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Laibach Marathon: Dajmo Anton, dajmo

 

Am letzten Sonntag im Oktober hat ein Marathonsammler wie ich die Qual der Wahl, wo er laufen soll. Ich entscheide mich für Laibach , die slowenische Hauptstadt ist auch gut mit dem Auto von Wien aus in knapp 4 Stunden zu erreichen.

 

Registrierung, Anreise und Startnummernausgabe

 

Anmelden konnte man sich bequem über die in einer englischen Übersetzung bereitgestellte homepage des mittlerweile bereits zum 21. Male stattfindenden Ljubljana-Marathons. Auch die Startgebühr von 37 Euro knapp vor Anmeldeschluss ist im Vergleich zu Marathons in heimischen Breiten als günstig zu bezeichnen, zumal es allerlei Goodies dazu gibt.

Bereits im Jahre 2013 war ich in Laibach dabei – da war ich noch um 20 Minuten schneller bei den Rennen unterwegs als mittlerweile. Beim Cut-off kommt man heuer den Läufern sogar zeitlich etwas entgegen: die 20 km-Marke soll man spätestens nach 2:30 Stunden brutto erreicht haben – 2013 war es eine Viertelstunde weniger – wenn ich mich richtig erinnere.

Zwei Wochen vor dem Start sind alle Hotels im Zentrum von Laibach ausgebucht – so bleibt mir keine andere Wahl als das mit 48,-- Euro inkl. Frühstück sehr günstige Austria Trendhotel zu buchen. Es liegt auf der Marathonstrecke, ist jedoch fast 4 km von der Altstadt entfernt. Ich parke mein Auto in der öffentlichen Garage neben dem Hotel.  

Mit dem Bus fahre ich zu Expo. Gegen 14 Uhr ist der Andrang am dritten Tag der Marathonmesse noch gering. Wer sich vor dem 15. September registrierte, erhält einen Rucksack und ein Langsarmshirt – alle später Gemeldeten erhalten diese Goodies nicht –können aber zu günstigen Konditionen diverse Accessoires, z.T. aus übrig gebliebenen Kontingenten des letzten Jahres, bestellen. Es sind zahlreiche Marathonveranstalter vertreten, zumeist aus den benachbarten Staaten des ehemaligen Jugoslawiens. Slowenien ist mit rund 20.000 km² und 2 Mio. Einwohnern ein kleines Land, das aber gerade im Sport auf beachtliche Erfolge verweisen kann. Im Jahre 1991 wurde die Unabhängigkeit ausgerufen, seither ist die Regierungsform eine parlamentarische Demokratie. Im Jahre 2004 erfolgte der Beitritt zur EU, 2007 wurde man Mitglied der Eurozone – den als Zahlungsmittel  bis dahin verwendeten Tolar kann man heute noch in Souvenirgeschäften in der Altstadt erstehen.

Ich begebe mich ins Untergeschoss, um meinen Bon für die Pasta einzulösen. Es gibt Nudeln mit Tomatensauce, ein Getränk und Kekse. Nachfassen ist erlaubt. Neben mir sitzt ein älterer Mann an die 70, der richtig glücklich wirkt, sich aber als Nichtläufer outet – es hat den Anschein, dass er gleich mehrere Essensgutscheine geschenkt bekam.

 

 
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Unterwegs in der Altstadt

 

Gestärkt begebe ich mich nun in Richtung Altstadt – es ist sinnvoll, sich vor einem Marathon den Start- und Zielbereich anzusehen. Laut den Informationen auf der homepage soll morgen der Start des Marathons und Halbmarathons um 10 Uhr 30 erfolgen, das Ziel ist dann am Kongressplatz (Kongresni trg). Dazwischen finden allerlei  Rahmenbewerbe statt, wie etwa ein Kinderlauf über 200 m für die Minis (geboren zwischen 2011 und 2013), ein Bewerb für die Rollstuhlfahrer, Inline-Skater (zeitlich knapp vor dem Marathon), ein 10 km-Lauf am Marathontag ab 8 Uhr 30 und heute um 17 Uhr ein Fun Run über 4.100 m, zu dem ich gerade dazu stoße.

