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Laufberichte

Maratona Alzheimer Cesenatico

 

Wohlbefinden durch Bewegung
 

Auf der Suche nach neuen sportlichen Herausforderungen fand ich vor einigen Monaten einen Lauf in der Emilia Romagna, der den Titel „Alzheimer-Marathon“ trägt. Da bin ich natürlich neugierig geworden: Ich denke, dass hierzulande die Krankheit Alzheimer den meisten Menschen ein Begriff ist. Erst vor kurzem hat die Bundesregierung die Beihilfen zur Pflege von Betroffenen angehoben. Meines Erachtens ist das aber immer noch viel zu wenig für die immense Zuwendung und Pflege, die ein so erkrankter Mensch braucht. Besonders schlimm ist es, wenn man von seinen eigenen Eltern nicht mehr erkannt wird. Ich selbst habe Altersdemenz bei meiner Oma und jetzt auch bei meiner Mutter miterlebt. Eine gewisse Angst vor meiner eigenen Zukunft ist da durchaus vorhanden.

In Italien sind speziell im Monat September viele Veranstaltungen der Aufklärung über Alzheimer gewidmet, darunter eben auch der Marathon in Cesenatico, bei dem neben der klassischen Distanz (Solo und Staffeln) auch ein 30-km-Wettbewerb, ein 10-Meilen-Rennen und verschiedene Kinderläufe auf dem Programm stehen und der in diesem Jahr zum 4. Mal stattfindet.

Laut italienischer Ausschreibung will man mit dem Event Gemeinsamkeiten aufzeigen: von Alzheimer-Kranken, die auf der Suche nach einem Ort des Wohlbefindens umherwandern, und Marathonis, die mit Bewegung ihre Gesundheit verbessern wollen. Daher werden zusätzlich Spaziergänge für Senioren und für Menschen mit Behinderung angeboten.

Zu bewältigen ist ein Punkt-zu-Punkt-Kurs, der im Hinterland beginnt und an der italienischen Adriaküste endet. Da bietet sich ein spätsommerlicher Kurzurlaub förmlich an: Nach den bayerischen Sommerferien endet Mitte September am Meer in Norditalien schnell die Saison. Die Einheimischen sind dann auch schon wieder in der Schule oder in der Arbeit. Für Familien mit Kleinkindern, Kinderlose wie uns und zahlreiche Rentnergruppen ergibt sich die letzte Gelegenheit, das schöne Wetter noch einmal in Ruhe zu genießen. Unser Anreisesamstag folgt in Norditalien auf eine Woche mit ungewöhnlich hohen Temperaturen von über 30 Grad.

Vom Brenner kommend verlassen wir in Verona die Autobahn und fahren über Landstraßen durch Ferrara und Ravenna - wo es auch schöne Marathons gibt - an eine Sonnenküste, die bei den Deutschen vor allem zur Zeit des Wirtschaftswunders sehr beliebt war und die heute auch von Russen stark frequentiert wird. Der Reiseprospekt verzeichnet 37 Strände zwischen Po-Mündung und Apennin. Wir mieten uns in einem Hotel in Cesenatico ein und finden im Parco di Levante den Zielbereich an einem netten Ausflugslokal, betrieben von den örtlichen „Anziani“ (Rentnern). Dort gibt es heute lediglich die Startnummer und einen Leihchip samt Fußbefestigung sowie zwei Lose für eine Lotterie, die nach dem Lauf stattfindet.

Die Nacht von Samstag auf Sonntag wird kurz und laut. Die Kneipen an unserer Straße sind gut besucht. Es ist noch sehr warm. Erst nach Mitternacht wird die Discomusik abgestellt. Dafür reisen ab 3:00 Uhr etliche Gäste aus unserem Hotel ab. Kaum haben wir Schlaf gefunden, klingelt der Wecker. Kein Grund zum Meckern, wir freuen uns auf einen schönen Lauf.

