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Laufberichte

Bassd scho, sagt der Franke

 

Top Organisation

 

Kilometer 14, am See eine weitere V-Stelle. Fast glaube ich, dass es unter denen einen Wettbewerb gibt, wer die umfangreichste Versorgung darbieten kann. Vorher gab es hausgemachten Kuchen, nun steht zusätzlich Malzbier auf dem Tisch. Und beim Weggehen verdrücke ich noch einen Negerkuss. Kennt Ihr? Als Kind hat man die Süßigkeit auch Mohrenkopf genannt. Beide Begriffe sind heute nicht mehr salonfähig. Kurz nach dem See sehe ich ein weiteres Schild: „Yes you can!“ dazu ein Bild des künftigen US-Präsidenten. Eine leichte Unverträglichkeit zwingt mich dann in die Büsche, einige Marathonis können mich wieder passieren.

 

 

Vielleicht 200, 300 Meter laufen wir auf der Kreisstraße und dann geht es rechts wieder in den Wald, wo uns die Masse der Halbmarathonläufer entgegenkommt. Einen knappen Kilometer lang ist die Begegnungsstrecke. An der ersten V-Stelle müssen wir links weiter.

Kilometer 18, bald endet die erste Runde. Wir erhalten die Höhenmeter von der ersten langen Steigung in Dosen zurück. Es warten auf den drei Kilometer hinunter zum Setzbachbrunnen noch zwei, drei kleine Anstiege. Kurz nach der Markierung 18 laufe ich auf den Chef Hubert Karl höchstpersönlich auf. Er ist stolz auf seine Helfer, die mit Engagement für das Gelingen der Veranstaltung beitragen. Der Hubert hat vor rund 20 Jahren die Abteilung gegründet. Viele aus dieser Zeit sind noch dabei, wenn es ums Laufen und Organisieren geht, sei es in der Halle, am Start und Ziel oder draußen auf der Strecke.

Der Laufverrückteste in der Gegend ist aber eindeutig er selber. So hat er heuer den Spartathlon bereits zum 20. Mal erfolgreich gefinished. „Das Hirn ausschalten brauchst auf den 246 Kilometer nicht“, sagt er, „für den Erfolg musst du höchst konzentriert sein, andernfalls scheiterst du,“ sagt er auf meine Neugierde. Gut 33 Stunden war er dafür unterwegs auf dem Weg zwischen Athen und Sparta, 36 Stunden beträgt das Limit. So ganz einfach teilnehmen geht am Spartathlon auch nicht, denn du musst dafür einige   knackige Bedingungen erfüllen.  Z. B. 100 Kilometer sub 10 Stunden rennen oder in einem 12-Stunden-Rennen mindestens 120 Kilometer schaffen. Bei unserem Ratsch wird das Tempo schneller. Ich muss ihn bei Kilometer 20 ziehen lassen.

Der letzte Kilometer geht am Dörnerhang steil hinunter, dann gilt es, eine Entscheidung zu treffen. Links in die Runde zwei oder rechts ins Ziel und das Rennen beenden. Für mich ist die Entscheidung leicht. Für Henny? Schaun mer mal.

 

Zweite Runde

 

Nach einer kurzen Versorgung mache ich mich wieder auf den Weg. Hubert steht im Zielbereich und unterhält sich mit seinen Leuten. An der langen Steigung hat sich das Marathonfeld nun wirklich weit auseinandergezogen. Einige vor mir sind am Marschieren, ich kann noch laufen. Dann kommt einer leichtfüßig von hinten heran: Der Hubert! „Hier habe ich laufen gelernt,“ sagt er noch und lässt mich stehen. Ich staune. Nicht umsonst wurde der smarte Ultraläufer vor zwei Jahren zum Sportler des Jahres in der Region gewählt. Ja, und ein Kostverächter ist der Hubert auch nicht, holt er sich die wichtigen Vitamine am liebsten mit einem Weizenbier von Göller.

 


Christoph Höger, einer aus der Region, läuft hier seinen zweiten Marathon und will nur durchkommen. Seine Premiere feierte er in Frankfurt vor zwei Wochen in 3.45 Minuten. Er spekuliert, auf seinen Chef aufzulaufen, der 100 Meter vorne ist. An Robert Willinger erinnere ich mich nicht, aber er sich an den laufenden Reporter. Wir haben uns vor ein paar Jahren beim Frankenweg einen Abstecher bei Gößweinstein gegönnt und uns zwei Kilometer verlaufen. Das hatte ich schon noch im Gedächtnis. Ich bin gespannt, ob der Jungspund Christoph seinem Boss die Hacken zeigen kann.

Dann kann ich auf Roland Krauss an dem Gegenanstieg auflaufen. Er geht. Beim Indoormarathon hat er mir fünf Runden abgenommen. Heute macht er sein Rennen gemütlich. Kurz danach laufe ich wieder auf Hubert auf, der mittlerweile mit Petra Zehnter läuft. „Pass auf, ich hole dich noch ein,“ meint er, als ich beide überhole.

