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Laufberichte

Altenburg hat gute Karten

 

Heute fällt dem Reporter wieder nichts Gescheites ein für die Überschrift. Na ja, fast. Zehnjähriges beim Skatstadtmarathon in Altenburg. Den ersten lief ich dort mit, bei Regen in der zweiten Hälfte, und die letzten drei Ausgaben in Serie. Und ich muss sagen, der Event wächst weiter und wer jetzt noch was zum Meckern hat, ist ein Griesgram. Ich bin vom Konzept des Kanu- und Laufverein Altenburg-Windischleuba als Veranstalter restlos überzeugt und das sage ich nicht nur so einfach. Warum das so ist, kann ich euch gerne sagen.

Es geht schon mal an, dass Start und Ziel im Wohnzimmer von Altenburg ist. Auf dem Markt, in Nähe zum Rathaus und der Brüderkirche, laufen alle Fäden zusammen. Wenn du als Zuschauer hier stehst, magst du einfach nicht mehr weggehen. Denn bereits vor dem ersten Start der Marathonis um 09.00 Uhr bis zum Zielschluss nach 6,5 Stunden gibt es keine Sekunde Langeweile. Dafür sorgt der Moderator Stefan Bräuer, die Band „Die Unkomplizierten“, die Sambatänzerinnen, die Verkaufs- und Sponsorenstände und natürlich die Futterbuden. Und die Läufer, die Zug um Zug auf ihren Weg geschickt werden und später hier im Ziel einlaufen.

Das sportliche Wochenende beginnt bereits am Freitag Spätnachmittag im Goldenen Pflug mit der Startnummernausgabe, einer Messe „Rund ums Laufen“ und dem Vortrag eines Sport-Promis. Beispieslweise waren Waldemar Cierpinski, Dieter Baumann, Heike Drechsler und Florian Neuschwander zu Gast. Heuer gibt Nils Schumann, der Olympiasieger über 800 Meter (Sydney 2000), einen Vortrag zum Thema „Laufend unterwegs“.

Dass bei den Läufen die ganze Familie beschäftigt werden kann, ist klar. Der Nachwuchs läuft 400 Meter und die Schüler 3,4 Kilometer. Erwachsene starten über 5,4, 13,3 Kilometer, Halbmarathon und Marathon. Weiter können sich zwei Sportler den Marathon aufteilen und Walker können sich auf 13,3 und 21,1 Kilometer austoben. Das Startgeld ist fast geschenkt. Bei früher Vormeldung verlangt man 25 EUR beim Marathon. Der Gegenwert lässt sich sehen: Die übliche Infrastruktur wie abwechslungsreiche Strecke, Zeitmessung und Urkundendruck, Medaille, Getränk und warmes Essen aus der Gulaschkanone im Ziel, Massagen. Und für die Marathonis noch edle Laufsocken, die für sich betrachtet schon fast das Startgeld wert sind.

Laufabstinente Begleiter können das Kinderfest auf der Festmeile beim Teehaus besuchen oder dann am Abend den sportlichen Anlass bei der Museumsnacht ausklingen lassen. Wer da Langeweile hat, ist selber schuld.

 

 

Ich habe im Vorfeld die Meldezahlen immer wieder beobachtet. Wir packen die 4000, hieß es in der Woche vor dem Event und die Marke wurde locker gemeistert. 3841 Finisher liefen am Samstag durch das Ziel, wieder neuer Rekord, eine Steigerung von 410, also mehr als zehn Prozent. Wer die vielen Kinder gesehen hat, die gleich nach den Marathonis an den Start gehen, hat keine Angst um die Zukunft der Veranstaltung. Immerhin haben fast 1800 Kinder die Schuhe geschnürt. Viele werden uns nach der ersten von zwei Runden oder beim Zieleinlauf erwarten. Ich freue mich drauf.

