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Laufberichte

Bratislava (Pressburg–Pozsony)-Marathon

01.04.12

Zu Zeiten der K.u.K Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie konnte man die 65km zwischen Wien und Bratislava mit der Straßenbahn fahren. Im Martinsdom fanden innerhalb von 300 Jahren die Krönungen von elf Königen und acht Königinnen aus dem Hause Habsburg zu Herrschern des Königreichs Ungarn statt. Türkenkriege gab es hier genauso wie Aufstände gegen die Habsburger.

Während der Herrschaft der Kaiserin Maria Theresia, erlebte die Stadt eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Pressburg wurde zur größten Stadt des Königreichs Ungarn. Rege Bautätigkeiten ließen viele Paläste, Güter und Klöster entstehen. Mit der stark steigenden Bevölkerungsanzahl gewannen das kulturelle und öffentliche Leben an Schwung.

Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Stadt an Bedeutung: die ungarischen Kronjuwelen wurden nach Wien verlegt, die Verwaltung nach Budapest. Hier in Pressburg entstand die slowakische Nationalbewegung. Ein wesentlicher Verfechter der Nationalbewegung war   General Milan Štefanik, ein 1880 in der Gegend geborener Politiker, Astronom, Militärpilot und Mitbegründer der Tschechoslowakei .  Unmittelbar an der Donau steht ein 7,4m hohes Denkmal, das an Milan Štefanik erinnert. Die Statue sieht über die Donau, steht demnach mit dem Rücken zu dem Trubel, der mit dem Marathon verbunden ist.

Die Anreise von Linz ist keine Hexerei, in knapp drei Stunden ist man da. Wenn man nach Bratislava (deutsch: Pressburg , ungarisch: Pozsony) fährt, fallen einem an der Grenze Österreich-Slowakei die Windkraftwerke auf. Hier muss man also mit häufigem starkem Wind rechnen, sonst würden die da nicht stehen.

 
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Reichlich Wind hatten wir schon beim 6. Bratislava-Marathon 2011. Heftiger Westwind am Samstag, um nicht zu sagen Sturm. Mit 13 Grad noch recht angenehme Temperaturen. Ich werde in meinem Auto förmlich nach Bratislava geblasen. Am Rande der slowakischen Hauptstadt, ganz knapp an der ungarischen Grenze, liegt in der Donau das Danubiana – ein Kunstmuseum, absolut sehenswert. Von oben sieht die Halbinsel mit Museum wie ein aufgetauchtes U-Boot aus. Ich fahre hin. Der Wind macht Wellen mit Schaumkronen, als wäre ich am Ozean. Hoffentlich lässt der Wind bis morgen nach. 

 
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07:00h Nachts hat es geregnet. Nun aber strahlender Sonnenschein, dafür ist es prickelnd kalt geworden. Knapp über Null Grad, mehr nicht. Als ich mich eine Stunde später auf den Weg zum Start mache, stelle ich fest, der Wind ist kaum schwächer geworden. Gut, dass das Shopping-Center beim Start am Sonntag geöffnet hat. Es bietet windgeschützte Zuflucht für die LäuferInnen. Bei Start und Ziel ist auch das Sheraton-Hotel, ein Sponsor des Marathon-Wochenendes. 

 
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Die schwarzen Gazellen sammeln sich an der Rezeption, ich nutze die Gelegenheit für ein Foto. Dabei hilft mir sicher auch mein m4y-Shirt, Michael ist ein Freund von m4y-Bernie und knippst uns. Ich treffe Daniel Orálek, den ich Anfang Juni beim Silva Nortica Run flüchtig kennengelernt hatte. Dort hat er den Geländedoppelmarathon überlegen gewonnen. Heute will er 2h30 laufen. Das geht aber nur, wenn der Wind nachlässt, meint er.

Katrin kommt vorbei. Wir sind uns in der Startaufstellung vom Graz-Marathon  2010 erstmals begegnet. Sie hat heute  alles an Kälteschutz an, was sie mithat. Das muss genügen. Wegen einer Verletzung konnte sie nicht gut trainieren, heute geht es ihr ums Finishen.

