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Laufberichte

Queenstown Marathon (Neuseeland)

 

Herbst ist Mist: Ich lege meinen Frühjahrsmarathon in den November!

 

Immer wenn die Winterdepression über sie kommt, beginnt meine Hauptsponsorin darüber nachzudenken, zu welchem Reiseziel man in der nächsten trüben Jahreszeit entfliehen könnte. Im vergangenen Jahr gestaltete sich die Entscheidungsfindung problematisch, da entsprechende Reisevorschläge meinerseits mit Begründungen wie „die haben da jetzt einen durchgeknallten Präsidenten“, „da waren wir doch schon“, „das Malariarisiko ist ein no go“ oder „ich unterstütze doch kein korruptes Regime“ prompt abgeschmettert wurden. Neuseeland als Reiseziel, der Vorschlag der Gegenseite, stieß dagegen bei mir auf strikte Ablehnung. Eine mehr als 24-stündige Flugreise will ich mir einfach nicht zumuten.

Der Zufall wollte es, dass mir kurz nach dem fehlgeschlagenen Brainstorming beim Stöbern im Internet ein Bild auf dem Screen erschien, auf dem ein bunte Läuferschar vor einem unglaublich blauen See unter einem unglaublich blauen Himmel vor den unglaublich schönen, schneebedeckten Bergen der neuseeländischen Südalpen zu sehen war. Genau dieses Foto, mit dem für die vierte Auflage des Air New Zeeland Marathons in Queenstown am 18. November Werbung gemacht wurde, verführte mich zu der Bemerkung gegenüber der besten Gattin: „Für diesen Lauf würde ich mir mit Vergnügen den Arxxx im Flieger platt sitzen“. Erstaunlicherweise blieb die routinemäßige Reaktion auf jegliche Ankündigung, in meinem Alter noch einen weiteren Marathon laufen zu wollen, nämlich die Aufforderung, mich auf meinen Geisteszustand überprüfen zu lassen, aus. Mit der nüchternen Bemerkung: „Dann fliegen wir halt nach Neuseeland“ waren die Würfel gefallen.

Als dann noch ein unglaublich günstiges Flugangebot mit Zwischenstop und kostenlosem Tageszimmer in Taipei in der Premier Economie Class auf dem ersten Teilstück, bzw. in der Business Class zwischen Taiwan und Neuseeland für 1560 € gefunden war, gab es kein Zurück mehr. Die Frühbuchergebühr von umgerechnet etwa 140 € plus Fahrkarte für den Shuttlebus zum Start in Höhe von rund 12 € wurde überwiesen und ein halbwegs bezahlbares Zimmer in einem Motel in fußläufiger Lage zum Zentrum gebucht.

Gottlob ist die Erde keine Scheibe und deshalb ist in Neuseeland  ziemlich alles entgegengesetzt wie bei uns auf der anderen Seite des Globus. Dort ist oben unten. Wenn hier die Sonne aufgeht, geht sie dort unter, wenn bei uns die Blätter von den Bäumen fallen, fängt es dort an zu blühen.  Für den Läufer hat das den Vorteil, dass er sein Marathontraining im europäischen Sommer machen kann, um sich auf einen Marathon im neuseeländischen Frühling vorzubereiten.

Eine Woche vor dem Lauf sind wir nach einer wider Erwarten entspannten Anreise auf der Südinsel angekommen und können auf der Fahrt mit dem Mietwagen von Christchurch über Dunedin und Te Anau nach Queenstown erste Eindrücke von unserem Reiseland sammeln. Wir haben die weltweit einmaligen Moeraki Boulders (mannshohe Steinkugeln, die am Pazifikstrand herum liegen und über deren Entstehung die Wissenschaft noch keine abschließende Erklärung parat hat)  und am Milford Sound  Wale gesehen. Gelaufen bin ich in dieser Woche nur einmal. Man soll ja Tapern und mir ist die Regeneration auf den Reisestress wichtiger, als zusätzliche Trainingseinheiten, die doch nichts mehr bringen.