Meine bessere Hälfte, die Henny, hat sich für den Marathon eingeschrieben. Den 21,1 Kilometer langen Kurs durch Altenburg und das Umland, hinauf und hinunter, im Wald und durch Felder, kennt sie bereits von den Vorjahren als Paarläuferin. 520 Höhenmeter weist das Profil auf der Marathonstrecke auf und die meisten Höhenmeter warten auf den Anstiegen im Stadtwald, zur Poschwitzer Höhe, beim Lindenaumuseum und der Schlossauffahrt. Langweilig wird es dem Marathoni da nicht. Ein kleines Detail zum Jubiläum? Diejenigen, die bisher immer dabei waren, erhalten eine eigens gestaltete Startnummer und eine goldene Medaille. Davon sind im Ziel viele zu sehen, die Altenburger haben nämlich treue Stammläufer.

Bei der Anreise kommen wir ein wenig ins Schwitzen, denn im Zug nach Hof fällt die Klimaanlage aus. Gefühlte 40 Grad hat es in den Abteilen, der Schaffner wischt sich den Schweiß aus den Gesicht bei der Fahrkartenkontrolle. Nun, am Wettkampftag wird es auch heiß hergehen, sprichwörtlich gesehen. Petrus wird uns einheizen und die Letzten mit Blitz und Donner heimjagen, wenn die Prognose so stimmt.

Wie Altenburg und Skat zusammenpassen wurde hier schon in vielen Berichten erklärt. Ich möchte an dieser Stelle nur erwähnen, dass bereits 1832 die Brüder Bernhard und Otto Bechstein damit begannen, unter dem Namen „Herzoglich Sächsische Altenburger Concessionierte Spielkartenfabrik“ Spielkarten herzustellen. Es war ein hartes Geschäft, das erst nach Jahren rentabel wurde. Heute werden unter dem Dach ASS Altenburger jährlich fast 40 Millionen Kartensets hergestellt.

Am Markt ist die Stimmung schon am Brodeln, jetzt, wo uns noch 15 Minuten zum Start verbleiben. Die Marathonis stellen sich in der Moritzstraße auf, ganz vorne, denn uns lässt man zuerst auf die Strecke. Auf dem Kornmarkt und dem Topfmarkt sammeln sich gerade die Kinder, die im Fünf-Minuten-Abstand auf ihre Runden über 400 Meter gehen werden. Bei uns sind die üblichen Verdächtigen dabei. Besonders begrüßt wird Robert Wimmer, der sich beim Skatstadtmarathon auf größere Aufgaben vorbereitet. Man kennt sich, begrüßt und klopft sich auf die Schulter. In der ersten Startreihe fachsimpelt man wohl eher über Taktik und Besonderheiten der Strecke, die der Veranstalter auf diesen einen Nenner bringt: „Die anspruchsvolle Herausforderung in Altenburg“. Damit ist alles gesagt.

 

 

Die letzten Sekunden werden heruntergezählt und dann werden die 130 Marathonis losgelassen. Es wird wohl eine Hitzeschlacht werden, das befürchte ich, denn jetzt hat es schon über 20 Grad. Wir springen über das Kopfsteinpflaster am Marktplatz, leicht bergab, laufen linkerhand am Rathaus vorbei, das in den Jahren 1561 bis 1564 im Renaissance-Baustil errichtet wurde. Markant ist an der Front der achteckige Turm. Durch die Topfgasse, Kesselgasse und den Roßplan geht es zuerst hinunter, dann hinauf. Ich muss jetzt schon schnaufen wie ein Walross. Das wird noch was werden. Die erste Steigung haben wir am Nikolaikirchhof schon hinter uns gebracht. Auf dem Platz laufen wir am Kirchturm vorbei, ein Rest der Nikolaikirche, die im 16. Jahrhundert abgerissen wurde. Der 45 Meter hohe Turm kann bestiegen werden.

Die schon mühsam erarbeiteten Höhenmeter geben wir in der Langengasse wieder ab. Am Capitolkino sehe ich dann Kilometerschild eins und in Verlängerung den Großen Teich mit der Teichpromenade. Das Gewässer entstand im 12. Jahrhundert durch die Aufstauung der Blauen Flut. Später wurde im Teich eine Insel aufgeschüttet, die seit 1954 Heimat des Inselzoo Altenburg ist. Ein Steg führt hinüber. Auf der Promenade haben wir die Wahl zwischen dem rustikalen Naturweg und dem geteerten Fußweg mit zahllosen Schlaglöchern. Da ist es egal, wie man entscheidet. Der erste Eindruck von der Strecke: Langweilig ist sie nicht. Das Parkhotel hat an der Südterrasse eine private Wasserstation eingerichtet, ein DJ spielt auf.

