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Laufberichte

Evergreen

 

Lang ist es her, da lief man nicht durch Städte, sondern durch Parks und Wälder. Den ersten Marathon in New York gab es 1970 und der führte nicht durch die 5 Stadtteile, sondern durch den Central Park. 126 Läufer waren gestartet, 55 kamen ins Ziel. Bereits 1968 feierte der Schwarzwald Marathon in Bräunlingen Premiere. Mit bis zu 2233 Finishern war er der größte Marathon weltweit.

Um solche Teilnehmerzahlen zu erreichen muss man heutzutage das Angebot breiter fächern. Zusammen mit Halbmarathon, 10km-Lauf, Staffel, Walken und Kinderläufen kommt dieses Jahr  auf  2700 Teilnehmer und ist vollauf zufrieden. Der befürchtete und vielfach übliche Einbruch nach einer Jubiläumsveranstaltung blieb aus. Aber die hinter vorgehaltener Hand genannten 3000 Teilnehmer bleiben weiter ein Traumziel.

Das Team um Frank Kliche ist realistisch. Man weiß, dass die Luft zwischen den um jeden Teilnehmer kämpfenden Citymarathons und den boomenden Trailrun-Veranstaltungen immer dünner wird. Konstante Teilnehmerzahlen sind das schon mehr als nur ein Achtungserfolg.

 

 

Mit einer idealen Infrastruktur (Festhalle mit allen Annehmlichkeiten, Parkplätze in unmittelbarer Nähe), der perfekten Organisation und den engagierten Helfern in Verbindung mit der landschaftlich einmalig schönen 42km-Runde ist man mittlerweile im weiten Umkreis konkurrenzlos.

Man sollte einfach mal in Bräunlingen gelaufen sein. Wenn nicht der langjährigen Tradition wegen, dann wegen dem kleinen Zähringerstädtchen mit den vielen Sehenswürdigkeiten mitten im Schwarzwald. Übrigens, der Veranstalter organisiert am Samstag sogar eine fachkundige Führung. Die Gastlichkeit ist sprichwörtlich und die Spezialitäten vielfältig. Glaubt es ruhig, Maultaschen, Schwarzwälder Kirsch (Torte und Schnaps) und Schinken schmecken dort, wo die Kuckucksuhr die Zeit ansagt, einfach besser. Ich muss das wissen, denn erstens komme ich weit rum und zweitens wohne ich am Rand des Schwarzwaldes.

 

 

Selbstverständlich bin ich den Schwarzwald Marathon selber gelaufen bin. Das ist viele Jahre her. Manches wurde optimiert und den modernen Zeiten angepasst, der Charakter der Veranstaltung ist geblieben. Es ist ein liebevoll, handgemachter, rustikaler Lauf, der mich manchmal an den Rennsteiglauf erinnert. Was hier wie dort sich nie grundlegend geändert hat, ist die Strecke. Man weiß, was man kriegt. Wenn ich aus meinem Laufbericht von 2005 zitiere, ist das so, als würde ich vom Schwarzwald Marathon 2018 schreiben:

Mir scheint, das ganze Städtchen hat sich vor der Stadthalle und der Straße versammelt. Wer zu spät aus den Federn kam, hängt jetzt am Fenster und klatscht den Läuferinnen und Läufern Beifall. Die Kirchenglocken läuten. Manch ein Pfarrer soll schon versucht haben, auf die Startzeiten bei Laufveranstaltungen Einfluss zu nehmen. In Bräunlingen ist das umgekehrt. Zum Start läuten die Kirchenglocken und der Pfarrer steht mit den Messdienern auf der Kirchentreppe und klatscht zusammen mit der bereits versammelten Kirchengemeinde Beifall.

So geht’s hinaus zum Städtchen auf einer lang gezogenen Asphaltstraße durch Felder und Wiesen. Das Wetter ist einmalig schön, der Himmel strahlend blau. Es ist noch etwas frisch, die Temperaturen sind einstellig. Fast endlos erscheint die Läuferschlange. Nach 4 Kilometer geht es etwas bergauf und in den Wald. Man hat längst Betriebstemperatur erreicht, die morgendliche Frische ist nicht mehr zu spüren.  