Zwei Tage vor dem Lauf kommen wir in Queenstown an und beziehen unser Zimmer im Monate vorher reservierten Motel. Queenstown hat etwa 12 000 Einwohner, lebt fast ausschließlich vom Tourismus und ist im Winter die Wintersporthauptstadt  des Inselstaats.  Im Sommer gilt der Ort als die Funsportlocation Neuseelands. Hier wurde das Bungeespringen erfunden; man kann aber auch  raften, jetboaten, paragliden, skydiven, mountainbiken und am Wakatipusee jede erdenkliche Art von Wassersport betreiben. Für die Zwischensaison kommt da eine Großveranstaltung wie ein Laufevent gerade recht, um die Bettenkapazitäten und Restaurants auszulasten. An den Tagen um das Marathonwochenende verdoppeln die 10 000 Sportler und deren Begleitung aus aller Welt die Einwohnerzahl locker. Da fast alle Teilnehmer eine mehr oder weniger weite Anreise auf sich nehmen, bleiben viele für einen Kurzurlaub vor Ort.

Der Organisator der Veranstaltung ist Iron Man New Zeeland. Das steht zwar für eine professionelle Organisation, aber nicht unbedingt für eine günstige Kosten-Nutzen-Relation im Sinne der Teilnehmer. Gerechtigkeitshalber sei erwähnt, dass 58 000 NZ$ aus dem Erlös als Spenden an kommunale und nicht-staatliche Projekte in der Region gehen. Die Startunterlagen werden in der Memorial Hall in der zentralen Innenstadt ausgegeben. Die freundlichen freiwilligen Mitarbeiter geben sich Mühe. Dennoch bilden sich am zweiten Tag der Startunterlagenausgabe Schlangen bis auf die Straße vor der Halle. Der Startbeutel enthält bis auf zwei kleine Riegel und die unvermeidbare Plastiknuckelflasche  keine weiteren Giveaways.

Eine kleine Marathonmesse gibt es auch. Wirklich Neues finden wir hier nicht. Von den heftig beworbenen Merchandise-Produkte des Queenstown Marathons von ASICS ist keines im Startpreis enthalten. Ich finde sie überteuert und auch vom Design her wenig ansprechend. Geld gespart. Eine Pastaparty oder Ähnliches gibt es nicht; ich kann drauf verzichten. Den Tag vor dem  Marathon nutzen wir für eine Wanderung auf den Queenstown Hill. Von hier oben hat man eine tolle Aussicht auf die Stadt, den See und die Berge der Südalpen, im Osten die Remarkables, im Westen die bis zu 2300 m hohen und noch schneebezipfelten Richardson Mountain

 

 
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Am Marathontag heißt es früh aufstehen. Die ersten Busse, die uns zum Ausgangspunkt des Laufs bringen sollen, starten bereits um 6:45. Die Halbmarathonies sind schon eine Stunde früher unterwegs. Die Busse starten pünktlich und die lange Schlage fröstelnder Läufer löst sich rasch auf.
Start ist auf dem Gelände des Millbrook Resorts, einer exklusiven Resortanlage mit eigenem Golfplatz in der Nähe von Arrowtown. Dixiklos sind reichlich vorhanden. Kaffee und ein letzter Snack vor dem Lauf müssen bei Bedarf käuflich erworben werden. Der Himmel ist blau; es verspricht ein warmer Tag zu werden.

Es ist nicht mehr viel Zeit bis zum Start. Also suche ich meine Startgruppe mit Zielzeit 3:30-4:00 auf und halte Ausschau nach Otto aus der Schweiz. Wenn man wie ich einer der letzten Träger dieses aus der Mode gekommenen Namens ist, freut man sich über jedes Treffen mit einem anderen Otto. Würden wir in Deutschland starten, wären wir beide in der M 70, da bei uns das Geburtsjahr die Altersklasse bestimmt. In Neuseeland wird die Altersklasse erst am Geburtstag gewechselt und da meiner erst drei Wochen später sein wird, muss ich in der Klasse M 60-69 mit den Jungspunden konkurrieren. Otto (Schweiz) startet in der M 70+, in der er auch gewinnen wird. Da die beiden Ottos die einzigen Greise im Startblock sind, finden sie sich rasch.

