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Laufberichte

Viel Neues in Ulm

 

Vor zwei Jahren war ich zuletzt beim Einstein-Marathon in Ulm am Start. Damals hatte ich viel Glück. Zunächst wollte ich mich vor Ort nachmelden und musste am Abend zuvor feststellen, dass eine Nachmeldung am Veranstaltungstag nicht mehr möglich ist. Auf Anfrage kam mir die Organisation jedoch entgegen. Nach dem Lauf ließ ich meine Kamera mit allen Bildern aus Unachtsamkeit im Pendelbus liegen und bekam diese ein paar Tage später vom Fundamt in Ulm zurückgeschickt, da ein leider immer noch nicht bekannter Mitläufer sie dort abgegeben hatte.

Die Anmeldung erledige ich diesmal natürlich rechtzeitig und kontrolliere am Tag zuvor auch meine Ausrüstung mehrfach. Ich will heuer mein Glück nicht erneut herausfordern. Rechtzeitig mache ich mich deswegen am Sonntag auch auf dem Weg nach Ulm und finde auf dem Volksfestplatz beim Messezentrum auch problemlos noch einen Parkplatz. Die Startnummernausgabe in der Donauhalle hat schon seit einer halben Stunde geöffnet und es ist schon ziemlich was los. Handbiker, Inliner, Walker, Halbmarathonis und Marathonläufer füllen die Halle, da es draußen noch ungewöhnlich frische Temperaturen von unter zehn Grad hat. Dennoch habe ich meine Startnummer schon nach wenigen Minuten in Händen und hole mir auch noch ein Gratis-Baumwollshirt mit dem Einstein-Marathon-Logo und die Tasche für den Gepäcktransport ab. Es klappt alles vorzüglich.

 

 

Eine halbe Stunde vor dem Start gebe ich meine Gepäcktasche bei den Lkws ab, die in der Nachbarhalle geparkt sind. Da sich das Ziel ja in der Ulmer Innenstadt, direkt am Münster befindet, ist dies sinnvoll. Ich treffe noch den ein oder anderen Bekannten und begebe mich schließlich in Richtung Startaufstellung auf der Böfinger Straße. Es sind vier Starblöcke vorgesehen. Zu welchen man gehört, kann man auf der Startnummer ablesen. Der Zugang in die Startaufstellung wird allerdings nicht kontrolliert. So kommt es, dass man sich schon mal ein Walker beim 3-Stunden-Pacer einreiht. Knapp über 600 Teilnehmer beim Marathon, über 4600 Halbmarathonis und zusätzlich noch 165 Walker wollen pünktlich um 9:10 Uhr auf die Strecke gehen. Zuvor erfolgte schon der Start der Handbiker und wenig später wurden die Inliner auf die Strecke geschickt. Es ist also ordentlich was los in Ulm.

Ich bin gespannt auf die Strecke. Denn wie schon oft wurde auch dieses Jahr etwas abgeändert. Bis zum Halbmarathon ist die Stecke die altbekannte, aber der zweite Teil wurde völlig neu überarbeitet und so entfällt erstmals der Abstecher raus nach Wiblingen.

Auf der Böfinger Straße laufen wir in Richtung Thalfingen. Die Straße ist breit und kann die Läufermasse gut aufnehmen. Zahlreiche Firmen sind in großen Gruppen am Start. Die Straße ist breit genug, um sie zu überholen, notfalls bahne ich mir meinen Weg einfach durch den Grünstreifen.  Die ersten vier Kilometer führen stur geradeaus. Zeit genug, dass sich das Feld etwas auseinanderzieht. Auffällig sind die vielen Zuschauer, die hier schon die Straße säumen und ordentlich Stimmung machen. Ich verfolge ein Gespräch zwischen zwei Läufern, die diskutieren, ob sie sich nun gerade in Baden-Württemberg oder in Bayern befinden. Diese Landesgrenzen werden nämlich während des Einstein-Marathons mehrfach überlaufen. Ich kann Aufklärungsarbeit leisten. Wir sind bei Kilometer 3 in Thalfingen, das zum Landkreis Neu-Ulm gehört und somit bayerisch ist. Neu-Ulm liegt nämlich in Bayern und Ulm in Baden-Württemberg.

