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Laufberichte

Limburgs Zwaarste: Schwer, Schwerer, Zwaarste

21.04.12

Samstag 21. April 2011, Imstenrade bei Heerlen in Zuidlimburg, Niederlande.
Das Wetter ist nicht berauschend,  eben typisch April: Sonne, Regen und Graupel.

Das ist an sich bei langen Strecken schon nicht hilfreich und besonders nicht wenn man einen Landschaftslauf unter die Füße nimmt. Wenn der sich dann auch noch Limburgs Zwaarste heißt, was, wie man sich ganz leicht denken kann, "der Schwerste von Limburg" bedeutet, lässt das Nichts Gutes ahnen, oder aber: Das ist eben ein echter Trail-Run.

Im Namen stecken auch schon die 2 Haupt-Elemente dieser Veranstaltung:

1. schwer: knapp 61 km mit fast 1.500 Höhenmetern

2. Limburg: Eigentlich die südlichste Provinz der Niederlanden, ab hier wohl eher das alte Herzogtum Limburg, denn man läuft durch alle 3 Länder in denen das Herzogtum lag, Niederlande, Deutschland und Belgien

Doch nun der Reihe nach. Start war in der Nähe von Heerlen in Zuid-Limburg. Zuid-Limburg ist der südlichste Teil der Provinz Limburg, zu der außerdem die Regionen Noord-Limburg und Midden-Limburg zählen. Die Region Zuid-Limburg grenzt im Osten an Deutschland und im Süden und Westen an Belgien. Als Mittelpunkt dieses Dreiländerecks „Niederlande - Deutschland - Belgien“ weist Zuid-Limburg eine beachtliche Vielfalt auf kleinem Raum auf.

 
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Die Region erstreckt sich über eine Fläche von circa 661 km², ungefähr vergleichbar mit der Fläche von Köln und Düsseldorf zusammen. Vom östlichsten Punkt, der Stadt Heerlen, bis zum westlichsten Punkt, der Stadt Maastricht, sind es circa 24 km. Den Norden und Süden der Region trennen ungefähr 40 km. Zuid-Limburg grenzt nur einige Kilometer an den Rest der Niederlande und wird ansonsten von Deutschland und Belgien umgeben. Der wichtigste Fluss der Region ist die Maas. Die größten und bekanntesten Städte der Region sind Maastricht (die Hauptstadt der Provinz Limburg), Venlo, Roermond und Valkenburg.

Der Start ist an einem Sportplatz mit vielen Parkplätzen und sehr kurzen Wegen, sodass es nur ein paar Schritte bis zur Anmeldung sind. Für die 60er Strecke, für die ich mich entschieden hatte, waren 53 Teilnehmer gemeldet. An der Anmeldung hatte Annemarie alles im Griff, und die Startnummernausgabe  verlief ohne Hektik. Die Teilnehmer erhalten neben einer Photourkunde ein Finisher-Handtuch, mit eingesticktem Namen und der Streckenlänge. Eine wirklich tolle Idee, und mal was anderes als immer nur T-Shirts.

 
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Wir fühlten uns trotzdem ein bisschen wie die "Weicheier" des Tages, da es auch eine 80km und eine 100km Variante gab. Diese fast 100 Teilnehmer waren jedoch schon 3 Stunden früher gestartet, so dass wir dann doch unter uns waren.
Am Start gab Willem Mütze, der Organisator (und ganz neben bei mit seinen mehr als 1.000 Marathons eine echte lebende Legende) noch die letzten Instruktionen, bevor dann pünktlich um 9 Uhr der Startschuss fiel und es direkt ab in den Wald ging. Dort durften wir dann auch den größten Teil der Strecke verbringen.

Der Frühling zeigte sich immer wieder mal von seiner besten Seite, es grünte und blühte überall. Im Wald trafen wir auf ganze Blütenmeere am Boden, an den Wegesrändern waren es dann die blühenden Sträucher. Doch wir bekamen auch den "agrarischen" Frühling zu spüren, denn die meisten Felder, die wir überquerten, waren frisch gedüngt, was das Laufen nicht unbedingt erleichterte, sondern geruchsmäßig auch eine besondere Note ergab. Auch trafen wir an abgelegenen Höfen immer wieder auf Hindernisse, wie Weidetore, provisorische Brücken usw. die für Staus sorgten.

Die Strecke war hervorragend gekennzeichnet, auch wenn die kleinen Schilder manchmal etwas schwer auszumachen waren. Aber Willem hatte uns am Start noch mal darauf hingewiesen: "Wer nach 300 Metern kein Schild mehr gesehen hat, ist falsch und sollte wieder zurück laufen." So kamen halt für die meisten Teilnehmer ab und zu mal ein paar hundert Meter dazu. Auch mir erging es so, aber was macht das schon auf so einer Strecke. Zusätzlich hatten wir alle noch eine extrem detaillierte Streckenführung ausgedruckt erhalten und Annemarie hatte noch ein paar Tage vor dem Start eine GPS Datei für die Garmin Geräte verschickt. Also eigentlich alles bestens vorbereitet.

