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Laufberichte

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Aus dem Jahr 1175 gibt es eine Aufzeichnung, in der Riedenburg bereits als fürstbischöfliche Enklave erwähnt wird. Nach mehreren Auseinandersetzungen mit den Burghütern in Obernberg wurde die Riedenburg 1373 niedergebrannt und anschließend wieder aufgebaut. Im Jahr 1685 brannte das Schloss Riedenburg mit allen Dokumenten und Unterlagen nochmals vollständig ab. Seitdem existiert nur noch der Name.

Erster Durchlauf des Start- und Zielraums. Neben uns beenden noch „Zehner“ ihren Wettkampf. Verpflegungsstelle und beheizte Toilettencontainer stehen zur Verfügung.

Diesmal laufen wir nach links auf die 10-km-Runde. Die „Kurstadt“, fächerartig um Safferstetten angelegt, lassen wir rechts liegen. Das Taj Mahal grüßt in Gestalt eines Restaurants mit Minigolf-Anlage. Da habe ich doch meinen neuen Kollegen aus Chennai etwas zu erzählen. Indien in Bad Füssing, wer hätte das gedacht. Mit dem Ludwig-Thoma-Weg unter den Füßen geht es auf die Kirche Sankt Andreas zu. Ja, hier waren wir heute schon mal. Am auffälligen Kleinhaus aus dem Jahr 1814 prangt noch ein Schild „Übernachtung mit Frühstück Rm 1,50“. Da weiß ich ja schon, wo ich nächstes Mal nächtige. Muss nur noch den 1000-Reichsmark-Schein finden, den mein Vater „geerbt“ hatte, nachdem der Opa vor der Währungsreform ein Grundstück verkaufte, um sich etwas zum Essen leisten zu können.

Geflügel zur Rechten, bevor wir zum nächsten Highlight kommen. Die Familie an der Pichlstraße hatte letztes Jahr noch einen kleinen Ghettoblaster. Heute gibt’s fetzige Musik aus großen Lautsprechern. Die nächsten 1,5 km laden zum Träumen ein. Wie mag es hier wohl im Sommer aussehen, wenn die netten Bäumchen am Wegesrand Blätter tragen?

Ein kleiner Weiher schimmert durch die blattlosen Baumstämme. Viele Nadelbäume sehen wir heute nicht. An einer Kapelle vorbei, von deren Sorte es hier etliche gibt. Vor der nächsten Häusergruppe die Verpflegungsstelle bei km 15. Da ist richtig Stimmung. Nur den Grill hat man noch nicht angeworfen. Die „Suburbs“ der Gemeinde Egglfing am Inn werden durchlaufen. Schöne Häuschen liegen in der Föhnsonne. Die Einwohner sind wohl gerade alle im Keller – oder womöglich auch auf der Laufstrecke? Irgendwo sehe ich Vater mit Sohnemann hinter dem Haus spielen. Ich nutze die Chance, mich bei den wenigen Anwohnern, die uns zusehen, ausgiebig zu bedanken. Vielleicht werden es dann nächstes Jahr noch mehr.

Die Alte Innstraße bringt uns zum Fluss. Wunderbar, das kurze Stück durch den Wald. Vor uns der Damm, der nach dem verheerenden Hochwasser im Jahr 1954 gebaut wurde. Hier gibt es einige Stauseen, die sich inzwischen zu einem verträumten Paradies insbesondere für Vogelkundler entwickelt haben. Ich bin so gut gelaunt, dass ich den Inn mal sehen will, und jage die Treppe hoch. Pustekuchen. Man sieht fast nichts. Also wieder runter und weiter.

Bei km 19 treffen wir wieder auf bekanntes Terrain. Die zwei Kilometer bis zum Ziel sind viermal zu absolvieren. Den Zusammenfluss regeln ein junger Mann auf seinem Spielzeugtrecker, sein Papi und mehrere freundliche Helferinnen. Vor den Thermen begrüßt Moderator Artur Schmidt die Halbmarathonis, die ihr Soll nun erfüllt haben. Bei jedem Vorbeilaufen hören wir neue Anekdoten. Der Mann immer für fünf Stunden informative Unterhaltung gut. An der Verpflegungsstelle gibt es auch Energiegel, zusätzlich zu Obst und Müsliriegeln, Wasser, Tee und Iso-Getränk. Letzteres übrigens angewärmt. Das volle Programm genießt man alle 5 Kilometer. Judith hole ich genau hier ein.

Auf ein Neues! Theoretisch hätte ich noch eine kleine Chance, unter vier Stunden zu bleiben. Hänge mich also an eine Dame, die für den Oberpfälzer Wald wirbt: Der befindet sich in Bayern (und nicht in  Rheinland-Pfalz), wie auf ihrem Hemd zu lesen ist. Das weiß ich als Bayer natürlich. Aber vielleicht können Teilnehmer aus anderen (Bundes-)Ländern ja ein wenig Geographie-Nachhilfe gebrauchen... Die „Oberpfälzerin“ zieht mich eine Zeitlang mit. Wir tangieren Eitlöd, Pimsöd, Zieglöd, Schöchlöd, Dürnöd... auf der langen Geraden.

