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Laufberichte

Viva Colonia

 

Gerade erhalte ich eine Mail vom Veranstalter des Köln Marathon. Er bedankt sich, dass ich dabei war. Sofort sind in meinem Kopf wieder Bilder von einem emotionalen Laufabenteuer in einer besonderen Stadt. Auch dieses „Viva Colonia“,  das mich gestern den ganzen Tag verfolgt hat, ist wieder da.

Obwohl, ganze hat eigentlich gar nicht so gut angefangen. Wir erreichen Köln am Samstagmittag. Mit dem ICE ist die rheinländische Metropole von Stuttgart aus gut zu erreichen. Nachdem wir das Gepäck im Cityhotel deponiert haben müssen wir wieder zum Bahnhof. Die Startunterlagen gibt es ca 7 km entfernt in der Kölner Motorwelt.

Die Straßenbahn ist voll, nicht nur Läufer sind an Bord. Im Butzweilerhof liegt einerseits das Kölner Arbeitsamt, andererseits auch ein großes schwedisches Möbelhaus. Seit Juni 2018  ist der „Butz“ nun auch, auf einer Fläche von rund 50.000 qm, ein Treffpunkt für Automobilliebhaber, ganzjährig geöffnet und kostenfrei zugänglich. Oldtimer, Youngtimer, Raritäten, moderne Luxusautomobile  und insbesondere die liebevoll zusammengestellte Michael Schumacher Sammlung ziehen Fans aus aller Welt an.

Nachdem Norbert und ich gemütlich über die Ausstellung flaniert sind, ist es Zeit, uns in Getümmel zu stürzen. Eine Halle ist für Lauffans reserviert. Auf der Messe wird alles Mögliche angeboten, außerdem hat ein einheimischer Getränkehändler in einer Ecke eine Ruhzone eingerichtet und bietet kostenlos alkoholfreies Bier.

Die Startnummern gibt es in einem separaten Zelt. Die Schlange davor ist nur für den Halbmarathon lang. Wir erhalten zügig unsere Startnummern und einen hochwertigen Starterrucksack und, wie sollte es auch anders sein, ein Kölschglas (ohne Inhalt). Für Vorbesteller liegt auch ein hochwertiges, aus nachwachsendem Rohstoff hergestelltes Laufshirt bereit. Wieder in der voll besetzten Tram geht es zurück in die Innenstadt, vorbei an nicht minder nervigen Autoschlangen. Wir überlegen nächstes Mal, den Service des Veranstalters zu nutzen und uns die Startunterlagen nach Hause schicken zu lassen.

Der nächste Morgen dagegen beginnt gemütlich. Nach einem guten Frühstück beschließen wir, um einem eventuellen Ansturm auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu umgehen, zu Fuß zum Start zu gehen. An der Hohenzollernbrücke erwartet uns ein besonderes Schauspiel: auf dem Gehweg kommen uns hunderte Fußgänger entgegen. Bestimmt sind das die Fans der Halbmarathonies, die um 8.30 Uhr gestartet sind. Sie machen sich nun auf, um vielleicht an der Strecke oder zumindest im Ziel die Läufer zu beglückwünschen.

Die Hohenzollernbrücke überquert auf Höhe des Doms den Rhein und verbindet den Kölner Hauptbahnhof mit der Messe Deutz, beides wichtige Knotenpunkte im deutschen und europäischen Eisenbahnnetz. Eine gefühlte Million Liebesschlösser sind an den Gittern befestigt. Vor den Brückenköpfen stehen vier monumentale Reiterstandbilder preußischer Könige und deutscher Kaiser der Hohenzollern-Familie.

Von der Brücke aus hat man einen phantastischen Blick auf das gegenüberliegende Rheinufer und beim Umdrehen auf die Kölner Altstadt mit vielen Kirchtürmen und natürlich dem Dom direkt an der Brücke.