Zu Fuß geht es zwei Kilometer zur Piscina Comunale, dem städtischen Schwimmbad beim Krankenhaus am Parco di Levante. Dort starten ab 6:30 Uhr die Transferbusse für die Marathonis und die 30-km-Läufer. Wir fahren Richtung Apennin, nach Cesena und von dort über die vierspurige Schnellstraße Richtung Rom. Was noch ein Tipp für diejenigen wäre, die sich die Autobahngebühren sparen wollen. Der Bus beschleunigt auf einen Kilometerschnitt von 0:41 min und nach einer dreiviertel Stunde sind wir in Mercato Saraceno, einem gepflegtem Marktflecken im Savio-Tal, angekommen. Am Fußballplatz können die Umkleiden und Toiletten genutzt werden, wohin ich schnellstens verschwinde. Die Taschen bringt unser Bus später zum Ziel. Die etwas weiter flussaufwärts gelegene Altstadt sehen wir leider nicht.

 
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Obwohl die Sonne inzwischen aufgegangen ist, herrschen hier merklich kühlere Temperaturen als die 20 Grad in Cesenatico. Teilnehmer aus der näheren Umgebung parken ihr Auto hier und kommen später per Bus zurück. Die lokale Blaskapelle erscheint und bringt uns vorab in den Genuss einer kleinen Jamsession. Viele Anwohner jeglichen Alters finden sich ebenfalls ein.

Dann geht es mit fröhlicher Marschmusik Richtung Startbogen. Hinter der Kapelle die Bürgermeisterin Dott. Rossi und ein männlicher Würdenträger. Mit seiner Schärpe in den italienischen Farben könnte er einem Don-Camillo-Film entsprungen sein.

Die Nationalhymne wird intoniert und mitgesungen, dann gibt es einige kurze Ansprachen und fast pünktlich geht es für uns 260 Marathonis los. Die vielen Pacemaker stellen erst nach ein paar Schritten fest, dass die Unterhaltung zu Ende ist und sie sich jetzt auf unterschiedliche Zeiten konzentrieren müssen. Auf der breiten Landstraße gibt es auf jeden Fall keine Probleme sich einzuordnen.

Schon nach wenigen Metern merke ich, wie glücklich ich bin. Die Landschaft ist schön, alles ein bisschen anders als zu Hause. Unter den strengen Blicken der Damen der Polizia Urbana (Stadpolizei) überqueren wir leere Kreuzungen. Die Straße ist nicht gesperrt, die wenigen Sonntagmorgen-Motoristi scheinen aber zügig die Schnellstraße erreichen zu wollen. Unzählige Helfer sichern außerdem den Laufweg.

 
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Ich bin richtig begeistert: Die einzelnen riesigen Mittelmeerpinien haben es mir einfach angetan. Außerdem gibt es Weinberge zu betrachten (Sangiovese und Albana-Wein). Dann sogar Olivenbäume. Dazwischen immer wieder kleine Dörfer. Auf manchen Hügeln sieht man Kirchtürme. Wunderschön.

„Insieme per cancellare il silenzio“  (Gemeinsam gegen das Schweigen) lautet der Leitspruch des Marathons, der auf den Fahnen zur Markierung der gelaufenen Kilometer zu lesen ist. Das möchte ich auch den vielen stummen Zuschauern vor ihren Häusern zurufen. Aber vielleicht ist das doch etwas zu bösartig. So rufe ich ihnen stattdessen ein „Che bel paese“ (Was für ein schönes Land) zu, und da sieht man viele stolz grinsen oder hört sogar Zustimmung.

Heute haben Judith und ich uns vorgenommen, mal wieder einen schnelleren Lauf hinzulegen. Das Profil mit dem Start auf 134 Metern Höhe und nur geringen Gegenanstiegen sowie dem Ziel am Meer könnte uns hierbei unterstützen. Zwar fliegen wir nicht unbedingt dahin, aber etwas besser als üblich sind die Kilometerzeiten schon.

