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Laufberichte

Köln gibt Gas

 

Ich stehe im 30. Laufjahr und habe es bisher nicht geschafft, in Köln den Marathon zu laufen. Berlin, Hamburg, München, da ist mir das Asphaltpflaster bestens bekannt, doch in der bevölkerungsreichsten Stadt in Nordrhein-Westfalen? „Das wird höchste Eisenbahn“, sagt einer meiner Vereinskameraden, dessen Arbeitgeber die DB ist.

Mit der fahre ich für wenig Geld nach Köln. Einen Unterschlupf finde ich in der Jugendherberge Köln-Deutz, die rechtsrheinisch liegt und nur ein paar Gehminuten von der Hohenzollernbrücke entfernt ist. Mit Glück kann ich dort noch unterkommen, denn beim Marathonwochenende ist die bis unters Dach ausgebucht.

Nach dem Frühstück will ich als erstes auf die Messe und mir die Startunterlagen abholen. Ich wähle nicht den schnellsten Weg per U-Bahn und Straßenbahn, sondern gehe zu Fuß. Die Hohenzollernbrücke ist meine erste Station. Zwischen 1907 und 1911 wurde die Brücke für die Eisenbahn und den Automobilverkehr errichtet. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie von den Deutschen zerstört und in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut. Eine wesentliche Verbesserung erbrachte dann der Bau einer zusätzlichen Brücke. So fahren heute über 1200 Züge über das Bauwerk mit dem meisten Eisenbahnverkehr in Deutschland. Vier Reiterstandbilder (König Friedrich Wilhelm IV und die Kaiser Wilhelm I, Friedrich III und Wilhelm II) zieren die Brückenrampen. Auf beiden Seiten können Fußgänger und Radfahrer den Rhein überqueren. Auf dem Fußweg marschiere ich direkt auf den Kölner Dom zu.

 

 

Mit dem Bau des Doms wurde 1248 nach den Plänen von Dombaumeister Gerhard von Rile begonnen. Über 300 Jahre wurde an dem Gotteshaus gewerkelt, dann ließ die Bautätigkeit stark nach und später ging nichts mehr voran. In der Folge verfiel der Dom zunehmend, so dass man sogar einen Abriss erwog. Wenn der Dom fertig sei, werde die Welt untergehen, so sprach man damals recht ironisch. Doch 1842, in dem Jahr wurde der Zentral-Dombau-Verein zu Köln gegründet, wurde mit Geld vom Staat Preußen und nach der Grundsteinlegung von König Friedrich Wilhelm IV und Bischof Johannes von Geissel der Weiterbau und die Fertigstellung begonnen. Am 15.10.1880 wurde das Ende des Baues festlich gefeiert. Heute ist es wie überall bei großen alten Bauwerken. Man fängt an einem Ende an zu sanieren bis man einmal herum ist. Und dann geht es wieder von vorne an. Wer in einer Dombauhütte beschäftigt ist, dem geht die Arbeit Zeit seines Lebens nicht aus. 1996 wurde der Kölner Dom zum Weltkulturerbe ernannt. Ein Besuch des Gotteshauses gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Besuchers der Stadt.

Mein Weg führt mich weiter durch den verkehrsberuhigten Bereich der Hohen Straße, eine fast 700 Meter lange Fußgängerzone, wo sich ein Geschäft neben dem anderen findet. Und es wird auch richtig viel Geld umgesetzt: Man findet sich hier auf Platz 8 der meistfrequentierten Einkaufsstraßen in Deutschland. Noch mehr Umsatz wird in der Schildergasse (Rang 4) erzielt, die hinter der Zeil (Frankfurt) und der Kaufinger und Neuhauser Straße (jeweils München) liegt. Am Ende der Schildergasse sehe ich dann den Neumarkt (Straßenbahn- und U-Bahn-Station). Der „Nümaat“, so der Kölner zum größten Platz in der Altstadt, hat 8600 Quadratmeter Nutzfläche. Weihnachtsmarkt, Zirkusvorführungen und dergleichen finden hier statt. Und erst seit kurzer Zeit werden hier die Startnummern ausgegeben und es gibt sogar eine Laufmesse. Im Vergleich zur Anzahl der Sportler, die morgen am Laufevent mitmachen, ist die Messe eher klein gehalten. Aber verhungern und verdursten braucht deshalb keiner, denn es stehen einige Foodtrucks bereit.

