lebt seit 18 Jahren in Porto und weiß noch  nicht so recht, wie sein Lauf ausgehen wird. Er erklärt, dass der etwas komische Geruch, der uns umgibt, bei Ebbe entsteht. Zusammen bewundern wir das Pacergrüppchen rechts von uns auf der andren Douroseite. Die sind bei etwa km 23, haben uns also sechs Kilometer voraus. Und wirken so schnell, als wären sie mit dem Fahrrad unterwegs. Dabei handelt es sich nicht mal um die Führungsgruppe. Ich genieße das Ambiente auf unserer Seite. Eine Art Sambaband steht hier. Junge Menschen mit selbstgebauten Radaugeräten. Sie wirken aber sehr professionell. Dann eine Engstelle am Fluss. Die Straße führt über einem kleinen Viadukt vorbei. Die Spitzenläufer kommen uns entgegen.

Die Szenerie ist atemberaubend: Vor uns die Kirchen und Häuser von Porto. Auf der anderen Flussseite die Weinkeller von Vila Nova de Gaia. Eines der wichtigsten architektonischen Highlights der Gegend  ist sicher die Brücke Ponte Dom Luis I., eine nach ihrem Auftraggeber König Dom Luis I benannte doppelstöckige Bogenbrücke aus Eisen und Stahl, auf deren unterer Etage Autos und LKWs fahren und deren obere Etage der Metro vorbehalten ist. Fußgänger dürfen beide Ebenen passieren. Die 1886 fertiggestellte Brücke, die herrliche Ausblicke bietet und deren Struktur an den Eiffelturm erinnert, ist 385,25 m lang, der Bogen 172 m breit und 44,60 m hoch. Ihr Schöpfer war nicht, wie oft vermutet, Gustave Eiffel, sondern dessen Schüler und ehemaliger Kompagnon Théophile Seyrig, der zum Zeitpunkt des Brückenbaus für ein belgisches Unternehmen tätig war.

Beim uns schon wohlbekannten Alfandega Congress Center typische Häuser. Nicht ohne Grund ist die Altstadt ins Weltkulturerbe aufgenommen worden. Seit dem starken und für mich verständlichen Anstieg des Tourismus wird Haus für Haus renoviert. Meistens dann in Hostels oder Gästeappartements umgewandelt. Aber wenigstens sieht man immer weniger verlassene und zugemauerte Häuser. Für viele Bewohner Portos scheint es schlicht zu teuer zu sein, so ein Gebäude gemäß den Vorgaben des Denkmalschutzes zu erhalten. Und wer ein Auto besitzt, verzweifelt an den engen Gassen und fehlenden Parkmöglichkeiten.

Lange habe ich gebraucht, um aus dem nahezu unendlichen Angebot von Unterkünften etwas Passendes zu finden. Gelohnt hat sich die Suche allemal. Wir haben ein schickes Appartement im Dachgeschoss eines solchen Hauses. Für ein langes Wochenende ideal, samt alten, rustikal-unverputzten Steinwänden, Deckenbalken aus Holz und einem – zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftigen - Modergeruch.

Ein paar Meter bergauf zum VP km 20. Die Verpflegungsstellen sind gut ausgestattet mit 330-ml- Wasserflaschen, isotonischen Getränken, Orangen, Madeira-Bananen und mal wieder einem Gel, dessen Plastikhülle sich sogar meinen kräftigen Zähnen widersetzt. Alles angeboten von netten Helfern. Einige Meter laufen wir hinunter durch ein enges Gässchen. Ganz idyllisch, wäre nur der Boden nicht so glitschig feucht. Hier heißt es sehr vorsichtig sein.

 

 

Dann öffnet sich der Blick auf die Ribeira, was „Flussufer“ heißt. Viele Restaurants laden am Rande des Douro zum Verweilen ein, zahlreiche Zuschauer feuern uns an. Die neuen Steinplatten sind durch den Lieferverkehr bereits arg ramponiert. Also aufpassen! Vor den Restaurants werden wegen des schönen Wetters gerade Tische aufgestellt. Wir stören da merklich. Noch immer erinnere ich mich an den Kellner beim Venedig-Marathon, der direkt vor mir mit einem Stapel benutzter Teller den Laufweg queren wollte. Wir haben beide unbeschadet überlebt. Hier wird gelegentlich ein Tisch transportiert.

Wieder ein paar Meter hinauf zur Brücke. Auf einem Podest legt sich ein Saxofonist mächtig ins Zeug. Drei Laufstrecken treffen hier auf viele Touristen. Wir werden quasi auf einer Woge der Begeisterung über die Brücke getragen. Hinunter zu den Portweinkellern von Vila Nova de Gaia, wie die Stadt auf der anderen Douro-Seite genannt wird. Unsere dritte Ortschaft des heutigen Tages. Das ist Stadtmarathon, wie er besser nicht sein kann. Obwohl ich jetzt gerne mit den 3:15-Pacern schon auf dem Rückweg wäre. Links das grüne Art-Déco-Haus gehört einem Ruderklub. Dessen Aktive werden vorerst ihre langen Boote nicht über die Laufstrecke tragen können. Über uns die Gondeln der Seilbahn, die für 6 Euro Touristen zum Kloster Serra do Pilar oberhalb der Brücke Dom Luis I  bringt.