09:40h In die Startaufstellung. Im Gedränge ist der Wind nicht so arg spürbar. Mit Halbmarathon und Staffel werden etwa 4.000 Leute starten. Für mich kurios: die 4er-Staffel geht nur über die Halbmarathondistanz. In der zweiten Runde werden also nur mehr die paar hundert Marathonis unterwegs sein, erkennbar an der zweiten Startnummer am Rücken.

 
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10:00h Countdown, los geht’s! Nach anderthalb Minuten überquere ich die Startlinie. Ich laufe lang/lang mit dünnen Handschuhen und Haube, genau richtig für mich und schieße gleich die ersten Fotos. Wir starten Richtung Westen und haben den Wind direkt von vorne. Der Pulk läuft am linken Donauufer unter der Nový Most durch und schraubt sich am Fuß der Bratislavaer Burg in einer 270°-Kurve auf die Neue Brücke rauf. Das bedeutet, der Wind kommt nun von rechts.

Schon nach 2km die erste Wasserstelle, die Becher fliegen nur so durch die Gegend. In einem Wartehäuschen die erste Powerzone mit eifrigen Trommlern.

10:24h, km4   Bei der nächsten richtigen Labestelle gibt es keine Becher mehr. Der Wind hat die Tische abgeräumt. Es wird jedem, der lange genug wartet, einzeln eingeschenkt. Der 4-Stunden-Schrittmacher mit seiner Herde läuft an mir vorbei. Als ich sie später überholen will, verengt sich die Laufstrecke. Bei km5 ist der erste Staffelwechsel fällig. Dann aber wird die Strecke wieder breiter und ich komme vorbei. Schließlich laufen wir auf einer vierspurigen Straße.

10:35h km6  Nach einem Linksknick haben wir nun Rückenwind. Wir laufen in 300m Entfernung an der österreichischen Grenze vorbei. Links große Wohnhäuser.

Was fliegt denn da heran? Blütenblätter?  Nein, das Zeug schmilzt am Asphalt. Das ist . . . Schnee! Und das bei herrlichem Sonnenschein.

Auch an der nächsten Wasserstelle heißt es: warten. Dann biegen wir links ab und laufen wieder Richtung stadteinwärts. Der Wind kommt nun von links vorne.

10:57h km10 und nächster Staffelwechsel und Labe, ich fange einen Becher und lasse mir einschenken. Hier gäbe es auch Schokolade und Bananen. Außerdem Zitronenspalten und Salz im Tellerchen, fehlt nur noch Tequila.

11:03h km11  Wir verlassen die Straße und laufen nun einen weiten Links-Bogen am Donaudamm, bis wir den Wind frontal abbekommen. Der Schneefall wird stärker, ist aber nicht schlimm. Klaus aus Dänemark läuft nun neben mir und outet sich als Freund des weltberühmten m4y-Forums, wie er es nennt. Er erzählt mir, dass er am 22.4. im Spreewald laufen wird. Tja, an diesem Tag habe ich mein Heimspiel beim Linz Marathon.

Ich überhole einmal mehr den 4-Stunden-Schrittmacher, der schon lange keinen Ballon mehr hat. Diesen hat er schon nach wenigen Kilometern sausen lassen, wegen des Windes.

 
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11:25h km15  Wir sind runter vom Damm, bei der Labe gibt es auch warmen, süßen Tee.

Auf einer langgezogenen Rampe geht es auf die Apollo-Brücke und über die Donau. Während eines Fotostopps kommen die 4-Stunden-Pacer vorbei. Als ich den Windschatten eines der Pfeiler auf der Brücke verlasse, weht es mich etwas nach rechts! Km16 ist auf der Brücke. Unten geht es nach links Richtung Start und Ziel.

Bei km17 ist mein PowerGel fällig, das hat sich bewährt. Die Strecke führt nun parallel am Zielkanal vorbei, Halbmarathonis laufen mir entgegen ins Ziel, erstmals seit dem Start ist wieder etwas Stimmung.