Auf dem Ottoplatz vor der Messe und dem Bahnhof ist das Startertor nicht zu übersehen. Für den Marathon ist die Startaufstellung auf vier Blöcke verkleinert, sechseinhalb Tausend Starter finden hier genügend Platz.  Beim ausgebuchten Halbmarathon waren es immerhin 15.000. Gerade ist ein kleines Aufwärmprogramm im Gange. Gepäck (Abgabe nur im Starterbeutel erlaubt) wird übersichtlich nach Startnummer auf Transporter verteilt, das gibt es später außerhalb des Zielbereichs zurück.

 

 

Die Zugänge zu den Startblöcken sind voll, etwas früher da zu sein hätte Vorteile gehabt. Punkt 10 Uhr erfolgt der Start des Roten Blocks mit den Eliteläufern, zwei Minuten später folgt der blaue, dann der gelbe und schließlich sind auch wir mit den orangenen Startnummern dran.

Im dichten Feld gibt es nur eine Option: mitschwimmen. Mehrreihig verabschieden uns die Zuschauer am Straßenrand.  Bald geht es in einer weiten Rechtskurve auf die Deutzer Brücke über den Rhein. Gerade fährt unten ein großes Containerschiff durch. Ich laufe ganz links im Feld und habe weiten Blick auf die Serverinsbrücke und die drei circa 60 Meter hohen „Kranhäuser“, Blickfang des neu gestalteten Rheinauhafens.

Auf der anderen Seite nicht minder attraktiv erheben sich die Silhouetten des mächtige Vierungsturms der Klosterkirche Groß St Martin und im Hintergrund die Türme des Doms. Hier stehen einige Zuschauer und geben alles.

Am auffälligen Rundbau des Maritim Hotels vorbei erreichen wir Kölns zweitgrößten Platz, den Heumarkt. Unter dem Reiterstandbild von König Friedrich Wilhelm III von Preußen finden im Jahresverlauf eine Menge Veranstaltungen statt. Attraktive Fachwerkhäuser umrahmen die viel frequentierte Location. Wir überqueren den Platz einmal diagonal, lassen uns vom Publikum feiern und erreichen die Straße mit dem schönen Namen Filzengraben. An der Trinitatskirche vorbei geht es bald rechts „Am Leystapel“, so heißt die Straße, die eigentlich die B51 ist, am Rhein entlang.

 

 

Rechts die katholische Kirche St Maria in Lyskirchen, links der Malakoffturm, dahinter auf einer Insel das Schokoladenmuseum - ich weiß gar nicht, wo ich hinsehen soll. Unter der Serverinsbrücke hindurch beginnt nun der Rheinauhafen, ein junges, attraktives Kölner Viertel. Auf 210.000 m²  grenzen moderne Wohn- und Bürogebäude an zahlreiche Cafés, Restaurants und Galerien, wobei die drei bereits erwähnten „Kranhäuser“, an Lastkräne erinnernde Gebäude, die Skyline prägen.

Die Koexistenz denkmalgeschützter Gebäude und moderner Architektur ist charakteristisch für den neuen Rheinauhafen. In einem auffälligen rosafarbenen, historischen Gebäude sitzt ein Personaldienstleister, im alten  Bayenturm befindet sich eine Frauenbibliothek. Der ehemalige Kornspeicher des Viertels, im Volksmund wegen seiner charakteristischen sieben spitzen Giebel „Siebengebirge“ genannt, wurde für ihre neue Nutzung aufwendig restauriert und beherbergt nun 138 Wohneinheiten.

Auf Höhe der TH Köln wird es auf der anderen Straßenseite plötzlich unruhig: das Führungsfahrzeug kommt entgegen. Hendrik Pfeiffer aus Wattenscheid in Begleitung mehrerer Pacemaker versucht sich heute an der Quali für Olympia 2020. Ich würde es ihm gönnen, hat er doch Rio 2016 wegen einer Verletzung leider verpasst.

Bei uns geht es ruhiger zu, das Feld ist locker, ich hab mein Tempo gefunden. Wir unterqueren die Südbrücke, die kleine Schwester der Hohenzollernbrücke.  Hier rollt der Güterverkehr.  Auffällig sind die Treppentürme aus rotem Stein, die die Aufgänge der Brücke darstellen.

