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Als ich mir zu Jahresbeginn, an einem dieser knackig-kalten Januartage, meinen Laufplan für 2019 zurecht gelegt hatte, fiel eine Marathonveranstaltung ganz besonders ins Auge. In der Ausschreibung des Veranstalters war die Rede von einem Rundkurs über 4 Runden a 10,55 km durch die schöne Stadt Salzkotten sowie dem Ortsteil Verne. Das machte mich neugierig, also verewigte ich diesen Termin in meinem Laufkalender. Ich war mir zum damaligen Zeitpunkt ziemlich sicher: Das wird ein echtes Juni-Highlight! Dann sollte es anders kommen...

Ich kann mich erneut glücklich schätzen, denn meine Frau und meine beiden Mädels begleiten mich zum heutigen Laufveranstaltung. Juhu! Die Fahrt dauert knapp 2 Stunden, denn die gemeinsame Reise führt nach Nordrhein-Westfalen. Salzkotten gehört zum Kreis Paderborn und somit zur Region Ostwestfalen-Lippe (OWL).

Was gibt es geschichtlich über die Sälzerstadt zu berichten? Wesentlicher Bestandteil der Stadt war während des gesamten Mittelalters das Salzsieden in ländlichen Gebäuden – so genannten „Kotten“ (woraus sich auch der Stadtname ableitet). Bevor letztlich das günstige Steinsalz auf dem Markt kam, wurde der Salzhandel sowie die Salzgewinnung bis ins 19. Jahrhundert hinein durch technische Verbesserungen vorangetrieben, und das, obwohl die Stadt durch einen Brand im Jahr 1340 sowie dem Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1633 mehrmals fast vollständig vernichtet wurde. Auch die beiden Weltkriege hinterließen deutlich ihre Spuren.

Das Salz hat für die Bürger der 25.000 Einwohner zählende Stadt aber noch heute einen hohen Erinnerungswert. Es wurde ein stadtgeschichtlicher „Salzweg“-Rundgang über 19 einzelne Stationen angelegt, der den Spuren der Sälzergeschichte folgt. Einige davon werde ich heute zu Gesicht bekommen.

Kommen wir zur eigentlichen Laufveranstaltung. Was macht diese einzigartig? Vor 6 Jahren wurde zum einen die Streckenführung erneuert. Die Länge des Rundkurses zwischen Salzkotten und Verne beträgt seitdem 10,55 km. Es stehen 5 Disziplinen zur Auswahl, welche sich allesamt nahtlos in den Rundkurs einfügen und somit eine clevere Streckenführung versprechen: der Klingenthal Sport Marathon mit 4 Runden, der OWL-Halbmarathon mit 2 Runden und der 10 km SAMbase Lauf mit 1 Runde. Beim Staffelmarathon teilen sich vier Läufer jeweils 1 Runde. Der 5 km lange Fit&Fun Lauf wird zwar auf einer abweichenden Teilstrecke ausgetragen, diese ist jedoch ebenfalls Bestandteil des Rundkurses.

Wir erreichen Salzkotten in aller Frühe. Anreisenden Teilnehmern wird empfohlen, unter anderem beim Freibad „Sälzer Lagune“ zu parken, nur ein paar hundert Meter Fußweg vom Startbereich entfernt. Das trifft sich doch gut, denn meine Kids wollten heute auch sehr gerne ins kühle Nass. Ich würde sie später drum beneiden, denn der plötzliche Wetterumschwung, gemessen am kühlen bis gar unterkühlten Mai, überraschte mich schon am Vortag. Ich blicke erneut auf die Wetterdaten, staune nicht schlecht: wir haben schon 15 Grad – im Schatten! Meine Frau schaut in diesem Moment zu mir herüber. Ich kenne sie nur zu gut, ihr leicht besorgter Blick soll mir sagen: mach heut bitte besonders langsam, trink ausreichend, nutze jeden Schwammservice, lauf einfach durch jeden Rasensprenger!

 

 

Ich habe noch gut eine Stunde Zeit bis zum Start der Königsdisziplin, um meine Unterlagen in der Sälzerhalle abzuholen. Dort findet im Rahmen der Veranstaltung auch die Sport- und Gesundheitsmesse statt. Es sind sehr viele Aussteller vertreten, und auch das Rahmenprogramm weiß zu begeistern: Aufwärmprogramm, Zappeltiershow, Aktivbühne mit Leinwand, Kinderschminken, Selfie-Foto-Box sowie Tanz – und Showauftritte sind nur einige der vielen Aktionen in und an der Sälzerhalle. In der Halle erhalte ich einen Umschlag mit der Starternummer sowie ein prall gefülltes Starterbag mit vielen Goodies wie bspw. eine Familienpackung Nudeln, Deo, Waschlotion, Gels. Gerade ziehe ich sogar ein Fläschchen Nagellack heraus, als mir dieses auch schon wieder aus den Händen gerissen wird! Nun ratet mal, von wem wohl?