 

 

Bei Kilometer 4 geht es schließlich nach rechts weg und wir überqueren erstmals die Donau. Es geht in Richtung Burlafingen, das wir jedoch links liegen lassen und nun etwas Ruhe genießen. Zwischen Wiesen und Feldern laufen wir nach Pfuhl, wo die zweite Verpflegungsstation auf uns wartet. Pfuhl ist schon immer eine Stimmungshochburg beim Einstein-Marathon und ich werde auch dieses Jahr nicht enttäuscht. Die Hauptstraße wird von unzähligen Zuschauern gesäumt, auch eine örtliche Kapelle trägt ihren Teil zur Stimmung bei. Nach Pfuhl erreichen wir den Striebelhof und nähern uns wieder der Donau, von der wir uns zuvor etwas entfernt hatten. Weiter geht der Weg zwischen Donau und einem Golfplatz in Richtung Offenhausen. Wir haben inzwischen Kilometer 10 erreicht und das Feld hat sich nun entsprechend entzerrt und beruhigt, wilde Überholmanöver finden nicht mehr statt.

Kurz darauf sind wir auch schon in Neu-Ulm angelangt und der Weg schlängelt sich kreuz und quer durch die Stadt. Live-Bands spielen am Straßenrand auf und versuchen sich mit meist gelungenen Cover-Versionen an diversen Rockklassiker. In einem kurzen Begegnungsstück kommt mir Kati entgegen,  wir winken uns zu. Sie ist heute deutlich schneller unterwegs als ich. Wenige Minuten später laufen wir auf eine Einkaufspassage zu, die wir auch kurzerhand durchlaufen. Anschließend geht es wieder kreuz und quer weiter, wir überqueren erneut die Donau und sind in Ulm angekommen. Linkerhand kann ich schon den 161 Meter hohen Turm des Ulmer Münsters erkennen. Hier gefällt es mir schon besser. Das Stadtbild im „alten“ Ulm ist ein ganz anderen als im „neuen“  Neu-Ulm. Wir durchlaufen enge Gassen, diverse Torbögen, mal geht es nach links und dann wieder nach rechts weg. Die Streckenplaner haben hier ganze Arbeit geleistet.

 

 

Wir erreichen schließlich die Ulmer Innenstadt und ich erkenne vor mir das Ulmer Rathaus. Es zählt zu den herausragenden Denkmälern Ulms und ist auch für mich neben dem Münster eines der schönsten Gebäude in der Altstadt. Zahlreiche Fresken verzieren die Fassade und machen es einzigartig und unverkennbar. Das Rathaus besteht aus drei Bauteilen, wobei mit dem Bau im 14. Jahrhundert begonnen wurde. Die endgültige Optik geht auf die Frührenaissance zurück. Stundenlang kann man das Rathaus bewundern und man wird immer wieder neue Details entdecken. Nicht zu übersehen ist die Astronomische Uhr an der Ostfront des Gebäudes. Sie stammt aus dem Jahr 1520 und wurde von Isaak Habrecht entworfen und umgesetzt.

Wir lassen das Rathaus hinter uns und weiter geht es durch ein paar verschlungene Gassen der Altstadt. Auf einer alten Steinbrücke überqueren wir wieder die Donau und befinden uns nun auf der gegenüberliegenden Seite der Altstadt. Wir laufen dem Fluss entlang in Richtung Adenauerbrücke. Dort angelangt, haben wir Kilometer 19 erreicht und es wird Zeit, dass wir uns von den Halbmarathonis trennen.

Die Marathonstrecke führt noch etwas weiter geradeaus in Richtung Donaubad. Das Teilnehmerfeld lichtet sich nun erwartungsgemäß deutlich und ich genieße erst mal die Ruhe. Die Kehre im Donaubad amüsiert mich jedes Jahr wieder. Zwischen dem Schwimmerbecken und den Sprungtürmen hindurch machen wir uns auf den Rückweg zur Adenauerbrücke, die wir schließlich auch überqueren. Von hier oben hat man nicht nur einen tollen Blick auf das Münster, sondern auch auf das Feld der Halbmarathonläufer, die kurz vor dem Ziel sind.  

