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Laufberichte

Ein doppeltes Jubiläum

 

Rückblick: Es ist der 21.4.1996. Judith und ich sind beim Hamburg Marathon, sie als Teilnehmerin, die sich zum ersten Mal auf die 42,2 km lange Strecke wagen möchte, ich als Zuschauer, der mit Laufen eigentlich nichts anfangen kann. Schweißtreibend wird das Ganze allerdings auch für mich, da die Verfolgung einer Läuferin mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ganz ohne App-Unterstützung gar nicht so einfach ist. Bekanntermaßen habe ich meine Meinung zum Laufen anno 2002 geändert, sodass wir diesmal, fast auf den Tag genau 30 Jahre später bei der 40. Ausgabe des Großereignisses zusammen antreten.

Wir nehmen am Samstag den ICE aus München und sind nach fünfeinhalb Stunden in Hamburg. Das Hotel auf St. Pauli nahe der Reeperbahn habe ich für drei Nächte gebucht und so einen günstigen Kombinationspreis erhalten. Nach einer Kaffeepause machen wir uns auf zur Marathonmesse in der Messehalle 3, neben dem Start- und Zielbereich. Was wir nicht bedacht haben: samstags um 17:00 Uhr, zwei Stunden vor Ende der Startnummernausgabe, herrscht Hochbetrieb. Die Warteschlange zieht sich unstrukturiert zwischen den Messehallen dahin. Nach 30 Minuten dürfen wir in die Halle und ich sehe einen Stand der Marathons an der Côte d`Azur. Es trifft sich gut, dass ich den schönen Rücksack vom Nizza-Marathon aus dem letzten Jahr dabeihabe. Da freut sich der Standbetreuer.

Vor uns ein Hamburger Stadttor, das dem Wappen nachempfunden ist, aufgeblasen natürlich. Spannend, dass sich auch hier noch Mitstreiter als Quereinsteiger in die Schlange schmuggeln.

An der Ausgabe gibt es dann eine frisch gedruckte Startnummer, die mit dem Chip versehen wird. Und der Ausweis wird überprüft. Der große rote Startersack enthält neben einigen Produktproben und Gutscheinen eine schöne Broschüre mit Geschichten aus 40 Jahren Hamburg-Marathon sowie Informationen zum morgigen Tag. Ein sehr schönes Andenken, ansprechend gestaltet wie auch der Internetauftritt.

 

 

Marathontag

 

Es wird heute zwei große Startbereiche geben. Der eine ist in der Karolinenstraße, wo auch das Elitefeld startet, der andere parallel Bei den Kirchhöfen. Alleine für den Marathon sind 20.000 Läuferinnen und Läufer gemeldet (15.558 Finisher). Damit ist Hamburg nach Berlin der zweitgrößte Marathon in Deutschland. Für alle Wettbewerbe zusammen gab es 46.000 Anmeldungen. Alles noch nie dagewesene Zahlen. Die Veranstaltung war bereits im Herbst letzten Jahres komplett ausgebucht.  
Beim Umziehen vor der Taschenabgabe steht Thorsten aus Rotenburg an der Fulda neben mir. So lerne ich, dass es in Deutschland mehrere Rot(h)enburgs gibt. Das bekannteste ist das in Bayern, das schönste nach Aussage von Thorsten das an der Fulda.

Die Taschen werden von einem sehr gut gelaunten Helfer entgegengenommen. Während die vielen Toiletten vor der Halle schon reichlich „Kundschaft“ angezogen haben, stellen wir fest: Eine Halle weiter gibt es noch mal unzählige Toilettenhäuschen, fast unbemerkt und ohne Schlangen. Ebenso gibt es WCs an den Startblöcken. Die Wege zu den vielen Startbereichen sind gut ausgeschildert. Vom Start der Elite bekommen wir nichts mit, wir sind im zweiten Startbereich und haben das Glück, ganz vorne zu stehen. Ein super Gefühl. Der Moderator verbreitet gute Laune. Der Sportstadtrat Christoph Holstein wird unseren Start mittels einer Glocke anglasen. Das hat in Hamburg Tradition und kommt noch aus der Zeit, als der Marathonstart noch auf St. Pauli war. Und dort gilt ein Schusswaffenverbot.