Otto ist ein Phänomen: wie ich hat auch er erst im Alter von über 60 mit dem Laufsport begonnen und sammelt seitdem Marathons überall auf der Welt. In 10 Jahren hat er bereits über 180 Marathons und Ultras auf dem Buckel. Auf der Rückreise steht in zwei Wochen ein weiterer Marathon in Singapur auf seiner Agenda. Während wir uns unterhalten, gesellt sich Lutz aus Hamburg zu uns. Wir sind also nicht die einzigen Mitteleuropäer hier. Im Ziel werde ich einen weiteren Deutschen treffen. Uli macht ein Auslandssemester in Australien und ist wie viele australische Läuferkollegen zum Laufen eingeflogen. Die Neuseeländer sind stolz darauf, dass Teilnehmer aus 49 Ländern der Veranstaltung einen internationalen Flair verleihen. Die Australier stellen naturgemäß das größte Kontingent, aber viele asiatische Gesichter aus China, Japan, Malaysia sind zu sehen und etliche Teilnehmer aus den USA haben die Reise über den Pazifik auf sich genommen. Unter den Europäern stellen naturgemäß die britischen Läufer das größte Kontingent.

Pünktlich um 8:20 erfolgt der Startschuss und zügig kommt das bunte Feld in Bewegung. Da ich das Höhenprofil des Laufs nicht kenne (in der Beschreibung war von „ most flat with a few ondulations to keep things interesting“ die Rede) habe ich durchaus Ambitionen, will noch einmal sehen was geht. Deshalb habe ich keinen Fotoapparat dabei und es wird keine Bilder während des Laufs geben. Einige Stationen haben wir am nächsten Tag noch einmal aufgesucht und einige Aufnahmen gemacht, um einen Eindruck von der Strecke zu vermitteln. Nachdem wir das Gelände des Millbrook Resorts verlassen haben, erreichen wir nach zwei km das Städtchen Arrowtown.

Arrowtown hat seine Entstehung dem Goldrausch im 19. Jahrhundert zu verdanken. Vom einstigen Wohlstand zeugt der historische Stadtkern. Die Wildwestfassaden in der Hauptstraße, die wir durchlaufen, täuschen; dahinter verbergen sich große Lagerräume, ehemalige Werkstätten und Kontore, die heute Souveniergeschäfte und Restaurants beherbergen. In Arrowtown wurde das Gold geschürft und gewaschen, in Queenstown war das Bankenzentrum, wo die Glücksritter den Rohstoff zu Geld machten und in den Vergnügungsetablissements häufig gleich wieder auf den Kopf hauten. Als die Ergiebigkeit der Claims nachließ und die Kunde von neuen Goldvorkommen jenseits der Südalpen die Miners erreichte, verließen die Goldsucher Arrowtown und suchten ihr Glück im Westland. Zurück blieben chinesische Einwanderer, die für Hilfsarbeiten angeheuert worden waren und in elenden Verhältnissen in einem eigenen Viertel außerhalb der Stadtgrenzen leben mussten. Den fleißigen Chinesen wurden die weitgehend ausgebeuteten Goldfelder überlassen. Sie fanden aber immer noch so viele Nuggets, dass etliche von ihnen auch zu einem gewissen Wohlstand kamen.

Ein Freilichtmuseum, das am Rande der Route des Marathons auf dem Gebiet des ehemaligen Chinesenghettos liegt, zeugt von den Entbehrungen, der rassistischen Diskriminierung durch die europäischen Einwanderer, aber auch von dem Erfolg dieser Bevölkerungsgruppe. Arrowtown ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für Neuseeländer und Touristen. Als wir am Tag nach dem Marathon um die Mittagszeit wieder hierher zurückkommen, ist kaum noch ein Parkplatz zu finden und dort, wo wir am Samstag früh morgens durch das menschenleere Städtchen gelaufen sind, drängeln sich die Flaneure.

Bereits nach drei km gibt es eine erste Verpflegungsstelle, an der ich vorbeilaufe, denn bereits bei km 7 wartet die nächste. Nach dem Verlassen des Städtchens wird die Strecke auf gut ausgebauten, fein geschotterten, hier Trails genannten Wegen, weitläufig um Arrowtown herum geführt. Läufer, Wanderer und Radler sind in Neuseeland, sofern sie nicht Autostraßen zum Laufen nutzen wollen, auf diese Trails angewiesen, denn anders als bei uns, ist das Betreten von Farm- oder Forstgelände tabu und nur nach Genehmigung durch die Eigentümer gestattet. Nicht-staatliche „Trails Trusts“  sorgen für den Bau und die Unterhaltung dieses, für die ausgesprochen sportverrücken Kiwis so wichtigen Wegenetzes.

