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Laufberichte

Hong Kong Marathon

24.02.13

Habe mir ja so meine Gedanken gemacht: 20 Meter unter dem Meer laufen? Enger Tunnel? Keine Luft? Kilometerlang? Der Untertagemarathon in 500 Meter Tiefe wäre sicher nichts für mich. Ist hier aber absolut nicht schlimm. Der Abstieg nach der Mautstelle ist unauffälIig. Im Tunnel stehen  viele Helfer. Zwölf Tunnelsegmente werden auf dem Meeresboden zusammengesetzt. Davon merkt man aber nichts, die Konstruktion scheint wasserdicht zu sein. 1,5 km später geht es bergauf und wir sehen wieder Tageslicht.

Nun muss man sich wieder auf eine Hochautobahn hochquälen. Viele Halbmarathonis gehen. Dafür ist der Blick auf Kowloon sehr schön. Jetzt wird es mir auf einmal ganz anders: Ich laufe wie in Trance. Habe quasi weiße Wölkchen im Kopf. Eigentlich nicht schwach, aber müde. Und dann dauernd dieser Gestank von der Salbe. Ich will den deutschen Tannennadelduft! Interessante Erfahrung. Laufe einfach Judith hinterher. Welche Farbe hatte doch gleich ihr Hemdchen?
Rechts sieht man den oberen Teil des Western Market. Eines der wenigen alten Gebäude, die der Abrissbirne nicht zum Opfer fielen.

Am Anleger der Star Ferry vorbei. Hier legen die Fähren  nach Kowloon ab, für alle, die nicht durch die Tunnel laufen oder fahren wollen. Auch mit der U-Bahn geht es recht schnell. Aber so klassisch mit dem Fährboot? Sehr schön und sehr günstig (20 Cent), besonders bei Dunkelheit (um 20:00 Uhr größte Lightshow der Welt). Viele Zuschauer. Ich winke, und dann passiert es: Die Zuschauer flippen fast aus: applaudieren, schreien, jubilieren. Daran sollten sich die Neapolitaner mal ein Beispiel nehmen (siehe Neapel-Bericht!).

Vor uns der Apple-Store im riesigen Einkaufszentrum IFC. Sieht auf wie überall auf der Welt, bis auf die Kunden. Preise: Sage und schreibe 18 Prozent günstiger als bei uns, kommt ja auch aus der Nähe, gleich hinter der Grenze in der VR China. Da lohnt es sich sogar mit 15% Zoll. Auch sonst sind viele elektronischen Geräte günstiger als bei uns. Aber nicht alle. Man sollte sich auskennen. Essen in kleinen Garküchen ist viel günstiger, in Lokalen für Ausländer teurer als bei uns.

Wo Touristen gehäuft auftreten, gibt es auch Leute, die einen mit „Copy-Watches“ ködern wollen. Hier kann man also gefälschte Schweizer Uhren kaufen – meist direkt neben den Läden mit der Originalware. Ich trage ja eher GPS-Uhren. Und noch ein Hinweis: In Hongkong ist der GPS-Empfang extrem schlecht. Habe mal gelesen, dass die Volksrepublik China  den GPS-Empfang auf ihrem Territorium verbietet. Die Hersteller müssen dann den Empfang abriegeln. Hongkong hat da wohl so eine Randstellung. Auch GPS auf dem Handy funktioniert nicht richtig. Unbedingt GPS-Uhr frühzeitig einschalten und ansonsten auf gedruckte Karten ausweichen (so wie in unserer Jugend).

Weiter auf einer neuen Straße durch Baugebiet (Reclamation Area). Wenn man jetzt wirklich mal meckern möchte, dann darüber, dass die Veranstalter uns nicht zwischen den Hochhäusern laufen lassen, an der Straße mit der weltberühmten Doppelstocktrambahn. Das wäre sicher stimmungsvoller.

Stimmung kommt leider erst ab km 41 (!) so richtig auf. Wir laufen durch eine Einkaufsgegend. Hongkong-Feeling wie man es von Bildern kennt: Riesige Werbetafeln über der Straße. Viele Zuschauer. Das mit dem Winken funktioniert auch hier. Links und rechts Menschen in Hunderterreihen. Die warten darauf, dass die Polizei sie die Laufstrecke queren lässt. Haben also gar nichts mit uns zu schaffen. Klatschen trotzdem. Die nächste Lücke kommt sicher in ein paar Stunden. Ein Tipp an die Hongkonger: Auf der Bauma-Messe in München kann man mobile Fußgängerbrücken kaufen! Oder man baut welche aus Bambusstäben, mit denen hier in Hongkong die höchsten Wolkenkratzer eingerüstet werden.