 

 

Mein Ziel wäre heute, mit Judith zusammenzubleiben. Schon nach wenigen hundert Metern treffen wir auf die Hauptstrecke. Die Marathonroute ist einfach beschrieben: eine flachgedrückte große Runde, die zuerst nach Westen und dann durchs Zentrum führt und schließlich eine größere Schleife nach Nordosten beschreibt. Rechts von uns das weitläufige Heiligengeistfeld, wo dreimal im Jahr das Volksfest „Dom“ stattfindet. Mein Blick fällt auf den ehemaligen Bunker im Hintergrund. Den kenne ich schon von meinem Schulausflug 1983. Inzwischen hat man ein Hotel mit viel Grün obendrauf gesetzt. Auf einer außen herumführenden Treppe kann man das Bauwerk erklimmen. Nebenan das Millerntor-Stadion, wo der FC St. Pauli beheimatet ist.

Dann schwenken wir schon auf die Reeperbahn. Ich höre zwei Mädels neben mir singen:

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins
Ob du'n Mädel hast oder ob kein's
Amüsierst du dich
Denn das findet sich
Auf der Reeperbahn nachts um halb eins
Wer noch niemals in lauschiger Nacht
Einen Reeperbahnbummel gemacht 
Ist ein armer Wicht 
Denn er kennt dich nicht
Mein Sankt Pauli, Sankt Pauli bei Nacht


Da kann ich locker mitsingen. Die Laufenden um uns herum blicken überrascht. Anscheinend sind die Zeiten vorbei, in denen man noch den Film „Große Freiheit Nr. 7“ mit Hans Albers kannte. Wobei ich die beiden Damen nicht älter machen will. Der Film selbst, gedreht 1944, wurde vom Propagandaministerium gesperrt und erst nach Kriegsende aufgeführt. Er gehört zu den 100 wichtigsten deutschen Filmen.

Die Reeperbahn steht natürlich auf dem Programm eines jeden Hamburg-Touristen (m/w/d). Am Samstagabend waren hier unzählige Gruppen mit einheimischen Reiseleitern unterwegs. Und der Penny-Markt an der Reeperbahn ist mit seinen Leuchtschriften sicher der coolste, den ich je erlebt habe. Ich halte Ausschau nach „verrufenen“ Fotomotiven. Letztendlich bleibt es bei der Davidwache, wahrscheinlich die bekannteste Polizeiwache Deutschlands. Ich bin bester Laune, zumal ich das Tempo von Judith mitgehen kann. Zuschauende gibt es hier unzählige. Nur „leichte Mädchen“ sehe ich keine. Wobei diese Bezeichnung wahrscheinlich heute politisch unkorrekt ist.

Es geht leicht bergauf. Den Hamburg Marathon genau an dieser Stelle als flach zu bezeichnen, ist meinem Übermut zuzuschreiben. Ein Straßenschild kündet vom beginnenden Stadtteil Altona. Der Name der ehemals eigenständigen Stadt könnte sich von der Bezeichnung des Hamburger Rates „all to nah“ (‚allzu nah‘) herleiten. Altona war bekannt für seine religiöse Toleranz.

Die erste Musikgruppe am Rathaus Altona. Dazwischen das Reiterstandbild Wilhelms I. Die Straße wird schmaler. Wunderschöne alte Stadthäuser am Rand und unzählige Zuschauende. Fantastisch. Langsam ändert sich die Szenerie, schöne Villenviertel tauchen auf. Immer noch viel Publikum, aber etwas leiser. Bei Kilometer 6 drehen wir Richtung Elbe. Tief  unter uns verlaufen hier die Elbtunnels der A7. Wir kommen auf die Elbchaussee. Wer die noch nicht kannte, wird anhand der Häuser schnell feststellen, dass hier die sehr reichen Hamburgerinnen und Hamburger wohnen. Es bieten sich gelegentliche Ausblicke auf die neuen Hafenanlagen. Wir befinden uns hier ein gutes Stück über der Elbe.