Überhaupt hört man hier oft von den Einheimischen, dass es zwei Preise gibt: Die portugiesischen und die Touristenpreise. Überall, wo es touristisch schön ist, wird man entsprechend zur Kasse gebeten. In den Lokalen, die vorwiegend von Einheimischen besucht werden, kostet der Kaffee hingegen nur zwischen 0,75 und 1 Euro. Judith und ich haben am Samstag ein Tagesmenü für 5 Euro gegessen, samt Bierchen der hiesigen Marke „Super Bock“ und einem Kaffee danach. Das Stadtgericht heißt „Francesinha“, ein Toast, der mit Schinken, Käse, Fleisch und manchmal auch Garnelen gefüllt und dann mit Käse überbacken wird, nach Art des französischen Croque-Monsieur. Eventuell dann noch Spiegelei drauf und Pommes daneben. Eine echte Kalorienbombe. Powerloading nenne ich das.

Wir sind am Flussufer von Gaia. Am Ende der Bucht liegt eine kleine Werft, Estaleiro do Rabelo, in der die typischen, für den Transport von Weinfässern eingesetzten Boote in Schuss gehalten werden. Mindestens für historische Ausflüge werden sie heute noch verwendet. Auch Kreuzfahrten auf dem Douro mit komfortablen Schiffen werden angeboten. Hinein in große Weinanbaugebiete. Wir müssen uns jetzt ein wenig an alten Gemäuern vorbei quälen. Unter der großen Autobrücke hindurch. Das kleine Fischerdörfchen São Pedro da Afurada taucht auf. Wende, VP Punkt, viele Ausflügler. Auf der Karte ist auch ein großer Strand an der nahen Douro-Mündung verzeichnet. Ich weiß jetzt, dass ich heute an Geschwindigkeit nicht mehr zulegen werde, aber ich bin ja zum Genießen hier. Zeitnahmen gibt es nicht weniger als 12 Stück auf der Strecke.

Zurück in Richtung der Kellereien, die Führungen und Portwein-Verkostungen anbieten. Unter der Autobrücke laufen wir über den Fußweg an einem musikalischen Terzett mit einem rothaarigen Protagonisten vorbei. Judith setzt sich ein wenig ab. Ich bleibe dran. Jetzt wäre ein Foto von einer Weinprobe angezeigt, wie wir sie gestern gesehen haben. Heute ist es dafür anscheinend noch zu früh. Zur Brücke wieder leicht hinauf. Eine große Weihnachtsbeleuchtung wünscht schöne Feiertage. Wie oft im Süden sind die Straßen mit Lichterketten geschmückt. Aber Anfang November werden die noch nicht in Betrieb genommen.

 

 

Am Saxofonspieler nach rechts, Douro-aufwärts.  Ich freue mich auf diesen Abschnitt, da ich dort noch nicht war, aber gelesen habe, dass die Eisenbahnbrücke Ponte Maria Pia anno 1877 von Gustave Eiffel bzw. seiner Firma erbaut wurde und ein Vorbild für die Harbour Bridge in Sydney gewesen sein soll. Naja, schöne Brücke, aber die in Sydney sieht doch anders aus. Dahinter kommt noch eine neue Eisenbahnbrücke für die Schnellfahrstrecke nach Lissabon. Die 275 km dorthin kann man in 2:50 h zurücklegen. Eine Anknüpfung an die spanischen Hochgeschwindigkeitsstrecken ist noch in Planung.

Überraschend weiten sich die beiden Flussseiten. Rechts ein großer Flusssandstrand, der auch gerne genutzt wird. Links eine Band und dahinter zwei kegelförmige Backsteintürme. Leider kann  ich nicht herausfinden, was es damit auf sich hat.

Noch eine Brücke ist in der Ferne zu sehen. Wir dürfen vorher wenden. Die steilen Flusswände sind mit blühenden Clematis übersät, und das Anfang November.

Beim Saxofonspieler beginnt ein noch unbekannter kurzer Laufabschnitt. Diesmal nicht an den Restaurants vorbei, sondern dahinter durch einen kurzen Autotunnel. Über uns liegt die Kathedrale Sé, ein ursprünglich romanischer Sakralbau mit zwei Türmen, dessen Grundstein 1120 gelegt wurde und der später durch Elemente der Gotik und des Rokoko ergänzt wurde. Im Tunnel spielen Fernseher passenderweise das Video zum Sportlerfilm „Chariots Of Fire/Die Stunde des Siegers“ aus dem Jahr 1981.

Hinter dem Tunnel liegt rechts oben der Stadtbahnhof Sao Bento, der für seine „azulejos“ mit Szenen aus dem Landleben und aus der portugiesischen Geschichte berühmt ist. Einer der schönsten Bahnhöfe der Welt, errichtet an der Stelle eines ehemaligen Klosters und erst 1916 vollendet. Heute verkehren hier nur noch Lokalbahnen.