Das Wetter hier in Laibach ist prächtig, der Morgennebel über Wien verschwand, als ich auf der A2 den Wechsel, ein Mittelgebirge im Osten Österreichs, über den die Autobahn führt, erreichte. Fast die gesamte Anfahrt begleitete mich ein blauer wolkenloser Himmel bei über 10 Grad Lufttemperatur. Herbstmarathons eignen sich für schnellere Zeiten, sagt man. Als ich sinnierend am Gehweg die breite Dunajska Richtung Altstadt spaziere, kommt mir Hans Novinscak  entgegen. Ihn treffe ich heuer schon zum vierten. Er sei guter Dinge, dass er seine letztjährige Finisherzeit von 4:45 morgen vielleicht etwas verbessern kann. Ich hingegen untertreibe nicht, wenn ich anmerke, dass ich aufpassen muss, gut über das Cut-off zu kommen und versuchen werde, wieder sub 5 zu bleiben. Wie wünschen uns gutes Gelingen für morgen.

Vor drei Jahren habe ich es nicht geschafft, auf die Burg hinaufzukommen, heute aber sollte es sich zeitlich gut ausgehen. Die Altstadt von Laibach (Ljubljana), mit ca. 288.000 Einwohnern auch das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum und Hauptstadt Sloweniens, ist gut überschaubar. Die touristischen Sehenswürdigkeiten sind auf engstem Raum erreichbar – die Flaniermeile befindet sich um den Prešeren trg, benannt nach dem slowenischen Nationaldichter France Prešeren (1800 bis 1849), der in Klagenfurt eine Zeitlang als Advokat wirkte. Einige Zeilen seines Gedichtes „Zdravljica“ wurden in die  slowenische Hymne eingefügt, sein Konterfei ist auf der Rückseite der slowenischen 2-Euro Münze abgebildet.

Links und rechts der durch die Stadt fließenden Ljubljanica, die im Stadtgebiet auf mehr als einem Dutzend Brücken überquert werden kann, finden sich barocke Häuser, Restaurants und Cafés mit Blick auf den Fluss. Das gemäßigte Klima sorgt zumindest in der warmen Jahreszeit für ein mediterranes Flair. Touristische Highlights sind u.a. das Rathaus, der Dom St. Nikolaus , die Franziskanerkirche , die Slowenische Philharmonie, die Drei Brücken (Tromostovje) und auch die Drachenbrücke – das Wappen Laibachs zeigt einen grünen geflügelten Drachen – sowie die Laibacher Burg. Seit 900 Jahren thront das Bauwerk auf dem Hügel über der Stadtmitte. Unsportliche nehmen die Standseilbahn, um hinaufzukommen. Vom Aussichtsturm und der Burgmauer bietet sich ein weiter und schöner Ausblick auf die Stadt. In den Burgräumen werden laufend kulturelle Veranstaltungen durchgeführt. Auch kulinarisch kann man sich dort  im angeschlossenen Restaurant etwas gönnen.

Heute am Samstag herrscht außerdem ein reger Marktbetrieb rund um die St. Nikolaus Kirche. Unter den Kolonnaden befindet sich der Fischmarkt, zwischen den drei Brücken und der Schusterbrücke ist ein Flohmarkt im Gange. Auf dem Rückweg vom Höhenausflug spricht mich nahe den Marktständen jemand an – ich schaue auf: Es ist Kollege Michael „Dorfi“ Dorfstätter, der in Rotkreuz-Uniform halb offiziell mit Freunden unterwegs ist. Dorfi ist in der heimischen Laufszene bestens bekannt, seine Bestzeiten liegen bei knapp über 2:30 Stunden beim Marathon – wenngleich diese schon mehr als ein Jahrzehnt zurückliegen. Er erzählt, dass er morgen in Laibach zu seinem 200. Marathon antreten wird – dazu kann man ihm nur anerkennend gratulieren.

 

Zum Marathonverlauf

 

In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober werden wie jedes Jahr um diese Zeit die Uhren um eine Stunde zurückgedreht – die Sommerzeit endet und auch wir können uns beim Frühstück länger aufhalten. Das Buffet im Austria Trend Hotel ist bereits ab 6 Uhr 30 offen, doch nicht Läufer, die hier Quartier bezogen haben, drängen sich um die Speisen, sondern gut 40 Japaner, die vermutlich in der Nacht ankamen und nun einfach Hunger haben.