Dann der Victoria-Park. Die letzten 200 Meter bis ins Ziel läuft man über einen Teppich in  Grün und Blau. Das sind die Farben der Standard Chartered Bank, die hier als Hauptsponsor auftritt. Superschön.

Hochwertige Medaille. Verpflegungstüte aus Stoff mit Marathonaufdruck: Da werden die im Supermarkt zu Hause aber Augen machen.

Ausruhen auf einem der vielen Sportplätze. Neben uns eine Läuferin mit nettem Bär und Pokal; sie belegte in 3:27 h den zweiten Platz in ihrer Kategorie. Ihr Begleiter war schneller, ging aber leer aus. Zeige kein Mitleid, geht mir mit Judith auch manchmal so, wenn auch in einer anderen Altersklasse. Irgendwo müssen die Frauen ja auch mal Vorteile haben. Die Preisgelder sind übrigens für Männer und Frauen gleich, woran sich andere Veranstalter – auch in Deutschland- ein Beispiel nehmen könnten.

Sieger Julius Maisei aus Kenia hat es nach einem zweiten Platz im Jahr 2012 diesmal auf Platz eins geschafft:

Sein Resümee:

Schwierige Strecke mit einigen Höhenmetern, anstrengende Tunnel. Seinen Gewinn, so erzählte er einer Tageszeitung, wird er sofort in eine Teeplantage investieren, da er Banken nicht traut. Das dürfte der  Sponsor nicht gerne gehört haben.

Unser Resümee:

• Interessante Strecke mit tollen Ausblicken, hügelig (vielleicht 300 Höhenmeter)
• Brücken in Straßenmitte auch für nicht Schwindelfreie zu laufen. Tunnel sehr breit, hoch, gut belüftet und nicht zu lang.
• Der makelloseste Straßenbelag, auf dem wir je gelaufen sind (nagelneue Autobahnen). Vorsicht nur vor den Katzenaugen auf den Mittelstreifen.
• Zuschauer nur vereinzelt und auf dem letzten Kilometer. Keine Musik, gelegentlich Läufer mit Radio (chinesisches Gedudel)
• sehr viele Verpflegungspunkte mit Motivation durch die Helfer
• sehr gut organisiert, zwei sehr gute Infobroschüren
• sehr wenig internationale Teilnehmer
• günstig
• Marathon war dieses Jahr nach drei Tagen ausgebucht. Anfragen könnten helfen, es gab auch einen Nachmeldeschalter. Internetauftritt wurde erst sehr spät aktualisiert.
• Marathonmesse eine Woche vor dem Lauf (zeitgleich mit der Startnummernausgabe für einheimische Läufer). Overseas-Läufer bekommen die Unterlagen am Freitag und Samstag
• Funktions-T-Shirt. Erinnerungsplakette, Medaille, Marathon-Jutetasche.
• Getrennte Ergebnislisten für alle Startblöcke.

Hongkong, einige persönliche Tipps:

Bootsfahrt auf eine der vielen Inseln, z.B. Lamma-Island
- Nan Lian Garden-Park an der U-Bahnhaltestelle Diamond Hill, wunderschöne Anlage. Danach essen im Einkaufszentrum Plaza Hollywood (super Food Court mit vielen Restaurantständen)
- Hongkong hat viele ausgezeichnete Wanderwege mit gutem Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel
-  Walled City Park mit Museum. Hier befand sich ein Stadtteil, der kurioserweise stets außerhalb der britischen Legislative blieb und bis zum Abriss 1992 der dichtest besiedelte Fleck der Welt war. 
-  Ausflug nach Macao. Wirkt immer noch sehr portugiesisch.
- Ausflug nach Guanghzou (Kanton). Typische VR China-Großstadt. Zoo mit Pandabären.
-  Auf der Fahrt dorthin: Shenzhen: Noch größer und moderner. Hier kommen viele Produkte her, die wir in Deutschland kaufen.
- Thailand, Malaysia oder Vietnam bieten sich für einen Anschluss-Badeaufenthalt an.

Ergebnisse Männer
1. Julius MAISEI, Kenya 02:14:18
2. James Kariuki Mbugua, Kenya 02:14:28
3. Deribe Robi, Ethiopia 02:14:37

Ergebnisse Frauen
1. Misiker DEMISSIE, Ethiopia 2:30:49
2. Makda Harun, Ethiopia 2:31:20
3. Shitaye Gemechu, Ethiopia 2:33:34

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