Die nächsten sechs km laufen wir durch sattgrüne Wiesenlandschaft, skeptisch beäugt durch Schafe und Golfspieler. Letztere lassen sich schon mal zu einer dezenten Anfeuerung mit dem in den folgenden Stunden häufig zu hörenden „well done“ hinreißen. Ab km 8 folgt für mich der anspruchsvollste, aber auch landschaftlich schönste Abschnitt dieses Laufs. Wir umrunden  auf den nächsten neun km fast vollständig Lake Hayes. Das Blau des Sees und des Himmels harmoniert mit dem Gelb des üppig blühenden Ginsters. Die Lupinen stehen in voller Blüte und steuern Weiß, Violett, Dunkelblau und Orange zu der Farbenpracht bei. Die weiß-blauen Berge spiegeln sich im ruhigen Wasser.  Wäre es gemalt, würde man es Kitsch nennen! Aber die Schönheit hat ihren Preis, denn jetzt folgen entlang der Westseite des Sees einige heftige Anstiege, die die Aussichten auf ein schnelles Rennen für mich platzen lassen.

Hier laufen wir auch auf die Nachhut des eine Stunde vor uns gestarteten Halbmarathons auf. Es sind meist voluminöse Walker/innen, deren Umrundung auf dem schmalen Pfad eine besondere Herausforderung darstellt. Es ist eine Besonderheit beim Queenstown Marathon, dass es zwei Halbmarathons gibt. Neben dem offiziell als Wettkampf gewerteten Halbmarathon, der auf der zweiten Streckenhälfte ausgetragen wird, wird in diesem Jahr erstmalig, exklusiv für Läufer, die bereits die zweite Streckenhälfte in den Vorjahren gelaufen sind, ein weiterer Halbmarathon auf dem ersten Abschnitt ausgerichtet. Hier erfolgt eine Zeitnahme, aber keine offizielle Ermittlung von Siegern.

Nachdem wir das nördliche Ende des Sees erreicht haben, führt der Queenstown Trail, dem wir von hier ab bis zum Ziel folgen werden,  durch die Speargrass Flat,  wo für die Läufer des ersten Halbmarathons die Strecke zu Ende geht. Die Speargrass Flat ist nicht wirklich flat. Die landwirtschaftliche Nutzung wird vielfältiger. Zwar überwiegt weiterhin die Weidewirtschaft, aber hinzukommen einzelne Weingüter, die hervorragende Sauvignon Blancs und Chardonais an- und ausbauen.

Kurz hinter km 25 stößt der Trail auf den wilden Shotover River, einem weiteren landschaftlichen Höhepunkt. Wieder geht das los, was in der offiziellen Streckenbeschreibung „a few ondulations to keep the whole thing interesting“ genannt wird, aber doch gewaltig in die Beine geht. Flussaufwärts geht am Shotover die Abenteuerpost ab. Touristen bezahlen teueres Geld, damit Jetboatpiloten sie mit gewagten Fahrmanövern zum Kotzen bringen. Beliebt ist auch das Raften. Je wilder die Fahrt und je kälter das Wasser, das die Wellenreiter durchnässt, umso größer ist der Spaß. Hier wurde auch das Bungee-Springen erfunden. Gegen Aufpreis erhält der Adrenalinjunkie die Garantie, dass sein Kopf beim Spring ins Wasser eingetaucht wird!

Wir kommen zur alten Shotover Bridge, auf der wir auf die westliche Seite des Flusses wechseln. Früher war an dieser Stelle eine Furt, die die Goldgräber mit ihrer wertvollen Ware überqueren mussten. Aber der Fluss war tückisch und manche Ladung ging den Bach runter. Es musste also eine Brücke her. Die Baugeschichte ähnelte der des Baus des deutschen Hauptstadtflughafens. Die erste Version versank aus Kostengründen in den Fluten, weil man darauf verzichtete, die Brückenpfeiler auf festem Boden zu gründen. Die folgende Version hält bis zum heutigen Tage, weil man schließlich Fachleute zu Rate zog.