 

 

Auf dem Wall über der Donau geht es nun wieder an der Altstadt vorbei. Ich erreiche die HM-Marke, es läuft ganz gut. Allerdings spürt man schon aufkommenden Wind, wohl Anzeichen des für den frühen Nachmittag angekündigten Sturmtiefs.

Ich bin gespannt auf den neuen Streckenteil, der uns nun erwartet. Bis Kilometer 25 geht es weiter an der Donau entlang zurück zum Messezentrum, wo wir gestartet waren. Auf dem Weg dorthin überholt mich Alina Reh, die von ihrem Trainer auf dem Fahrrad begleitet wurde. Alina hat bei Europameisterschaften schon diverse Medaillen über die 5.000 und 10.000 Meter, sowie bei Crossläufen eingeheimst. Sie wird heute über 10 km an den Start gehen und läuft sich gerade warm. Kurze Zeit später kommt sie auch schon wieder mit einem Affenzahn zurück. Was sie aufwärmt, würde mich platt machen.

Wir erreichen das Messezentrum und sind für den nächsten Kilometer auf bekanntem Terrain.  Über die Stege eines Wasserkraftwerks überqueren  wir erneut die Donau. Das ist nun wirklich Neuland für mich. Der Einstein-Marathon ist für die nächsten paar Kilometer ein schöner Landschaftslauf - ich freue mich über die Abwechslung. Auf einem Naturweg geht es in Richtung Pfuhler See. Manchmal kann ich ein paar Läufer überholen, manchmal werde ich überholt. Man spricht miteinander, ist gelassen, von Hektik keine Spur. Kilometer 28 bis 29 führen uns um den Pfuhler See, der jedoch dicht eingewachsen und so nur gelegentlich für uns sichtbar ist. Danach laufen wir von Kilometer 30 bis 35, bis auf eine kleine Schleife, wie in der ersten Runde von Pfuhl nach Offenhausen.

Allerdings haben wir jetzt mit ziemlichen heftigen Sturmböen zu kämpfen, denn das angekündigte Sturmtief Fabienne nimmt deutlich Fahrt auf. Manchmal muss man sich richtig gegen den Wind stemmen, um der Richtung zu halten. Irgendwie ist das wie seinerzeit beim  Marathon auf Helgoland.

 

 

Ebenfalls auf gleicher Strecke wie bei Runde 1 laufen wir von Neu-Ulm nach Ulm in die Altstadt. Hier ist der Wind weniger deutlich spürbar.  Fünf Kilometer noch, die Ersten des 10km-Laufs zischen an mir vorbei. Erneut auf der Adenauerbrücke angekommen, bin ich hell begeistert.  Egal wohin ich schaue, überall wuselt es von Läufern.  Derweil spüre ich deutlich, dass der Kampf gegen den Wind ordentlich Körner gekostet hat. Anmerken lassen will ich mir das aber nicht und versuche mein Tempo zu halten. Das ist nicht einfach, denn die engen Altgassen sind nicht gerade flach. An jeder Ecke meine ich, das Münster und damit das Ziel sehen zu müssen. Aber es zieht sich …

Aber dann ist es soweit. Der Veranstalter hat Wort gehalten, die Marathonis laufen auf einer für sie reservierten 300 bis 400 Meter langen Zielgeraden ins Ziel am Münsterplatz und bekommen von den vielen Zuschauern viel Extra-Applaus. Ein tolles Gefühlt und ein einmaliges Ambiente. Ich will eigentlich nur durchatmen, innehalten und genießen. Einfach ist das nicht bei der Maße an 10km-Läufer, die jetzt ins Ziel kommen.

Aber der Veranstalter hat noch eines drauf gesetzt und für die Marathonis einen eigenen Zielbereich geschaffen, dessen Zugang streng kontrolliert wird. Trotz des Windes hat es 25 Grad, und ich bin völlig durchgeschwitzt. Da kommt mir die Regenjacke, die es mit Finisher-Aufdruck exklusiv für Marathonis gibt, gerade recht. Freunde zu treffen ist abseits des Trubels auch kein Problem. Man ist sich einig, dass die Neuerungen und der Streckenverlauf beim diesjährigen Einstein Marathon absolut gelungen  sind und man gerne wieder kommt.    

 

 

Informationen: Einstein-Marathon
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