Am Ende des Teiches sehe ich die erste Streckentrennung, wir werden von den Sparkassenmädels eingewiesen. Wir können es nun die paar flachen Meter bis zur Hellwiese laufen lassen. In der Kleingartenanlage ist noch kein Mensch zu sehen. Kurz vor dem Märchenbrunnen ist der zweite Kilometer geschafft. Wir wenden in Sichtkontakt und laufen zum Großen Teich zurück, wo abermals eine Streckentrennung ist. Wir müssen nun rechts abbiegen.

Die erste lange Steigung reißt nun Löcher in das Läuferfeld, erste Läufer sind am Gehen. Ronald, ein echter Haudegen, zieht sein Tempo bis zum Bismarckturm an der höchsten Stelle durch. 1915 wurde der Turm zu Ehren von Reichskanzler Otto von Bismarck errichtet. Vor einigen Jahren hat sich ein Förderverein gegründet, der den Turm sanieren und einer touristischen Nutzung zuführen will.

30 Minuten bin ich unterwegs, der fünfte Kilometer wird passiert. Ab jetzt sind nur noch alle Fünf-Kilometer-Abschnitte markiert. An der folgenden Verpflegung kannst du schon zugreifen. Wasser, Iso, Cola, Obst, Gurken, Waffeln,  Zopf und in der zweiten Runde wird dem durstigen Reporter ein Bier in Aussicht gestellt.

Wir überqueren zwei mustergültig abgesperrte Straßen, laufen durch einen Spielplatz und dann sehe ich schon, dass der Stadtwald endet. Wir verlassen den bequemen Waldweg und biegen auf einen thüringisch-rustikalen Feldweg ein, bergauf! Ein Marathon light schaut anders aus. Dafür ist das Gras auf dem Weg gemäht, die Zecken dürfen sich andere Opfer suchen. Bodo drängelt sich vor meine Blende. Er führt eine Gruppe von vier, fünf Marathonis an. Der Bodo ist halt eine Rampensau, meint ein Freund aus seiner Gruppe. Wir lachen.

 

 

Auf der Paditzer Straße laufen wir nun auf die Stadtumgehung zu, überqueren diese und  kommen an eine Trinkstelle (7,5 Kilometer) mit ein paar Cheerleader Girls, die sich ebenfalls ins Rampenlicht drängen. Gut zwei Kilometer führt der Kurs parallel zur Stadtumgehung, nur einmal unterbrochen, als wir mittels einer Unterführung auf die Ostseite der Hauptstraße wechseln, natürlich mit einer zarten Steigung in praller Sonne. Wer hat Sonnenschutz aufgetragen? Ich nicht, dafür wird mir später die Birne brennen.

Einen halben Kilometer dürfen wir uns bis zum Ortseingang Münsa erholen, wo eine weitere V-Stelle wartet. Das Helferteam hat frühere Laufshirts, bestimmt 20 an der Zahl, am Rand aufgehängt. Und dann frage ich (nur zum Spass natürlich) nach einem Altenburger. Gemeint ist das Produkt einer im Jahr 1871 gegründeten Firma, welche sich auf das Brauwesen spezialisiert hat. Ein Schwarzes wird mir vor die Nase gehalten. „Du bist schon der Dritte, der nach Bier fragt.“ Leikeim aus Burkunstadt hat die Brauerei aufgekauft und hat in den letzten Jahren den Betrieb behutsam modernisiert, ohne den Bezug an die Region zu verlieren. Beschwingt hopple ich weiter. Bei  Kilometer zehn bin ich ziemlich genau eine Stunde unterwegs.

Es geht an die Bahnlinie heran, mein Winken quittiert der Lokführer der S-Bahn mit einem zweimaligen Pfeifen. Dann kommt eine weitere schwere Steigung von der Stadtumgehung bis zum Wilchwitzer Weg. Der Honda Club hat zwei Autos in der Unterführung abgestellt und nutzt die Autobatterien, um uns mit Hardrock anzutreiben.