Wenige Minuten von der Halle entfernt befindet sich der Bürgerturm an der Marktstraße Ecke Oelweg. Während wir dort hin schlendern und erst einen kleinen Bach und direkt danach den Fluss Heder überqueren, zappeln meine beide Kids schon sichtlich nervös herum. Beide wollen mich fix anfeuern und dann schnellstens ins Freibad. Meine Frau wünscht mir trotz der ansteigenden Hitze viel Spaß und Erfolg. Ich lasse mir nicht anmerken, dass meine Zuversicht, den heutigen Marathon zu finishen, leicht zu bröckeln beginnt.

Während Moderator Hardy Schmidt gerade den anwesenden Teilnehmern den „schnellsten Koch Deutschlands“ und heutigen Marathonfavoriten Jan Kaschura vorstellt, reihe ich mich unter den Marathoni ein und mache erste Fotos. „Trinkt heute vor allem sehr viel, nutzt jeden VP, jede erdenkliche Erfrischung an der Strecke!“, mahnt Hardy mehrfach. Damit wird er Recht behalten. Orgaleiter Sascha Wiczynski und Hauptsponsor Ferdinand Klingenthal begrüßen die Athleten und wünschen allen einen erfolgreichen, aber vor allem auch gesunden Lauf. Elias Sansar, der Hermannslauf Seriensieger, soll heute ebenfalls am Start sein. Er wird später auf der 10 km Distanz mit 32:48 eine Klasse Zeit laufen. In meiner Nähe moderiert und interviewt derweil Lokalreporter Ernst Köching. Er gehört zur Redaktion vom „Sälzer.TV“, dem seit 2001 aktiven Stadtfernsehen für Salzkotten und Umgebung.

Marathon, Halbmarathon sowie Staffel starten gemeinsam um 08:30 Uhr. Ich blicke wiederholt hinüber zu meinen drei Mädels, winke und werfe allen Handküsse hinüber, während Hardy bereits fleißig herunter zählt. Salzkottens Bürgermeister und Schirrmherr Ulrich Berger hebt die Hand, ist bereit für den Startschuss. Ein lauter Knall ertönt, die Marathonfamilie setzt sich unmittelbar in Bewegung!

 

 

Vom Marktplatz aus flitzen wir los. Auf beiden Seiten Absperrungen, dahinter stehen um diese frühe Uhrzeit bereits ungewöhnlich viele Anwohner und Zuschauer – grüßen, jubeln, klatschen, winken! Cheerleader stehen vor dem Torbogen Spalier, feuern uns mit ersten Tanzeinlagen an. Tolle Stimmung! In der Klingengasse wird es dann schmaler, aber das Läuferfeld zieht sich bereits jetzt deutlich auseinander. Ich halte die Eindrücke mit der Kamera fest, lande schnell im letzten Drittel des überschaubaren Teilnehmerfeldes. Auf der Bundesstraße, welche Teil der westfälischen Salzroute ist, laufen wir an vielen Geschäften vorbei. Schmachtend passiere ich gerade eine Eisdiele. Jetzt ne Waffel und zwei Kugeln Zitrone! Vereinzelt bummeln Passanten durch die Seitengassen.

Am Straßenende steht das Westerntor, ein mittelalterliches Stadttor, durch das der Hellweg in die Stadt führte. Der Hellweg bezeichnet den alten Handelsweg zwischen Duisburg und Paderborn auf der Straße von Aachen bis nach Goslar, der u.a. auch über Dortmund, Soest, Bad Sassendorf und Salzkotten führt. Handelsgüter auf der Straße waren vor allem Salz aus der Gegend von Soest, Werl und Unna und Eisenwaren wie Messer und Scheren aus dem Sauerland. Waren vom Hellweg fanden im gesamten Hanseraum Abnehmer. Im Westerntor-Durchgang kann ich noch eine Kanone entdecken, bin dann aber schnell wieder daran vorbei. Auf dem Wallgraben und weiter Richtung Breite Werl führt der Rundkurs. Wir unterqueren eine Eisenbahnlinie, laufen durch ein Gewerbegebiet und nähern uns dem Ortsausgang. Entlang der Stadtteiche überqueren wir alsbald die Heder, einen Nebenfluss der Lippe.