 
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Das erste Highlight erwartet uns in der Ortschaft Borello. Start des 30-km-Wettbewerbs und anscheinend auch eines Kinderlaufs. Die Kleinen jedenfalls warten schon sehnsüchtig auf Händeabklatscher. Da sehe ich traurige Augen, als ich nicht so recht „mitziehe“. Fotografieren und Abklatschen gleichzeitig gelingt mir eher schlecht. Aber Judith springt für uns beide ein.

Das Feld hat sich schon ziemlich auseinandergezogen. Es bleibt aber noch Zeit für Zweikämpfe. Auf dem Hemd eines Mitstreiters erkenne ich den Aufdruck: „ … cancelliamo questo silenzio CIAO PAPA“. Manche Teilnehmer haben also auch einen persönlichen Alzheimer-Hintergrund. Einige bunt gekleidete Läufergruppen weisen auf seltene Krankheiten hin.

Die Hügel laufen nun langsam aus und man sieht viele frisch umgepflügte Felder, teilweise recht steil am Hang. Ich hätte da ja Angst vor Bodenerosion. Aber ich komme ja bekanntlich aus der Stadt. Auch finde ich es interessant, wie die Teerdecke aufreißt, wenn der Boden nachgibt. Außerdem muss ich noch rausbekommen, warum die Brücken als “1a Categoria“ (erste Kategorie) bezeichnet werden. „Paese che vai, gente che siano“ oder „Andere Länder andere Sitten“. Bei uns sind ja oft gelbe Schilder mit Panzern an den Brücken zu sehen.

Unseren „persönlichen“ Fotografen habe ich inzwischen auch ins Herz geschlossen. Der überholt mit seinem Rad immer mal wieder, um dann von einem bestimmten Laufabschnitt Bilder zu schießen. Außer ihm sind nun auch viele Radsportler unterwegs. Wir befinden uns hier auf der Strecke eines Touren-Klassikers. Die „Nove Colli“ (Neun Hügel) ziehen jährlich viele Hobbyrennradler an. Die Profis haben wir gestern in Cesenatico beim Gedächtnisrennen für Marco Pantani gesehen, das seit 2004 alljährlich veranstaltet wird. Der Sieger der Tour de France und des Giro d'Italia war wegen Dopings und Drogenmissbrauchs nicht unumstritten. In seiner Heimatstadt ist man von diesen Vorwürfen allerdings nicht überzeugt und hat dem früh Verstorbenen ein Denkmal und eine Erinnerungsausstellung gewidmet.

 
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Die vielen Ciclisti nehmen weitgehend Rücksicht auf uns. Mit Ausnahmen, wie wir sie von unseren Trainingsläufen daheim auch gewohnt sind: Manche meinen, zehn Zentimeter Abstand seien genug, manche machen mehr Platz. Trotzdem können wir meist die Ideallinie einhalten.

Wir kommen mit Marco ins Gespräch. Der wohnt in der Nähe von Mailand und wird am Mittwoch zum Münchner Oktoberfest reisen. Eigentlich zu früh, da erst das mittlere Wiesn-Wochenende offiziell im Zeichen der italienischen Besucher steht.

Manche der heutigen Teilnehmer sind gestern schon den Marathon in Mugello gelaufen. Eine traditionsreiche Veranstaltung nördlich von Florenz, das rund 200 km von hier entfernt ist. Generell gibt es in Italien viele schöne Lauf-Events zu entdecken. Gestern las ich, dass auch an der Adriaküste im 180 km südlich gelegenen Porto San Giorgio ein Marathon stattfindet. Man wird also immer etwas Passendes finden.

