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Laufberichte

90. Košice Peace Marathon: Treff mit Freunden

06.10.13 Special Event
 

Vor km 9 fällt treffe ich auf einen Läufer, der offensichtlich eine Badehose oder gar einen schwarzen Slip als Ersatz für eine Sporthose trägt. Man muss mit allem rechnen, vielleicht will er auch seine Oberschenkel auf diese Weise besser zur Geltung bringen.

Der nächste Bekannte taucht auf, knapp vor km 13. Es ist kein geringer als der 74-jährige Jiří BŘEZINA aus Tschechien, der für sein Alter super läuft. Heuer bei einem Doppelmarathon mit Ernst Fink in Tschechien hängte er mich am zweiten Tag ausgerechnet auf den letzten 8 km abwärts um 6 Minuten ab – er allerdings ausgeruht, während wir nach dem anstrengenden Bergmarathon von Ramzova nach Skritek 90 km mit dem Auto nach Rychnow zur nächsten Marathonveranstaltung mit mehr als 1000 Höhenmetern anreisen mussten. Heuer könnte die Revanche gelingen. Ich sage „Dobrý deň!“ zu Jiří und laufe langsam an ihm vorbei. Auf der anderen Straßenseite sieht man die schnelleren Läufer, die um einige Minuten vor uns liegen.

Die Strecke außerhalb des Zentrums weist einige kleine Steigungen auf, eine Unterführung und etliche langgezogene Anstiege. Den 15-Kilometerpunkt erreiche ich nach 1:38 Stunden, bei den Steigungen habe ich ein wenig Zeit verloren. Doch die von mir Überholten bleiben hinten. Ich passiere Kilometer 17, 18, 19. Ein Polizeiauto fährt knapp neben den Läufern, es kündigt die schnellen Afrikaner an. Man stelle sich vor: Während man selbst mit 6:15 min/km „dahinschleicht“, laufen die Leichtgewichte doppelt so schnell. Sie sprinten an uns mit geschätzten 3:30 min/km vorbei, dass man nicht einmal ein Foto zusammenbringt.

Nun geht es wieder stadteinwärts die Hlavná ulica entlang. Links und rechts der Laufstrecke stehen Tausende Zuschauer. Fast ganz Košice scheint versammelt zu sein, man klatscht, jubelt den Läufern zu. Ich kenne Städtemarathons, wo kaum mehr als eine Handvoll Zuschauer anzutreffen sind. Auf der geteilten linken Straßenseite kommen uns die bisher vor uns liegenden Läufer nach der Wende bei Kilometer 21 entgegen, vor mir versuchen etliche bisher im gleichen Tempo laufende Halbmarathonis noch etwas Boden gut zu machen. Auch ich laufe nun schneller, schließlich geht es leicht abwärts. Die Schnappschüsse erfolgen diesmal wirklich im vollen Lauf. 2:17 Stunden zeigt die Digitaluhr in Zielnähe an, 2:15 beträgt meine Nettozeit. Optimal wären 2:12 gewesen, aber mit 2:15 Stunden bin ich zufrieden.

Jetzt geht es auf die zweite Runde stadtauswärts. Ich habe auf der ersten Kraft gespart, nun bin ich an der Reihe: Überholen macht Spaß. Nach Kilometer 22 kommt auf der linken Seite stadteinwärts die erste Frau entgegen, ebenfalls eine Schwarzafrikanerin, die wahrscheinlich unter 2:30 finishen wird – was übrigens noch keiner Läuferin aus Österreich gelungen ist. Die Ärztin Dr. Andrea Maier siegte 2009 beim Vienna City Marathon mit 2:30:43.

Ich packe nun die Digicam in die Tasche, auf der Strecke ab km 25 bis 30 ist wenig zu sehen. Mir fällt nur ein laut schreiender Mann mit einem bunten Singlet in den Nationalfarben Südafrikas auf, der zu den Zuschauern hinüberruft: „I’m from South Africa, I just came here to run the marathon…“ Ich bleibe kurz stehen, mache ein Foto von ihm und wünsche ihm viel Erfolg auf den letzten 12 km. Eine Zeitlang versucht er an mir dranzubleiben, fällt dann aber zurück. Doch nun kommt jemand von hinten, der es auf mich abgesehen hat. Es ist Vladimíra OLLÉOVÁ, die junge Frau mit dem ästhetisch anmutenden, lockeren Laufstil. Nun bewahrheitet sich, was ich seit Jahren feststelle: Wer bei einem Marathon konstant sein Tempo halten kann, der rollt das Feld auf der zweiten Hälfte von hinten auf und rückt im Endklassement viel weiter nach vorne. Aber sie ist die Einzige, die mich überholt.