Vor uns liegt die erste VP mit Wasser. Jetzt kommen uns viele Läufer entgegen. An den roten Startnummer erkenne ich, dass sie aus dem ersten Startblock stammen. Da sind auch schon die Pacer für Zielzeit 3:45. Etwas später flitzt auch Norbert an mir vorbei. Das sieht noch gut aus.

Wir unterqueren die Autobahnbrücke Rodenkirchen, der Pacer für 4 Stunden passiert mich mit einer großen Gruppe. Wir laufen geradeaus die Hauptstraße von Köln-Rodenkirchen entlang am dunklen Backsteinbau der Kirche St Maternus vorbei. In der Innenstadt ist Party. Bald sehen wir vor uns die aufwendige Tragseilkonstruktion der Rodenkirchner Brücke. Sie wurde als Kölns erste „echte“ Hängebrücke gebaut. In den dreißiger Jahren gab es in Europa Überlegungen für ein weitläufiges Fernstraßennetz. Die Rodenkirchener Brücke sollte Teil der Strecke zwischen London und Istanbul sein und diese an eine Nord-Süd-Verbindung nach Skandinavien anschließen.1941 wurde sie eröffnet, 1945 bei einem Bombenangriff zerstört und erst zu Beginn der fünfziger Jahre wieder aufgebaut.

Wir unterqueren die Brücke. Hier waren wir vorhin schon einmal. Gerade kommt der Schlussläufer entgegen. Ihm folgen Straßenkehrer und kleine Kehrmaschinen. Den Schluss machen Busse, die mit geöffneten Türen müde Läufer locken wollen. Aber nicht mit uns, wir sind noch frisch.

Hinter km 9 erreichen wir erneut die Wasserstelle, die wir auch vorhin bereits besucht haben. Der 27 m hohe Bismarckturm ist einer von mehreren Türmen, die um die Jahrhundertwende zu Ehren von Otto v Bismarck am Rhein entlang erbaut wurden.

 

 

Wir sind nun im Stadtteil Bayenthal. Hier ist wieder ganz schön was los, km 10. Über die Schönhauser Straße gelangen wir rechts wieder zurück an den Rhein, wo uns vorhin die Führungsgruppe entgegen kam. Die Südbrücke kennen wir ja auch schon. Bei km 11 laufen wir an einer dicht bewachsenen Grünanlage vorbei. Dies ist das Gelände der ehemaligen Festungsmauern von Köln die aufgrund des Versailler Vertrages geschleift worden sind. Die Ruinen wurden begrünt und sind nun bei Erholungssuchenden aber auch bei Kletterern beliebt. Nebenan hat sich die TH Köln in Historischem Ambiente einquartiert.

Hinter dem Ubierring Park laufen wir links auf die gleichnamige Straße im Takt der Perkussions. Bei km 12 folgt der erste Staffelwechsel. Bei der  St Johann Babtist Kirche, einer der ältesten Kölner Kirchen  (von 948),  liegt die Stadtjugendseelsorge mit Wohnheim unter dem Namen CRUX als pastorales Zentrum. Wir laufen wieder unter der Severinbrücke (B55) hindurch und am 2009 eingestürzten Stadtarchiv vorbei.

Obwohl bereits 10 Jahre vergangen sind, klafft an dieser Stelle immer noch eine große Lücke. 95 % des Archivmaterials soll bisher geborgen worden sein, doch das Sortieren und Restaurieren ist noch lange nicht abgeschlossen. Ein neues Archivgebäude wird bis 2021 an anderer Stelle neu errichtet.

Etwa ein Kilometer weiter biegen wir in die Pipinstraße, die durch die Stadtbahngleise von der Cecilienstraße getrennt wird. Dort drüben sind Horden von jungen Läufern mit grünen Shirts unterwegs. Es finden gerade die Kinder- und Jugendläufe statt. Dort werden auch wir bei km 41 vorbeikommen. Für uns gibt es jetzt bei km 14 nun neben Wasser auch Iso und Bananen.

