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Laufberichte

Alexander-der-Große-Marathon

05.04.15 Special Event
 

Mit Chalkidona erreichen wir nach 8 km die erste Ortschaft nach Pella. Trotz der trüben Witterung wird uns von den am Straßenrand zuschauenden Bewohnern im Ortszentrum ein überaus herzlicher, fast schon überschwänglicher Empfang bereitet. Ein gewisser Wermutstropfen ist, dass sich die N 2 jenseits von Chalkidona von zwei auf vier Fahrstreifen verbreitert und wir jetzt nur noch die in Richtung Thessaloniki führenden Spuren für uns allein beanspruchen dürfen, während auf der Gegenspur der Autoverkehr in seinem Revier bleiben darf. Wo immer wir auf eine Kreuzung treffen, sorgen Ordnungskräfte dafür, dass wir stets freien Lauf haben.

Über eine langgezogene Brücke queren wir nach 13 km den Fluss Axios, auch Vardar genannt. In der Nähe von Thessaloniki mündet er ins Meer. Hier ist er jedoch noch Lebensader für das umliegende Agrarland. Kaum zu glauben ist, dass es die Ablagerungen des Axios waren, die aus dem einstigen Küstenort Pella binnen zwei Jahrtausenden einen 20 km landeinwärts liegenden Binnenort gemacht haben.

Meterhohes Schilf säumt die Straße bei Gefyra nach etwa 15 km. Die Kilometer fließen nur so dahin. Der Regen auch. Pitschnass sind wir mittlerweile und zu den Hauptbeschäftigungen gehört, auszuloten, in welche glitzernde Straßenpfütze man sich wagen kann und bei welchen Sohlenüberflutung droht.

Apropos Wasser: Davon bekommen wir nicht nur von oben reichlich, sondern auch an den Verpflegungsstationen. Ab km 5 wird alle 2,5 km Wasser – praktisch, aber verschwenderisch – in Halbliterflaschen ausgegeben. Ansteckend ist die Motivation und gute Stimmung der vielen ehrenamtlichen Helfer. Zusätzlich bekommen wir alle 5 km isotonische Getränke, Bananen, zwei Mal auch Gels und Cola. Heute ist diese Versorgungsdichte mehr als genug, aber an einem Sonnentag und angesichts des schattenlosen Kurses wird diese ein Segen sein.    

 

Halbzeit

 

Eine überdachte Zeiterfassungsstelle unweit Agios Athanasios inmitten der Pampa signalisiert uns: Die Hälfte ist geschafft. Das von dichtem Grün eingefasste Flüsschen Gallikos queren wir nach 28 km. Große grüne Schilder weisen wenig später einen Abzweig in Richtung Autobahn: Nach Athen, Kavalla und Chalkidike geht es. Für uns heißt die Laufrichtung aber weiterhin: geradeaus.

Mit Diavata gelangen wir ab km 30 in die erste der Umlandgemeinden Thessalonikis. Im Stadtgebiet Thessalonikis  leben offiziell „nur“ etwa 350.000 Einwohner. Mit den Umlandgemeinden zählt der urbane Siedlungsraum aber etwa eine Million Menschen.  Wohngebiete wechseln sich ab mit gewerblichen Flächen, beides nicht unbedingt ein Augenschmaus. Aber dort, wo Menschen leben, stehen überraschend viele an der Straße und lassen sich das Laufspektakel nicht entgehen.

Ein echter Hingucker ist nahe Eleytherio Kordelio bei km 32 das gewaltige Betriebsgelände von Hellenic Petroleum. Unter der Marke EKO betreibt dieses Unternehmen etwa 1.175 der 8.000 Tankstellen in Griechenland. Man müsste die gewaltigen Tanks gar nicht sehen, um zu wissen, wo man ist: Denn der Duft von Benzin liegt in der Luft.

Eigentlich das einzige Mal ein bisschen „fies“ wird die Strecke bei km 35. Die Monastiriou Straße, wie die in die Stadt führende Verlängerung der N 2 mittlerweile heißt, nötigt uns zu einem langgezogenen Brückenanstieg über das Bahngelände. Die Belohnung folgt auf dem Fuße. Auf einem ebenso langen Gefälle werden wir weiter in Richtung Stadtzentrum beschleunigt. Immer dichter wird die Bebauung, immer städtischer das Umfeld. Bei km 37, im Stadtteil Menemeni, geht es vorbei am Grand Hotel Palace, wo die Topläufer untergebracht sind. Die sorgen dafür, dass immerhin Zeiten von 2:18 Std. in der Spitze erzielt werden.

Auf den folgenden einsamen Kilometern durch das Outback hinter dem Hafen heißt es: Durchbeißen. Und sich vorfreuen auf das Finale.  

 

Das Beste zum Schluss

 

Das Finale, das ist die Uferstraße Leoforos Nikis, übersetzt „Siegerboulevard“. Nomen ist omen, und das gilt für uns heute im besonderen Maße. Vom Hafen führt diese Straße direkt am Meer einen guten Kilometer entlang bis zum Weißen Turm. Gestern Nachmittag noch bevölkerten sonnenhungrige Gäste, zumeist der Kategorie jung, hip und wohlhabend, dicht an dicht die Bars. Heute Mittag sind die Bars leer, aber dafür stehen jetzt zahlreiche Zuschauer an der Strecke und feuern uns an. Mehr und mehr werden es, je näher der Weiße Turm am Horizont rückt.

Auch die etwa 16.000 Läufer der anderen Distanzen nehmen zum Finale dieses Streckenstück. Nur wird man ihnen als Marathoni im Regelfall nicht begegnen. Denn die schon um 8:45 Uhr gestarteten 10 km-Läufer sind längst „durch“, wenn die Marathonläufer eintrudeln, während die Armada der 5 km-Läufer erst um 12:30 Uhr aufbricht.   

Mehr zum Thema

Auf unserem Weg entlang der Uferstraße passieren wir den Aristoteles Platz und damit das Herz der innerstädtischen Shopping-Zone. Beeindruckend ist die Optik des Platzes: Der zum Meer hin offene Platz ist halbkreisförmig von herrschaftlichen sechsstöckigen Gebäuden umbaut. Zahlreiche Restaurants und Cafes erfüllen die von Rundbögen gesäumten Arkaden mit Leben. Dass der Platz ausnahmsweise nicht nach Alexander dem Großen benannt ist, liegt an der im Zentrum thronenden Bronzestatue. Denn die ehrt einen anderen berühmten Griechen: den Philosophen Aristoteles. Zusammen mit der einmündenden Aristoteles-Straße ähnelt der Grundriss des Platzes einer Flasche. Diesen Umstand nutzte die schwedische Wodka-Marke Absolut und verwendete eine Luftaufnahme des Platzes für ein durchaus originelles Werbefoto. Neugierig? Dann einfach mal unter dem Link http://www.absolutads.com/gallery/reklama.php?id=1257 nachschauen.

Nun geht alles ganz schnell. Vom Beifall der Zuschauer getragen fliegen wir dem Ziel entgegen, tauchen ab unter dem leuchtend orangefarbenen Banner mit der Aufschrift „TEPMATIΣMOΣ“ und wissen: Es ist geschafft. Im Ziel wartet einmal mehr Alexander der Große auf uns. Zum einen in Form eines riesigen Reiterdenkmals direkt am Ufer. Zum anderen auf der Finishermedaille, übrigens der größten, die ich in meiner Sammlung habe.

 

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