Bevor wir jedoch über die Brücke laufen können, müssen wir vom Trail am Flussufer auf die Brücke kommen. Das Stück vom Flussufer zur Brücke ist so steil, dass ich erst gewaltig ins Schnaufen und dann ins Gehen komme. Zweieinhalb km später mündet der Shotover in den Kawarau River. Nach weiteren zwei km passieren wir die Kawarau Falls. Wir laufen südlich des Flughafens von Queenstown auf das Örtchen Frankton zu. Der Namensgeber des Air-New-Zeeland-Marathons hat eigens für den Marathon seine Flugkapazitäten um ca. 3000 zusätzliche Passagierplätze nach Queenstown aufgestockt, um die Anreise der Läufer sicher zu stellen. Das Sponoring dürfte sich gerechnet haben.

Bei Frankton erreichen wir den Frankton Arm des Lake Wakatipu. Frankton war zunächst der bedeutendere Ort am See. Bald wurde ihm jedoch von Queenstown der Rang abgelaufen. Heute gehen beide Orte in einander über. Ab Frankton sind es noch 10 km zu laufen und da der Weg jetzt nicht mehr durch die offene Landschaft führt, haben sich vermehrt Fans und Schaulustige an der Strecke eingefunden. Das „well done“ ertönt jetzt ständig. Zusätzlich kommen uns Finisher des 10 km Laufs und der Halbmarathons entgegen, um uns anzufeuern. Auch einige Musikgruppen tun ihr Bestes, die zunehmend an ihre Grenzen stoßenden Athleten aufzumuntern. Für fünf km folgt der Trail jetzt dem Seeufer.

 

 
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Die letzten beiden km führen um die Halbinsel mit dem Botanischen Garten herum und durch ein Ehrentor für die in den Kriegen Gefallenen in die Stadt hinein. Der deutschstämmige Bendix Hallenstein gilt als der Stifter des Botanischen Gartens. Er merkte früh, dass die Versorgung der Goldsucher mit Werkzeug und Kleidern sicherer zu Wohlstand führen würde, als das Goldsuchen selbst. Er gründete ein Handelshaus und wurde Bürgermeister von Queenstown, sowie Begründer einer noch bestehenden Warenhauskette in Neuseeland. Der von altem Baumbestand umgebene Landschaftspark enthält neben gut gepflegten Themengärten eine reiche Auswahl an Sportanlagen. Tennisplätze und -hallen, Kricket- und Rasenbowlingplätze stehen für die sportbegeisterten Kiwis ebenso zur Verfügung, wie ein Frisbee-Golf-Course als neueste Attraktion.

Noch einmal fordert ein kurzer Anstieg in der Innenstadt von Queenstown vor dem Ziel die Läufer, bevor es vom Jubel der Beobachter getragen über eine lange Rampe auf die Zielgerade geht. Etwas hüftsteif verpasse ich um 3 Sek. mein Minimalziel von sub 4 Stunden. Die Hauptsponsorin freut sich, dass ich überhaupt wieder aufgetaucht bin und auch ich bin eigentlich ganz zufrieden mit mir. Ein Landschaftsmarathon mit „a few ondulations to keep things interesting“ ist nun mal kein schneller Stadtmarathon.

Das Label: „flatout beautiful“ trifft auf jeden Fall zu, wenn man die Bedeutung von flatout = „kurz und bündig“ kennt. Dass auch andere unter ihren Bestzeiten geblieben sein müssen, belegt die Tatsache, dass es mit meiner Zeit noch zum dritten Platz von 33 im siebenten Lebensjahrzehnt Stehenden gereicht hat. Zum Lohn gab es bei der etwas hektisch verlaufenden Siegerehrung der Altersklassen ein Sixpack Pilsener. Die Zielverpflegung im Zielbereich fällt spartanisch aus. Die Feierzone auf dem grünen Rasen außerhalb des für die Athleten reservierten Bereichs ist hübsch möbliert. Mobile Gastrobuden bieten zu ortsüblich gehobenem Preis Getränke und internationale Speisen an. Alkoholfreies Bier scheint nicht im Angebot zu sein. Dafür gibt es eine Auswahl von zurzeit in Neuseeland sehr in Mode gekommenen Craftbieren und Bubbles, wie der lokale Sekt hier genannt wird. Der Hirschburger, den die fürsorgende Gattin für mich besorgt, mag schmackhaft sein; ich kriege ihn so kurz nach dem Lauf aber nicht runter. Ein Stück Streuselkuchen wäre mein Wunsch. Den gibt es hier genau so wenig wie andere süße Backwaren.