Auf der ersten Hälfte steigt die Strecke etwas an und erreicht dabei zweimal nahezu 1000 m Höhe. Das geschieht aber ganz unspektakulär und im ständigen Wechsel mit flachen und einigen Abwärtspassagen. Nie ist es steil, alles ist sehr gut zu laufen.

Bei Kilometer 12 dann die Streckenteilung. Die „Halben“ laufen geradeaus, rechts geht es ab für die Marathonis. Man ist im dichten und dunklen Tannenwald und versteht, woher der Schwarzwald seinen Namen hat. Nur hin und wieder erreicht man eine Lichtung, kann Sonne tanken Sonne und schöne Ausblicke genießen.

Das Läuferfeld hat sich deutlich gelichtet. Nach wie vor verläuft die Strecke leicht wellig und immer im Wald. Manchmal haben sich sogar kleine Fangruppen postiert und sorgen etwas für Abwechslung. Als es bei km 17 links ab geht, stehen in der Kurve etliche Leute und machen kräftig Lärm. Den Schwung kann man brauchen, denn gleich geht es wieder etwas aufwärts. Der höchste Punkt der Strecke ist erreicht.

 

 

Nach Oberbränd wird die Halbdistanz erreicht. Das Läuferfeld ist deutlich auseinanderzogen, aber alleine ist man nie. Manchmal begegnet man ein paar Wanderern, Bikern oder Spaziergängern. Ansonsten hört man seine Schritte und seinen Atem, mal das Plätschern eines Bächleins oder den Gesang eines Vogels. Es ist einfach herrlich hier und das Laufen macht einen Riesenspaß.

Nach wie vor wechseln sich flache Stücke mit kurzen Anstiegen ab, jetzt auf der zweiten Hälfte überwiegen allerdings die Abwärtspassagen. Dabei ist es aber nie steil. Man läuft Richtung Unterbränd, der Brändbach ist in Sicht- und Hörweite. Ab und zu kommt wieder eine sonnige Lichtung und man blickt in einen makellos blauen Himmel. Ein Traumwetter.

Bei km 35 erreicht man auf einer Teerstraße zuerst die noch immer kräftig grünen Wiesen und dann die ersten Häuser von Unterbränd. Schon von weitem hört man die Blasmusik, die sich vor der Sankt-Anna-Kapelle postiert hat. Daneben sind Festbänke aufgestellt und viele Leute sitzen dort bei Kaffee, Kuchen oder Bier. Die ankommenden Läuferinnen und Läufer werden stürmisch begrüßt.

Bald kann man den von herrlichen Wiesen und Schilfgürteln umgebenen Kirnbergsee sehen. Der 1921 erbaute Stausee liegt auf einer Höhe von 785 m und ist wegen seines warmen Wassers als Badesee sehr beliebt. Heute liegt der See völlig ruhig da, nur ein paar Enten sind zu hören. Bäume und Büsche und der strahlend blaue Himmel spiegeln sich im Wasser, der Mischwald zeigt sich in herrlichen Herbstfarben. Dann läuft man entlang von Wiesen und Feldern, Bräunlingen kann man schon sehen und kommt immer näher.

 

 

Eine tolle Stimmung herrscht rund um die Stadthalle. Viele Menschen stehen rechts und links und beklatschen und bejubeln die Läuferinnen und Läufer. Die Stimmung hier gleicht einem Volksfest. An verschiedenen Ständen gibt es Kaffee und Kuchen, Maultaschen und Gegrilltes. Wer jetzt nicht aufpasst, fährt trotz Marathon mit einer positiven Kalorienbilanz nach Hause.

 

Aktualisiert werden muss jetzt nur die Siegerliste:

 

Marathon


Männer

1 Schallner, Nils (GER) 02:33:36
2 Fane, Peter (LES) 02:33:47
3 Baur, Marcus (GER) 02:51:39

Frauen

1 Mann, Svenja (GER) 03:09:06
2 Schmid, Sandra (GER) 03:10:13
3 Eyhorn, Bettina (GER) 03:10:36
 

 

Informationen: Schwarzwald-Marathon
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