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Laufberichte

Die Hörner gepackt!

 

 

„Wir geben Gas!“

 

Zwei von der schnellen Truppe lerne ich kennen, Christina Schwab und Kerstin Seisenberger strahlen mit der Sonne um die Wette. Warum die als Team der Schlechtwettersportler laufen, weiß ich nicht. Nur, dass sie mich irgendwo versägen, denn das Ziel werden beide ein paar Minuten früher erreichen als ich. Und ein Bekannter aus meiner Heimat marschiert in Richtung der Weltcuphütte. Joshua Golde aus Handzell versucht sich an seinem ersten Bergmarathon, keine schlechte Wahl.

Nach der Weltcuphütte verlassen wir wieder die bequemen Wege, es wird zwischen Ofterschwanger Horn und Sigiswanger Horn recht rustikal: Wurzeln, Steine, Stufen, und an einer Stelle ist ein Baum umgestürzt. In den Stamm hat man mit der Kettensäge ein paar Stufen hineingeschnitten. Gut fünf Minuten dauert die Gaudi, dann wechseln wir wieder auf Almgelände. Kilometer elf, fast 90 Minuten bin ich dafür unterwegs. Bei den Zeiten kann es noch dauern bis zum Feierabend.

Panoramaweg nennt sich dieses Wegstück. Und in der Tat, immer neue interessante Ausblicke tun sich auf in Richtung Rangiswanger Horn. Freier Blick hinunter nach Bolsterlang und Fischen oder jenseits der Iller, wo der Höhenzug zwischen Sonnenkopf, Entschenkopf und Rubihorn herübergrüßt.

 

Am Weiherkopf

 

Kurz vor dem Weiherkopf hat man an einer Stelle den Wanderweg neu hergerichtet. Mit den Stufen lässt sich das Stück gleich leichter begehen. Dann wartet der finale Anstieg zum Gipfel des APM. 60, 70 steile Höhenmeter, wo wir wieder in den Seilen hängen, wenn es welche hätte. Ich laufe auf zwei weitere Neulinge auf, von denen ich eine für den Event gewinnen konnte. Silvia Herbold und Karl Eberle. Und dann kommt noch der Wadlbeisser Erwin Bittel, der die Silvia in den Wadl zwickt.

Die Wanderwege sind heute im Gegensatz zum letzten Jahr in hervorragendem Zustand. Bisher waren es nur ein bis zwei kurze nasse Stellen. Dennoch sind Trailschuhe eine gute Wahl.1665 Meter hoch ist der Weiherkopf, erst seit kurzem führt hier eine neue Sesselbahn hoch. Jenseits des Tops geht es auf einem Rieselweg steil hinunter. Wer Straßenlaufschuhe hat, der kann sich im unteren Bereich an den angebrachten Seilen festhalten.

Unten auf dem Sattel können wir es wieder laufen lassen auf der Asphaltpiste, die uns an der Alpe Hinteregg vorbei und dann zum Berghaus Schwaben hoch führt. Dort wartet wieder eine Tankstelle, wo auch Melonen feilgeboten werden.

Wellig, jedoch leichter als bisher, gestaltet sich die Strecke auf dem Oberen Bolgenstall. Hier hatte ich vor einigen Jahren ein schönes Erlebnis. Denn an einem Abzweig saßen zwei Almburschen mit Bier und einer Pris auf einer Decke und wollten, dass ich mitschnupfe. Wer jetzt schwer von Begriff ist, a Pris is a Schmeixler oder a Schnupftabak. Die Wassertränken für das Vieh werden auch von den Läufern aufgesucht, denn viele kühlen sich ab, es ist mittlerweile gut warm geworden. Wir überschreiten den Höhenzug zwischen Bolgen und Riedberger Horn.

 

Tendenz bergab – Riedbergpaß/Obermaiselstein

 

Nächstes Ziel ist die Grasgehren-Hütte (1474 Meter), wo eine Hauptverpflegungsstelle aufgebaut ist. Nicht nur Wasser, Iso und Cola wartet, sondern Kuchen, Zopf, Butterbrote und Obst in Hülle und Fülle stehen auf der Speisekarte. Vor einigen Jahren wurde mir hier ein Weizenbier kredenzt. Ich werde da mal bei Axel nachhaken, ob man so etwas wieder einrichten könnte. Nach fünf Minuten Völlerei mache ich mich auf den weiteren Weg.

Nach einem Kilometer erreiche ich den Riedbergpass, Deutschlands höchst befahrener Gebirgspass. Im Winter kann es schon mal passieren, dass Balderschwang, die letzte deutsche Gemeinde vor der Bundesgrenze, abgeschnitten ist.

Wir lassen die Asphaltstrecke hinter uns, nach ein paar Minuten wartet auf den Wanderer die Schönbergalpe (1345 Meter), wo hausgebackener Kuchen angeboten wird. Dann sagt die Kamera „Speicherkarte voll“. So kommt mir die nächste Steigung gerade recht. Denn beim Gehen kann ich mir auf dem Chip wieder Platz schaffen. Wir umrunden den Schafkopf.

Die Streckentrennung, Marathonis nach links, Ultras nach rechts, ist unweit der Alpe Dinjörgen. Die Ultraläufer sind natürlich bereits über alle Berge. Unser Kurs dreht nun in östliche Richtung, zunächst noch leicht ansteigend zur Freiburger Alpe (1328 Meter), die rund 300 Höhenmeter unterhalb des Beslerkopfes liegt. Mittlerweils hat sich das Feld weit auseinandergezogen.