Während ich mich gemütlich verpflege, läuft ein Gruppe in roten Shirts, weißen Tütüs, roten Stulpen und roten Gardehüten vorbei. Es sind die „Laktatkönige“, die von einem  Wagen mit einer großen Trommel, auf der kraftvoll der Rhythmus geschlagen wird, begleitet werden.  Dabei fordern sie das Publikum mit „Kölle alaaf“ zum Feiern auf. Die Fans an der Straße gehen begeistert mit.

Der Rudolfplatz ist traditionell Stimmungshochburg beim Köln Marathon. Die Leute feiern Marathon und Karneval in einem. Wenig später in der Bachemer Straße ist es ruhiger, dafür schön grün. Rechts liegt das weitläufige Unisportgelände und links der Hiroschima-Nagasaki-Park, ein Mahnmal gegen den Abwurf der ersten Atombomben.

Auf der Gegenfahrbahn, durch einen schmalen Grüngürtel getrennt, kommen uns viele Läufer entgegen. Die gelben Startnummern sagen mir, dass sie nicht sehr weit voraus sind. Es geht ein Stückchen bergab, unter der U-Bahn hindurch und auf der anderen Seite wieder hinauf. Heute läuft es bei mir prächtig, wer weiß, wie lange noch!

Musik ist zu hören, ein Moderator begrüßt die Läufer namentlich. Gleich gibt es auch eine Verpflegungszone. Im Stadtteil Sülz (km 18) lassen es sich die Bewohner nicht nehmen, die Marathonies gebührend anzufeuern. Percussions werden geschlagen, was das Zeug hält.

Wir biegen abermals in die Universitätsstraße ein. Die entgegenkommenden Läufer sind noch langsamer als ich. Helfer von der gegenüberliegenden VP bieten auch auf unserer Seite Wasser. Obwohl es bisher meist bewölkt war, schwitze ich nicht schlecht. Da ist Getränkenachschub sehr  willkommen. Km 20.

Links in der Dürener Straße ist das Marathontor schon weithin sichtbar. Da ist ganz schön was los. Toll, in so ein Stimmungsnest hineinzulaufen. Auch die Helfer an der VP brauchen sich über mangelnde Arbeit nicht zu beklagen. Ein zweites Marathontor und eine Gruppe Trommler machen uns noch mehr Beine. Es wird eng, das Publikum rückt näher heran. Dafür wird es auf der breiten Aachener Straße dann ruhig. Obwohl – da gibt‘s vor einem Haus viel Publikum und  klasse Musik – und das live! Als nächstes steht ein junger Mann auf der Straße, spricht jeden mit Namen an und klatscht ab. Etwas weiter müht sich ein  Trommler-Trio ab und zu guter Letzt kommt dann noch ein Spendentor bei km 23, wo sich Jugendliche für eine Spende gleich bedanken. Wer hier durch läuft spendet 3 Euro für die Kölner Organisation „Wir für Köln“.

Der zweite Staffelwechsel liegt vor dem fast quadratischen Aachener Weiher.  Die Anlage um das markante Gewässer und der anschließende Hiroshima-Nagasaki-Park sind ein Teil des Kölner Grüngürtels. Die frischen Staffelläufer schießen an uns vorbei. Kann es sein, dass den Spielern der Percussionsgruppe langsam die Arme schwer werden? Nein, sie machen eine Kunstpause, schon geht es weiter.

Am Rudolfplatz als zentraler Kölner Platz kommen wir dreimal vorbei, vorhin bei km 14,  jetzt, und später nochmal bei km 40.  Kein Wunder, dass hier trotz Dauerbaustelle viele Zuschauer die Läufer feiern. Hier liegt die Volksbühne, früher Millowitsch-Theater, das im Jugendstil gebaute älteste Theatergebäude in Köln.