Die Landschaft wird nach 18 Kilometern merklich flacher. Wir sind inzwischen auf einem Nebensträßchen gelandet. Vor uns ein Paar in gelben Trikots. Augenscheinlich läuft das so wie bei Judith und mir: Bergauf ist der Mann stärker, bergab gibt die Frau reichlich Gas. Manchmal können wir für einige Meter die Führung übernehmen, dann geht’s wieder andersrum. Bei einem Fotostopp sehe ich ein kompaktes Läufergrüppchen hinter uns. Die 4-Stunden-Pacemaker sind es noch nicht. Kurze Zeit später werde ich von dem mehrere Mann starken Pulk aufgesogen und überholt. Nicht mit mir: Da hänge ich mich an. Es geht hier sehr auf Körperkontakt. Keiner spricht. Ist ja eine ernste Sache. An der nächsten Verpflegungsstelle, die relativ kurz ist, muss ich hinten anstehen. Judith läuft wieder auf. Aber wir  können dann doch ein Stück weit vorbeiziehen. So ein Lauf mit wenigen Teilnehmern hat doch auch was für sich: Man lernt seine Konkurrenten kennen.

Wir erreichen Cesena, die Provinzhauptstadt. Natürlich mit einer mittelalterlichen Festung, an deren Mauer wir entlang laufen. Das Geschlecht der Malatesta lebte in der Gegend um Rimini. Der Condottiere Novello Malatesta ließ in den Jahren 1447 bis 1452 hier eine Bibliothek für Handschriften errichten. Das Gebäude samt erweiterter Sammlung hat nahezu unverändert die Zeiten überdauert und stellt jetzt ein UNESCO-Weltdokumentenerbe dar.

In der Nähe liegt auch San Marino. Die nach eigenem Bekunden älteste Republik der Welt hat sich dem italienischen Risorgimento, also der Einigung unter Garibaldi im 19. Jahrhundert, entziehen können. Nun lebt der Zwergstaat von den Touristen, die ein weiteres Land auf ihrer Liste „abhaken“ wollen. Wobei viele andere Städtchen hier im Apennin meiner Meinung nach wesentlich schöner sind, beispielsweise Urbino oder auch San Leo.

San Marino spielt nicht nur gelegentlich Fußball auf internationaler Bühne, sondern ist heute auch mit zwei Teilnehmern beim 42,2-km-Lauf vertreten. Soweit ich weiß, existiert dort noch kein eigener Marathon. Sonst wäre dann sicher auch ein Staatensammler wie M4Y-Reporter Anton Reiter dabei. Unser Lauf ist leider nicht sehr international. Zusätzlich zu den Herren aus San Marino sorgen ein Teilnehmer aus den USA und ein Paar aus Deutschland (also Judith und ich) für den weltläufigen „Touch“. Damit habe ich mir schon jetzt die Platzierung als schnellster Deutscher beim Alzheimer-Marathon gesichert – falls ich bis zum Schluss durchhalte.

Auf der Piazza del Popolo von Cesena erwartet uns wieder viel Stimmung. Hier fanden auch Kinderläufe statt, weshalb uns aufmunternde Zurufe gewiss sind. Der Veranstalter hat das ganz geschickt koordiniert. Die üblichen sonntäglichen Flaneure hingegen interessieren sich nicht für uns. Gut, dass die vielen Helfer ein Auge auf und für uns haben. Am Stadion von Cesena gibt es eine Zeitmessung. Hier wurde der 10-Meilen-Lauf gestartet. Den scheint es in Italien jetzt öfter zu geben. Wahrscheinlich sind 21,1 km zu viel? Oder man will dem Einheitsbrei entkommen? Steht womöglich die Abkehr vom metrischen System bevor? Vielleicht fahren wir in Italien ja bald wieder auf der linken Straßenseite?