Ich bin erst auf halben Weg beim Erkunden der Läufermesse, da klopft mir einer von hinten auf die Schulter: Dirk Pretorius, der bei der Nummernausgabe hilft und mich gleich zu einem Vormittagsgetränk („wir trinken jetzt ein Kölsch, das kennste noch nicht“) überreden will. Doch vorher werden die essentiellen Dinge erledigt. Startnummer, Kleidersack (in Rucksackqualität) und dann wird noch das eigens georderte Shirt von mir in Empfang genommen. Die Anrainer sind froh über die Aktivitäten am Neumarkt, so werden doch die „Nümaatsbroder“ abgehalten, sich hier aufzuhalten. Das sind Müßiggänger, die hier herumlungern, trinken  und mit Drogen dealen.  

Dann will ich noch etwas von der Altstadt sehen. Ich lasse mich am Rhein bis zum Rheinauhafen mit dem Schokoladenmuseum treiben, dann laufe ich entlang der früheren Stadtmauer bis zum Rudolfsplatz. Zwei, drei Stunden dauert mein Spaziergang, die Füße maulen.  Bei 25 Grad Temperatur ist man kurz vor einem Schweißausbruch.

Am nächsten Morgen klingelt kurz vor 07.00 Uhr mein Wecker. Die anderen drei Mitbewohner befinden sich noch in ihrer Schlummerrunde.  Nach einem kleinen Frühstück mache ich mich fertig und haue mich in Laufkleidung auf die Pritsche für ein kleines Frühstücksnickerchen. Doch an Ruhe ist nicht zu denken, denn die lautstarke Moderation vor dem Halbmarathonstart (um 08.30 Uhr) dröhnt zum gekippten Fenster herein.

Gegen 08.15 Uhr verlasse ich die Jugendherberge durch den Hintereingang und stehe nach einer Minute vor dem Bahnhof Deutz, wo die meisten Teilnehmer aus den Öffentlichen aussteigen. Die Startnummer berechtigt zur kostenlosen Nutzung des ÖPNV. Fast im Minutentakt kommen die Bahnen an und haben die gut 6000 Marathonis und 12000 Halbmarathonis hertransportiert.

 

 

Große Wegweiser erleichtern uns die Orientierung. So werden wir für die Abgabe der Klamotten zum Radweg, der zur Hohenzollernbrücke führt, geschickt. Dort warten Lkw des Logistikers UPS. Ich gebe meinen Rucksack ab. Die Klamotten werden in Richtung Ziel gefahren, wo wir sie wieder in Empfang nehmen können. Dazwischen liegen dann 42,195 Kilometer, die sehr flach durch die Stadt führen. Maximal 14 Höhenmeter weist der Kurs auf. Ein schnelles Pflaster!

Ich begebe mich zum Ottoplatz, wo sich die Zeitläufer für die letzte Absprache treffen. Für einige Bilder reicht meine Zeit. Krista vom Pacerteam hat einen Handbesen dabei, mit dem sie die Letzten ins Ziel kehren will. Schaun mer mal. Die Stimmung aus lauter Mitklatschmusik und letzten Infos brodelt über. Man glaubt fast im Bierkönig auf Mallorca zu sein, oder auf einer Prunksitzung im Karneval. „Sha-La-La-La-La-La aus der Stadt mit K(a)“ wird gesungen, die Leute schunkeln. Letzte Sekunden, dann geht der erste Block unter Strom mit Hells Bells von AC/DC auf die Strecke. Wir folgen in einigen Minuten Abstand um 10.03 Uhr. Ich überquere die Zeitmatte, die Uhr läuft.

Wir verlassen den Ottoplatz mit dem Bahnhof Köln Messe/Deutz auf der Mindener Straße. Zur Kölner Messe und zur Lanxess arena ist es nur ein Katzensprung. Die Einteilung in mehrere Blöcke ist angebracht, denn würde man alle auf einen Sitz loslassen, ginge es ohne Ellenbogenchecks nicht ab. Noch vor dem ersten Kilometer laufe ich auf die Deutzer Brücke. An der Stelle errichteten bereits die Römer um 310 herum eine Holzbrücke, die auf steinernen Pfosten ruhte. Die heutige Brücke wurde endausgebaut im Jahr 1976/1980, da kam ein zweiter Übergang in Spannbetonweise hinzu. Die Aussicht auf Rhein, den Dom und die Kirche Groß St. Martin ist  ähnlich spektakulär, wie der in Frankfurt von der Alten Brücke auf die Skyline.  

