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Laufberichte

Man kann nur einen Lieblingslauf haben

 

Bad Frankenhausen, 14. April 2018. 300 Marathonis eröffnen um 8:30 Uhr mit ihrem Start auf dem Schlossplatz die Jubiläumsveranstaltung 40. Kyffhäuser Berglauf. Aber das stimmt nicht ganz. Fand doch schon am 27. Januar ein Jubiläumsstaffellauf am Kyffhäuser Denkmal statt. Diese Woche am Donnerstagabend gab es eine Jubiläumsfestveranstaltung für Helfer und Sponsoren im Festzelt. Und die Thüringer Allgemeine Zeitung gedachte der Jubiläumsveranstaltung mit einer vierteiligen Sonderreportage sowie weiteren Beiträgen.

Aber jetzt sind auch wir Teil des Jubiläums. Beschwingt rennen wir durch die Stadt, queren den gepflasterten Marktplatz und sind schon auf der Rottleber Straße. Rechter Hand ragen die sanft ansteigenden Hänge des Pultschollengebirges, links grüßt die diamantene Aue in ihrem dunstig matten Grün. Die Sonne dringt allmählich durch die Schleierwolken durch. Da ist die Stimmung im Läuferfeld prächtig. So zeigen Andrea und Bernd (Body & Soul, Steinach) ihre Lauffreude pur und rennen fürs Foto mal kurz rückwärts.

Bald belaufen wir den hügeligen Wirtschaftsweg mit seinen Obstbäumen. Die Knospen beginnen zu sprießen, der Matsch zu unseren Füßen lässt erahnen, was weiter oben auf uns zukommen wird. Hat es unter der Woche doch recht ergiebig geregnet. Wir queren die Gipslappenhöhle, in der Kaiser Barbarossa schlafen soll und kosten am Getränkestand vom süßen Tee. Wir sehen jetzt tatsächlich zwei Raben um den Berg kreisen, also ruht Barbarossa weiter und spricht im Schlaf:
„Und wenn die alten Raben noch fliegen immerdar, so muss ich auch noch schlafen verzaubert hundert Jahr“ (Friedrich Rückert).

 

 
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Im Plausch mit Tonio (Nu Pagadi, Weimar) wird klar, dass am Kyffhäuser nicht nur Läufer teilnehmen, die für den großen Bruder Rennsteiglauf Mitte Mai trainieren. Denn dieses Image hat der Kyffhäuser Berglauf von Anfang an weg. Hatte doch der Ideengeber für den KBL (allgemeingültige Abkürzung für Kyffhäuser Berglauf) Dr. Eberhard Jüttner 1978 am Rennsteiglauf teilgenommen und darauf den KBL ins Leben gerufen. Am 7. April 1979, dem Weltgesundheitstag, starteten 874 Teilnehmer beim ersten KBL auf dem Rahtsfeld, im Zentrum des Kyffhäuser Gebirges. Das damalige Pionierlager dort im Wald bot zu DDR Zeiten den idealen Ausgangspunkt für den KBL. Und als schon ein Jahr später über 2000 Läufer dabei waren, schalteten sich auch Partei und Staat in die Organisation mit ein.

Wir sind in Steinthaleben, dem kleinen Ort südwestlich vor den Hängen des Kyffhäusers gelegen, angekommen und laben uns am ersten richtigen Verpflegungspunkt. Neben Apfel und Banane ist besonders das mit Butter beschmierte Mischbrot zu empfehlen. Es sind nur noch 33 Kilometer bis ins Ziel, aber jetzt krempeln wir die Ärmel hoch.

Zunächst steigt die Straße im Huflargrund sanft und dann auf dem Huflarweg mittelprächtig an. Dagmar vom Moritzburger Triathlonverein ermahnt mich, ich solle doch nicht zu gut über diesen Lauf schreiben, denn ihr gefällt gerade das übersichtliche Läuferfeld durch diese beschauliche Landschaft. Und obwohl sie mit Rennsteigbuff läuft, outet auch sie sich als größerer Fan des KBL. Warum beim Rennsteiglauf, der jüngst zum vierten Mal in Folge die M4Y Umfrage Marathon des Jahres gewonnen hat, gesamt 15 000 Läufer teilnehmen und beim KBL mit allen 11 angebotenen Rennen (auch Wandern, Moutainbike) nur bescheidene 2 500 Teilnehmer dabei sind, wissen wir keine Antwort? An M4Y kann es jedenfalls nicht liegen, finden sich dort und auf  deren Portale doch an die 20 Berichte nebst Bildern wieder. Zudem wird der KBL seit Jahren als Tipp geführt.