Und weiter in die Altstadt, auch ein Gegenlaufbereich. Jetzt wird es finster. Als es zum Michaeler Tor (Michalská Brána) hoch geht, setzt ein Schneesturm ein. Richtig heftig. Blick auf den Boden, Hände an den Körper, man kann kaum ins Gestöber sehen. Hoffentlich dauert das Schneegestöber nicht allzu lange, das wäre zermürbend.

Im Nu habe ich kalte Beine, ich suche mir eine geschützte Nische für ein Foto. Schon bald aber kommt die Sonne wieder raus. Durch die Altstadt über Straßenpflaster, an diversen Botschaften vorbei, über den Rathausplatz. Hier steht ein Grüppchen Japaner und feuert uns an. Bei km20 gibt es wieder was zu essen und zu trinken.  Kurz bevor sich Marathon- und Halbmarathon-Strecke trennen, muss ein Läufer ärztlich versorgt werden.

 
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12:02h Halbmarathon – und schon ist es ruhig auf der Strecke. Wir Marathonis sind nun unter uns. Wir biegen noch einmal in die Altstadt ein, am Nationaltheater vorbei, Wende und raus ans Donauufer, rauf auf die Nový Most. Ein Blick nach rechts, da kommt wohl der nächste Schneesturm! Die bei den Labestellen nun vereinzelt reintröpfelnden LäuferInnen sind für die Versorgungshelfer, die es bei diesem Wetter auch nicht leicht haben, keine Herausforderung mehr. Sie haben Zeit für ein freundliches Lächeln.

12:58h km30 Es zieht sich, besonders jetzt wieder im Gegenwindbereich. Bei der nächsten Labe frage ich:  Čaj? Vodička!  

13:45h km37 Auf der Apollo-Brücke sieht man schon wieder den Zielbereich. Als ich dann daran vorbeilaufe, kommen Marathonis mit 3h54 ins Ziel. Ich muss vorher aber noch einmal durch die Altstadt. Beim Alten Rathaus lege ich einen Fotostopp ein und lasse mich von einem Streckenposten fotografieren.

14:21h ZIEL. Nach meiner eigenen Zeitnehmung müsste ich es mit einem Spurt noch unter 4h20 schaffen, ich beschleunige. Wie sich dann herausstellt, geht es sich um 2 sec nicht aus. 4 h 20 min 01 sec , auch in Ordnung. Das reicht für Rang 484. Ich mache ein Foto von der Leuchtschrift die meine Bruttozeit anzeigt. Ein junges Mädchen montiert mir den mietfreien Zeitnehmungschip vom Knöchel ab, ein anderes dekoriert mich mit der Finisher-Medaille. Wunderbar. Das nächste Mädchen überreicht mir eine 0,5-l-Wasserflasche. Überall freundliche, gut aufgelegte Menschen.

Um den Zielbereich zu verlassen und um zu den Duschen zu gelangen, muss man auf eine provisorische Gerüstbrücke steigen und drüben wieder runter. Das ist gut, um wieder geschmeidige Oberschenkelmuskel zu bekommen.

Ich bekomme meinen Kleiderbeutel ausgehändigt, ein paar andere Beutel sind noch da. Wäre ich schneller gewesen, hätte ich wohl noch warmes Wasser zum Duschen gehabt.

Zum Abschluss gibt es Cola, alkoholfreies Bier, Croissants, Äpfel, Bananen und einen kleinen Erfahrungsaustausch mit anderen Finishern. Knapp 600 davon sind ins Ziel gekommen.

Im Startgeld von € 35,- waren inklusive:

Eine weitgehend flache Strecke, mit sehr, sehr starkem estwind, Funktions-Shirt mit dem neuen Lauf-Logo, Startnummer, Chip-Zeitnehmung, eine Finishermedaille am hellblauen Band, reichlich Labestellen mit bemühten, freundlichen Helfern

 


 

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