 

 

Nun geht es zunächst Richtung Klein-Verne weiter. Bevor ich auf die Verner Straße zulaufe, mache ich Halt vor mehreren Bauernhäusern. Hier wartet die erste Verpflegungsstelle des Tages auf uns. Eine kleine Zuschauergruppe macht auf der anderen Seite des Feldwegs bereits ordentlich Stimmung.

Eine lange Allee führt nun Richtung Verne. Scheinbar endlos reihen sich hier die Bäume bis zum Horizont, mit weitläufigem Blick auf die Hederwiesen. Die Sonne scheint bereits kräftig vom Himmel, es ist aber noch angenehm. Natur pur - hach, dafür bin ich immer zu begeistern! Im Vorfeld dachte ich, es handele sich hier lediglich um einen reinen Stadtlauf, aber weit gefehlt: rechts von mir erstrecken sich besagte Hederwiesen, ein herrlich strukturreiches Naturschutzgebiet mit großflächigen Feuchtgrünlandbeständen, soweit das Auge reicht! Auf der linken Seite der Allee kommen uns derweil die führenden Läufer Staffel sowie Marathon entgegen. Favorit Jan Kaschura wird von einem Käfer Cabrio mit Kameramann begleitet, beinahe über die gesamte Distanz hinweg.

 

 

An mehreren Schildern mit motivierenden Sprüchen vorbei erreiche ich das Hederdorf Verne, auch als alter Wallfahrtsort bekannt, in dem seit dem Mittelalter die Marienverehrung gepflegt wird. Besonders an kirchlichen Marienfesten und den Sonntagen im Mai ist Verne das Ziel der Bittprozessionen von Tausenden Gläubigen aus dem Lipperaum und dem Hellweggebiet. Ich laufe durch mehrere Seitenstraßen, immer wieder lassen sich freundliche Dörfler blicken. Zwei ältere Herren lassen es sich in der Bornstraße in einem Strandkorb gut gehen, lächeln mir zu. Auf dem Bruche sitzt eine herzliche Seniorengemeinschaft, genießt den Morgen beim Frühshoppen unter einem weißen Pavillon, applaudierend, winkend, lachend. Bei der katholischen Pfarrkirche St. Bartholomäus in der Königstraße weisen mir Erdbeeren naschende Helfer den Weg.

Nach dem Überqueren einer Landstraße steuere ich auf die Marienstraße zu. Unter einer schattigen Eiche klatschen weitere Helfer in grünem Team-Shirt, wohl wissend, dass die 30 Grad Marke in Bälde erreicht ist. Ich komme heute nicht so recht mit der Hitze klar, laufe jedoch immer weiter, passiere eine Förderschule sowie einen katholischen Kindergarten. Unübersehbar dann der riesige Maibaum beim Sportplatz Verne. Toiletten für uns Läufer sind extra ausgeschildert. Ein paar Meter weiter erreiche ich dann den nächsten VP. Ich trinke abwechselnd Wasser und Iso, ignoriere vorerst Äpfel und Bananen.

Diese Bullenhitze! Es wird unangenehm! Die Baumreihen spenden auf dem Rückweg nur wenig Schatten. Ich merke, dass die ansteigende Temperatur auf mein Gemüt drückt. Ich hatte vorm Wochenende schon diese Vorahnung. Viele Teilnehmer traben oder gehen bereits, aber noch habe ich meinen Schweinehund in Griff.

Unter einer Eisenbahnbrücke ist der vierte VP eingerichtet, kurz danach erreiche ich die Sälzerhalle. Was folgt, muntert mich umgehend wieder auf: quer durch das Foyer der Halle wartet ein roter Teppich auf uns Läufer, hinter einer Absperrung stehen Zuschauer, klatschen begeistert! Ein Moderator feuert mich an, das motiviert jetzt ungemein! „Na schau sich den mal einer an! Mario Bartkowski, und er macht nebenbei noch Fotos!“, ruft er mir hinterher. Als laufender Reporter höre ich das öfters.

Die Sälzerhalle selbst ist eine der größten Festhallen der Region. Erwähnenswert ist die innovative Lärmwarnanlage, die bei zu lauter Feierei einfach mal den Strom abstellt. Kein Witz: wird ein bestimmter Lärmpegel überschritten, gibt die Anlage zunächst ein akustisches und optisches Warnsignal. Wird dies ignoriert, stellt die Anlage den Strom automatisch ab. Man stelle sich das mal bildlich vor: der Drews-Song „Wenn die Wunderkerzen brennen“ ballert munter durch die Halle...und plötzlich wird es zappenduster!

