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Laufberichte

RAJECKÝ MARATÓN 2014

09.08.14 Special Event
 

Etwas mehr Schatten würde ich mir wünschen, aber zum Glück gibt es immer wieder kühlenden Wind, ab und zu sogar richtig starken. Lieber Gegenwind als gar keinen! Die Straße verläuft hier recht kurvenreich, beiderseits der Straße bewaldete Hänge, Mischwald. Was ich nicht wusste: Čičmany ist nicht nur kulturell einzigartig, es ist auch ein Wintersportort, obwohl es auf nur 655m liegt. Mittlerweile kommen mir immer mehr Läufer entgegen, die sind schon allesamt talwärts unterwegs, da freue ich mich auch drauf. Vorher gibt es bei km20 noch eine Labe, bei Halbmarathon wird die Zwischenzeit genommen: 2h18, das ist nicht gut.

Dann geht es rein nach Čičmany, seit 1977 steht der untere Ortsteil unter Denkmalschutz. Fast nur schwarze Holzhäuser mit weißer Bemalung. Stellenweise mutet das richtig indianisch an. Die tschechischen Motorräder, die vor einem Gasthaus in Reih’ und Glied geparkt sind, machen sich dennoch richtig gut. Links oben sind nun auch Skipisten erkennbar, der höchste Berg dieses Gebirges in der Westslowakei ist der Strážov mit 1.213m.

Männer in alten Trachten feuern uns Läufer mit Osterratschen an, die machen einen Höllenlärm. Unabhängig vom Marathon scheint Čičmany ein beliebtes Ausflugsziel für Familien zu sein. Ich muss noch weiter rauf, weiter den Bach Rajčanka entlang, der uns die ganze Strecke über begleitet. Da oben steht eine mehrere Meter hohe aufgeblasene Rajec-Mineralwasserflasche. Die ist der Wendepunkt, von nun an geht’s bergab.

Das Bergablaufen habe ich gezielt trainiert, das kommt mir nun zugute. Ich verliere keinen Platz mehr, ganz im Gegenteil. Zügig komme ich voran. Ein Motorradfahrer mit Kameramann am Sozius überholt mich und parkt ein. Ich laufe auf die Kamera zu und vorbei. Irgendwie komme ich mir verfolgt vor. Ich zücke meine Kamera und knipse nach hinten. Tatsächlich ist mir der mit seiner Kamera nachgelaufen und hat mich derweil gefilmt. Das Foto ist leider nicht ganz scharf, es ist aber eindeutig zu erkennen.

Ich laufe nun konstant 5:50/km. Damit bin ich zufrieden, ist es nun doch schon früher Nachmittag, der Teer an den Brückenfugen ist schon sehr weich. Als ich wieder eine Labestelle knipse, holt eine Helferin für das Foto zwei Pilze hervor, die sie gefunden hat,  während ich am Berg oben war. Vorhin hatte sie die noch nicht!

Slávka und Vlado sind immer noch da. Seit 3h 10min bin ich nun unterwegs. Ich habe noch 12km vor mir, diese Nachricht bekommt Evi telefonisch. Ich erhalte außertourlich einen Becher Wasser. Einem Teilnehmer werden am Straßenrand die Beine massiert, sieht nach Krämpfen aus.

Das meiste bergab ist geschafft, keine großartigen Höhenmeter mehr bis ins Ziel. Wohl aber Sonne und kaum Wind. Die Betreiber der Labestelle in Fačkov haben sich ein schattiges Platzerl gesucht, Sonnenschirme haben sie keine. Km33, mit befüllter Wasserflasche geht es weiter, immer am Straßenrand entlang.

Da fast alle bergauf Höhenmeter im ersten Streckenteil sind, die bergab Höhenmeter vor allem im zweiten Teil, habe ich im Vorfeld damit spekuliert, wieder einmal einen Negativ-Split erreichen zu können. Lange ist es her, dass ich den zweiten Halbmarathon schneller gelaufen bin als den ersten.

In Rajecká Lesná steht die Kofola-Fabrik, ein Hinweisschild macht uns auf „Slowakisch Bethlehem“ (Slovenský Bethlehem) aufmerksam. Eine monumentale Schnitzerei, die Motive der Weihnachtskrippe mit slowakischen Sehenswürdigkeiten verbindet. Viele Figuren darin werden mechanisch bewegt. Ist was für morgen, jetzt komme ich zu der Labe, die zu Beginn noch geschlossen war. Ich bekomme Applaus und ein freundliches Lächeln. Die Bananen sehen schon arg mitgenommen aus, die lasse ich liegen. Die Melonen sehen frisch aus, Rosinen gäbe es auch. Das Wasser in den Bechern hat Asphalttemperatur, steht ja alles in der prallen Sonne.

Noch 4km, das Weizenfeld nun zu meiner rechten. Einen km später: Ein junger Mann ist mit vier großen Biergläsern unterwegs, ich bekomme eines angeboten, frisch gezapft, das sieht verführerisch aus. Aber jetzt habe ich es bald geschafft. Die Wolken schieben sich vor die Sonne, stelle ich mit Genugtuung fest. Km40, Restaurant „Eden“ in Šuja, ich laufe vorbei, ich bin ja bald im Paradies. Einer muss an der Leitschiene dehnen, drei Geher überhole ich noch. Und dann ist mit weißer Farbe „500m“ ist auf die Straße gepinselt.

Ein Schild, bewacht von Streckenposten, zeigt mir, wo es zum Cieľ geht. Rechts abbiegen, bei den zwei Soldaten ein Linksschwenk und ich habe die menschenleere Zielgerade vor mir. Drei junge Damen in Tracht machen sich gerade auf den Heimweg. Während ich auf der Strecke war, ist in Rajec viel los gewesen. Ich kann Evi erkennen, sie weiß von Slávka meine Durchgangszeit bei km30 und rechnet um etwa halb 3 mit meiner Ankunft.

Viel fehlt nicht auf halb 3, der Negativ-Split geht sich um ein paar Sekunden nicht aus, egal.
4h 36min 29sec, schon wieder eine 4:36er!  Elias Kiptum Maindi siegte in 2h 30min 54sec

Es gibt gleich einmal eine Wasserflasche und eine ziemlich schöne und große Medaille. Pasta, Kofola und Bier so viel man will, sogar Speiseeis ist in der Ziellabe für uns vorgesehen. Der Športomat gibt leider seinen Geist auf, bevor ich meine Urkunde drucken lassen kann. Dem ist es wohl zu heiß geworden, dabei steht er im Schatten.

217 Marathon-Finisher bei 14 DNF, auf der halben Distanz kamen 505 LäuferInnen ins Ziel sowie 128 Inline-Skater.

Irgendwann hätte es auch eine Tombola gegeben. Es gab da alles Mögliche zu gewinnen, von der Keramik-Vase bis zur Waschmaschine. Kein Scherz!

Tombola hin, Tombola her, Evi und ich, wir machen uns auf den Weg nach Rajecké Teplice. Wir kennen da jetzt eine Therme namens Aphrodite, die können wir nur empfehlen. 38°C-Thermalwasser wird seit dem 14. Jahrhundert zur Heilung von Erkrankungen des Bewegungsapparates genutzt. Wenn das nicht ideal ist nach einem Marathon!


Siegerinnen:

Helén Csönge  HUN 3:01:18 
Sylvia Sebestian SVK 3:16:52
Tereza Šádková CZE 3:39:30


Sieger:

Elias K. Maindi KEN 2:30:54
Viktor Starodubtsev SVK 2:39:43
Daniel Orálek  CZE 2:41:15  

 

 

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