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Laufberichte

Wahrlich kein kleines Jubiläum

 

Mit der bereits fünfzehnten Austragung feiert der Einstein Marathon in Ulm ein kleines Jubiläum. Doch von einem kleinen Jubiläum kann man eigentlich nicht wirklich reden, wenn man einen Blick auf die Anmeldezahlen wirft.

Mit über 6000 Teilnehmern bei den Jugendläufen, zählt der Einstein Marathon zum zweigrößten Jugendlauf nach Berlin. Immerhin 670 Teilnehmer sind für den Marathon gemeldet, 101 Staffeln nehmen die 42,195 Kilometer unter die Füße. Beim Halbmarathon sind 5032 Läufer vorangemeldet, weitere 3747 sind es beim 10-Kilometer-Lauf und noch einmal 2406 über die 5-Kilometer. Mit weiteren Rahmenwettbewerben, wie den Inlinern, Handbikern und Walkern kommt man auf über 15.000 Teilnehmer am Marathonwochenende. Damit zählt der Einstein Marathon zu den größten Laufveranstaltungen in Süddeutschland.

Ich bin zum vierten Mal am Start in der ehemaligen Reichsstadt. Im Laufe der Jahre hat sich die Strecke immer wieder geändert und so bin ich eigentlich noch nie die gleiche Runde gelaufen. Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein paar kleine Neuerungen. Es wird also stets an Verbesserungen gefeilt und ich finde die Mischung zwischen City- und Landschaftslauf sehr gelungen. Also mal schauen, was es Neues gibt.

 

 

Am frühen Sonntagmorgen mache ich mich auf den Weg zur Ulmer Messe. Dort ist neben der großen Marathonmesse auch der Start. Parkplätze gibt es auf dem Volksfestplatz zur Genüge. Da ich die Wege aus den Vorjahren kenne, habe ich schnell meine Startnummer und den Starterbeutel in Händen, in den ich einfach meinen bereits vorbereiteten Beutel mit Wechselklamotten stecke. Diesen gebe ich in einer Nachbarhalle ab und schon bin ich startklar. Es ist noch etwas frisch draußen, aber es soll gut zwanzig Grad warm werden. Dennoch entscheide ich mich für eine ärmellose Laufweste, denn mittags soll es windig werden.

Die Zeit vor dem Start nutze ich, um mich noch etwas mit Kati zu unterhalten, da wir uns schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen haben. Dabei lasse ich mich leider auch dazu verleiden, mich für meine Verhältnisse viel zu weit vorne im Starterfeld aufzustellen. Als pünktlich um 09:10 Uhr der Startschuss fällt, brauche ich also auch nicht mehr allzu lange zu warten, bis ich mich auf den Weg machen darf. Marathon, Halbmarathon und Staffel starten gemeinsam und so wollen gut 6.000 Läufer zeitgleich auf die Strecke gelassen werden. Das ist aber kein Problem. Die Thalfinger Uferstraße ist breit und führt erst einmal drei Kilometer entlang der Donau. Da sollte eigentlich jeder sein Tempo finden und genügend Platz zum Laufen haben. Apropos Tempo finden, darauf muss auf den ersten Kilometern mein Hauptaugenmerk liegen.

 

 

Nach einem Kilometer zeigt mir ein Blick auf meine Uhr, dass ich deutlich zu schnell unterwegs bin. Ich versuche etwas Tempo herauszunehmen. Trotzdem erreiche ich nach drei Kilometern Thalfingen viel früher als erwartet. Aber überfordert fühle ich mich nicht, ich schwimme locker im Feld mit.