 

 
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Wir haben den westlichsten Punkt der Strecke erreicht und blicken hinab zum nördlich des Kyffhäusers in der Goldenen Aue gelegenen Ort Kelbra mit seinem Stausee. Das Geläuf wechselt endlich dauerhaft auf natürlichen, meist festen Untergrund. Die Steigungen über den Halber Berg und auf dem Rennweg sind die größten Herausforderungen, denn von Steinthaleben bis zum Fernsehturm auf dem Kulpenberg führt es fast neun Kilometer lang nur bergauf. Dafür sind wir jetzt am höchsten Berg des Kyffhäuser Gebirges angekommen und befinden uns an die 470 Meter über dem Meeresspiegel.

Am Fernsehturm, der sich auf dem Kulpenberg seit den 1960’er Jahren 94 Meter in die Höhe streckt, betreiben die Kameraden der Bundeswehr den Verpflegungspunkt. Seit Jahren unterstützt die Bundeswehr die Stadt Bad Frankenhausen und den KBL beim Aufbau auf dem Schlossplatz und an einigen Verpflegungspunkten. Sehr zu empfehlen ist das alkoholfreie Hefeweizen. Zwei Becher davon und ab geht es auf den abschüssigen Hangweg, einem echten Trail. Hier grüßt der Schlamm ordentlich und Plautz, ich stürze aufs Knie, als ich mich nach einem rückwärtsgewandten Foto zu schnell nach vorn umwende. Doch weiter läufts.

Erinnerungen werden wach. Vor zehn Jahren, beim 30. KBL, hatte es unter der Woche noch heftiger geregnet und die Wege hier waren extrem feucht und schlammig, sodass nasse Füße garantiert waren. Ähnlich war es bei der 35. Auflage. Jubiläen scheinen es am Kyffhäuser in sich zu haben…

 

 
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Hinter uns in Hörweite vernehmen wir euphorisch mehrstimmiges Frauengejuche. Das sind meine drei Mädels Anna, Sonja und Birgit (SV Kirchboitzen und Bremen), die sich zum ersten Mal der Herausforderung Bergmarathon stellen. Es freut mich riesig, dass die drei so gut drauf sind. Der KBL bietet sich mit seinen nicht allzu hohen Ansprüchen hervorragend für eine Premiere in der Berglaufwelt an.   

Die Sonne glitzert durch das noch laublose Geäst. Auf dem Laub vom letzten Jahr rennen wir die Sittendörfer Köpfe runter, blicken in die Goldene Aue hinab und bald zum Kyffhäuser Denkmal empor. Das heißt, es geht gleich wieder bergauf. Die Hälfte ist geschafft, als der Anstieg über einen Holzhof und vorbei an einem dampfenden Bratwurststand beginnt.

Erhaben schimmert das Kyffhäuser Denkmal vor uns im gleißenden Sonnenlicht. Die Ankunft beim geschichtsträchtigen Denkmal ist der Höhepunkt beim KBL. Hier holen wir uns am Kontrollpunkt den Stempel auf dem linken Handrücken ab und hauen am Verpflegungspunkt rein. Während der in Sandstein geschlagene Barbarossa und der in Kupfer getriebene Wilhelm I. ihre majestätischen Mienen auf uns herablassen, schlingen wir den sehr zu empfehlenden Haferschleim in uns hinein.