Vorher sehe ich vier Tipps, um die Altenburger Berge zu bezwingen. Sie gehören von der Tektonik her zum Erzgebirge. Beim Blick nach Süden können wir die nördlichen Ausläufer dieses Grenzgebirges zu Tschechien sehen.

Die Ratschläge lauten:

Einen Fuß vor den anderen,
kleinere Schritte, dafür etwas schneller,
aufrechter Körper – Blick nach vorne, und
du darfst auch gehen – alternativ laut fluchen.

Und dann kommen weitere Sprüche wie: „Scheiß Sonne und Scheiß Berg“. Ich schmeiß mich weg in den Straßengraben. Am Ende der Steigung warten die Tischtennisspieler der SV Medizin. Meine Medizin haben die nicht. Es gibt nur Wasser, das ich mir über die Birne kippe.

Es geht wieder ins Stadtgebiet, wo wir nach dem Falkenplatz in den Zick-Zack-Weg einbiegen. Der heißt nicht nur so, er ändert tatsächlich seine Richtung alle paar Meter! In der Schwanenstraße grüßt wie jedes Jahr die Familie Dünewald die Läufer, diesmal mit einer Kiste Wassereis zum Kühlen. Kurzzeitig sind die Neuapostolische Kirche und die Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche zu sehen. Eine weitere Streckentrennung lässt uns nun einige Gartenanlagen tangieren wie das Friedenseck, den Mühlengrund und die Poschwitzer Höhe. Besonders die letztere kostet nicht nur mir einige Schweißperlen. Ein paar linke Parteigenossen halten mir eine Bierflasche entgegen, einen Öffner haben sie offenbar nicht.  Da hilft der Tipp des Bayern: „Haut die Flasche am Biertisch doch auf.“ Gesagt, getan.

Ein paar Minuten weiter warten dann Helfer vom THW mit dem vollen Verpflegungsprogramm, Auch  Schokolade, Riegel, Kekse und Salz werden gereicht. Es mangelt an nichts. Die aufgestellten Stühle in der Sonne bleiben allerdings leer. Gleich danach laufen wir durch das Industriegebiet am Weißen Berg, die Streckenposten haben sich unter einem Sonnenschirm verkrochen, denn ess ist heiß und der Asphalt glüht. Auf den 500 Metern durch den Poschwitzer Park (ein kleiner Rundkurs) kann man sich wieder ein wenig erholen. Doch bei Kilometer 15 stehe ich wieder voll in der Sonne.  Genau 93 Minuten  bin ich unterwegs. Die vier Stunden sind definitiv nicht zu schaffen. Bodo schickt mich nach vorne.

 

 

Damit die Streckenlänge passt, ist noch eine kurze Wendestrecke (rund 100 Meter lang) eingebaut. Wir erreichen die Mozartstraße nach einen ruppigen Wiesenüberquerung. Karsten und Jörg machen mir Platz, als ich von hinten auflaufe. Sie kommen vom Klinikum Altenburger Land, das eine starke Mannschaft am Start hat. Es geht nun zur ASS Spielkartenfabrik hinunter. Ein Anwohner hat eine Gartendusche am Straßenrand aufgestellt, wir Läufer stellen uns gerne drunter.

Wir laufen ins Zentrum und nach einigen Minuten stehen wir vor dem Lindenaumuseum, sicher heute Abend einer der Höhepunkte der Museumsnacht. Unter anderem kann man eine Ausstellung zum Thema „Das Runde und das Eckige. Fußball in der Kunst“ anschauen.

Und dann können wir schauen. Nicht nur umher, sondern auch, wie wir die Steigung hinauf zum Teehaus bewältigen. Wir bestaunen die unzähligen, liebevoll handgemalten Motivationsschilder rechts und links der Strecke. Sina und Silvio vom SV Lerchenberg haben „ihr“ Schild entdeckt. Logo, dass der Fotograf seine Augen dafür offenhält. Im Schritttempo arbeite ich mich nach oben, die Kamera laufend im Einsatz. Tinos Schild mit seiner Nummer 1913 spricht auch mich an: „Erst laufen, dann saufen“. Die Sambaband und die Cheerleader Girls auf der halben Strecke bringen uns wieder auf Trab.