Mein Ausruf „Schön habt ihr es hier“ stößt bei den Zuschauern hier auf wenig Resonanz. Wahrscheinlich sind es gar keine Anwohner, sondern Marathon-Touristen.

 

 

Rechts kann man den Containerhafen und die Köhlbrandbrücke mit ihren Pylonen sehen. Der Untergrund wird rauer, hier wird die Straße saniert. Dazu passt, dass Judith ihr langärmeliges „trailrunning.de“- Laufhemd trägt. Und dann freut sich der Straßenbahnfreund in mir: Unter dem Sand und im Kopfsteinpflaster kann man die Schienen der ehemaligen Straßenbahn erkennen. 1958 wurde beschlossen, eines der größten Tramnetze Deutschlands einzustellen. Letzte Fahrt war 1978. Seitdem gibt es Busse.

Wir kommen auf die Palmaille mit herrschaftlichen Häusern. Ich sehe ein schönes Palais der „Deutsche Afrika-Linien“. 400 Linden stehen hier und viel mehr Zuschauende. Es geht ziemlich steil bergab. Vor uns öffnet sich der Blick auf den Hafen samt Hafencity und Elbphilharmonie. Der sonntägliche Fischmarkt ist schon vorbei. Hier werden Obst, Fisch und Blumen an die Kundschaft gebracht. Mit viel Verkaufstalent und guten Preisen.

Vor uns die Landungsbrücken, Anlegestelle der Fährschiffe. Der Turm zeigt außer der Uhrzeit auch den Pegel an. Ein Relief warnt: „Wohr Di, wenn de Blanke Hans kummt“ („Vorsicht, wenn die Sturmflut kommt“). Heute ist davon nichts zu spüren, es wird dafür immer wärmer und sonniger. Hier wurde 1911 der erste Hafentunnel eröffnet. Die beiden Röhren stehen noch immer Fußgängern, Radlern und Autos zur Verfügung. Hinunterfahren muss man mit dem Aufzug und ansehen sollte man sich das auf jeden Fall. Früher fand hier im Januar der Elbtunnelmarathon statt. Der Tunnel ist auch ein Grund dafür, dass sich der Hafen weiter elbabwärts verlagert hat. Die Röhren verhindern ein Ausbaggern der Elbe für größere Schiffe mit mehr Tiefgang.

 

 

Ich freue mich über Fotomotive in der Ferne mit der  Elbphilharmonie, einem noch relativ neuen Wahrzeichen Hamburgs, eröffnet im Januar 2017. Die geplante Bauzeit wurde um sieben Jahre überzogen und der ursprüngliche Etat von 77 Millionen Euro um das 11,24-fache. Die Plaza auf einer Höhe von 37 Metern kann besichtigt werden.

Über uns die Trasse der Hochbahn. 1912 eröffnet, ist die U3 seit einigen Jahren wieder eine Ringlinie. Rechts die Speicherstadt mit dem benachbarten Kontorhausviertel, 2015 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen. Die kleine Polizeiwache „Hafenkante“ gibt es nicht nur im Fernseh-Vorabendprogramm, sondern hier in echt. Unten gibt es eine schwimmende Kirche.

Hier bekommen wir neben uns ein wenig Autoverkehr. Das einzige Mal während dieses Laufs, dann tauchen die Fahrzeuge in einen Tunnel ab. Für uns folgt ein Abstecher in den Untergrund kurz darauf. Der Wallringtunnel ist 550 Meter lang. Rechts die hohe Halle des Hauptbahnhofs, dann ab in den Straßentunnel. Die Stimmung machen die Läuferinnen und Läufer selbst. Da wird geschrien und gerufen, um die Akustik zu testen.