Nach dem Ausschecken deponiere ich meine Tasche im Auto – und auf geht’s Richtung Altstadt. Die Dunajska cesta ist gesperrt, mehrere Läufer sind unterwegs zum Start. Das Wetter um 9 Uhr ist zwar trocken, aber es ist herbstlich kühl. Man könnte gut Handschuhe gebrauchen, so kalt kommt es mir vor. Ein Mann Mitte 30 holt mich ein, wir kommen ins Gespräch. Auf die Frage, wie er von Stuttgart nach Laibach gekommen sei, antwortet er, dass die Fahrt mit dem Flixbus über Nacht ziemlich anstrengend gewesen und er müde sei. Aber er plane schon in die Zukunft – nächstes Jahr würde er in Mexiko-City den Marathon laufen, darauf freue er sich. Ich habe noch keine Ahnung, was ich 2017 im August machen werde – meine Planungen erstrecken sich auf viel kürzere Zeiträume.

 

 
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Hans hat mir gestern erzählt, dass der Laibach Marathon im Wachsen begriffen ist – es seien über 2000 Starter beim Hauptbewerb gemeldet und in Summe werden 20.000 Läuferinnen und Läufer an einem der Rennen inkl. der Inline-Skater und Rollstuhlfahrer teilnehmen.  Dementsprechend groß ist das Gedränge um den Kongressplatz nahe dem Startareal – die einen drängen sich vor und im Umkleidezelt, die anderen versuchen ihre Taschen bei der Kleiderabgabe loszuwerden. Angehörige verstellen den Läufern den Weg, der Platzsprecher sorgt für Stimmung – erst in einer Stunde wird gestartet werden. Auffallend ist, dass die Pacemakerdienste bei einer Zielzeit von 4:15 enden – vor 20 Jahren war es tatsächlich so, dass der Marathon bei 4 Stunden beendet wurde – vor allem in den ehemaligen Ostblockländern.

Dann begebe ich mich zum Startbereich, wo das Gedränge wirklich beängstigend ist. Zuschauer, Angehörige, unschlüssige Kolleginnen und Kollegen blockieren die Zugänge. Aufgrund der späten Anmeldung ist meine grün unterlegte Startnummer 2484 entsprechend hoch – Hans hat 123 und dürfte sich in den ersten oder zweiten Block gestellt haben. Ich steige über die Absperrung und postiere mich zwischen Block 3 und 4. Das entspricht zwar nicht meinem Leistungsvermögen – im Block 4 stehen 4 Stunden plus-Läufer, aber wegen der Cut-off-Vorgabe möchte ich nicht zu viel Zeit beim Start liegen lassen.

Der Platzsprecher vertröstet uns, es wird noch etwas dauern, meine Uhr zeigt  schon 10 Uhr 33 an. Dann kommt die Durchsage, dass ein gewisser Herr Dorfstätter aus Austria heute seinen 200. Marathon laufen wird – im Lärm und Gedränge geht die Meldung unter, aber nichtsdestotrotz herzliche Gratulation an den Dorfi!

 

 
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Es wird gestartet. Es geht am Park Zvezda neben dem Kongressplatz vorbei, dieser Abschnitt ist zu eng für die vielen Läufer. Man muss aufpassen, nicht dem Vordermann auf die Fersen zu steigen. Rund 1 ½ km sind durch die Innenstadt zu laufen, vorbei am Hotel Slon, das leider ausverkauft war, aber sehr zentral liegt. Endlich kommen wir zur mehrspurigen Dunajska, die stadtauswärts führt. Das Läuferfeld verteilt sich nun, ich kann meinen langen Schritt besser nutzen.

Es geht unter der Eisenbahnbrücke durch, die erste Steigung bereitet am Anfang eines Marathons niemandem Probleme, alle sind flott unterwegs. Was mir gleich am Anfang auffällt – rund um mich herum sehe ich keinen einzigen Marathonläufer mit der grünen Nummer, sondern lauter Läuferinnen und Läufer, die die Halbdistanz vor Augen haben. Wäre sinnvoller gewesen, mich weiter vorne reinzustellen – man passt sich dem Tempo der Kollegen zumindest eine Zeitlang an.

Das Austria Trend Hotel zur Rechten kommt in Sicht, mein Zimmer im 9. Stock habe ich markiert – nämlich den Vorhang verknotet, mit einem Teleobjektiv könnte ich die Szene festhalten. Die Dunajska ist eine Ausfahrtsstraße, auf großen Schildern wird der Weg nach Italien und Austria angezeigt. Das kümmert in diesem Moment keinen, knapp 4 km sind gelaufen, einige schnaufen aber schon. Wir sind im Norden von Laibach. Vorbei an einer Musikkappelle geht es nun um 90 Grad gedreht nach Westen. Einige Hundert Meter und der Kurs dreht erneut, wir laufen nun nach Süden. Kurz nach der 5 km-Anzeige mit Zeitnehmung dann die erste Labestelle – es gibt Wasser, Iso, Schokostücke,  Bananen.