Getränkestationen sind auf der Strecke ausreichend vorhanden. Gewünscht hätte man sich, dass die Stationen in regelmäßigen Abständen eingerichtet worden wären, was aber wegen der Zugänglichkeit mit Fahrzeugen bei Landschaftsläufen nicht immer einfach sicherzustellen ist. Eine gute Idee finde ich, dass im Bereich vor und hinter der Getränkeausgabe leere Wollsäcke abgelegt waren, in die Becher und Nahrungsverpackungen entsorgt werden konnten. Der Schafbestand hat zugunsten der Milchviehhaltung in den letzten Jahren stark abgenommen. Da müssen die Wollsäcke für andere Aufgaben herhalten.

 

 
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Nachdem ich glaube, mich von den Krämpfen in den Beinen halbwegs erholt zu haben, zeigt sich auf dem Weg über zahlreiche Treppenstufen zur Kleiderbeutelausgabe in der Memorial Hall, dass Treppensteigen den Laktatspiegel sehr effektiv ansteigen lässt. Ich hätte mir den schmerzhaften Weg auch sparen können, denn mein Kleiderbeutel ist nicht aufzufinden. Das passiert wohl, wenn die Sachen nicht ausgegeben werden, sondern jeder sich an der Beutelauswahl bedienen kann. Stunden später werden meine Klamotten allerdings zurückgebracht, da der ehrliche Kollege, der sie mitgenommen hat, die Verwechslung bemerkt hatte.

Was außer dem Beutel nicht aufzufinden ist, sind Duschen. Es sind keine vorhanden. Niemand außer mir scheint sich daran zu stören und auf meine Nachfrage beim Helpdesk wird mir erklärt, man könne ja im Wakatipu See ein Bad nehmen! Dass sich dann ein älterer Herr mit bloßem Oberkörper  am Waschbecken der Toilettenanlage mit einem nassen Handtuch zu reinigen versucht, stößt bei den übrigen Nutzern auf offensichtliche Verwunderung.  Die meisten Läufer sitzen beim Nachmarathonbier auf dem grünen Rasen müffelnd im eigenen Saft und lassen sich den Schweiß von der Sonne trocknen.

 

 

 

Fazit:

der Queenstown Marathon ist vom Landschaftserlebnis her top. Ob er der schönste Marathon der Welt ist, wie der Veranstalter behauptet, kann vielleicht Otto mit seinen 180 gelaufenen Marathons entscheiden. Ich möchte mir darüber kein Urteil erlauben. Der Weiltalmarathon im Taunus hat auch seine Reize. Es gibt organisatorisch durchaus Verbesserungsmöglichkeiten. Vielleicht ließen sich auch Neuseeländer davon überzeugen, dass das Duschen nach sportlicher Betätigung eine feine Sache ist, wenn sie es denn einmal ausprobieren könnten. Die Startgebühren, in denen die Fahrtkosten zum Start noch nicht enthalten sind, bewegen sich auf hohem Niveau. Das scheint aber ebenfalls niemanden zu stören. Eine Neuseelandreise ist eine teure Angelegenheit; da sind die Startgebühren fast Nebensache. Die folgenden drei Wochen bei der Fahrt über die beiden Inseln haben wir total genossen.

Übrigens:

Wir waren gewarnt worden, dass Regen in Neuseeland Normalzustand sei, und dass  neuseeländische Straßen und die Sandfliegenplage Europäer in den Wahnsinn treiben würden. Echt gelogen! Wir hatten 4 Wochen lang keinen einzigen Regentag. Keine einzige Sandfliege hat uns ein Leid angetan und die dortigen Straßenverhältnisse würde ich mir auch für Deutschland wünschen.

 

Marathon: 1936 gemeldet

Männer:

1.Samuel Wreford     2:27:55
2. Blair Mc Wirter      2:32:45
3. Jason Hall               2:35:19

Frauen:     

1. Hannah Oldroyd        2:52:18
2. Mel Aitken               2:54:55
3. Marisa Ruther          2:56:06


 

 


 

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