Bernhard Hertinger, der Hemsbacher, läuft heute auch ein starkes Rennen. Er schaut sich aber laufend um, ob seine Madame (die Andrea) noch zu sehen ist. Ich gehe an ihm an der V-Stelle am Bischofsheimer Weiher vorbei. Dort freut sich der Hund über eine Krauleinheit von seinem Frauchen. Der Hund jault und liegt vor Entzückung am Boden wie ein Zementsack.

Die Kilometer fliegen vorbei, doch auf den letzten Einheiten wird es auch für mich schwer, obwohl ich noch alle Steigungen belaufen kann. Daniel Maag, Guylord Desurmont und Michael Schumann sind die letzten, die ich bergab noch hinter mir lassen kann. Und dann höre ich schon die Moderation vom Zielbereich. Es geht noch in einem Bogen hinunter und dann sehe ich das Zieltransparent. 4.16 Stunden sagt die Uhr. Ich bin beim Auswerten meiner Bilder beide Runden auf die Minute gleich schnell gelaufen und konnte mich dadurch im Klassement noch vorarbeiten.

 

Im Ziel

 

Im Ziel erhalte ich die Medaille von Huberts Madln umgehängt. Gleich daneben kann man sich verpflegen. Als Hopfenhaltiges kann man sich ein Malzbier einschenken lassen, a gscheits Bier, ja des hams net. Obwohl die Brauerei Göller auch Rauchbier, Weizenbock und Dunkles braut. Das letzter wurde 2016 mit dem World Beer Award ausgezeichnet. Hubert, frage deswegen beim Bräu an.

 

 

Ich hole mir dann eine dicke Jacke aus dem Umkleidezelt und damit gehe ich wieder auf die Strecke. Marion Häusers Daumen zeigt nach oben, sie ist bei ihrer Premiere auf der Distanz erfolgreich. Eine eigene Geschichte kann Anton Luber erzählen. Als Blinder ist er immer auf eine Begleitung angewiesen. Heute  musste er auf Roland Blumensaat verzichten, er musste vor der zweiten Runde das Rennen abbrechen. Cornelia Schmutz, die Hemsbacherin, stellte sich als neue Begleitung zur Verfügung und brachte den Anton ins Ziel. So haben sich zwei auf der Strecke gefunden und sich nicht unterkriegen lassen. Toll.

Etwa bei Kilometer 40, die fünf Stunden sind noch nicht ganz verstrichen, kommen mir in leuchtender oranger Bekleidung Eberhard Ostertag und Angelika Abel entgegen. „Halt mir die Henriette vom Leib, die läuft ganz stark,“ meint der Kollege. Ich sehe in 200 Meter Entfernung zwei Läufer, der eine ist Olaf Schmalfuss, er kämpft, die andere ist meine Henny, auch bei ihr hat der Marathon Spuren hinterlassen.. Ich drehe um und laufe mit beiden das letzte Wegstück hinunter zum Ziel. Olaf muss am Ende abreißen lassen, Henny spurtet.

 

 

In wenigen Minuten ist sie wieder so redselig, wie ich sie kenne. Zur Halle lassen wir uns mit dem Shuttle kutschieren. Bei der Siegerehrung, wir sind da fast zu spät, werden gerade Eberhard und Angelika geehrt, er ist Erster der Klasse, sie Zweiter. Ja, und nach der Siegerehrung schicke ich Henny zu den Ergebnissen. Was sie nicht weiß, habe ich schon bei Kilometer 41 realisiert. Sie läuft auf der Hammerstrecke eine neue PB in 5.07 Stunden.

Mein Fazit: Bassd scho, sagt der Franke und adelt damit den Waldlauf. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Mir Bayern sagen ja: , „Net gschimpft is globt gnua!“ Die Nichtbayern werden das schon verstehen.

 

Tipp: Bamberg

 

Wer noch den Sonntag dranhängt, dem empfehle ich einen Trip nach Bamberg. In der dortigen Jugendherberge (gleich beim Dom) kann man zentral übernachten. Der Stadtspaziergang, der gleich der Regeneration dient, führt uns durch das Domviertel, die Gartenstadt und Altstadt. Für eine Einkehr in eine gemütliche fränkische Wirtschaft bei einem lokalen Bier solltet ihr euch auch Zeit nehmen, es lohnt sich.

 

 


Marathonsieger

Männer:

1. Adam Zahoran, LG Bamberg, 2.43.02
2. Christoph Sell, LG Würzburg, 2.57.21
3. Stefan Bergler, 2.59.08
4. Hauke Lenz, Lautertal Runners, 3.03.53
5. Berthold Bedenk, TV Zeil, 3.05.22

 

Frauen:

1. Bianca Loge, Landau Running Company, 3.32.58
2. Gabi Thiele, WSV Ilmenau, 3.49.51
3. Elke Beierlieb, LG Veitenstein, 3.51.55
4. Caroline Credé, 3.54.22
5. Sabine Schlirf, ESV Ingolstadt, 3.58.30

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Informationen: Zeiler Waldmarathon
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