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Laufberichte

Iserlohn auf die Beine geholfen

25.04.09

Ein sommerliches Lauffest gab es am 25./26.04. am Seilersee in Iserlohn. Alle waren angesprochen und kamen: Kinder, Menschen in den besten Jahren und Ältere, besonders die Liebhaber  ganz langer Strecken: der 24-h-Benefizlauf.

Nachdem Bernd Nuß vor einem Jahr seinen 60. Geburtstag mit einem 24-h-Lauf sowie Kinder- und Staffelläufen gefeiert hatte zur Freude vieler Sportler und solcher, die es noch werden können, kam dieses Jahr eine größere Neuauflage. Für das nächste Jahr ist eine Wiederholung geplant: Da entsteht eine Institution.

Die Strecke führt  1,8 km um den See herum. Wer in der Zeit die meisten Kilometer schafft, ist Sieger, ohne wenn und aber. Das Abenteuer, dass man sich den Weg suchen  muss und sich dabei vielleicht verläuft, entfällt. Deshalb bevorzugen viele Läufer solche kurzen und übersichtlichen Strecken aber auch, weil man seine Ausrüstung immer nahe dabei hat. 

Ein weiterer Vorteil: Es ist für die Organisation unwesentlich, ob ein Läufer nun viele oder wenige Runden macht. Das ist anders als bei Streckenläufen, bei denen die Helfer an den Verpflegungspunkten schon mal lange warten müssen, bis die letzten Langsamen ankommen, weshalb es manchmal Cut-off-Zeiten gibt. Allerdings fehlt bei Stundenläufen der Anreiz, eine ganze Strecke durchzuhalten und ins Ziel zu kommen. Es kann sein, dass man bequem und gemütlich wird und sich zu oft zu Pausen zurückzieht.

Und Stundenläufe sind alten- und behindertenfreundlich. Hier waren etliche Teilnehmer um die 70 Jahre, und, soweit ich erfahren habe, waren an Behinderungen neben Schäden am Rückgrat Blindheit, ein künstlicher Blasenausgang und eine Hüftgelenksprothese zugegen, mit der ungefähr die dreifache Marathondistanz bewältigt wurde.

Von Laufveranstaltungen, wenn sie gut sind, geht ein Sog aus: Mitmachen wollen. Fast 400 Kinder liefen dieses Jahr am Seilersee. Dazu kamen viele Teams von Staffelläufern unterschiedlicher Zusammenschlüsse: von Feuerwehren und Sportvereinen, dann je eine Staffel von Hundeausbildern, Physiotherapeuten (sie massierten auch zwischendurch), den Stadtwerken und von einer Anwaltskanzlei, und alle waren 24 Stunden dabei. 67 gelistete “Einzelkämpfer” liefen, dazu einige Free Runners.

Der Seilersee wurde vor knapp 100 Jahren zur Wasserzufuhr für die Kanalisation Iserlohns angestaut. Eine Autobahnbrücke führt jetzt darüber. Er ist ein urbaner See mit Tretbooten, Schrebergartenidylle, Buchenwald, Eishockeystadion, Ausflugslokalen - eines davon frisch abgebrannt - sowie einem Sportplatz, der dieses Jahr als Zentrum und Festplatz einbezogen war, zusammengefasst: eine angenehme, abwechslungsreiche Strecke mit leichten Höhenunterschieden.

Den Abend zuvor war ich im Theater bei einem Tanzabend. Das Thema war Leistungsdruck, Abwählen und Ausgrenzen. Die Ausgeschlossenen tanzten, indem sie ihre Körper nahezu verknoteten, bewegend ihre Verzweiflung. Der Transvestit, der den Demütiger darstellte, sagte einmal: “Ich will ja gar nicht Erste sein, ich will nur meinen Spaß haben!” Sie (oder er) gab Anderen die Ziele vor, schloss sich aber selbst davon aus und wollte nur Spaß. Was lernt man daraus? Es ist schon gut, wenn man sich seine eigenen Ziele setzen kann und sich keine unpassenden überstülpen lässt. Der Ausspruch des Transvestiten war dann auch mein Motto für die Tage darauf. Allerdings war der Spaß recht anstrengend.

Mein Ziel, meine ca. 122 Kilometer vom letzten Jahr zu wiederholen, habe ich genau erreicht. Es war wieder eine Übung zur Selbstdisziplin und zum Umgang mit Müdigkeit und Erschöpfung. Dazu habe ich zwischendurch in meinem Auto, das ich direkt an der Strecke parken konnte, ein wenig geschlafen. Einteilung der eigenen Ressourcen und ein guter Umgang mit dem Körper sind da wichtig, wie im täglichen Leben.

Die Herzlichkeit und die Fürsorge für die Läufer waren überwältigend. Das waren optimale Rahmenbedingungen. Das Buffet war einzigartig, denn man hatte das Edeka leergekauft und nicht gespart. Eine solche Auswahl von Getränken, süßen und salzigen Häppchen, kalten und warmen Speisen habe ich in meinem nunmehr schon ziemlich langen Läuferdasein noch nicht  erlebt. Und es gab ein umfangreiches Rahmenprogramm: Spinningräder waren aufgebaut und konnten unter Musik und Anleitung benutzt werden, Cheerleader traten auf, es gab Taekwondo-Vorführungen.

Der Sieger Dr. Stefan Weigelt bekam 204 Kilometer zusammen. Über 200 Kilometer gelten als eine Art Ritterschlag. Da staunte die Bundestagsabgeordnete, die die Siegerehrung vornahm. Die Siegerin Anke Drescher - nicht ganz in Höchstform - erreichte 166 Kilometer.

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