Wie bei Landschaftsläufen oft üblich, lagen die Verpflegungsstellen recht weit auseinander, so dass man jeweils immer 1 bis 1,5 Stunden überbrücken musste. Daher hatten fast alle Teilnehmer einen Trinkrucksack oder Wasserflaschen dabei. Das hatte der Veranstalter auch vorgeschrieben, sowie ein Handy mit vorprogrammierten Notfallnummern und etwas Kleingeld für den Notfall. Die Verpflegungsstellen waren bestens bestückt. Es gab frisches Obst, Cola, Limo, Wasser, Salzgebäck, Chips, Milchreis, Joghurts und natürlich Limburgse Vlaii (= Obstkuchen) eine lokale Spezialität. Einmal kamen wir auch an einem Hinweisschild vorbei, dass uns frischen Tee versprach, es sich dann aber herausstellte, dass wir doch gerade nur einen Golfplatz überquerten und uns am 8ten Loch befanden.

Die Verpflegungsstellen waren dann auch der einzige Anhaltspunkt, wo man sich kilometermäßig in etwa befand, was jedoch bei solchen Läufen auch nicht unüblich ist.  

 
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Irgendwo zwischen Kilometer 25 und 30 erreichten wir dann nach einem knackigen Anstieg auch den „Gipfel“ des Vaalser Berges, den höchsten Punkt der Niederlande mit 322 Höhenmetern. Bei schönem Wetter hat man dort eine tolle Aussicht. Auf dem Berg steht der etwa 34 m hohe Balduin-Turm (Tour Baudouin bzw. Koning Boudewijntoren), der nach dem belgischen König Balduin benannt wurde. Er befindet sich auf der belgischen Seite, 6 m neben der deutschen und 20 m neben der niederländischen Grenze. Von seiner Aussichtsplattform, die sowohl per Fahrstuhl erreichbar als auch zu Fuß begehbar ist, bietet sich ein Panorama der Umgebung mit Belgien über Gemmenich zum Hohen Venn und Herver Land sowie das ehemalige Neutral-Moresnet bei Kelmis und Plombières, Deutschland zwischen Eifel und Aachen, den Niederlanden zwischen Heerlen und Maastricht.

 
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Das Pendant auf niederländischer Seite ist der kürzlich neu erbaute Wilhelmina-Turm mit Treppenaufgang. Hölzerne Treppen oder ein Aufzug führen nach oben, die Spitze endet 353,5 m über dem Meeresspiegel. Vom "Skywalk" hat man eine gute Aussicht, auch durch das Milchglas direkt unter den Füßen. Jetzt weis ich auch für das Kleingeld gedacht war, nämlich für den Aufzug (kleiner Scherz), aber die tolle Aussicht von oben hat sich wirklich gelohnt.

Die tolle Strecke führte uns auch an alten Wegezeichen, einsamen Raubrittern, viel Natur pur und einigen Stellen vorbei, wo man echt mal den Durchblick hatte. Leider hat irgendein Vandale dem Raubritter die Lanze gestohlen, sodass ich hier auch mal ein Bild vom letzten Jahr beigefügt habe, denn jetzt ist es nur noch ein „halber“ Ritter.

 
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Hin und wieder waren natürlich auch schwere Passagen mit viel Modder und Steinen zu durchlaufen, die die ganze Aufmerksamkeit erforderten. Einige leichte Stürze waren zwar zu verzeichnen, die aber meines Wissens nach nicht mit schweren Verletzungen endeten.

Zwischendurch stießen dann die 80 und 100km Läufer zu uns, da für sie zu Beginn eine Extraschleife eingebaut war. Von ihren Kommentaren her waren wir 60er doch recht froh, uns für die kurze Variante entschieden zu haben.

Oft überlegte man sich, ob man überhaupt noch auf einem markierten Weg befand, denn man konnte diesen vor lauter Bäumen fast nicht erkennen. Aber genau das ist es ja, was man von einem solchen Lauf erwartet: Natur pur!

 
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Nach 8:33 Stunden erreichte ich dann glücklich das Ziel, und begab mich dann schnell nach drinnen ins Sportzentrum, wo die offizielle Zeitnahme erfolgte. Dort wurde ich nach meiner persönlich gestoppten Zeit gefragt. Diese wurde in den Computer eingegeben. Ich durfte mir noch ein Photo aussuchen, das auf der Strecke geschossen worden war, und dieses wurde direkt zu einer Photourkunde verarbeitet und ausgedruckt. Diese erhielt ich zusammen mit meinem Badehandtuch mit meinem gestickten Namen drauf. Eine Platzierung gab es zu diesem Zeitpunkt nicht und Siegerehrungen auch nicht, denn jeder Finisher ist hier ein Sieger. Rundum also eine sehr gelungene Veranstaltung.

 


 

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