Der erste Kilometer ist am Heumarkt, ein zentraler Platz in der Altstadt, geschafft. Ich sehe das Brauhaus zur Malzmühle und bin gespannt, ob der Bayer in Köln sein eigenes Manna bekommt. Mit einem Schlenkerer laufen wir nun an den Rhein heran. Rund fünf Kilometer geht es entlang des „Vater Rhein“. Am Malakoffturm (um 1850 zur Sicherung des Rheinauhafen errichtet) vorbei geht es in Richtung Süden. Die ehemalige Hafenanlage hat seinen eigenen Zweck im Laufe der 1950er Jahres verloren. Das Gebiet wird heute als Wohn-, Büro- und Gewerbeanlage benutzt. Hier liegt an der Wasserlinie des Schokoladenmuseum, das mir Dirk als Besuchstipp vorgeschlagen hat. Daneben sehen wir das ehemalige Preußische Zollamt. Das Olympiamuseum ist auch fußläufig erreichbar. Ebenso die Kranhäuser, drei große, architektonisch eigenwillig gebaute Gebäude. Ich kann den Baustil gar nicht beschreiben.

Überhaupt, es gibt hier viel zu sehen. Gleich auch den ersten Jeck, laufenderweise mit Narrenhut: Arno vom Verein Funken Feinripp, das letztere hat er aber nicht am Leib. Ich werde den Arno noch öfter sehen. Den vierten Kilometer haben wir bei der Südbrücke abgehakt. Gleich danach folgt die erste Trinkstelle, wo es Wasser gibt. Später wird noch Iso, Cola, Bananen und vereinzelt auch Gel gereicht. Viel trinken brauche ich jetzt noch nicht, denn die 25 Grad vom Vortag haben sich durch den nächtlichen Regen verflüchtigt. Die eingelagerte Kaltfront drückt jetzt das Thermometer auf 12, 13 Grad. Für uns perfekt, bei den Zuschauern sehe ich schon vereinzelt Mützen und Handschuhe.

 

 

Oberländer Ufer, Gegenverkehrsbereich. Ne, keine Autos kommen uns entgegen, sondern auf der anderen Seite der Straße die Spitze des Frauenfeldes. Sabrina Mockenhaupt, zierlich wie sie ist, versteckt sich in einem Männertrupp von fünf bis sechs Läufern. Später höre ich, dass sie in einer Staffel gelaufen ist. Kurz danach kommen uns die 3-Stunden-Pacer mit mindestens 20, 30 Athleten in einem Affenzahn entgegen.

Rodenkirchen, wir befinden uns jetzt im südlichsten Teil des Kurses.  Wir verlassen kurzzeitig den Rhein,  rennen in den Ort und sehen die neue Kirche St. Maternus. Gleich danach geht es in den Ortskern mit vielen Zuschauern, die links und rechts stehen und die Marathonläufer feiern. So gefällt mir Köln. Denn bis jetzt war auf der Strecke entlang des Rheins nur wenig los. Schade, dass wir Rodenkirchen mit Kilometer acht an der Autobahnbrücke wieder verlassen. Wir laufen wieder in Richtung Zentrum.

Auf der anderen Seite joggt noch ein dichtes Feld nach Süden, ich sehe die Gruppe für die fünf Stunden und später die für die sechs Stunden. Da ist das Feld schon übersichtlicher. Nur kurz verlassen wir wieder den Rhein auf der Alteburger Straße, wo nicht nur eine weitere Wasserstelle uns empfängt, sondern auch der zehnte Kilometer. Ich muss fast ein wenig staunen, denn 56 Minuten zeigt die Uhr an. Ich bin flott unterwegs.

Severinstorburg, Kilometer 12. Wir haben wieder die mittelalterliche Stadtmauer erreicht. Die ist zwar nicht überall zu erkennen, doch einige Tore, Türme und dergleichen sind noch vorhanden. Die Anlage wurde im 13. Jahrhundert errichtet und hatte die Aufgabe, die Straße nach Bonn zu sichern. Außerdem wurden damals an dem Tor Adlige empfangen. Auf uns wartet das moderne Tor einer Versicherung, die die Veranstaltung als Sponsor begleitet. Die Staffeln wechseln hier zum ersten Mal. Clever gemacht, denn der Wechsel der Teams wird auf der Seite durchgeführt, wir werden nicht behindert.

Ein paar Schritte entfernt sehe ich auf der linken Seite die katholische Pfarrkirche St. Severin, eine von zwölf romanischen Basiliken in Köln. Die Urkirche wurde bereits im 4. Jahrhundert errichtet und  erst später erweitert. Kilometer 14, der Kurs läuft nun auf den Neumarkt zu, dort, wo am Vortag die Stadtnummern ausgegeben wurden. Über die Hahnenstraße erreichen wir dann den Rudolfplatz, einer der Hotspots für unheimlich viele Zuschauer. Zum Glück kommen wir hier noch drei Mal vorbei. Dann laufe ich ein Christopher (Cologne Crew) im Kostüm des Leibhaftigen auf. Einen Zuschauer höre ich noch zu einem Kind sagen: „Da ist der Beelzebub“.

