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Laufberichte

Im ''Weins''-Galopp durchs Pfälzer Rebenland

22.04.12

Auf und nieder, immer wieder

 

Unsere nächste Station ist bei km 25,5 das Dorf Ungstein. Hier hat das gemütliche Dahintraben im Flachen wieder ein Ende. Etwa 100 Höhenmeter sind auf den nächsten vier Kilometern zu überwinden und mit einem längeren, deftigen Anstieg wird diese Passage eingeleitet.

Doch wie immer, das nächste Dorf, Kallstadt (km 27), ist nicht fern. Freudig werden wir hier schon an der Verpflegungsstelle erwartet. In Kallstadt gibt es als besonderes Verpflegungs-Leckerli Saumagen-Häppchen für die Läufer. Das hört sich für Unkundige zunächst einmal wenig appetitlich an: Aber die würzige Pfälzer Spezialität aus Schweinefleisch, Brät und Kartoffeln ist richtig lecker, vor allem auch für einen hungrigen Marathonläufer, und passt am besten – natürlich – zu einem frischen, kühlen Schluck Wein. Und wie gut das besonders hier zusammen passt, zeigt auch der in Kallstadt gekelterte Wein: Denn der heißt „Kallstadter Saumagen“.

Frisch gestärkt geht es weiter gen Herxheim, (km 29,5), das im Ortsnamen sinnigerweise schon den Zusatz „am Berg“ trägt. Zuvor sind aber ein paar weitere knackige Steigungen zu überwinden. In Herxheim sind wir nun aber nicht nur am, sondern auf dem Berg. Was heißen soll: Nun geht es abwärts. Und zwar richtig.

Weit reicht der Blick über die schier endlosen Rebenfelder, durchbrochen nur durch Höfe und kleinere Ansiedlungen, farblich aufgelockert durch leuchtend gelben Raps, linkerhand bis zu den bewaldeten Abhängen des Pfälzerwaldes, rechterhand sich im Dunst der Rheinebene verlierend. Die Sonne schafft es immer einmal wieder durch die Wolken und bringt die Kulturlandschaft zum Erstrahlen.

 

„Riesling satt“ in Dackenheim

 
Dackenheim bei km 31 ist unsere nächste Station in der Kette der kleinen Weindörfer. Hier gibt es den Wein gleich in zweierlei Darreichungsform: Ganz konventionell im Becher, dazu passend kleine Käsestückchen, und auch im traubenförmigen „Riesling-Schwamm“. Ein bisschen irritiert bin ich da zunächst schon: Ist der Schwamm etwa zur äußerlichen Abfrischung gedacht? Reichlich dekadent wäre das und die Aussicht, den Duft einer wandelnden Weinfahne zu verströmen, ist auch nicht so ganz mein Ding. So presse ich den Schwamm, wie es wohl die Intention ist, über meinem Mund aus. Doch der Genuss hält sich in Grenzen: Der „schwammige“ Beigeschmack ist unverkennbar und eine Weingesichtsdusche ist auch dabei kaum vermeidbar.

Auf schmalem Asphaltband geht es weiter mitten durch das Rebenland. Weiterhin wunderschön ist der Panoramablick, aber zunehmend anstrengend das Fortkommen. Hatte ich gedacht, die Steigungen seien nun weitgehend gemeistert, so muss ich feststellen, dass dem keineswegs so ist. Das Auf und Ab setzt sich munter fort und ich muss mich zunehmend überwinden, den Laufschritt zumindest im kleinsten Gang beizubehalten.

In Kirchheim (km 33) passieren wir das letzte Dorf unserer Runde, ehe wir bei km 34,5 wieder auf bekanntes Terrain, also den Teil der Strecke stoßen, den wir schon auf dem Hinweg durchlaufen haben. Aber “bekannt” ist wohl nicht so das richtige Wort: Aus der Rückwegsperspektive schaut der Streckenverlauf weitgehend wie Neuland aus. Gerade einmal die Fußgängerzone in Grünstadt (km 36) erkenne ich wieder, die nun dank kaltem Wind und drohender neuer Regengüsse ziemlich verwaist ist. Lediglich Hunderte von leeren Plastikbechern auf dem Boden führen windgepeitscht ein wildes Tänzlein auf.

Mühsam schleppe ich mich voran, Herbert sei Dank zumindest zeitweise etwas durch Plausch abgelenkt. Dann muss ich auch ihn ziehen lassen. Aber irgendwie geht es doch immer weiter voran. Und als die lange Gerade, der letzte Kilometer durch das nun beschaulich stille Bockenheim erreicht ist, durch das die Marathonläufer nurmehr vereinzelt tröpfeln, erwachen auch zunehmend wieder die Lebensgeister.

 

Im Ziel

 

Gar nicht still ist es beim Zieleinlauf zu Füßen des Hauses der Deutschen Weinstraße. Jeder Ankömmling wird vom Zielsprecher persönlich begrüßt. Dekoriert mit der Finisher-Medaille, natürlich in Traubenform, geht es sogleich zur Zielverpflegung. Und hier ist, welch Überraschung, nicht etwa Pfälzer Wein, sondern kühles, frisches Weizenbier aus Bayern der Renner. Das „zischt“ nach einer schweißtreibenden Anstrengung eben anders und so mancher, der sich beim Bierchen im Rasen räkelt, mag gar nicht mehr aufstehen.

Aber schließlich finden die meisten der 729 Marathonfinisher dieses Jahres – beim Halben kamen sogar stolze 1.961 in die Wertung – dann doch den Weg ins Festzelt: Und hier „tanzt“ so richtig „der Bär“. Es duftet nach kräftig-deftiger Kost, Saumagen und Würstel finden reißenden Absatz. Die langen Bankreihen sind voll besetzt, Wein und Bier fließen in Strömen, Musik liegt in der Luft. Zur Siegerehrung hat sich gar hohe Prominenz angesagt. Ministerpräsident Kurt Beck höchstpersönlich lässt es sich nicht nehmen, auf die Bühne zu treten. Zugegebenermaßen: Von den Siegern, bei den Männern aus Kenia, bei den Frauen aus Haßloch, habe auch ich vorher noch nie etwas gehört. Und auch die Zeiten sind nicht weiter erwähnenswert. Aber das ist hier letztlich nur Nebensache: Es hat einfach Spaß gemacht und das spürt man allenthalben. Deshalb kommen die Leute und deshalb werden sie auch in Zukunft kommen. Die Überschrift der Ergebnisliste bringt es auf den Punkt: „Ein Erlebnis für Alle“.

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Informationen: Deutsche Weinstraße Marathon
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