Kurz danach sind wir an der Alster. Der 56 Kilometer lange Nebenfluss der Elbe wird uns jetzt noch recht lange begleiten. In der Mitte der Binnenalster befindet sich die bis zu 60 Meter hoch reichende Alsterfontäne. Vor uns der Turm des Rathauses. Eine Besichtigung des prachtvollen Gebäudes aus dem Jahr 1897 ist touristisches Pflichtprogramm. Hier befindet sich auch die Hauptfiliale der Hamburger Sparkasse, kurz Haspa, die seit langen Jahren als Titelsponsor fungiert. Die größte Sparkasse Deutschlands ist ehemaliger Software-Kunde meines Arbeitgebers. In der Zeitung las ich, dass sich noch viele andere Unternehmen als Marathon-Sponsoren beworben hatten, es aber keinen Werbeplatz mehr gab.

Ich genieße die Stimmung. Staffelwechsel. Die stören fast gar nicht, da etwas abseits der Hauptstrecke platziert. Auch die mit Rückenschild gekennzeichneten Staffellaufenden fallen mir heute nicht als Rabauken auf. Links eher hochpreisige Nobelgeschäfte. Die vielen Nebenstraßen sind inzwischen meist autofrei und schön gestaltet. Dazu passend das Hotel Vier Jahreszeiten. Wir vollenden die Runde um die Binnenalster und drehen auf einen Kurs an der Außenalster. Rechts das Hotel Atlantic, wo der Rockmusiker und Maler Udo Lindenberg seit über 30 Jahren eine Suite bewohnt.

 

 

Links an der Alster befindet sich die wahrscheinlich bekannteste Laufstrecke Deutschlands. Wer Hamburg besucht, muss hier unbedingt mal laufen. Am besten in die Richtung mit all den anderen. Wir dürfen heute natürlich die breite Straße benutzen. Auch hier wieder schöne Wohngebiete. Und spätestens jetzt sieht man viele blühenden Bäume. Wunderschön. Die Alster ist ja auch ein Tummelplatz für Segelboote und gelegentlich auch schwimmende Triathleten. Viele Kanäle und Seen warten nun am Rande der Laufstrecke auf uns. Manchmal sieht man auch Tretbote. Wirklich super idyllisch inmitten der Stadt. Hamburg rühmt sich, mehr Brücken zu haben als Venedig. Ist aber auch sehr viel größer. Wir drehen von der Alster ab und ich freue mich auf die Halbmarathonmarke. 2:15 ist mal wieder eine verträgliche Zeit für mich. Leider ist Judith schon ein gutes Stück weiter und ich spüre meinen Trainingsrückstand.

Links der Stadtpark. Inzwischen ist es so sonnig und warm, dass viele Zuschauer uns von ihrer Picknickdecke aus anfeuern. Und dann muss ich noch die VPs erwähnen. Die sind auf der rechten Seite, haben Wasser, Iso-Getränke und Bananen im Angebot. Später auch Cola und mehrere Male Geltütchen. Perfekt. Zumal ich Gel heute gut brauchen kann. Alle Helfenden sind sehr freundlich und reichen die Verpflegung an.

An einem leichten Anstieg erwartet uns eine Stimmungszone zur Olympiabewerbung Hamburgs. Da rufe ich dem Sprecher zu, dass ich als Münchner mir die Olympiade lieber im Süden Deutschlands wünsche.

Ein fetziger Streckenabschnitt ist die Fuhlsbütter Straße bei km 25. In den lokalen Zentren geht immer die Post ab. Die folgende City Nord, hauptsächlich eine Bürostadt, steht auf dem Programm. Gut erinnern kann ich mich an die Oberpostdirektion, ein bedeutendes Bauwerk des Brutalismus, fertiggstellt 1977 und nach gut zehn Jahren des Leerstands und etlichen Erhaltsdebatten 2017/18 abgerissen.  Das markante dunkle ehemalige Vattenfall-Gebäude, 1969 fertiggestellt und heute nach einem der Architekten „Arne-Jacobsen-Haus“ genannt, ist preisgekrönt und wird derzeit saniert.

