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Laufberichte

Von wegen alter Harung!

 

„Denn so ein alter Harung, der hat Erfahrung...“, heißt es bekanntermaßen in dem alten Volkslied über die zunächst unglückliche Liebe einer platten Flunder in einen knackigen Hering. Knackig bin ich zwar nicht mehr, aber inzwischen mit jeder Menge Erfahrung gesegnet. Daß man auch im hohen Alter nie ausgelernt hat, durfte heute ein unbekannter Autor eines bekannten Marathonportals erleben.

Wenn man morgens früh zum Laufen hinaus will, muß man seine Siebensachen abends paratlegen. Gesagt, getan. Doch wo ist der Championchip? In der Sporttasche. Wo ist diese? Im Büro. Super. Gott sei Dank habe ich einen Zweitchip. Nur mit dem bin ich nicht angemeldet. Um 7 Uhr stehe ich also am Haupteingang des Verteidigungsministeriums auf der Hardthöhe und die Wachmannschaft macht große Augen, was der Kerl sonntags um diese Zeit und vor allem in diesem Aufzug will. Die Tasche ist erfreulicherweise da, wo sie sein soll, jedoch ohne Chip. Jetzt ist es an mir, große Augen zu machen. Was tun? Trotzdem mitlaufen, denn wenigstens die Startnummer habe ich und damit lassen sie mich auf die Strecke und eine Medaille sollte es am Ende auch geben. Mannomann.

Ich flitze zur Abfahrt Auerberg von der A 565, wo ich unter der Brücke parke und mich vom Shuttlebus zum Ort des Geschehens bringen lasse. Ein hervorragender Service, fast wie beim Besuch der Heimspiele des 1. FC Kaiserslautern, aber das ist ein anderes Thema. Leider kein gutes. Meinen Kleidersack werde ich im Zelt am Belderberg /Stadtgarten los und schlängele mich durch die erwartungsfrohe bunte Läuferschar hinter dem attraktiven Koblenzer Tor in den Startblock. Der zweigeschossige barocke Torbau ist Teil des ehemaligen (Kölner) kurfürstlichen Schlosses. Um 8:30 Uhr stehe ich parat, nachdem ich zahlreiche liebe Bekannte begrüßen konnte.

 

 
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Warum schon jetzt, wenn der Marathon doch erst um 10:30 Uhr startet? Ganz einfach, nach Paris am letzten Sonntag genügt mir heute ein Halber und dank 21,1 km-Kurs hat man damit das ganze Vergnügen trotz halber Strecke. Euch entgeht also nichts und auf der Strecke ist erheblich mehr los als zwei Stunden später. Die Nachmeldung bescherte mir eine Startnummer ohne Blockeinteilung, daher reihe ich mich nach den Erfahrungen aus 2012 und 2013 (zeitlich versetzte Blockstarts) recht weit vorne ein, kontrolliert wird das nicht. Um 8:45 Uhr wird die Elite losgeschossen, wenig später der erste reguläre Block, danach der, in dem ich stehe, und der sich im Nachhinein als der richtige entpuppen sollte.

Zunächst ein paar Meter geradeaus, geht es dann nach rechts direkt auf der den Rhein überspannenden Kennedybrücke zur Beueler Seite. Auf dem rechten Randstreifen steht neben vielen anderen – nein, nicht Elke, sondern unser lieber Freund Michel Descombes. Wir begrüßen uns herzlich wie alte Bekannte. Fein ist bereits die Percussion-Band, die uns lautstark Beine macht und gut gelaunt alles bearbeitet, was Krach macht. Die Straßen in Beuel sind breit, dazu ist das Feld natürlich stark entzerrt, ich finde sogleich meinen Rhythmus. Das ist doch eine ganz andere Kiste als noch vor sieben Tagen in Paris, obwohl auch hier ein wirklich ansehnliches Feld unterwegs ist. Knapp unter zwei Stunden, das ist mein Ziel für heute. Aber als ich auf die Uhr schaue, entpuppen sich die gefühlten 5:30 bis 5:40 min/km als eine halbe Minute schneller. Das Feld zieht ganz offensichtlich und der alte Harung ist ganz tapfer dabei.

 

 
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Das Laufen durch ruhige Wohngegenden, immer wieder mit einigen Stimmungsnestern durchsetzt, ist nett, die Verpflegung gut, das Angebot für Halbmarathon eigentlich überdimensioniert. Wer braucht auf 21,1 km Cola? Und das schon nach wenigen km? Oder Bananen? Keiner, aber bei so manchem Mitstreiter tut es bestimmt der Psyche gut, und daher ist das völlig ok. Fünf Jahre sind seit meinem letzten Auftritt an dieser Stelle vergangen, das hätte ich wirklich nicht gedacht. Alles ist noch sehr präsent, als sei es erst gestern gewesen. Zweimal bin ich den Marathon ganz gelaufen, das erste Mal noch auf der 42,2 km-Runde, und der Halbmarathon ist es heute zum dritten Mal.