Vor uns ein dunkler Höllenschlund. Die Hinweistafeln leiten uns eindeutig dort hinunter. In der Fußgängerunterführung dann doch etwas Licht. In der Ebene ist es merklich schwüler, 22 Grad zeigt ein Thermometer. Nach Judiths und meiner Halbmarathonzeit von 1:57 h wollten wir noch eine Minute gutmachen. Das funktioniert nicht mehr so richtig. Der leichte Abstieg fehlt. Von dem angekündigtem Gewitter ist nichts zu sehen. Auf einem schönen Radweg geht es nun am Flüsschen Pisciatello entlang. Auf der anderen Seite befindet sich eine kilometerlange Häuserzeile. Manche dieser schmucken Eigenheime sind nur so breit wie eine Tür und ein Fenster. Das war mir auf der Hinfahrt mit dem Bus schon aufgefallen. Hinten raus haben die Bewohner also einen schönen Garten. Die Markierungsschilder des 30-km-Laufs weisen den genauen Abstand zum Ziel aus, die letzten 195 m mit eingerechnet. Leider muss ich die Laufgruppe ziehen lassen. Kurze Zeit später überholen mich schwungvoll die 4-Stunden-Pacemaker und Judith. Es kommt mir vor, als hätte man mir die Energieversorgung gekappt und sozusagen den Stecker herausgezogen. Die letzten zehn Kilometer werde ich damit zubringen, einen Schnitt um die 7:15 Minuten zu halten.

Leider verlassen wir die idyllische Flusslandschaft. Es geht nun durch etwas öde wirkende Felder. Zwei überholende Läufer zeigen auf ein Hochhaus. Der 35 Stockwerke zählende „grattacielo“ (Wolkenkratzer), das 1958 fertiggestellte Wahrzeichen Cesenaticos, liegt einen Kilometer westlich von unserem Ziel und scheint noch ziemlich weit entfernt. Dummerweise überholt mich nun auch noch der weiter oben erwähnte Herr im gelben Leibchen. Seine gleich gekleidete Begleiterin ist schon auf und davon.

Ein paar dicke Regentropfen auf dem Asphalt erzeugen den typischen Sommerregengeruch. An der nächsten Kreuzung wartet wieder das Krankenwagen-Team. Es begleitet den Läufertross und feuert uns beharrlich an. Zusammen mit einigen Rotkreuz-Mitarbeitern auf dem Motorrad bietet es eine medizinische Versorgung, die umfangreicher ist als von vielen weit größeren italienischen Marathons her gewohnt. Die herbstlich verwelkten Blätter der vielen Platanen rascheln wie Papier, wenn man auf sie tritt. Der Geruch der Bäume nach dem Regen ist wunderbar und erinnert mich an meine Urlaubsreisen mit den Eltern nach Italien.

 
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Einige Kilometer vor dem Ziel erwartet uns eine Pfadfindergruppe, die ihre Begeisterung kaum zu zügeln vermag. Die letzte Verpflegungsstelle nutze ich dann ausgiebig. Seit einigen Stationen gibt es auch Cola zusätzlich zum vollen Angebot an Sali (Iso), Wasser, Tee, Bananen, Äpfeln, Orangen und allerlei Keksen.

Unter der Küsteneisenbahn hindurch geht es in den Badeort Cesenatico. Leider sehen wir weder den idyllischen Kanalhafen, der von Leonardo da Vinci geplant worden ist und den jetzt zahlreiche Lokale säumen, noch die Fischerboote, die es hier noch gibt. Auch am Meer kommen wir leider nicht vorbei. Wir biegen am Hallenbad in den Park und unter großem Jubel erreiche ich bald das Ziel. Mit 4:11 Stunden liege ich noch ganz gut im Mittelfeld. Judith hat mir auf den letzten zehn Kilometern 11 Minuten abgenommen und ist mit 4:00:45 Siebte der 45 Damen und Erste ihrer Altersklasse geworden. Sie erzählt mir, dass Laura aus Mercato Saraceno, die wir am Start sahen, Gesamtzweite wurde und ein Fahrrad gewonnen hat. Damit könnte sie im Prinzip gleich nach Hause fahren.