Nach Kilometer 32 taucht vor mir der nächste gute Bekannte auf. Es ist der Veranstalter des Nationalen Marathons Bratislava-Devin-Bratislava. Auf seinem Laufshirt hat er eine Ankündigung für das kommende Jahr aufgebügelt. Einige Freunde und ich sind dort heuer am 2. September gelaufen. Dr. Jaroslav Sopuch ist ein netter Typ. Herbert Orlinger pflegt mit ihm E-Mail-Kontakt. Jaroslav macht auch gute Figur als Trommler beim klassischen Bratislava-Marathon in der 3. Märzwoche. Bei seinem Auftritt zeigt er sich mit einer riesigen Fahne der Slowakei über die Schultern gelegt und jubelt allen zu. Ich bleibe stehen, sage „Servus“ und drücke seine Hand. Auch er ist überrascht, dass ich von hinten kommend die langgezogene Steigung so locker bewältige. In Bratislava war er am 2. September Aufsichtsorgan. Er fuhr mit dem Auto hinterher, hielt an und fragte mich bei km 37, ob alles in Ordnung sei und ich weiter laufen könne. Schlusszeit des Marathons waren 5:30 Stunden, bei km 37 hatte ich noch 40 Minuten Guthaben – allerdings bis zur 5 Stunden-Marke. Es war an diesem Tag ziemlich heiß, auch meine Kollegen lagen ca. eine Viertelstunde über ihren Vorgaben. Mit 4:54:32 wurde ich immerhin noch Vorletzter, der Letzte im Feld benötigte eine halbe Stunde länger als ich. Heute Abend werde ich in der Ergebnisliste nachsehen, wieweit der Jaro hinter mir liegt.

Gleich danach laufe ich auf einen weiteren Bekannter auf. Der Mann vom Spider Team Levice bringt es laut Aufdruck auf seinem Shirt auf 200 Marathons. In Bratislava hat er mich bei km 30 überholt. Heute bin ich dran. Das ist alles unter einem sportlichen Gesichtspunkt zu sehen. Jeder tut sein Bestes, einmal hat der einen guten Tag, beim nächsten Male der Gegner.

Die 35 km-Distanz erreiche ich laut meiner Garmin nach 3:49 Stunden. Ich liege passabel im Rennen, zumindest was mein Vorhaben betrifft, ev. knapp unter 4:40 zu finishen. Für die letzten 7 Kilometer stehen mir noch 51 Minuten zur Verfügung. Rechne ich 7 min für den Kilometer, wären das 49 Minuten. Ich gebe mir einen Ruck, versuche ein wenig „schneller“ zu laufen. Die Zuschauermassen haben sich nach 14 Uhr fast völlig aufgelöst. Es sind nur mehr vereinzelte, die an der Absperrung stehen.

Es geht etwas abwärts, da kann man das Tempo erhöhen. An den Sehenswürdigkeiten der Stadt geht es nun das zweite und letzte Mal für heute vorbei. Das Ziel ist nur mehr 300 m entfernt. Ein junger Mann will mich überholen, das lasse ich nicht zu. Von weitem sehe ich die Bruttozeit – 4:42:16. Wird es sich ausgehen? Ich bleibe um eine einzige Sekunde unter 4:40 – ich finishe mit 4:39:59 den 90. Košice Peace Marathon.

Im Zielbereich halte ich mich nur kurz auf. Ein Ordner macht von mir 2 Fotos mit umgehängter Medaille. Ich vergesse meinen Leihchip abzugeben. Grund ist, dass niemand im Ziel für die Rückgabe zuständig ist. In den Instruktionen erfährt man nicht, wer wo den Chip entgegennimmt. Die gestern bezahlte Kaution von 5 Euro ist eine Sicherstellung. Ich werde aber trotzdem eine E-Mail schreiben und nachfragen, vielleicht fehlt er den Veranstaltern. Ich gehe neben der Lauftrecke ins Hotel Ambassador zurück. Es kommen noch viele Läufer nach, doch die in der Stadt lebenden Menschen nehmen nur mehr wenig Anteil am Geschehen.

Mein Fazit:

Der 90. KPM war bestens organisiert. Für die relativ geringe Gebühr von 35 Euro für Erststarter bekam man einen adidas Tragebeutel, ein schönes Funktionsshirt ebenfalls von der Sportartikelfirma mit den 3 Streifen und einen Bon für die Pasta-Party. An den Labestellen gab es ausreichend Wasser, Iso, Bananen- und Apfelstücke sowie Kekse.

Meine Lauffreunde bzw. Bekannten erreichen folgende Zeiten:

Sigi SCHOELL: (M-40, Jg. 1969): 3:31:49 (Bestzeit in diesem Jahr)
Vladimíra OLLÉOVÁ: (WOM, Jg. 1979): 4:34:48
Jaroslav SOPUCH (M-60, Jg. 1946): 4:44:40
Jiří BŘEZINA:(M-70, Jg. 1939): 4:47:18
András MACZÓ: (M-60, Jg. 1949): 5:57:20

Sieger bei den Herren (kein neuer Streckenrekord):

1. Patrick Kiptanui KORIR (KEN): 02:09:34
2. Gezahegn A. ABEBE (ETH): 02:09:39
3. Elisha Kiprop BARNO (KEN): 02:09:42

Siegerin bei den Damen:

1. Ashere Bekere DIDO (ETH) (neuer Streckenrekord): 2:27:44
2. Marta Lema MEGRA (ETH): 02:27:59
3. Lemelem Berha YACHEM (ETH): 02:29:39

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