Auch hier stehen viele Zuschauer an der Strecke und am nächsten Staffelwechsel ist dann richtig viel los. Hier wird gerade ein U-Bahn-Anschluss gebaut. Joan ist Feuerwehrmann und kämpft sich in voller Montur voran. Ein Läufer aus Dänemark nimmt, verkleidet als Wasserträger, zum 33. Mal am Hamburg Marathon teil. Das historische Vorbild wurde im Jahr 2018 sogar auf der Marathonmedaille verewigt. Johann Wilhelm Bentz alias „Hans Hummel“ war zu Anfang des 19. Jahrhunderts unterwegs. Beim Tragen der Wassereimer wurde er von den Kindern gerne verfolgt und mit dem Spottnamen „Hummel, Hummel“ geneckt, worauf er mit „Mors, Mors“ antwortete, einer Kurzform von „Klei di an’n Mors“ - “Kratz dich am Hintern“.

Nochmal sehr schön an einer Grünanlage entlang. Das sind die Gegenden, wo die Anwohner meist einen schön gedeckten Tisch vor das Haus gestellt haben und uns anfeuern. Musik gibt es von Musikgruppen, DJs und oft auch aus privaten Lautsprechern. Super.

Bald ist der nördlichste Punkt unseres Marathons erreicht. Wir sind in Ohlsdorf und schwenken auf den Weg zurück. Noch 11 km. Ich bin jetzt schon fix und fertig und freue mich über die häufig verteilten Gels, die meinen Zustand etwas verbessern.

Ein Herr mit spiegelnder Sonnenbrille spricht mich an. Ich erkenne ihn kaum, es ist Olli aus Koblenz, mit dem Judith und ich schon mehrmals gelaufen sind. Seine „Spezialität“ sind runde Marathonjubiläen. Am Streckenrand wird ein Feuerwehrmann mit Laufnummer in einer ABC-Montur von Kolleginnen versorgt.

„Chemo war härter“, steht auf dem Shirt eines Läufers, der an mir vorbeizieht. Und dann sieht man an vielen Stellen die Fans des FC St. Pauli, die sich „gegen rechts“ einsetzen. Wobei der Vollständigkeit halber auch der andere lokale Fußballverein HSV erwähnt werden muss, dessen Fahne auch gelegentlich geschwenkt wird.

 



Wir kommen nach Alsterdorf, wieder werde ich von einem Läufer auf M4Y angesprochen. Es ist Franz vom 100 Marathon Club Deutschland. Der ist heute zum 35. Mal dabei. Keinen Hamburg Marathon ausgelassen hat der inzwischen 66-jährige Joachim Lucht aus Lübeck, der dem Lauf seit 1986 die Treue hält. Über den  Blue Line Club gibt es Vergünstigungen für Vielstarter.

Km 35 ist erreicht. Die nächsten zwei Kilometer in Eppendorf sind wieder so ein fantastischer lokaler Hotspot. Die in mehreren Reihen stehenden Zuschauer treiben mich an. Ein Schild wird hochgehalten: „Where is everyone going?“ - Ja, wohin laufen sie denn? Mein Ziel ist klar: Unter 5 Stunden muss es sein. Aktuell kann ich mir keine Gehpause erlauben. Auch die Zuschauerinnen und Zuschauer würden das nicht hinnehmen. Oft werde ich nun mit meinem Namen angefeuert. Der steht zwar nicht allzu groß auf der Nummer, ist aber bei meiner Geschwindigkeit wohl gut lesbar. Ein Nationalitätenfähnchen fehlt. Wobei ich den Eindruck habe, dass in Hamburg viele EU-Freunde leben. Oft flattert die blaue Flagge mit dem Kreis aus goldenen Sternen an Häusern und Vorgärten.