Für die Erstplatzierten der verschiedenen Altersklassen stehen unzählige Tüten mit Lebensmitteln bereit. Judith tauscht ihre Kühltasche – prall gefüllt mit allerlei rohem Fleisch, das wir während unserer Reise nicht verarbeiten können -  gegen eine Tüte mit haltbareren Lebensmitteln um. Die Dame am Prämierungsstand fragt auch mich nach meinem Namen. Da winke ich ab – als Finisher im Mittelfeld kann ich nur auf die anschließende Lotterie hoffen.

Also sitze ich ziemlich abgekämpft vor einem großen Teller Pasta und esse langsam Nudel für Nudel. Irgendwie sind mir die Pastapartys vor dem Lauf lieber. Dafür können wir den kurzen, aber heftigen Regenschauer unter unserem Zeltdach „aussitzen“.

Nach drei Minuten heißer Dusche im Hallenbad – mehr gibt der Duschchip nicht her - geht es zur Ziehung der Gewinner. Von den dreißig Sachpreisen und Einkaufsgutscheinen der Sponsoren können wir keinen ergattern. Auch ipad und iphone geht an andere Losnummern. Und der Hauptgewinn, ein Fiat 500, ist auch nicht unserer. Hätten wir auch nicht so gut mitnehmen können.

In der Finishertüte, die wir im Ziel gegen den Leihchip eingetauscht haben, befinden sich noch ein schönes Veranstaltungs-T-Shirt, Energieriegel, Getränke und viele Infos der Sponsoren, wobei ein Gerät beworben wird, das eine Funkwarnung aussendet, wenn ein Kranker nachts sein Bett verlässt.  

Als wir zum Hotel aufbrechen, können wir mit dem Orga-Tem noch die drei letzten Teilnehmer (6:06 h) feiern. Ich knipse noch ein Bild von einem großen Schinken samt Gewinnerin vor einem Betonblock. Der entpuppt sich laut Infoschild als ein kleiner Bunker, den unsere Vorfahren vor 75 Jahren hier bauten. Schön, dass wir schon so lange in Frieden leben.

Trotz „ausbaufähiger“ Zeit bin ich sehr gut gelaunt. Ein schöner Marathon liegt hinter uns, den man in Kombination mit einem Spätsommerurlaub nur empfehlen kann. Ein paar internationale Teilnehmer sollten schon noch zusammenkommen.

Wir freuen uns jetzt noch auf einige schöne Tage am Meer bei einer Wassertemperatur von 24 Grad.

 

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Fazit:

Bestens organisierter Marathon mit Verpflegung, Zeitnahme gemäß FIDAL-Vorschriften

Günstig (teuerster Preis 40 €), Anmeldung über Zeitnehmer (+3,40 € Gebühr) oder durch Überweisung (Nachmeldung nicht offiziell möglich)

Infos auch auf Englisch

Zur Anmeldung benötigt man eine Lizenz des italienischen Leichtathletikverbands FIDAL oder als Deutscher eine DLV-Lizenz. Alternativ muss man (auch als Ausländer) eine FIDAL-Jahreslizenz für 15 € erwerben (runcard.com). Im letzteren Fall braucht man dann noch eine ärztliche Gesundheitsbescheinigung (Formular dafür kann man auf den Veranstalterseiten herunterladen). Alles etwas verwirrend, die Bedingungen können sich auch wieder ändern, weshalb man für  jeden Marathon in Italien die individuellen Regeln nachlesen sollte.

Die zweite Septemberwoche lädt zu einem Badeurlaub ein. Das Wetter ist meist besser als bei uns, das Meer warm und die noch offenen Hotels locken mit interessanten Konditionen (ab 30 €/Nacht für zwei Personen inkl. Frühstück im Drei-Sterne-Hotel (Rimini ist am günstigsten).

Ergebnisse Herren:

1. Giuseppe Del Priore  2:42:55
2. Roberto Corbara 2:47:42
3. Guiducci Andrea 2:56:55

Ergebnisse Damen:

1. Samantha Graffiedi 3:16:26
2. Laura Mariani 3:23:41
3. Barbara Bertarelli 3:45:05

 

 


 

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