Kurz nach Kilometer 4 überqueren wir das erste Mal die Donau. Vielleicht zähle ich beim nächsten Mal mit, wie oft wir die Flussseite und dabei oft auch die Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg wechseln. Auf einer Schleife geht es nun durch Burlafingen, traditionell ein wahre Stimmungshochburg. Eine Blaskapelle gibt die „Lustigen Holzhackerbuam“ zum Besten und somit ist auch klar, dass wir uns in Bayern befinden. Die Straße ist gesäumt von unzähligen Zuschauern und natürlich kann ich hier kein Tempo herausnehmen. Kurz darauf erreichen wir auch schon die erste Verpflegungsstelle.

Weiter geht es in Richtung Pfuhl. Wir laufen zwischen grünen Wiesen und bereits abgeernteten Felder,  der Einstein Marathon hier den Charakter eines Landschaftslaufes. Pfuhl selbst lassen wir schnell hinter uns und weiter geht es zum Striebelhof und kurz danach wieder direkt an der Donau entlang. Gleich sind 10 km geschafft. Ich bin für meine Verhältnisse immer noch zu schnell. Erste Befürchtungen kommen in mir auf.  

 

 

Bereits 500 Meter später steht für die Staffelläufer der erste Wechsel an. Weitere zwei Kilometer laufen wir parallel zur Donau und langsam wechselt der Einstein Marathon vom Landschafts- zum Stadtlauf. Über die Augsburger Straße nähern wir uns Ulm und ich beginne mal wieder die Orientierung zu verlieren. Bei Kilometer 12 auf der Reuttierstraße haben wir erstmals auch eine Begegnungsstrecke und ich sehe auf der anderen Straßenseite Kati laufen. Sie ist nicht weit vor mir, was für mich ein weiteres Warnsignal sein sollte. Der Abstand müsste größer sein, denn sie ist normalerweise erheblich schneller als ich.

Das ist mir jetzt aber egal, denn wenn ich überzogen und unnötig viele Körner verbraten habe, ist es jetzt eh zu spät. Da kann ich auch gleich so weitermachen. Wir überqueren nun die Gänstorbrücke und erreichen Kilometer 15. Ab jetzt geht es kreuz und quer durch Ulm.

Wir nähern uns der Altstadt und kurz vor Kilometer 17 habe ich das erste Mal einen Blick auf das Rathaus, das unschwer an seiner beeindruckenden Bemalung aus der Frührenaissance erkennbar ist. Es warten aber noch weitere Sehenswürdigkeiten auf uns, denn Ulm hat eine wirklich wunderschöne Altstadt. Wir wechseln über die Herdbrücke für eine weitere Schleife durch Neu-Ulm noch einmal auf die andere Donauseite, was mit einer herrlichen Aussicht auf die Ulmer Altstadt belohnt wird. Rund einen Kilometer lang können wir diesen Ausblick vom Jahnufer aus genießen.

 

 

Über einen Steg kurz vor der Adenauerbrücke geht es wieder rüber nach Ulm und kurz danach trennen sich die Wege von Marathon und Halbmarathon. Darauf freue ich mich schon ganz besonders. Nicht nur, dass es nun auf der Strecke ruhiger wird und wir Marathonis endlich unter uns sind, ist Grund dafür. Wir laufen nun auf der historischen Stadtmauer, die 1482 als Bollwerk gegen feindliche Armeen errichtet wurde. Linkerhand haben wir einen schönen Blick auf die Altstadt mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern und rechterhand laufen unterhalb von uns die Halbmarathonis ihrem Ziel entgegen. So passieren wir auch den Metzgerturm, der 1349 errichtet wurde. Der „Schiefe Turm von Ulm“ ist 36 Meter hoch und neigt sich um 3,3 Grad nach Nordwesten. Sein Namensbruder in Pisa hat mit 3,6 Grad eine unwesentlich größere Neigung. Gerüchten zu Folge hat der Turm seinen Namen von den sparsamen Ulmer Metzgern, die zum Strecken ihrer Würste Sägespäne benutzten. Als die Ulmer Bürger ihnen dahinterkamen, sperrten sie die Metzger in den Turm. Tatsächlich aber hat der Turm seine Schieflage, weil er auf einem ehemaligen Sumpfgebiet erbaut wurde.