Amüsiert umrunde ich den Rasenplatz, überquere die Heder und folge dann dem Flusslauf. In einiger Entfernung springen und hüpfen zwei Läuferinnen vor mir her. Na, die beiden sind ja mächtig gut gelaunt! Wir laufen an einem großen „Kunstrad“ vorbei, sieben Meter im Durchmesser. Es handelt sich um ein rekonstruiertes Wasserrad, welches damals zum Antrieb der Solepumpen diente. Ein Staffellauf-Finisher flaniert stolz vorbei, blickt hinüber zu den Mädels, spricht sie an. Ich bekomme nicht mit, worum es geht. Scheint wohl, als würde sich das Trio kennen?

Die erste Runde hätte ich also geschafft, doch die Hitze macht mir immer mehr zu schaffen. Geistesabwesend wundere ich mich daher wenig, dass ich mich prompt auf der Bundesstraße befinde. Das ging aber schnell, denke ich. War da nicht noch was...? Auf in die zweite Runde!

 

 

Zunehmend beschleicht mich die Gewissheit, etwas Bestimmtes vergessen zu haben. Erneut passiere ich das Westerntor, folge dem Wallgraben und nähere mich dem Ortsende. Die Schatten werden endlich ein wenig länger, die Hitze bleibt, die Sorge auch.. Hab ich längst nen Sonnenstich?

Ich genieße dennoch den langen Weg durch die Allee bis hinüber nach Verne, habe diesen bereits zu meinem Rundkurs-Favoriten gekürt. Und das, obwohl gerade dieser Abschnitt trotz endlos langer Baumreihen zu beiden Seiten am wenigsten Schatten zu spenden schien. Ich blicke erneut in die Gesichter anderer Teilnehmer. „Ihr seht so aus, wie ich mich gerade fühle...“, denke ich im Vorbeilaufen.

Eine Lobeshymne muss ich auf alle Salzkottener und Verner anstimmen, denn an vielen Stellen haben die herzlichen Städter und Dörfler tatsächlich ihre Rasensprenger auf die Straße verfrachtet! Bislang bin ich mich bei ähnlichen Temperaturen  beeilt, den Lauf hinter mich zu bringen. Heute nehme ich jede noch so kalte Brause mit, laufe danach weiter, als wäre es das Normalste der Welt. Zuschauer und Helfer haben ihre Freude, man ja nicht jeden Tag einen klatschnassen SpongeBob auf zwei Beinen!

 

 

Hitze, Hitze, Hitze! Ich erwäge eine Wannendusche, kann mich gerade noch zurück halten, tauche stattdessen meine Mütze ins Wasser und klatsche diese dann unvermittelt auf die heiße Birne. Viele Anwohner grillen an der Straße, ich grille auf dem Asphalt. Immer wieder rennen Staffelläufer an mir vorbei, frisch und munter wie junge Karnickel. Ein zweites Mal erreiche ich die Sälzerhalle, zwinge mir ein Lächeln auf die Lippen, denn hinterm Busch lauert bereits der Moderator. Muss ich tatsächlich zwei weitere Male durch das Foyer, über den roten Teppich? Undenkbar!

Es muss aber sein, denn Aufgeben ist keine Option! Also laufe ich wieder über die Hader und überquere den Marktplatz. Tobender Applaus zu beiden Seiten, während  Cheerleader die Durchreisenden mit Tanz und Akrobatik anheizen. Hardy ruft mir irgendetwas zu. Ich denke, er will wissen, wie es mir geht.  Ich strecke den Daumen nach oben, als sei alles in bester Ordnung. Ich Applaus von beiden Seiten. Herrje, hier werde ich ja fast gefeiert wie in einer Gladiatoren-Arena!

Auf in die dritte Runde, obwohl mir irgendetwas weiterhin spanisch vorkommt. Am Westerntor warten unzählige Kinder und Jugendliche in orangenen Shirts auf ihren Startschuss. Hier dürfte es sich um den 5 km Fit & Fun Lauf handeln. Ich schlurfe wie ein Zombie an den Kids vorbei und gebe damit kein gutes Vorbild ab.

Was eine Hitzeschlacht! Wenigstens spenden jetzt die Bäume bis nach Verne Schatten! Ich kriege Panik. Überholt mich jetzt der Besenwagen? Entwarnung, es ist nur der Führungswagen. Mittlerweile gebe ich meinen Gefühlen im Inneren freien Lauf, schiebe Selbstmitleid. Ich bin längst aus dem Rhythmus, quäle mich nur noch vorwärts. Die klugen Sprüche auf den Schildern vor dem Ortseingang in Verne wirken nur noch wie Hohn und Spott auf mich. Ein weiterer Spruch schiebt sich vor meinem geistigen Auge: „Heul leise, Mario!“. Aha, selbst der Schweinehund will seine Ruhe und hockt lieber im kühlen Keller des Unterbewusstseins, anstatt mir die Hölle hier draußen noch heißer zu machen...