Aber da müssen wir nicht hin. Geradeaus geht es über das bekannte scharfkantige Kopfsteinpflaster weiter bergan. Vor uns der Palácio da Bolsa, ein neoklassizistischer Prunkbau nach italienischem Vorbild aus dem frühen 20. Jahrhundert, der als Börse und Handelsgericht diente.

Oberhalb der Mercado Ferreira Borges, eine Metallkonstruktion aus dem späten 19. Jahrhundert, die nur kurz ihrer Bestimmung als Markthalle diente und heute ein Kulturzentrum und das Restaurant „No Mercado“ beherbergt. Die Figur auf dem Sockel in der Platzmitte stellt Heinrich den Seefahrer dar, Begründer des Reichtums der portugiesischen Seemacht und Sohn von König Joao I und der englischen Prinzessin Filipa de Lencastre, die 1387 in der Kathedrale von Porto geheiratet und damit die lukrative Handelsbeziehung mit England besiegelt hatten.

Der VP gehört eigentlich zum Hinweg, es gibt aber noch alles. Und wieder dieses Zuckergel, dessen Tütchen ich nicht öffnen kann. Bergab jage ich Judith hinterher.

Was folgt ist bekannt. Man kann sich die Zeit gut mit dem Betrachten der unterschiedlichen Bauwerke vertreiben. Einige Ausflugsdampfer kommen vorbei. Auch die historischen Straßenbahnen fahren nun. War 2003 nur eine Linie übriggeblieben, sind inzwischen die sehr alten historischen Zweiachser wieder auf drei Linien unterwegs. Besonders bergauf ist die Fahrt ein Erlebnis. Die Linie 1 fährt eingleisig hier am Douro entlang. Dort liegt auch der Betriebshof samt Museum, an dem wir nun vorbei kommen. In der offenen Halle stehen noch einige Wagen.
Anscheinend gibt es neben den Touristen immer noch Einheimische, welche die Wagen nutzen. Da gilt dann auch die Chipkarte der Verkehrsbetriebe. Vielleicht wird man in einigen Jahren den Takt und das Netz wieder erweitern. Geplant ist eine Verlängerung bis Matoshinos. An einigen Stellen hat man schon mal vorsorglich die Gleise verlegt.

 

 

Kurz vor der Festung  São João Baptista da Foz wieder dieser sympathische Alleinunterhalter. Spielt der gerade was von Julio Iglesias? In Portugal? Das wäre fast so wie Rudi Carrell in Deutschland. Die wenigen Kurven nehme ich auf der Ideallinie. Ich komme gut voran, kann viele Geher überholen. Noch vier läppische Kilometer. Schön, dass auch die lange Gerade keine zwei Kilometer lang ist. So wird die Strecke nie eintönig. Am 40er-VP noch mal schnell nachtanken, dann weiter. Das Reiterstandbild rückt immer näher. Noch mal unter dem Startbogen hindurch. Eine Woge von Finishern hilft uns das Zielhügelchen zu meistern, 42 km. Die letzten 200 Meter sind flach. Unter vielen Zielbögen geht es hindurch. Ich bleibe wie erhofft gut unter 4:20 h. Judith wartet auf mich.

Die Medaille ist mal wieder etwas Besonderes: Sie zeigt die Ponte Dom Luis I samt einer drehbaren „Marathon – 42k“-Rosette.

Lidl spendiert eine Stofftasche mit einigen Köstlichkeiten, Bananen aus Madeira kann man nachfassen. An einem Stand kann man zwischen drei unterschiedlichen „Super Bock“- Bieren wählen. Alle mit Alkohol, wie die dort tätige Dame versichert. Egal. Wir treffen einige Läuferinnen und Läufer, die wir von deutschen Marathons her kennen. Zu guter Letzt gibt es noch ein Finisher-Laufhemd von Joma mit langen Ärmeln.

Der Porto Marathon ist zusammen mit der Stadt eine Wochenendreise wirklich wert. Das Preis-Leistungsverhältnis (Rucksack, zwei Hemden) für 45€ – 85€ (Nachmeldung: 125€ VIP) ist sehr gut. Die Strecke ist schnell, es gibt viel zu sehen, die Stimmung ist gut und Zuschauer sind an einigen Stellen sehr zahlreich vorhanden: perfeito!


Marathon Siegerinnen

1 Bontu Bekele Gad        ET        02:33:38         
2 Mestawot Tadesse        ET        02:39:14         
3 Genet Getaneh        ET        02:40:59    

Marathon Sieger

1 Deso Gelmisa        ET        02:09:08         
2 Victor Kiplimo        KE        02:10:56         
3 Debele Belda        ET        02:14:22    

Finisher

Fun-Race 6 km    ohne Zeitnahme
Family Race 15 Km    2.276 (43 Deutsche)
Marathon:        3.863 (Wertungen bis 6:30 h)
            109 D, 15 A, 17 SUI

 


 

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