Gestern weilte Mitläufer Dirk (engelmania, Berlin) mit seiner Freundin Bianca bei einer historischen Führung hier am Denkmal. Dirk hatte die Führung in der Tombola bei der online-Meldung für den KBL gewonnen. Vor sechs Jahren verbrachte das Paar ein Wochenende am Kyffhäuser zum KBL. Ohne weitere Einzelheiten zu verraten, stand erst nach diesem Wochenende fest: die beiden kommen zusammen, sie lieben sich. Nun sind sie alle zwei Jahre beim KBL. Und bei der diesjährigen Führung wurde Dirk vom Kyffhäuser Ritter selbst zum Ritter geschlagen, denn der alte Ritter war seines Amtes müde. Aber Ritter Dirk sollte nicht allein dastehen und so bat er dann hier vor Ort und vor Zeugen um die Hand seiner Bianca. Natürlich hat sie ja gesagt. Nächstes Jahr soll die Hochzeit sein, hier am Kyffhäuser. Und dass Bianca aus Ostberlin kommt und Dirk Westberliner ist, ist das i - Tüpfelchen für diese wahrhaft gelebte Liebesgeschichte.

 

 

 
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Wir begeben uns jetzt an den drei Kilometer langen Abstieg. Und werden von einem Posten und auf einem Schild vor seiner Gefährlichkeit gewarnt. Wir queren die Unterburg mit ihrer rötlichen Sandsteinmauer und finden uns auf dem abschüssigen Trail ins Lange Tal wieder. Danach geht es gleich wieder drei Kilometer empfindlich steil aus dem Tal auf schlammigen Trail hinauf. Endlich sind wir durch herrlichen Mischwald bis zum nächsten Getränkepunkt der Bundeswehr vorgedrungen. Das alkoholische Bier dort ist besser nicht zu empfehlen.

Hinauf noch zum Dreiforststein, dann ist es erstmal gut. Noch 14 Kilometer bis ins Ziel, die nächsten vier auf dem fast ebenen und festen Rennweg entlang. Als Frühlingsbote grüßt das Buschwindröschen weiß und gelb auf dem sonst braun-roten Waldboden. Zeit, in sich zu horchen oder die Gedanken und Sinne schweifen zu lassen.   

Heute ist kaum zu glauben, dass dem KBL nach der Wende 1989 das Aus drohte, da die staatlich gelenkte Organisationsstruktur zusammengebrochen war. Doch 1990 fanden sich genug Lauffreunde, die mit der Gründung des Kyffhäuser Berglaufverein den KBL in die neue Zeit retteten. Das Start/Ziel Gebiet wurde jetzt auf den Schlossplatz nach Bad Frankenhausen verlegt. Dem Verein ist es gelungen, den KBL als traditionsreiche und familiäre Veranstaltung zu etablieren, welche eine stabil stehende Teilnehmerzahl mit einigen echten Liebhabern vorweisen kann. Ich zähle mich dazu und: Man kann nur einen Lieblingslauf haben!           

Noch zehn Kilometer bis ins Ziel. An der Waldkreuzung Seebersbrunnen ein erfrischender Schluck Wasser, bevor es drei Kilometer recht steil hinabverläuft. Allen voran rennt mein schnellstes Mädel Sonja, die heute von sich erfährt, dass sie ganz gut bergab laufen kann. Durch eine Streuobstwiese mit weitem Landschaftsblick nach vorn zu laufen, ist jetzt herrliche Abwechslung pur. Nur Vorsicht ist auch geboten, dass es auf dem bröcklig steinigen Weg nicht zum Absturz kommt.

Unter der Mittagssonne laufen wir im Dorf Udersleben, am Südosthang des Kyffhäusers gelegen, ein. Auf dem Dorfplatz werden wir von den Bewohnern frenetisch empfangen. Da reißt sich auch Superman Christoph (Team Zitzmann) noch mal zusammen. Am Verpflegungspunkt sieben Kilometer vor dem Ziel gilt es, die Depots mit schneller Energie zu befeuern. Ein Becher Cola ist da gerade recht.              

Denn jetzt kommt der berüchtigte Flugplatzberg. Es gilt drei Kilometer lang zunächst sehr steil auf Asphalt und dann mäßig steil auf einem Wiesenweg unter der Sonne und gegen den Wind bergan zu laufen. Da verfällt so mancher in den Wanderschritt. Bianka aus Düsseldorf gehört zu denen im Mittelfeld des Marathons, die emsig jeden Anstieg läuft. Am Naturflughafen stehen mal wieder die Jungs vom Streckenfunk. Seit 1991 sind die 30 Funker des Kyffhäuser Funkclubs für den KBL im Einsatz.