Vorbei erneut an Michel und der Sambagruppe verlassen wir Beuel nach sieben km wieder und wechseln bei bestem Wetter auf die Bonner Seite zurück. Was haben wir für einen Dusel: Bei uns hatte es die ganze Nacht teilweise wie aus Eimern gegossen und auch aus Bonn wurden morgendliche Platzregen berichtet. Im strömenden Regen angefahren und in den Shuttlebus gestiegen, setzte der Segen von oben schlagartig mit dem Verlassen des Busses aus. Kurz vor dem Start reißt die Sonne auf und sollte uns nicht mehr verlassen. Das, gepaart mit etwa 13° Lufttemperatur, lässt keinen Raum für Ausreden bei ungenügender Zielerreichung.

 

 
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Die erneute Unterquerung der Kennedybrücke auf der Bonner Seite erlaubt einen phantastischen Blick auf die hinter uns Liegenden, die sich noch auf der Rheinüberquerung befinden. Km 10, jetzt schon am Ufer in der Rheinaue, passiere ich nach gut 52 min., was mich doch ein wenig nachdenklich macht. Ob das auch nur näherungsweise zu halten sein wird? Doch ich fühle mich wirklich überraschend frisch und locker, und schreite daher weiter munter aus. Es geht ja um nichts, falls ich einbrechen sollte. Vorbei an der Bastion sticht mir ein sehr vertrautes Bild ins Auge: Ein vermuteter Junggesellenverein macht mächtig Alarm und betreibt eine private Verpflegungsstelle mit bleihaltiger Gerstenkaltschale. Niemand in meinem Umkreis reagiert auf ihre lautstarke Animation bis auf einen Mann, der locker ihr Vater sein könnte. Aaaah!, sage ich nur, sehr lecker! Und die Buben sind glücklich.

Herrlich ist der Blick voraus, rechts auf den „Langen Eugen“, das ehemalige Abgeordnetenhochhaus (nach dem eben nicht langen ersten Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier), und den Postturm, links auf das nicht nur für Läufer hochattraktive Siebengebirge. Kilometerweit kann ich die Läuferschlange zunächst von hinten nach vorne beobachten, später umgekehrt, ein imposantes Bild. Ja, das ist heute der Vorteil des Halben. Später, wenn nur noch die Marathoner unterwegs sein werden, wird es deutlich einsamer werden. Das Verhältnis der Teilnehmer beträgt etwa 1:8, 735 Marathonläufern im Ziel stehen 5.985 Halbe gegenüber. Verglichen mit den Werten von 2013 ist der Halbe stabil geblieben, die Beteiligung beim Marathon ist jedoch um ein Fünftel niedriger.

Die Villa Hammerschmidt, der Bonner Dienstsitz des Bundespräsidenten, wird passiert, ebenso mit dem Wasserwerk das ehemalige Ausweichquartier des Deutschen Bundestags während der Renovierung des damaligen Plenarsaals. Jetzt wird es selber saniert. Vorbei am Postturm, ein Dreigestirn Dudelsackbläser gibt mir den passenden Vorgeschmack auf meinen nächsten Marathon, sind als erneute Wendepunktstrecke breite Straßen abzulaufen, auf denen man sich auch bei hoher Läuferdichte nicht in die Quere kommt.

 

 
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An km 15 stimmt die Pace fast auf die Sekunde genau, 1:18 Std. sind vergangen, und ich beginne bereits auf eine Zeit deutlich unter zwei Stunden zu spekulieren. Zurück am Postturm haben wir bereits die komplette Begegnungsstrecke hinter uns. Nach km 17 hat man die Strecke geändert, denn es geht nicht mehr zurück auf die B 9, sondern zwischen neu errichteten Bürohäusern, vorbei an der Deutschen Welle, hindurch. Die B 9 erreichen wir erst ein kurzes Stück später, auf ihr ist – völlig ausreichend – nur der rechte Fahrstreifen für uns abgesperrt. So bleibt der Durchgangsverkehr in Richtung der vielbefahrenen Reuterstraße unbehindert.

Danach kommen, fast wie in einem Freilichtmuseum, die, ja, mittlerweile wohl Relikte der Bonner Republik: Haus der „Gechichte“, wie der Kanzler der Einheit zu sagen pflegte, Kanzleramt mit Adenauerkopf, Villa Hammerschmidt (Bundespräsidialamt) und das Museum Koenig, Sitz des Parlamentarischen Rates und erster Plenarsaal. Unmittelbar vor ihm verpflegt uns traditionell die Bundeswehr und ich freue mich, direkt am Beginn meinen lieben Kameraden Mathias S. aus dem Nachbarreferat zu sehen, der ob der unverhofften Begegnung mit der Sonne um die Wette strahlt. Auch die bei manchen beliebte Dusche ist wieder mit von der Partie.