Wir unterqueren eine Bahnlinie und befinden uns danach urplötzlich in einem Grüngürtel, der sich in einem Halbbogen um die Altstadt schmiegt, vom Fort X und vom Lentpark im Norden bis hinunter zum Volksgarten und Südstadion. Wir durchstreifen den Hiroshima-Nagasaki-Park bei der Kölner Universität. 2004 wurde der Park eröffnet. Zur Zeit des Nationalsozialismus fanden hier auf dem Gelände (Maifeld) Massenaufmärsche der NSDAP statt. An der Universität zu Köln laufen wir bei Kilometer 17 vorbei. 1388 wurde sie gegründet und gilt als eine der ältesten Unis in Europa. 53000 Studenten betreiben ihre Studien, die meisten haben sich in der philosophischen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät immatrikuliert. Und was können wir gescheit? Nur rennen!

 

 

Wir fressen ein Wegstück entlang der Luxemburger und Berrenrather Straße, bis wir wieder bei der Volkssternwarte zur Universitätsstraße gelangen. Van Man Jochen Heringhaus moderiert. Er sieht jedes Wochenende so viele Gesichter, dass er nach meinem Gruß erstmal nachschauen muss, wer da an ihm vorbeiläuft.

Halbzeit, oder auf bayerisch Bergfest, feiern wir in der Dürener Straße. Umdrehen wäre blöd, lese ich auf einem aufblasbaren Tor, gute 1.56 Stunden sagt das Zeiteisen, flott. Köln-Melaten, Aachener Straße. Wer nicht mehr kann, kann sich hier im Melaten Friedhof verscharren lassen. Sorry, das war ein wenig flapsig. Der größte Gottesacker in Köln hat 55000 Grabstätten. Der Name stammt vom „hoff ro Malaten“, dem Hof zu Melaten, wo sich bereits im 12. Jahrhundert Kranke und Aussätzige aufhielten. Gleich danach folgt der zweite Wechsel der Staffeln.

Am Aachener Weiher vorbei tangieren wir nun den Rudolfplatz zum zweiten Mal (Kilometer 24). Auf den Hohenzollernring geht es nach Norden. Der gehört zu den Kölner Ringen, das sind Boulevardstraßen, die im Halbkreis um die Altstadt auf einer Länge von gut sieben Kilometer führen. Vorbild soll die Wiener Ringstraße sein.

Es geht in den Grüngürtel beim Albrecht-Dürer-Platz und weiter zur Venloer Straße im Stadtteil Ehrenfeld. Dort stehen viele Leute und bilden ein Spalier, durch das wir Marathonis fast nur einzeln durchkommen und abklatschen müssen. Ich kriege Gänsehaut und bin nicht der einzige.

 

 

Kilometer 27, Innere Kanalstraße, wir laufen an der DITIB-Zentralmoschee vorbei, die erst vor wenigen Tagen in Anwesenheit des türkischen Staatspräsidenten eingeweiht wurde. Hier stehen kaum Zuschauer. Weiter. Wir unterqueren die Eisenbahnlinie nach Aachen und erreichen den Hansaring, der uns zum Ebertplatz bringt. Da wechseln die Staffeln zum letzten Mal. Die Wolkendecke bekommt Löcher und nach weiteren Minuten reißt es auf.  In der Sonne wird es angenehm warm.

Kilometer 30, gut 2.45 Stunden bin ich unterwegs. Vom 4 Stunden-Tempomacher ist nichts zu sehen. Langsam merke ich die gelaufenen Kilometer, aber die vielen Zuschauer an der Strecke bauen auf. Gegenüber eilen ambitionierte Marathonis Richtung Ziel, sie sind schon sieben Kilometer weiter.

An der nächsten Erfrischungsstation wird Cola ausgegeben. Ein Bäuerchen danach nimmt Druck aus dem Kessel. Ich glaube, ich verliere Tempo, denn der Beelzebub kommt heran, spießt mich fast auf mit seinem Dreizack und lässt mich zurück. Auf der anderen Seite läuft die 3.30er Gruppe mit fünf Kilometer Vorsprung.