Auch ich schaffe es, den Berg hoch zu laufen, bin aber, vier Kilometer vor dem Ziel im Wäldchen angelangt, so platt, dass ich glatt über eine Wurzel stolpere und mich zum zweiten Mal unfreiwillig in den Schlamm werfe.

Doch weiter läuft es bis zum Jägers Kreuz und zum Panoramamuseum auf dem Schlachtberg, wo einst der Bauernaufstand um Thomas Münzer blutig niedergeschlagen wurde. Hier ist ein Schluck Wasser willkommen. Und aufmunternde Zurufe am Streckenrand: „Jetzt geht es nur noch bergab.“

Wohlan. Mein letztes Fotomodel auf der Strecke heißt Ines (LAV Halensia) und wir gehen vorsichtig an den Abstieg, denn auch hier lauern lose und glatte Steine. Zwei Kilometer vor dem Ziel kommt die schiefe Oberkirche, das Wahrzeichen von Bad Frankenhausen, in den Blick. Und die Moderation am Schlossplatz ist zu vernehmen.

Wir rennen den letzten Kilometer durch die Stadt, werden am Schlossplatz im Spalier freundlich begrüßt, und bekommen nach dem Zieleinlauf sofort die Finisher-Medaille von netten Mädels umgehängt. Geschafft, mein zehntes Finale über die große Distanz am Kyffhäuser.

Sonja ist schon da und meint sichtlich gerührt, dass sie sich künftig auf Berg- und Ultramarathons konzentrieren möchte. Auch für Anna und Birgit endet die Prämiere glücklich mit dem einen oder anderen feuchten Auge.

Mein lädiertes Knie wird von versierten Händen im Sanitätszelt versorgt. Danach endlich die verdiente Erbsensuppe mit Bockwurst und ein schönes kaltes Bier.
Abends, bei der Disco-Party im Festzelt, hat der Bad Frankenhauser Karnevalsverein die Organisation übernommen. Es ist zu spüren, dass die ganze Region hinter dem KBL steht. Nur so ist das Gelingen einer so breiten Veranstaltung garantiert. Tags über und an der Strecke waren 200 ehrenamtliche Helfer stundenlang im Einsatz. Die Zahl aller Unterstützer kann wohl nicht beziffert werden.

 

 

Die Zahl der Finisher beim 40. KBL ging wieder nicht über die 2 500 hinaus. Aber das muss und soll auch gar nicht mehr werden, meinen die Teilnehmer und auch der Kyffhäuser Berglaufverein. „Bei unserer Veranstaltung geht es familiär zu. Das würdigen viele Teilnehmer. Das beizubehalten, das ist auch mein Ziel“, betonte Andreas Kirchner, der Vereinsvorsitzende am Donnerstag auf der Festveranstaltung.

Drei Wochen vor dem KBL vermeldete die Touristeninformation ausgebuchte Betten für die Kurstadt Bad Frankenhausen. Unter einem Vielmehr an Teilnehmern könnte die Atmosphäre der Veranstaltung leiden.

Mit dem Plan, auf dem Schlossplatz ein Hotel mit direkter Verbindung zur benachbarten Kyffhäuser Therme zu bauen, stehen mal wieder Veränderungen für den KBL an. Nach 2020 müsste ein neues Start- und Zielareal gefunden werden. Freilich wissen wir, dass das Salz, das weiße Gold von Bad Frankenhausen, eine übergeordnete Rolle spielt. Trotzdem sind wir nicht böse, wenn es diesen Hotelbau nicht gibt.     

Bescheidenheit und Beschaulichkeit, freundlich offene Willkommenskultur, liebevoll familiäre Organisation stehen dem Kyffhäuser Berglauf und der Stadt Bad Frankenhausen heute sehr gut zu Gesicht.

 

Impressionen


 
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Einen weiteren Bericht mit Bildern
gibt es hier auf Trailrunning.de

 

Informationen: Kyffhäuser Bergmarathon
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