Dann sind wir wieder an der Außenalster. Ein gutes Stück müssen wir an ihr entlang. Aber die Hamburgerinnen und Hamburger wissen, wo sie anfeuern müssen. Dann endlich die Halle des Bahnhofs Dammtor.

Dahinter bayerische Fahnen. Der Fanpunkt von Erdinger Weißbier auf der Casino-Esplanade. Danach, und das darf man nicht verschweigen, geht es leicht bergauf. Bei Km 41 weiß ich, dass ich mein Ziel erreichen werde. Zehn Minuten sind ein ausreichendes Zeitpolster. Nun feuern auch die ersten Medaillenträger an. Die StaffelläuferInnen werden in einen eigenen Zielkanal geleitet. Sehr gut organisiert. Wobei die allermeisten Staffeln schon im Ziel sind. Jetzt genieße ich mein Finish auf dem roten Teppich. Kurz vor dem Ziel überholt mich noch ein Handwerker mit Helm und Hammer am Hosenbund.

 

 

Judith empfängt mich im Ziel. Sie selbst war mit 4:33 h so schnell wie seit sechs Jahren nicht mehr. Altersbereinigt wäre das etwa 3:09. Bei ihrem ersten Marathon vor 30 Jahren ist sie hier 3:44 h gelaufen. Die Marathonis werden in die Messehallen geleitet. Davor die Übergabe der Medaillen. Sie zeigt die Zahl 40 plus die Namen der Sieger aller Veranstaltungen. Auf einer Seite die Männer und auf der anderen die Frauen.

In der ersten Halle erwartet uns ein großes Zielbuffet von REWE. Bei Obst, Gebäck, Suppe und Riegeln wird jeder glücklich, und einen Stand mit Erdinger Weißbier gibt es auch. Und weil es in der Halle recht kühl ist und vor der Halle sonnig, darf man die Flaschen auch mit hinausnehmen. Noch lange genießen wir die Stimmung. Massagen und Duschen gibt es hier auch. Dann holen wir in der nächsten Halle unsere Kleiderbeutel. Massagemöglichkeiten gibt es auch .Auf dem Weg zum Hotel sehen wir die schnelleren Halbmarathonis beim Zieleinlauf.

Judith und ich lassen den Abend an der Elbe ausklingen und machen am Montag einen Ausflug nach Sylt. Noch schöner wird der Dienstag in der Hansestadt bei wenig Wind und strahlendem Sonnenschein. Eine rundum gelungene Marathonreise.

 

Fazit:

 

Nicht ohne Grund ist der Hamburg Marathon einer der ganz großen, nicht nur in Deutschland. Die Stimmung an der Strecke ist fantastisch, auch in den etwas grüneren Bereichen. Die Organisation ist auf einem sehr hohen Niveau. Und wie man hört, ist das Wetter meist auch sehr lauffreundlich.

Obwohl ich schon öfter in Hamburg war, bin ich immer wieder begeistert von dieser Stadt und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Und mit der Veranstaltung dieses Marathons hat sich Hamburg für Olympia empfohlen - wäre da nicht das wunderbare Olympiagelände in München. Warten wir mal ab, wer am Ende den Zuschlag erhält.

 

Siegerinnen

1 Kipkoech, Brillian (KEN)              02:17:05
2 Tanui, Rebbeca (KEN)                   02:18:25

3 Ayenew, Kasanesh (ETH)              02:19:39

 

Sieger

1 El Goumri, Othmane (MAR)          02:04:24
2 Fitwi, Samuel (GER)                      02:04:45

3 Kimutai, Kennedy (KEN)              02:04:56

 

Finisher

Marathon        15.523

Staffel             1.070

Halbmarathon 6.766

 

 

Informationen: Haspa Marathon Hamburg
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