 

 

Die Hahnentorburg auf der anderen Seite des Platzes war einst Teil der rund acht Kilometer langen mittelalterlichen Wehrmauer und sicherte den westlichen Zugang zur Stadt. Im 13. Jahrhundert war dies die größte Stadtbefestigung nördlich der Alpen. Durch das Hahnentor zogen jahrhundertelang Kaiser und Könige des Reiches in die Stadt ein, um die Reliquien der Heiligen Drei Könige im Dom zu besuchen. Die Zuschauer klatschen und rufen uns mit Namen - und genauso geht es weiter. Gänsehaut. Der breite Hohenzollernring ist in der Mitte geteilt, hier kommen die Läufer entgegen, die kurz vor dem Zieleinlauf stehen. Oh je, da sehen welche ganz schön erschöpft aus. Wenn ich sie anfeuere, kommt dann aber doch ein Lächeln zurück.

Showbühne am Friesenplatz, Stimmungsnester in der Vogelsangstraße – so geht es weiter.  Unter der Bahn hindurch kreuzen wir erneut Kölns Grüngürtel (jetzt im Carola Williams Park). In der schmalen schmalen Geisselstraße ist es toll für Läufer, weil die Zuschauer dicht herankommen. Kurz darauf die gleiche Situation, diesmal mit Musik und Konfettidusche. Motiviert laufe ich weiter. Km 27.

Ein bautechnisch eindrucksvolles Gebäude kommt in Sicht. Die nach etlicher Bauverzögerung letztes Jahr eröffnete Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union ist mit seiner 37 Meter hohen Kuppel und der zwei 55 Meter hohen Minarette nicht nur wegen seiner Größe beachtlich. Die Moschee soll mit der teilweise durchbrochenen Kuppelform Offenheit symbolisieren. Die Trommlergruppe vor dem Eingangsbereich hat Spaß und steckt damit die Läufer an.

Wir biegen links auf die alleeartige Innere Kanalstraße. Links liegen weitläufige Tennisanlagen, rechts hat ein großer Deutscher Mobilfunkriese seinen Sitz. Gleich laufen wir auch am Colonius, dem höchsten Fernsehturm NRWs (266 Meter) vorbei. Vor der VP gibt es eine Dusche. Langsam kommt die Sonne heraus, es ist richtig warm geworden. Die kleine Abkühlung tut gut.

Köln ist schon seit jeher ein bedeutender Medienstandort. Folgerichtig wurde 1995 der Mediapark gebaut, in dem viele einschlägige Firmen ihren Sitz haben. Die Gebäude sind sternförmig um einen zentralen Platz angeordnet, herausragendes Gebäude ist der weithin sichtbare Kölnturm.

Wieder sind etliche flotte Läufer unterwegs, weil gerade erneut Staffelwechsel war. Für mich ist es ganz nett zu beobachten, wie viele zwar mit Tempo davondüsen, ich etliche davon aber nach  6  oder 7 Kilometern wieder ein- und überholen kann.  Bei mir läuft es heute sehr gut, ich genieße den Applaus und gebe diesen zurück. Auch die Percussions freuen sich über einen anerkennenden Zuruf.

 

 

Für viele Läufer ist das folgende Stück extrem zäh. Die Sonne hat sich nun endgültig am Himmel breit gemacht und heizt uns ein. Soweit man sehen kann, ist die Strecke schnurgerade und ohne Schatten. Und ein Zuschauermagnet ist das hier auch nicht. Nur die Helfer an der VP, wo es jetzt auch Cola gibt, machen Stimmung.

In Nippes, was, wie ja jeder weiß, ein sehr lebendiges Veedel (Viertel) ist, ist das wieder ganz anders. Sogar beim Marathon kann man gewisse Eigenheiten der Bevölkerung in den Stadtteilen feststellen. Hier wird gefeiert, an wirklich jeder Ecke stehen DJs und beschallen die Läufer mit professionellen Sound. Dazwischen haben es sich kleine und größere Fangruppen bequem gemacht, um die Sportler musikalisch anzufeuern. So laufe ich von „Viva Colonia“ zu „Mambo No 5“ und klatsche viele Kinderhände ab. In der Neusser Straße werden wir von zwei Marathontoren erwartet. Hier ist die weit über Kölns Grenzen hinaus bekannte und beliebte "Einkaufsmeile". Dat Hätz vun Nippes, jo dat ist die Nüßer Stroß", sagt man. Trommler halten die Stimmung hoch. An der VP genehmige ich mir Cola und Iso. Es ist brütend heiß.