Ich jedenfalls habe mit Blick auf das Zeiteisen Blut geleckt und nehme die Beine in die Hand. Das klappt nach wie vor für einen älteren Herrn hervorragend, damit hätte ich im Leben nicht gerechnet. Je näher wir der Startaufstellung kommen, desto stärker entwickelt sich der Zuschauerzuspruch. Wir müssen allerdings noch eine kleine Runde von anderthalb km durch Stadt drehen und biegen daher links ab. Vorbei am Münster durch die zentrale Innenstadt führen die letzten paar hundert Meter vor vielen Fans, vorbei an der Replik des ehemaligen Sterntors durch die Sternstraße auf den Zielbogen vor dem historischen Rathaus zu. Der rote Teppich ist hier angesichts des Hauptsponsors und Namensgebers ein gelber, sehr nett anzuschauen, und schon ist es geschafft. Ich fühle mich wirklich locker, nicht im Ansatz am Ende und bin doch noch unter 1:50 Std. geblieben. Zufriedenheit macht sich breit.

 

 
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Nach der Medaillenübergabe geht’s zur Zielverpflegung. Die ist nicht gut, nicht hervorragend, sondern einfach konkurrenzlos superspitzesensationell! Ehrlich, hier hat absolut niemand die Chance, mit negativer Kalorienbilanz nach Hause zu fahren. Im „REWE-Dorf“ gibt’s Kalorien bis zum Abwinken (und auf der Homepage sogar eine Speisekarte!). Fruchtiges (Melonen, Äpfel, Bananen), Süßes (Quarkbällchen, div. Blechkuchen, Snickers, Mars, Bounty, Twix, Corny, Riegel), Salziges (Laugenstangen, Schmalzbrote, Frischkäsebrote), Herzhaftes (Fleischwurst, Flönz [für Ausländer: Blutwurst], Remouladeneier, Gouda, Gürkchen), Grillspezialitäten (Bonn Marathon Wurst, Bonn Marathon Frikadelle), Getränke (Tee, Kaffee, Fleischbrühe, Coca Cola, Bonaqa Apfelsaft, Dextro Energy, Kölsch,  Erdinger Alkoholfrei). Wie gesagt, es ist der Hammer!  Hoffentlich lässt die gefräßige Meute noch etwas für diejenigen übrig, die sich über die doppelte Distanz wirklich anstrengen müssen.

 

 

Wieder einmal durfte ich an einer prima Veranstaltung teilnehmen, deren diesjähriges Motto die Qualität korrekt wiedergibt: „Bonn hat einen Lauf!“. Das nächste Mal dann aber wieder mit Chip. Denn der lag friedlich in der heimischen Laufsockenschublade.


Streckenbeschreibung:
Zweimal zu durchlaufender Halbmarathonrundkurs mit 45 Höhenmetern, zu 100 % befestigte Wege.

Rahmenprogramm:
Marathonmesse mit Startunterlagenausgabe ab Donnerstag im Zelt auf dem Münsterplatz- so müßte es in Koblenz sein! Ökumenische Andachten „Goldener Startschuß“ um 8.00 bzw. 9.30 Uhr am Lauftag. Kostenloser Massagedienst im Ziel.

Auszeichnung:
Auch für Halbmarathoner Medaille, Funktionshemd und Urkunde.

Organisationsbeitrag:
Für den Halbmarathon 36 – 55 €, für den Marathon 49 – 70 €, je nach Anmeldezeitpunkt.

Logistik:
Zielgelände 300 Fußmeter fußläufig zum Hauptbahnhof, Startaufstellung rund 500 m entfernt. Kleiderdepot in unmittelbarer Zielnähe. Duschen im Viktoriabad im Zielgelände. Kostenlose Pendelbusse zu offiziellen Teilnehmerparkplätzen in Bonn-Graurheindorf an der A 565.

Verpflegung:
6 Verpflegungsstände und zusätzliche 2 Wasserstellen an der Strecke auf jeder Halbmarathonrunde. Es gibt Wasser, Tee, Cola, Isogetränk und Bananen als feste Nahrung. Im REWE-Verpflegungsdorf für die Finisher grandiose, unvergleichlich gute  Zielverpflegung.

Zuschauer:
Im Bonner Stadtzentrum und in den Stadtteilzentren ordentliches Interesse.

 

Bilder vom Vortag

 

 

 
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Informationen: Deutsche Post Marathon Bonn
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