 

 
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Jetzt erblicke ich auch hie und da einige nachkommende Marathonläufer mit grünen Startnummern – und eine Gruppe verkleideter Halloween-Freaks, die den 31. Oktober vorverlegen. Eigentlich werden die kostümierten Kollegen kaum beachtet – Zuschauer gibt es auf diesem Streckenabschnitt nämlich keine.

Der Marathon führt weiter nach Süden in ein ruhiges Wohngebiet mit Einfamilienhäusern auf beiden Seiten der Straße. Knapp vor Kilometer 8 erfolgt dann ein Richtungswechsel – um 90 Grad gewendet laufen wir wieder nach Westen. Es geht unter einer Eisenbahnbrücke durch, einige wie ich nehmen den höher liegenden Radweg. Die 10 km-Anzeige befindet sich auf der Cesta Ljubljanske brigade mit Versorgungsstelle und den Messinstrumenten von Timing Ljubljana. Es ist wärmer geworden, die Sonne ist rausgekommen, ideales Laufwetter. Mit 65 Minuten liege ich nicht mehr im Zeitplan, aber immer noch unter 2:15 netto für den Halben.

Jason aus Great Britain hat die Destinationen seiner bisherigen knapp zwei Dutzend Marathons auf der Rückseite seines Singlets aufgedruckt – mir fehlt noch Moskau, aber auch Boston – dafür müsste man einen Marathonreiseveranstalter beanspruchen oder in meinem Alter knapp unter 4 h finishen. Ein weiblicher Guide aus Dänemark führt einen blinden Läufer an der Hand – die beiden sind konstant in 6:15 unterwegs, ich hänge mich dran.

Nach ca. 11 Kilometern dreht der Kurs erneut. Jetzt spielt eine Kapelle für die Läufer auf – und zwar den slowenischen Bauerntanz, ein Stück des den älteren unter uns gut bekannten Slavko Avsenik und seinen Original Oberkrainern. Sein Trompeten-Echo wurde als Titelmelodie im „Musikantenstadl“ verwendet. Sein Enkelsohn Saso Avsenik führt inzwischen das Erbe seines 2015 verstorbenen Großvaters fort – mit Auftritten in vielen Ländern.

Nach dem Ohrenschmaus (für Liebhaber der Volksmusik) folgt ein erneuter Richtungswechsel nach Südosten durch den Stadtteil Dravlje. Bei Kilometer 14, wo wir von die Fahnen der teilnehmenden Nationen schwenkenden Jugendlichen begrüßt werden, folgt die nächste Richtungsänderung: Es geht nach Südwesten und bald darauf wird die 15 Km-Marke erreicht. Alle 5 km sind Labestellen aufgebaut. Meine Vorgabe, die 15 km unter 1:40 zu schaffen, erreiche ich gerade noch.

Nun folgt ein längerer Abschnitt durch Grünland resp. einem Waldgebiet - hier nimmt der Kurs einen geringfügig welligen Verlauf. Entlang der Strecke sind vereinzelt Zuschauer anzutreffen – einige sind allerdings dabei, ihr Picknick mit Lagerfeuer und Grillarbeit jetzt um die Mittagszeit auf Vordermann zu bringen.

Bei Kilometer 19 verteilen Helfer Enervit-Gels, ich greife zweimal zu. Mehrere Hundert Meter danach ist die Straße klebrig – die Läuferinnen und Läufer werfen ihre halb verbrauchten Gelpäckchen zu Boden, andere steigen drauf und die Masse verbindet sich mit den Sohlen der Laufschuhe. Ein tausendfaches Greinen und  Knirschen wird hörbar – man spürt  förmlich, wie die Sohlen am Asphalt kleben.

 

 
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Viele Halbmarathonis bemühen sich vor der Streckenteilung bei der 20 km-Anzeige, noch einige Sekunden aufzuholen. Andere sind schon geschlaucht, traben in Richtung Ziel. Ich schaue auf die Uhr – wird der Streckenposten das auch tun? Ich liege mit 2:13 im Plansoll. Nun werden wir die ca. 8000 gemeldeten Halbmarathonläufer los, ein ganz anderes Szenario wird sich für die hinteren Starter ergeben, nämlich eine überschaubare Anzahl an Konkurrenten auf den verbleibenden 21,1 km.