Aber für die Fans ist das Wetter sicher optimal und ein wenig auch für mich, denn nicht nur einmal werde ich auf ein gut gekühltes Kölsch eingeladen. Weil ich mich richtig gut fühle, kann ich die laute und überschwängliche Stimmung ausgiebig genießen. Bei km 35 bin ich zurück auf der Xantener Straße und dem Begegnungstück. Bis km 36 kommen mir noch recht viele Läufer entgegen, dann folgt noch der Besenbus – und Schluss.

Für mich gibt‘s wieder Cola an der VP. Bei km 37 wird‘s langsam wieder belebter. Die vielen Fangruppen werden offenbar nie müde. Nanu, schon wieder eine VP? Die Gels sind sehr begehrt. Michel, der Marathonfranzose, klatscht mich ab. Ich hatte ihn schon mehrfach in der Ferne wahrgenommen, nun kann ich ihn persönlich begrüßen.

Rechts und links beginnen dann bereits die Absperrungen für die Zuschauer, das Marathontor auf dem Rudolfplatz ist in Sicht, km 40. Hier ist immer noch Stimmung wie anderswo beim Zieleinlauf. Von der Tribüne aus kann man auf der Videowand die Läufer im Ziel beobachten, während gleichzeitig Radio Köln für Stimmung sorgt. Gleich sind wir durch und können noch einmal Atem holen. Dann geht es aber über Kölns größten Platz, den Neumarkt mit den Einkaufsstraßen Schildergasse und Mittelstraße. Shopping-Center, Passagen und Warenhäuser sind hier genauso beheimatet wie der Knotenpunkt für den öffentlichen Nahverkehr. Wieder werden wir lautstark von vielen Zuschauern gefeiert.

Letzter Kilometer, wir laufen in die Hohe Straße. Laut Reiseführer ist sie 680 m lang und endet auf dem Wallraffplatz, nur eine Gasse vom Dom entfernt. Die wochentags von Touristen geflutete Fußgängerzone ist Kölns beliebteste Einkaufsmeile. Heute bleibt für Passanten wegen der Läufer nur ein schmaler Fußweg. Je näher ich meinem Ziel komme, desto mehr Zuschauer stehen an den Gittern und feuern mich an. Highlight sind die Domtürme, die über den Häusern hindurch langsam in Sicht kommen.

 

 

Das letzte Stück ist Genuss pur. Eigentlich sollte ich noch langsamer laufen und jeden Meter auskosten, aber das lässt das Publikum nicht zu. Ich werde getragen von den vielen Zuschauern, laut höre ich sie meinen Namen rufen. Am Dom rasten die Leute dann förmlich aus.  Das Ziel liegt in der Komödienstraße im Schatten der Basilika St Andreas, ca. 200 m sind noch zu laufen. Zwischen den hohen Zuschauertribünen ist der rote Teppich ausgelegt. Was hier abgeht, ist überirdisch. Ich trabe gemächlich Richtung Ziel. Eigentlich will ich den Lauf nicht beenden, aber dann tobt die Menge, weil mich ein Staffelläufer überholen will. Ich lasse ihm den Vortritt, was soll‘s?

Der rote Teppich, der Dom, die Basilika, die vielen Menschen, die erleichterten Finisher, so muss es sein. Ich bin begeistert. Der Moderator sagt Geburtstagskinder und andere Jubilare an, man konnte dies bei der Anmeldung vermerken. Irgendwann mache ich mich dann auf den Weg, es gibt eine schöne Medaille aus Holz, und einer super, super Zielverpflegung.

Fazit:

Auch paar Tage später halte ich immer mal inne und lasse die schönen,  ausgelassenen Momente Revue passieren. Das war wirklich extra Klasse: „Da simmer dabei, dat is priima, Viva Colonia“!

 

Informationen: Köln Marathon
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