Auch die „Öd“nis hat einmal ein Ende und es geht wieder nach Safferstetten. Erfrischend die kurze Begegnungsstelle: Einige Läuferinnen sind hinter mir, darunter auch Judith. Am zentralen Platz kann man nun einen Kreuzungsverkehr beobachten: Manche Sportskanonen sind schon 10 Kilometer weiter und düsen munter dahin.

Auf den letzten zwei Kilometern vor dem Johannesbad überholen uns sehr flotte Läufer, die noch unter 3 Stunden ins Ziel kommen werden. Die Dame in diesem Feld ist Angela Kühnlein, die mit 2:58:52 ihren fünften und schnellsten Sieg in Bad Füssing erläuft. Meine Frage an einen vorbei eilenden Herrn, ob wir wohl die Plätze tauschen können, hat nur ein mitleidiges Kopfschütteln zur Folge.

Michael vom österreichischen Jugendrotkreuz erzählt mir, dass er heute seinen 190. Marathon finishen wird. Das passt ganz gut zum 190. Staat, der unlängst dem Roten Kreuz beigetreten ist: Tuvalu, das erste Land am Rande der Datumsgrenze und mein Fernziel für einen ganz kleinen, feinen Marathon, bei dem ich – zumindest für ganz kurze Zeit - einmal die Jahresbestenlisten anführen werde. Nur ein Sponsor fehlt mir noch.

Jubel im Zielbereich. Bananen fassen und weiter. Die nun folgenden Markierungen des 10-km-Laufs helfen dabei, die verbleibenden Kilometer bis ins Ziel einfacher auszurechnen. Mir gefällt diese Teilrunde wesentlich besser, sie ist viel abwechslungsreicher und eine Ödnis liegt auch nicht mehr am Weg. Die Jungs am VP bei km 36 grillen immer noch nicht. Was ist denn da los? Ist es heute zu warm?

Die Zuschauer in Egglfing sind immer noch da. Am Inndamm sinniere ich über die 70 Sekunden, die ich bei der ersten Runde hier liegen gelassen habe. Jetzt muss ich mich ziemlich quälen. Gut, dass die Fotos schon im Kasten sind. Aber es dürfte klappen: Wenn ich jetzt nicht furchtbar eingehe, reicht es für eine Zeit unter vier Stunden. Gerhard Wally aus Österreich tut sich bei seinem 567. Marathon noch ein bisschen schwerer.

Im Zielsprint nimmt mir ein gewisser Günter noch 5 Sekunden ab. Dafür mache ich schöne Fotos.

Unsere Bekannte Susanne Schöberl aus St. Pölten hat heute einen ihrer besten Läufe erwischt und wird mit 3:44:06.75 brutto nach einem dramatischen Zielsprint 0,5 Sekunden hinter Evelyn Guldner Dritte in ihrer Altersklasse. Netto war sie übrigens 42 Sekunden schneller...

Im Ziel erwarten uns eine schöne Medaille, ein Valentinstags-Schokolädchen und ein fantastisches Kuchenbuffet in beheizten Zelten. Und natürlich Erdinger Weißbier sowie Adelholzener Getränke aus der Münchner Gegend.

Wir warten noch kurz auf den großen M4Y-Champion Herbert Orlinger, der heute seinen 100. Marathon beendet. Anscheinend hat er halb Österreich als „Verstärkung“ mobilisiert, darunter auch zwei unermüdlich applaudierende Damen an der Strecke. Das Jubiläum muss gefeiert werden und somit gibt es auch für uns ein Glas Sekt und ein Stück Torte – Linzer natürlich. Fast übersehen habe ich im Trubel M4Y-Ländersammler Anton Reiter, der heute auch dabei ist.

Ausklingen lassen wir den Tag im Johannesbad. Entgegen den Tipps von Dr. Müller-Wohlfahrt, der auf Eiswasser schwört, regenerieren wir heute in 37 Grad warmem Thermalwasser. Da wird der Kreislauf noch einmal richtig an seine Grenzen gebracht. Besonders im Außenbereich ist es wunderbar. Zur Nachahmung empfohlen. Jetzt wäre es schön, wenn wir noch einen Tag hierbleiben könnten. Andere haben da anscheinend mehr Glück: Wie ich höre, sind die Johannesbad-Hotels dank vieler Sportler ausgebucht. Auf der Heimfahrt sehen wir in der Ferne die schneebedeckten Alpengipfel.

Fazit:

Ein empfehlenswerter Wintermarathon, der im Rahmen eines mehrtägigen Urlaubs auch eine längere Anreise wert ist. Zumindest die Südfraktion von M4Y ist nächstes Jahr sicher wieder dabei.

 

Herberts Jubiläums-Bericht und
Antons Bilder von der gesamten Strecke

 

Impressionen vom
Thermen-Marathon

 

 

Marathonsieger

 

Männer

1. Bscheidl Marco 1980 LG Passau 02:32:52.23
2. Mayerhöfer Felix 1981 DJK Dasswang 02:34:19.26
3. Mannweiler Klaus 1966 TSV Wolfratshausen 02:43:17.98

Frauen

1. Kühnlein Angela 1985 Brehm-Titan-Runners/ TSG08 Roth 02:58:52.06
2. Nöbauer Karin 1986 Trirun Linz 03:13:00.01
3. Lanzinger Andrea 1988 DJK Beucherling 03:16:48.87

320 Finisher

 

 

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Informationen: Johannesbad Thermen-Marathon
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