Rund fünf Kilometer verläuft jetzt unser Weg bergab, zunächst noch soft, wir können es laufen lassen. Keller-Alpe (1320 Meter), Untere Gund-Alpe, Schwaben-Alpe (1241 Meter) und Lochbach-Alpe (1155 Meter), immer weiter geht es das Lochbachtal hinaus, der Bach hat wenig Wasser. Zuletzt warten noch einige steile Serpentinen hinunter. Alex hat gewarnt, diesen Teil mit Vollgas hinunter zu brettern. Denn wer es laufen lässt, wird bei Kilometer 30 eine harte Landung erleben, wenn es auf dem Radweg zum Hirschsprung eben weitergeht.

Der Hirschsprung ist eine Schlucht zwischen Tiefenbach und Obermaiselstein. Den Namen soll diese Schlucht nach einer Sage erhalten haben. Ein Luchs soll einen Hirsch verfolgt haben und der soll hier über diese Schlucht gesprungen sein. Das Ortswappen von Obermaiselstein bildet genau dieses Motiv ab.

Wir biegen links zum Sagenweg ab. Da warten dann für Kinder Geschichten über den wilden Drachen und dem wilden Fräulein am Rotfischbach. Wir verlassen den Märchenwald und dann wartet die letzte üble Steigung vor dem Weiler Haubenegg. Knapp 100 Höhenmeter zum Herrenberg müssen wir bezwingen. Und das jetzt in dem prallen Sonnenlicht. Eine Marathoni hantiert am Weiler mit einem Wasserschlauch herum. Es dauert, bis das kühle Wasser fließt. Bucklig, über Pfade, auch mit Treppen bergauf und bergab, erreichen wir dann Obermaiselstein.

Letztes Jahr hat mich es hier überschlagen. Ob es eine Wurzel oder ein hervorragender Stein war, weiß ich nicht mehr. Ich hatte bei meinem Abflug nur Bedenken, dass es mich zur Schönberger Ach hinunterhaut. Mehrmals laufe ich auf Shiva Shankar Paul auf, der aus Bangladesh stammt und den es nach München verschlagen hat. Wir können uns gut verständigen, denn es versteht mein Bayrisch gut.

 

Gestärkt ins Ziel

 

In Obermaiselstein laufen wir ein kurzes Stück auf der Paßstraße, die wir dann „unter Aufsicht“ der Helfer überqueren. Ja, rund 250 der fleißigen Geister sind aufgeboten. Und jeder macht seinen Job mit Liebe und Engagement. Nicht nur der Läufer will sein Lob, sondern auch der Helfer. Ob er an der Straße steht und den Verkehr warnt, ob er an der Verpflegungsstelle Getränke einschenkt, oder ob er als Bergwachtler eine wichtige Funktion hat. Leute, ihr macht Eure Sache wirklich bestens, meine Anerkennung.

An der nächsten Tanke im Auwald am Weiler Ach haben mittlerweile die gelb-schwarzen Brummer mitbekommen, dass es da was zum Schnabulieren gibt. Einige Wespen haben es auf ein Melonenstück abgesehen und lassen sich nicht vertreiben. Kilometer um Kilometer geht es später sanft bergab bis zum Ortsteil Weiler. Nach der Unterquerung der Bundesstraße 19 laufen wir an die Iller heran. Es geht hoim.

Kurz vor Kilometer 40 wechseln wir auf die rechte Illerseite. Einige Wassersportler sind auf dem Fluss zu sehen. Letzte Tanke. Der Mann mit der Gießkanne hat mich längst gesehen, ich höre ihn anweisen: „Richtet das Bier her“.  Dann verpasst er zuerst Kerstin Seipt einen kalten Guss über den Rücken und ich kriege einen kalten Aufguss auf Hopfenbasis für die Kehle.

Ich verliere zwar etwas Zeit an der Tanke, aber durch zwei zügige letzte Kilometer kann ich noch einige Läufer hinter mir lassen. Mein Ziel Sub 5 geht auf, denn nach 4.56 Stunden durchlaufe ich das Zielbanner, wo Häuptling Axel jedem Finisher gratuliert.

 

Im Ziel

 

Es sind zwar 10 Minuten mehr Laufzeit als 2014, aber ich habe mehr Bilder gesammelt. Im abgesperrten Bereich warten alkoholfreies Weizen, Kuchen, Obst und weitere Leckereien. Zum Duschen, Baden und Saunieren können wir in das Wonnemar gehen. Ein bei der Nummernausgabe erhaltenes Bändchen öffnet uns dafür die Türen.

Nur wenig später kommen Silvia Herbold und Karl Eberle ins Ziel. Der Silvia hat der APM gut gefallen, sie stuft ihn sogar noch schwerer ein als den Jungfrau Marathon. Und meine Vereinskollegin Petra ist um vier Sekunden an Bronze vorbeigelaufen. Ich werde ihr einige Hügelläufe verschreiben, das war die Ursache.

 

Mein Fazit:

 

Wer in einen Bergmarathon hineinschnuppern will, ist hier gut aufgehoben. Heute waren die äußeren Umstände perfekt. Die Helfer sind freundlich, aufmerksam und zuvorkommend. Das Konzept ist stimmig. Gut gemacht. Wir kommen wieder, Axel und Christian. Neuer Termin ist Mitte August 2016 und da wartet die zehnte Ausgabe. Axel wird sich dafür etwas einfallen lassen.

 

Ergebnisse Marathon Männer:

1. Steffen Wittmann, Laufarena Allgäu, 3.23.24
2. Tilo Minges, Winden, 3.25.14
3. Stefan Stahl, Allgäu Outlet Raceteam, 3.26.10

Ergebnisse Marathon Frauen:

1. Pamela Veith, TSV Kusterdingen, 3.50.48
2. Alice Pulver, TV Immenstadt, 3.53.50
3. Alexandra Hagspiel, Allgäu Oulet Raceteam, 3.57.04

 

 

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Informationen: Allgäu Panorama Marathon
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