Jede Abkühlung wirkt lebensrettend. Ich danke allen im Stillen, die für zusätzliche Abkühlungsstellen entlang der Strecke sorgen. Was täte ich heute bloß ohne eure Kreisregner, Sprühregner, Vielflächenregner. Orga, Vereine und Anwohner arbeiten hier wahrlich Hand in Hand. Ganz dickes Lob!

In Verne werde Ich in der Nähe der Pfarrkirche von einem Marathoni überholt, dem der Schweiß aus allen erdenklichen Poren läuft. „Na komm, wir ziehen das zusammen durch, sind nur noch 5 km!“. Ich habe irgendwie noch die Kraft zu witzeln, antworte: “Ich gönn mir noch ne Runde, weil‘s so schön ist.“ Er verschwindet hinter der nächsten Biegung. Beim VP nahe dem Sportplatz werde ich ebenfalls aufgemuntert. „Das schaffst Du, nur noch diese Runde!“. Ihr wollt mich doch wohl veräppeln?

Orange is the new Black! Beinahe alle Fit & Fun Läufer spazieren am Straßenrand entlang, heimlich mische ich mich unter Sie. Es handelt sich um SchülerInnen der „GeSa“ - Gesamtschule Salzkotten. „Hinter uns läuft die führende Marathon-Dame! „Los, Jungs und Mädels, jubelt ihr doch mal zu!“, tönt es aus den Lautsprecherboxen. Erneut überholt uns der Führungswagen, dicht gefolgt von Anja Sauerland, die wenig später den Marathon gewinnen wird. „Wer Bock auf ne kühle Coke hat, soll uns hinterher rennen!“, heizt der Fahrer die Kids an. Tatsächlich fängt ein Jugendlicher plötzlich an zu rennen und schickt sich an, die gute Anja noch zu überholen...

Auf dem roten Teppich mache ich gute Miene zum eigentlich bösen Trauerspiel. „Letzte Runde, Mario?“, fragt mich der Moderator. „Wir werden sehen!“, rufe ich zurück, denn was Besseres wollte mir nicht einfallen. Schockierend, dass jeder denkt, ich würde meine letzte Runde laufen!

Dann kommt der Punkt, an dem mein an sich starkes Gerüst, bisher zusammengehalten durch pure Willenskraft, ins Wanken gerät und letztlich vollends in sich zusammen fällt.  Der Grund: Eine Absperrung und dahinter der Weg, den ich zusammen mit den beiden Läuferinnen zu Beginn der zweiten Runde gelaufen war. Und dann fällt endlich der Groschen! Ich hatte in der zweiten Runde vollkommen versäumt, den Marktplatz und somit die Zeiterfassung zu überqueren! So ein Mist. Das ist bitter, nun aber nicht mehr zu ändern. Ich bin raus.

Von weitem kann ich die kochende Meute der Arena riechen, sehe bereits die Klinge des Scharfrichters. Hoch erhobenen Hauptes steuere ich auf den Marktplatz zu...

 

 

Fazit:

 

Es hat ein paar Tage gedauert, mein erstes DNF in 9 Jahren Lauferei zu verdauen. Aber ich denke mal, ich habe verantwortungsvoll versagt. Erfahrung ist das, was du bekommst, wenn du dein Ziel nicht erreicht hast. Mir ist nicht wichtig, was schief gelaufen sein könnte. Da es nicht mein erster Hitzelauf war, vermute ich dahinter den plötzlichen Wetterumschwung von „normal“ auf „heiß“. Normalerweise braucht man ja eine Weile, um sich anzupassen. Aber es war ja nicht alleine die Hitze,  ich habe mich in Runde 2 verlaufen. Das ist mir auch noch nie passiert.Nichtsdestotrotz: Ich will die Revanche. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht locker lasse. Darum starte ich 2020 erneut und freue mich auf diese besondere Herausforderung.

 

 

Marathonsieger

Männer

1 Kaschura, Jan 02:45:38

2 Nahen, Mathias 02:52:17

3 Velička, Ondřej 02:53:54

 

Frauen

1  Sauerland, Anja 03:46:47

2  Blidh, Anna 04:46:09

3  Charters, Joanna 04:55:14

 

 

Informationen: Klingental Sport Salzkotten Marathon
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