Vor mir sind gerade mal drei Läufer zu sehen, die ich bald darauf einhole. Hinter mir folgen einige nach, die vielleicht näher kommen werden. Die 21,1 km-Tafel beachte ich nicht, weil ich das (vermeintlich) kritische Cut-off bei 20 km gut passiert habe. Aber die Uhr zeigt die ganze Wahrheit. Ich bin brutto schon nahe bei 2:30, es wird haarig werden, sub 5 zu schaffen. Zwei hübsche Läuferinnen um die 30 in blau-orangen Singlets ziehen locker an mir vorbei – zu beneiden die beiden, denke ich mir. Aber was dauert es, und ich mache wieder Boden gut: gleich drei Marschierer bleiben auf der Strecke.

Ich bin heute noch mit keinem Kollegen oder einer Kollegin während des Rennens ins Gespräch gekommen – das wird sich hoffentlich noch ändern. Der Wunsch ist Vater des Gedankens – eine Läuferin trabt langsam dahin, ich schließe auf. Sie deutet an, müde zu sein. Sie möge mir folgen, gebe ich ihr zu verstehen. Eine Zeitlang geht es, dann fällt sie zurück.

Wir nähern uns der 24 km-Marke. Im Stadtteil Murgle befindet sich die 25 km-Anzeige, wie gewohnt ist in 5 km-Intervallen auch die Versorgung und Zeitmessung angeschlossen. Seit Jahren warte ich darauf, bis eines Tages mein im Jahre 2001 erworbener Championchip einmal nicht funktioniert – heute bin ich schon mehrmals alleine über die Matte gelaufen. Erleichterung, wenn es „Piep“ macht, noch ist der Chip intakt. Ich bleibe wie erhofft unter 3 Stunden netto.

Die zweite Runde beim Laibach-Marathon verläuft völlig anders. Die Stimmung mit den Tausenden Halbmarathonis  z.T. im Schlepptau war natürlich besser, jetzt herrscht gähnende Leere: keine Zuschauer, müde Läufer vorne und hinter mir (mich eingeschlossen), das Ziel noch in weiter Ferne. Noch im Stadtteil Galjevica erreichen wir die 30 km-Messstelle. Nun kommt Leben auf, ein Kollege mit einem Shirt vom Linz Marathon spurtet von hinten heran und holt Läufer um Läufer ein – wenn ich mich nicht irre, dann war er gestern mit dem Dorfi unterwegs. Ich schließe auch gleich zu mehreren Läufern auf – eine Kollegin trägt als Motto auf ihrem Shirt den Slogan „Never give up, always run fast to the finish.“ – Aber heute fehlt ihr die Kraft dazu.

Noch 12 km sind zu überstehen, 3:29 Stunden bisherige Laufzeit zeigt die Uhr an. Bei 3:20 hätte ich auf mich gewettet, unter sub 5 Stunden zu bleiben, jetzt aber fehlen mir 10 Minuten. Gehen wir‘s trotzdem dosiert an – auch wenn die nun folgende Steigung erschwerend ist.

Der nun folgende Marathonkurs nimmt einen langgezogenen Verlauf über Straßenabschnitte in nordwestliche Richtung. Von hinten kommt niemand mehr nach oder besser an mich heran. Obwohl die junge Kollegin mit der aufmunternden self-full-filling-Anfeuerung am Shirt es mehrmals versucht. Gemeinsein heißt hier für mich: Lass sie ruhig näherkommen, aber wenn du ihr Schnaufen hörst, dann leg einen Zahn zu – bis sie entnervt auf- und sich geschlagen gibt.  

Ich komme mit einer Kollegin Mitte 40 zu sprechen – sie outet sich als Slowenin, die hier in Laibach als Ärztin arbeitet. Ihre Deutschkenntnisse sind gut, wegen der vielen Arbeit komme sie kaum zum Sport, erzählt sie. Aber sie hat eine gute Grundkondition und wird den Marathon locker runterspulen, wenngleich sie ein noch langsameres Tempo als ich hat. Einige Zuschauer rufen uns zu: dajmo, dajmo – diesen Anfeuerungsruf habe ich heute schon öfters gehört. Wir laufen bis Kilometer 37 gemeinsam, dann entschließe ich mich, wieder auf  die bewährte Run&Go-Methode von Galloway umzudisponieren. Das bedeutet, ich laufe 30 bis 50 Meter in einer Fünferzeit, gehe dann 20 bis 30 Schritte schnell und beginne von vorne. Leider bleibt die Frau Doktor zurück.