 

 

Kurz nach dem Metzgerturm biegen wir nach links ab und dürfen für ein paar Minuten Altstadtluft schnuppern. Wir schlängeln uns durch ein paar Gassen und durch das Tor des Metzgerturms geht es zurück an`s Donauufer. Zunächst laufen wir nun unterhalb der Stadtmauer immer schön am Donauufer entlang zurück in Richtung Messezentrum.

Es wird nun deutlich ruhiger, denn Zuschauer und auch Spaziergänger gibt es hier kaum noch. Bei Kilometer 25 erreichen wir das Kraftwerk Böfinger Halde und eine weitere Verpflegungsstation. Über den Steg des Kraftwerks geht es mal wieder über die Donau und weiter in Richtung Pfuhler Badesee. Nun hat der Marathon endgültig den Charakter eines Landschaftslaufs. Auf einem Feldweg geht es zwischen schattenspenden Bäumen weiter an der Donau entlang, bis wir den Pfuhler See wieder verlassen.

Eigentlich sollte ich die Ruhe hier genießen, bevor es wieder zurück nach Ulm geht. Aber davon kann keine Rede sein. Ich bin deutlich langsamer geworden und  verliere nicht nur Sekunden, sondern auch Minuten. Ich sehe es dennoch gelassen. Das Zeitlimit in Ulm ist mehr als großzügig und kann kaum ausgereizt werden.

Bei Kilometer 29 sind wir wieder am Pfuhler See, den wir diesmal allerdings umrunden. Gut anderthalb Kilometer ist diese Runde um den idyllisch gelegenen Badesee  und sie gefällt mir sehr gut.

 

 

Als wir uns der Ulmer Altstadt wieder nähern, läuft es sich gleich wieder etwas leichter. Macht das die jetzt wieder viel belebtere Strecke aus? Jedenfalls sind jede Menge 10-Kilometer-Läufer um mich rum. Die letzten Kilometer gehen kreuz und quer durch die Altstadt und immer mal wieder runter zur Donau. Meine Orientierung ist dahin, aber es macht großen Spaß, vorbei an zahlreichen Zuschauern durch die Gassen zu laufen.  Werde ich anhand meiner Startnummer als Marathonläufer erkannt, bekomme ich wohltuenden Extraapplaus. Zwischen den historischen Fachwerkhäusern kann ich immer wieder einmal den höchsten Kirchturm der Welt erblicken. Das Ziel am Ulmer Münster kommt also näher und so mobilisiere ich meine letzten Reserven und überquere schließlich die Ziellinie, nicht ohne Deutschlands wandelndes Lauflexikon, Artur Schmidt, der die Zielmoderation übernommen hat, gebührend zu begrüßen.

Im Ziel bin ich dann doch ganz schön geschafft und versuche ein ruhiges Plätzchen zu finden, was angesichts der vielen 10-Kilometer-Finisher gar nicht einfach ist. Die Verpflegungsstände lasse ich erst mal aus, das Gewusel ist mir dann doch zu heftig. Auf der Suche nach dem „VIP-Bereich“, der ausschließlich den Marathon-Finishern vorbehalten ist, werde ich dann doch fündig. Es hat auch Vorteile, wenn man etwas später ins Ziel kommt.  Es ist genug Platz, und ich kann mich auf einer Bierbank erst mal ausstrecken. Schließlich gesellen sich auch Kati und Axel zu mir und wir lassen den Einstein Marathon revuepassieren. Die Strecke hat uns gefallen, insbesondere die neue Runde um den Pfuhler See kommt gut an.

Den Einstein Marathon kann ich erneut nur empfehlen. Der Wechsel zwischen ruhigen Streckenabschnitten in schöner Landschaft und der stimmungsvollen Passagen durch die historische Altstadt mit vielen Zuschauern ist nahezu einzigartig.

 

Informationen: Einstein-Marathon
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