 

 

Am Ende der Steigung lese ich auf einem Banner:

„7mal musst du am Gipfel sein,
doch danach wirst du ein König sein.“

Nur kurz ist die Erholung vor dem Teehaus (Kilometer 18), dann beginnt an der Amalienschule der gefährliche Teil des Kurses. Auf grobem Kopfsteinpflaster geht es die Jungferngasse hinunter, Trittsicherheit ist auf den Treppen und Stufen kein Nachteil. „13,3 Kilometer sind POP, 42,5 Kilometer sind PUNK“, lese ich. Die Wegeverhältnisse bessern sich nicht, jetzt laufen wir auf Betonplatten! Erst am Kleinen Teich und am Kunstturm können wir ausschnaufen. Ich höre eine Kirchuhr elf Mal schlagen und  habe noch zwei Kilometer bis zum Markt.

500 Meter dauert meine Erholungsphase auf der Wallstraße und am Theaterplatz. Eigentlich müsste ich den Schwung mitnehmen, denn dann geht es die steile Schlossauffahrt hinauf. Die Polizisten und die Herolde lachen (mich aus), als ich sie auffordere, mich anzuschieben. Der Kurs ist ein Hammer und geil bis zum Triumphbogen. Erste Gänsehaut, das Residenzschloss, die Schlosskirche und das Prinzenpalais liegen vor mir kleinem Läuferlein. Ab dem Torhaus (Kilometer 20) wird es wieder gefährlich: Wir umrunden das Schloss, dann geht es auf ruppigen Stufen hinunter. Wer nicht konzentriert ist, kann sich die Gräten brechen. Erst nach dem Paunitzer Teich wird der Weg im Park besser, aber die Erholungsphase ist begrenzt. Denn nach dem Überqueren der Straße am Theaterplatz geht es in ein schmales Gässchen. Ein Mountainbiker mit breitem Lenker käme da nicht nur. Dann nochmals Pflaster hinauf zur Paunitzer Straße. Hier könnte man sich im Historischen Friseursalon die Federn stutzen lassen.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Der Skatbrunnen am Brühl, rechterhand die St. Bartholomä-Kirche, dann geht es die Marktgasse hinauf, wo uns Helfer in ihren roten Shirts erwarten und anfeuern. Seit geraumer Zeit hören wir Stefan Bräuer und die Musik, dann sehe ich die Wende. Die erste Etappe ist geschafft und ich bin jetzt schon platt. Die Zeit spielt eh keine Rolle mehr. Ich schäkere ein wenig mit der Sambatänzerin herum und mache mich dann auf in die zweite Runde.

Soll ich jetzt Gas geben, frage ich mich. Häufig mache ich das so auf einem Zweirunden-Kurs. Aber heute bei knapp 30 Grad? Ich lasse Vernunft walten und versuche einfach, das Läufchen zwar langsam, aber ohne Gehpausen zu fortzusetzen und mich an jeder Trinkstation abkühlen. Nur nicht überhitzen.

Wenn die Steigung im Stadtwald nicht wäre, könnte ich glatt ein wenig regenerieren. Am Ende der Steigung kommt die Spitze des 13,3 Kilometer-Laufes. Die haben einen Speed drauf. Derweil hole ich Alexander vom SV Rote Socken ein. Soweit ich mich erinnere, wollte er  schon letztes Jahr das Bier nicht, das jetzt im Stadtwald angeboten wird. Ich übernehme seine Ration.

 

 

Die zweite Runde ist perfekt. Warum? Man ist nie alleine. Ich fühle mich jetzt im Feld der 13,3 Kilometer-Läufer pudelwohl. Vor zwei Jahren bin ich hier auf Heike Drechsler aufgelaufen, heute sehe ich Robert Wimmer vor mir. Kilometer 30 ist erreicht. Alle kämpfen mit der Hitze. Aber es hätte schlimmer kommen können: „Strömender Regen, Hagel“, „Minus 5Grad und Gegenwind“ . So trösten die Schilder beim Honda Treff in der Unterführung. Die fahren weiterhin die harte Linie - mit ihrer Musik.