Jetzt wird es zäh, die Kilometer ziehen sich in der Schleife Niehler Straße und Neusser Straße. Gottseidank sind die Restkilometer nur noch einstellig. In der Sonne wird es mir fast schon unangenehm warm. Einer zeigt mir sein Transparent - „hopp, hopp, Kölsch wartet“. Eigentlich hätte ich schon jetzt den Kraftstoff nötig. Aber kein Zuschauer gibt mir freiwillig etwas ab. Ich muss betteln oder drohen, dass ich andernfalls umfalle.

Kilometer 35, noch sieben. Auf der andern Seite die Gruppe 4.15 Stunden, die schauen noch schlechter aus als ich. Glaube ich. Positiv denken, das ist jetzt meine Prämisse. Und schon geht es ein wenig leichter. Zumindest die nächsten zwei Kilometer.

 

 

Wir erreichen wieder den Hansaring, wo die süße Brause aus Salzburg ausgeschenkt wird. Ich mag den Gummibärengeschmack einfach nicht, viele andere wohl auch nicht. Folge: Die Brühe wird verschüttet und pappt fürchterlich. Es zieht einem fast die Schuhe aus.

Und dann gibt Köln Gas. Nein, Vollgas! Zuschauer en masse, Bands und Moderation. Kilometer 40, da biege ich um die Ecke am Rudolfplatz, ein weitere Hotspot für die Zuschauer, mit eigenen Tribünen vor dem Hahnentor. Artur Schmidt ist erstaunt, dass er den Neuburger Reporter hier in Kölle laufen sieht. Es geht zum Neumarkt, dort wartet mein Reporterkollege Wolfgang Bernath, der heute in einer Staffel gelaufen ist.

"Gemeinsam etwas bewegen"! Unter diesem Motto steht der inklusive Staffellauf "Rh(e)in inklusiv" beim Köln-Marathon. Wolfgangs blinder kenianischer Freund, der mehrfache paralympische Goldmedaillengewinner und Weltrekordhalter Henry Wanyoike erreichte dabei den zweiten Platz aller Staffeln im Wettbewerb.

 

 

Kilometer 41, wir sind noch auf der Cäcilienstraße und biegen dann in die Hohe Straße ein, die uns weiter Richtung Dom bringt. Und dann ist es soweit: Ich sehe beide Turmspitzen nur kurz, dann  geht es auf den Kardinal-Höffner-Platz und ich sehe den Dom in seiner ganzen Pracht. Der Dom ist das Ziel, habe ich mehrmals auf Plakaten gelesen. Und nun ist so weit. Noch mal Gänsehaut, nicht nur bei mir. Ich ziehe weiter mein Tempo an, biege dann links in die Komödienstraße ein, wo ich ein Gardemädchen für ein Selfie heranhole. Auf dem Zielbogen steht eine 3.58 Stunden brutto. Das geht locker sub vier aus. Nur eine Minute später renne ich ins Ziel. Geschafft. Ich ziehe meine Kamera heraus und gehe nach ein paar Schnauferern meiner Arbeit nach.

Erst Norbert Wilhelmi bringt mich auf andere Gedanken: „Du musst zum Verpflegen, die Fleischwurst und Rotwurst schmeckt lecker, Kölsch ohne Gas gibt es auch.“ Ja dann ...

Was bleibt in meiner Erinnerung: Eine schnelle Strecke, auf der ersten Hälfte vielleicht nicht ganz so viele Zuschauer, was sicher dem kühlen Wetter geschuldet war. Aber dann haben die Kölner aufgedreht und Gas gegeben. Wie zum Beispiel der Zecher an der Eckkneipe, der uns zuruft, wir sollen durchhalten, er würde es ja auch tun,  und sich dabei die Wampe mit beiden Händen hält. 

 

Streckenbeschreibung:
Eine Runde, flach, schnell zu belaufen.

Zeitnahme:
Einmalchip in der Startnummer.

Auszeichnungen:
Medaille, Urkunde im Internet.

Verpflegung:
alle vier/fünf Kilometer mit Wasser, Iso und Cola, Bananen, vereinzelt Gel.

Zuschauer:
Hunderttausende mit einer tollen Stimmung, viele Bands.


Ergebnisse Marathon Männer:

1.    Tobias Blum, LC Rehlingen, 2.16.55
2.    Marcin Blazinski, LG farbtex Nordschwarzwald, 2.20.04
3.    Dominik Fabianowski, ASV Köln, 2.21.17

Frauen:

1.    Rebecca Robisch, LG Region Landshut/Saucony, 2.46.01
2.    Juliane Meyer, SC DHfK Leipzig, 2.50.01
3.    Katharina Nüser, Hamburger Laufladen, 2.52.24

5011 Teilnehmer

 

 

 

Informationen: RheinEnergie Marathon Köln
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