Der Kurs führt nun zurück in die Altstadt. Bei Kilometer 39 laufe ich auf einen Globetrotter, das Pendant zu den Ländersammlern von Country Marathon Club, auf. Nur haben es die Kollegen leichter: man braucht statt 30 Länder bei den Globetrotters nur 10, um Mitglied zu werden. Dan Micola kommt aus England, hat einen amerikanischen Akzent und lief auf den ersten 10 km neben mir beim Lissabon Marathon. Ich spreche ihn an – die Läuferwelt ist klein. Am 13. 11. wird er in Beirut starten, das wäre mir fast zu gefährlich. Erst letzten Freitag fand in Erbil (85 km vom derzeit umkämpften Mossul entfernt) ein Marathon statt, manche Sammler stellen ihre Leidenschaft über die Vernunft, möchte man anmerken.

 

 
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Auf den letzten zwei Kilometern geht es durch die Altstadt von Laibach vorbei an einigen wichtigen Sehenswürdigkeiten. Dan Micola kommt noch einmal näher, er spornt seine slowenische Begleiterin an – „You can do it!“ Ich überlege einen Moment, mich an die beiden auf den letzten 500 Metern anzuhängen – die Kraft wäre da – aber nachdem ein Filmteam auf einem Motorrad die beiden begleitet und groß ins Bild bringt, würde das vielleicht das Drehbuch stören. Der Platzsprecher ruft mich beim Namen auf, als ich mit 5:14 einlaufe, abzüglich der 9 Minuten Verzögerung beim Start bin ich mit den 5:05 Stunden am Ende zufrieden.

Alle Finisher erhalten ein neonfarbiges Singlet. Ich mache mich auf dem Weg zur gut einen Kilometer entfernten Busstation. Doch dort stehen Dutzende und warten vergeblich – es wird noch eine Stunde dauern, bis der Betrieb auf der nun für den Verkehr wieder freigegeben Strecke aufgenommen werden wird. Alle Taxis, die unterwegs sind, kommen auf Bestellung. Ich muss bis 17 Uhr 30 warten, um wieder mit dem 6er-Bus zum Hotel zurückzukommen.

Der Automat nimmt mir fürs Parken 26 Euro ab, ich weiß ad hoc nicht, wann ich je mehr fürs Parken bezahlt hätte – außer für eine Parkstrafe. Mein nächstes Ziel ist das ca. 250 km entfernte Bad Blumau in der Steiermark, wo ich mir einen Abendeintritt um 30 Euro reserviert habe. Nach einer Stärkung im Restaurant geht’s ins Vulkania-Becken zur Regeneration. Im 37,6 Grad warmen Thermalwasser lasse ich den Marathon im Kopf Revue passieren.

 

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Mein Resümee:

 

Was mir gefallen hat, ist die perfekte Organisation – viele andere Veranstalter, denen es nur um den schnellen Profit geht, könnten sich was abschauen. Das Preis-/Leistungsverhältnis (max. 40 Euro) ist erstklassig: Nirgendwo sonst (auch nicht mehr in Italien) gibt es so viele hochwertige Goodies, wenn man sich fristgerecht anmeldet.

Die Strecke selbst weist einen z.T. verwinkelten Zickzackverlauf auf, der die Läufer auf den langgezogenen Passagen aber nicht unbedingt behindert. Nach Kilometer 15 und ab Kilometer 30 bremsen einige wellige Abschnitte, die man aber beim Abwärtslaufen wieder kompensieren kann. Daher haben viele Kollegen auch gute Laufzeiten erreicht – mit 4:08 schaffte auch der Jubilar Dorfi Dorfmeister ein respektables Ergebnis.

 

Sieger bei den Männern:
1. Laban Mutai (KEN) – 2:09:16
2. Philip Sanga Kimutai (KEN) – 2:09:19
3. Levi Omari Matebo (KEN) – 2:09:37


Reihenfolge bei den Frauen:
1. Purity Changwony (KEN) – 2:29:32
2. Shasho Insermu (ETH) – 2:30:53
3. Bekele Beshadu Bedane (ETH) – 2:31:05

1938 Finisher (1544 Männer/394 Frauen)
 

 

 


 

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