Vor dem Industriegebiet muss ich eine Läuferin zurückpfeifen, sie hat die Richtungsänderung nicht mitbekommen und ist auf dem falschen Weg. Noch mehr private Wasserstellen als in der ersten Runde sind jetzt aufgebaut. Die Anwohner am Kurs machen einen guten Job, das muss ich jetzt einfach sagen. Ich komme noch ohne Gehpause die Poschwitzer Höhe hinauf, andere hängen schon arg durch. Die Restkilometer sind längst einstellig, als sich jetzt auch die Walker zu uns gesellen. Da musst man halt ein wenig aufpassen, denn nicht jeder behält seine Stecken bei sich.

Wieder der Aufstieg zum Teehaus. „Kneift den Po zusammen“, ist auf dem Motivationsschild  für Muschi und Ritze zu lesen.  Dann bin ich oben. In der Jungferngasse klingele ich bei Steffi und Veronika, weil es bei ihnen ein Sofa geben soll. So steht es auf dem Schild. Wenn ich es bei denen jetzt verschissen habe, tut es mir leid. Kommt nicht mehr vor. Zumindest nicht bis nächstes Jahr.

„Eine infernalische Reise“, so heißt laut Transparent die nächste Aufführung im Theater . Der letzte Anstieg hoch zum Schloss gerät auch für mich zum Inferno. Mit Mühe und Not komme ich im Schlappschritt rauf. Dann kann ich den letzten Kilometer durch die Innenstadt genießen.  Die Anspannung löst sich, ja, sie fällt ab, als ich die Marktgasse hoch auf dem Markt laufe und Stefan Bräuer mich ankündigt und abklatscht. Die Zeit ist mir egal. Knapp 4.30 Stunden. Man hängt mir die Medaille um.

 

 

Und dann wird gefeiert bei Bier und warmer Suppe. Ich stehe noch im Zielbereich, als ich von weitem eine Läuferin im Schlappschritt sehe, den ich kenne. Trotzdem muss ich zwei Mal hinschauen. Ja, das ist meine Henny. Sie ist halt unverwüstlich und auf der anspruchsvollen Altenburger Strecke kaum langsamer als kürzlich auf dem flachen Citykurs in Düsseldorf. Respekt.

Mein allerhöchster Respekt gilt jedoch Helmut Nitschke, dem Pressesprecher im Orga-Team. Er hat es hingekriegt, dass er den Jubiläums-Marathon selber mitlaufen kann, was dann gleichzeitig sein insgesamt 50. ist. Leicht war er nicht, sein „Marathon dahoam“. Das Finale ist einzigartig. Stefan Bräuer, für mich das Kreuz As unter den Moderatoren, schafft es mit Sprüchen, heißen Rhythmen und Freibier,  eine ansehnlich Menge Zuschauer auf dem Marktplatz zu halten, um Helmut einen Empfang zu bereiten, der nicht nur ihn zu Tränen rührt. Wahnsinn.


Fazit:

Neuer Melde- und Finisherrekord. Das Konzept und die Planung sind stimmig, ich habe keine Einwände und nichts zu meckern. Die Helfer und die Bewohner an der Strecke sind spitze, die ganze Stadt und die ganze Region stehen hinter dem Skatstadtmarathon in Altenburg. Da fällt mir nur noch ein, „auf Wiedersehen in Altenburg“ zu sagen.

 

Impressionen

(Klaus und Margot Duwe

 

 

 

Ergebnisse


Marathon Frauen:

1. Bettina Böttcher, Kilometerfresser, 3.53.20
2. Kathrin Fürbringer, SSV Fortschritt Lichtenstein, 3.59.50
3. Angie Naumann, WirSindMarathon Leipzig, 4.17.54

Marathon Männer:
1. Vincent Hoyer, LFV Oberholz/SPOORTH Leipzig, 3.03.01
2. Steffen Burkhardt, Team Skatstadt-Marathon Windischleuba, 3.06.18
3. Norman Präger, Running Team Grafenberg, 3.07.02

 

Informationen: Kopie von Skatstadtmarathon Altenburg
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