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Stell’ Dir vor, Du bist in New York und es ist kein Marathon

04.11.12
Quelle: Klaus Duwe

Mindestens 70 Tote, Schäden, die in die Milliarden gehen, New York wurde vom Hurrikan Sandy schwer getroffen. Man erschrickt bei den TV-Bildern von zerstörten Häusern, überfluteten Straßen und U-Bahnschächten  und fühlt mit den betroffenen Menschen. Auch Tage nach der Katastrophe sind Hunderttausende ohne Strom und Heizung, in verschiedenen Regionen ist das Trinkwasser knapp, Benzin wird rationiert.

Tausende Marathonläufer sitzen auf gepackten Koffern. Am 4. November ist der New York Marathon, der größte Marathon weltweit. Am Montag und Dienstag gehen keine Flüge. New Yorks Bürgermeister Bloomberg verspricht am Mittwoch: „Der Marathon findet auf jeden Fall statt!“ Das ist das Signal. Als die Flughäfen  offen sind, stürmen die Marathonläufer in die gebeutelte Stadt.

Die Reiseleiterin begrüßt uns mit den Worten: „Schön, dass Ihr da seid. Ich habe auch gleich eine gute Nachricht für Euch. Eure Hotels haben alle Strom und Wasser.“

Verkehrschaos auf den Straßen. Nur mit mindestens drei Personen besetzte Fahrzeuge werden in die Stadt gelassen. Geschlossene Tankstellen, Menschenschlangen vor den wenigen aktiven Tanksäulen. Benzin wird nur in kleinen Mengen in Kanistern abgegeben. Überall Polizei.

 
© marathon4you.de

Außer den Beteuerungen des Bürgermeisters und der Veranstalter, dass man die Aufgabe, so schwer sie auch sei, meistern werde und der Marathon stattfinden wird, gibt es auch kritische Meldungen in den Medien. Ob man die Kräfte nicht doch besser für die von der Katastrophe betroffenen Menschen einsetzen solle, anstatt dafür, Straßen für die Marathonläufer zu sperren, ist zu lesen. Und sind die Stromaggregate bei den frierenden Menschen nicht besser eingesetzt, als bei den Läufern. Wie kann man annähernd 50.000 Läuferinnen und Läufer mit Wasser und Obst und Nudeln verwöhnen, wo tausende alte Leute in ihren Wohnungen festsitzen, frieren und nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgt sind? Sollen die Polizeikräfte nicht besser die Menschen vor Plünderern schützen, als die Laufverrückten auf den Straßen?

Nein, keiner der Läufer will, dass die Bevölkerung ihretwegen noch mehr leidet. Im Gegenteil. Schließlich hat der Bürgermeister nicht nur den Läufern ein Versprechen gegeben, sondern in erster Linie auch der betroffenen Bevölkerung - schnelle und unbürokratische Hilfe nämlich. Damit können die Läufer leben. Sie sind happy, stürmen die Marathonmesse, holen ihre Startnummern und kaufen alles, wo New York Marathon 2012 drauf steht.

Alles wird gut, denke auch ich. Zum ersten Mal kommt so was wie Freude auf. Freude auf den größten Marathon der Welt!

Die Kritik am Marathon wächst, die Stimmung schlägt um. Eine wahre Kampagne ist im Gange.  Nicht nur die Aufgaben (Krisenbewältigung und Marathon) hat Bloomberg unterschätzt, sondern die von der Presse gemachte Stimmung gegen den Marathon.

Das ist das letzte, was Präsident Obama, der als Krisenmanager bei der Bevölkerung punkten will, kurz vor der Wahl gebrauchen kann. Bloomberg unterstützt ja bekanntlich den Präsidenten und macht einen Rückzieher. Am Time Square lese ich um 17:30 Uhr: Der Marathon ist abgesagt. Die später auf verschiedenen Portalen nachzulesenden Begründungen erspare ich mir.

Die  wahren Gründe sind: Der Bürgermeister hat sich über- und die Stimmung in der Bevölkerung unterschätzt.

Und die Renndirektorin Mary Wittenberg und ihre NYRR haben den Kontakt zu ihrer Klientel, den Läuferinnen und Läufern, offenbar längst verloren. Denn auch das fällt auf: Seit mind. 4 Wochen bekommen die Läufer wöchentlich 2 – 3 Mails vom Veranstalter mit allen möglichen Informationen, meistens in Verbindung mit irgendwelchen Kaufangeboten. Von der Absage des Marathons erfahren sie aber entweder aus der Presse oder von ihrem Reiseveranstalter. Vom Marathon-Veranstalter kommt erst 24 Stunden nach der Absage eine erste Information, gekoppelt mit einem Spendenaufruf.

Daran, dass der Läufer das Gefühl hat, es ginge beim New York Marathon mehr als anderswo nur um's Geld, sind die Verantwortlichen selber schuld.

 


 

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