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Laufberichte

DongTada

29.06.12
Autor: Joe Kelbel

Was ist der Unterschied zwischen einer Hausfrau und einem Marburger Studenten? Die Hausfrau spült nach dem Essen...

Auf der Lahnwiese liegt ein kleines kaltes Würstchen auf einem kleinen Grill, dessen dünne Rauchfahne sich über die schwülwarmen Feuchtwiesen breitet. Ich denke mir, das Bier müsste genauso kalt sein wie das Würstchen, aber leider ist dem nicht so. „Jungs, ich komme wieder!“ „Bring nen Becher mit!“ rufen die mir nach.

In Gisselberg auf dem Damm liegt Jasmin. Robert ist schon bei ihr. Da es mir auch nicht gut ist, geselle ich mich dazu, halte ihre Beine fest, damit die nicht von den Leitplanken rutschen. Habe gelernt, dass auch wenn man selbst nicht sehr aktiv ist, es den Helfern hilft, wenn sie nicht alleine sind. Und Robert macht das gut, weckt Jasmin immer wieder auf. Läufer holen Hilfe, Kinder Wasser. Nein, es ist nicht ihr erster Halbmarathon. „Aber ich war doch so gut in der Zeit!“ Und dann droht sie wieder wegzudämmern. Immer wieder klatsch, klatsch auf ihre Wangen. „Bleib hier!“ „Rede mit mir, schau mich an!“ Robert ist Spitze. Es dauert eine gefühlte  Ewigkeit, bis sich zwei Läufer mit Saniausbildung dazugesellen, dann kommt aber auch schon der Notarzt.

In diesen wenigen Minuten habe ich viel gelernt. Dabei bleiben, wach halten, kleines Handy dabei haben. Jeder kann auf seine Art helfen. Wichtig ist zu wissen, was zu tun ist, bis professionelle Hilfe kommt. Man hat doch Zeit, ist ja Ultra.

Professionelle Hilfe gibt es bei der herzlichen Verpflegungsstation Gisselberg. Ich laufe 5 Meter weiter zu den  Mitarbeitern der Blutbank. Marburg ist Pharmamittelpunkt Deutschlands, seit 1895 der Nobelpreisträger Professor Behring hier die Behringwerke gründete. Vor genau  45 Jahren machte sich in der Stadt das Marburg-Virus breit. Mitarbeiter des Pharmaunternehmens hatten sich am Blut von Versuchsaffen aus dem Kongo infiziert, und ganz Marburg war in Panik.

Seit Ewigkeiten ist die Hausnummer 4, die Zentrale der Fangemeinschaft Blutbank in Gisselberg, das herzliche Herzstück des Nachtmarathons. Ein dicker Bildband fängt mit Bildern  von unserem Klaus D.  aus dem Jahre  2007  an und endet mit den Fotos von letztem Jahr, als ich mit dem Berliner  Andenkenverkäufer Thomas hier einen Zwischenstopp einlegte. Ein Großfoto von Wolfgang, dem heimlichen Zuschauer heute, er wird stark vermisst, hat wohl hier tiefen Eindruck hinterlassen.

Ein ganz ganz großes Lob an Euch Blutbänkler! Ich habe auf all meinen Läufen viele Fannester erlebt, aber nur auf Euch kann man sich auf Ewigkeiten verlassen! DongTada! Wir sehen uns wieder, habe ja nur noch zwei Runden.

In diesem winzigen Trailstückchen, das mittlerweile zu einem guten Weg getrampelt wurde, liegt der nächste Halbmarathonläufer, schon am Tropf: „Warum laufen die alle weiter?“ höre ich ihn rufen.

Es sind alles Studenten, die hier ihre  erste Lauferfahrungen machen, 90 % der Läufer unter 30 Jahren. Das Lahntal bei 30 Grad und Schwüle niederzukämpfen, ist auch für mich heute unmenschlich, weswegen ich  nach Mítternacht einen Treppchenplatz (von hinten) erobern werde.

Der Ultra Sport Club Marburg macht sehr gute Basisarbeit, großes Lob.

Kurz vor dem Halbmarathonziel wieder Sanitäter, die haben heute alles im Griff. Réné registreirt freundlich, dass ich Wasser nur für meine Birne nutze und düst weiter Richtung Ziel.

In der nächsten Runde bin ich  zurück bei den studentischen Grillern. Wahnsinn, wie man in einer Stunde die Glut anheizen kann, und  was in so einem kleinen Würstchen mit Speckmantel an Energie drin ist! Ich mag diese Lahnwiesen mit  dem studentischen Partyflair. Auch die Brücke, unter der  schwarze Fledermäuse bei guter Musik die Nacht verbringen.

In Gisselberg wieder die Blutbank. Fledermäuse und Blutbank, in Marburg passt alles! Dazu die Glühwürmchen, es ist ein Erlebnis!

Km 29 unter der Brücke. Die gutaussehenden Mädels von der Verpflegungsstation futtern dicke Pizzen. Dabei gibt es jede Menge Schokokekse, Bananen  und Powergels, Cola, Iso und Wasser! Ja, der Marburg Nachtmarathon hat optimalen Service, und das Auge isst ja bekanntlich mit. Aber ich quetsche mir auch mal ein angebotenes Gel rein. Sogar das schmeckt hier erstaunlicherweise wunderbar. 

In der nächsten (jetzt) dunklen  Runde steht Michèl bei den Jungstudentinnen. Bin absolut glücklich, dass er hier ist. Er erkennt mich zunächst nicht, da meine Stirnlampe ihn blendet. „Großer Gruss und vielen Dank für Deine Unterstützung, Michèl!“ Sind wir mal ehrlich: Es gibt sonst niemanden auf der Welt, der so DongTada ist!  Ganz großer Dank an Dich Michèl!

Dann noch ein Foto mit dem Jungs vom THW. Ich habe Zeit und die Jungs sind jedes Jahr Spitze und absolut Tada.

Wieder Richtung Gissselberg  muss ich herzhaft lachen. Die Schnecke mit ihrem feuchten Weg, mir läuft die Brühe ja auch, aber sie ist schneller. Jetzt hat  der Joe einen an der Klatsche! Und die lässt er dort, zunächst  an der netten Verpflegungsstation bei eiskaltem Bier, bis Klaus Jahnz  und Markus Sembach ihn dort aufwecken, um dann 5 Meter weiter bei der  Blutbank den Druck nochmals  zu erhöhen. Ach wie schön ist Manama, Marburg-Nacht-Marathon!

Altersklassensieg in der  M 100, und Antje, die Chefin, die sonst immer vorne dabei ist, sagt, das wäre doch nicht schlimm. Alle  DongTada! Klasse!

 

Marathonsieger

Männer

1 Jamal Sanhaji SF Blau-Gelb Marburg  2:53:10,7
2 Dieter Kux ASC Darmstadt 2:54:52,0
3 Rene Strosny Bautzener LV 3:04:42,0

Frauen

1 Navina Fenzl TSV Krofdorf-Gleiberg 3:18:08,2
2 Nadine Kießling TSV 1860 Ansbach 3:29:32,2
3 Brigitte Pruhs *Ankum 1963 w3:48:14,5

149 Finisher

12
 
 

Informationen: Nachtmarathon Marburg
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