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Laufberichte

Im Herzen immer dabei

 

Ein Jahr habe ich beim Thermen-Marathon ausgesetzt. Jetzt juckt es aber wieder in den Beinen und die Reise in das bayerische Bäderdreieck um Bad Griesbach, Bad Birnbach und Bad Füssing muss sein. Der Thermen-Marathon, jetzt schon in der 27. Ausgabe, hat sein Stammpublikum nicht nur in der niederbayerischen Region längst gefunden. Während die Einheimischen meist die kürzeren Distanzen von zehn Kilometer und Halbmarathon bevorzugen, gehen Marathonsammler aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland den langen Kanten auf der Pockinger Heide an.

Bei früher Meldung werden 29 EUR fällig, ganz gleich, welche Distanz man wählt.  Ein Discountpreis für das, was dem Athleten geboten wird. Denn neben einer funktionellen Marathoninfrastruktur, Gutscheinen für Nudelparty mit Getränken, gibt es am Samstag und Sonntag freien Eintritt in die Therme. Logo, dass auch eine Medaille, Massagen nach dem Lauf sowie Urkunden erhältlich sind. Die Schnellsten der Gesamtwertung und in den Altersklassen erhalten noch weitere Preise.

Freien Eintritt hat man auch zum Sportsymposium, das traditionell im 10. Stock der Johannesbad-Fachklinik stattfindet. Wie immer ist der Raum überfüllt, als Jan Fitschen sehr unterhaltsam vom Läuferwunderland Kenia berichtet.  

Die Startunterlangen bekommen wir in einem praktischen Schuhbeutel überreicht, Nudeln und Getränke gibt es im Marktrestaurant. Dort treffe ich Theo, der bei allen Läufen am Start war. Übrigens, Unterkünfte sind genügend vorhanden, und das recht preisgünstig. Einige Läufer quartieren sich gleich eine ganze Woche ein, für ein Trainingslager oder für einen Besuch der Städte Linz, Salzburg oder Passau. Der Bayerische Wald zum Skilaufen ist auch nicht weit entfernt, nur am Schnee soll es mangeln.

 

 

 

Der Marathontag ...

 

… beginnt stürmisch, denn mitten in der Nacht wirft mich ein Gewitter aus dem Bett: Drei Blitze, drei Donnerschläge in der nächsten Nähe, dann zieht die Unwetterfront weiter. Einige Absperrgitter hat der Sturm auch umgeworfen und Trassierbänder zerrissen. Als wir um 09.00 Uhr vor Ort am Johannesbad nach einem 10minütigem Fußmarsch von unserer Unterkunft ankommen, sieht man davon nichts mehr. Es ist alles gerichtet.

Am Startnummernschalter werden die Startnummern ausgegeben und die letzten Nachmeldungen für 39 EUR getätigt. Auf der Empore sorgt die bayerische Blaskapelle Querdreiba für volkstümliche Rhythmen. Sehr praktisch ist es mit der Therme gelöst. Du kannst deine Kleidung in den Umkleideschränken hinterlegen, gehst dann in Laufkleidung zum Start und wenn du im Ziel bist, kannst du innerhalb weniger Augenblicke im Warmen sein. Zusätzlich können noch Kleidersäcke in einem Zelt vor dem Ausgang gelagert werden. Die Zielverpflegung ist in einem beheizten Zelt hergerichtet.

 

 

Seinen Spind sollte man frühzeitig belegen, denn es könnte knapp werden bei den gut 2000 Teilnehmern. Ich ziehe mich um. Einige wollen nur mit einem kurzen Shirt und Laufshorts das Rennen bestreiten. Kann man machen, bei jetzt zehn Grad und Sonnenschein. Aber gegen Mittag soll es Niederschlag geben. So wähle ich oben zwei Schichten und unten halblang. Von den Temperaturen her gab es in Bad Füssing schon alles, auch 15 Grad minus. Das Obst konntest du schlecken wie ein halbgefrorenes Eis. Mit Föhn hatte man auch schon an die 15 Grad plus, da zogen einige mit freiem Oberkörper umher. Heute wird es ganz gut, vielleicht warten  der Wind und der angesagte Regen bis zum Nachmittag. Schaun mer mal.

Kurz vor 09.40 Uhr kämpfe ich mich durch das Gewusel am Haupteingang, ich will noch den Start des Zehn-Kilometer-Rennens sehen. Moderator Peter Maisenbacher stellt noch die Spitzenläufer vor und dann heißt es von Schützenmeister der Böllerschützen „Fertigladen“. Diese haben sich auf dem Feld aufgestellt und hauen dann die knapp 900 Sportler auf die Strecke. Nach zwei, drei Minuten traben die letzten Jogger und Geher über die Zeitmatten.

 

 

Nach wenigen Minuten füllt sich unser Startblock. Ganz vorne will ich mich nicht (mehr) stellen, in der Mitte bleibe ich stehen. Viele Freunde gehen heute auf den Marathonkurs, rund 300 sind da gemeldet. Mit den fast gleich starken Feldern von rund 800 Läufern auf den anderen beiden Strecken gehen wieder deutlich über 2000 Athleten auf die Strecken. Jens und Rico sind aus Leipzig gekommen, für Jürgen und Roland dauerte die Anreise nicht so lange. Viele Freunde aus den Nachbarländern Österreich und Tschechien lassen sich die Veranstaltung auch nicht entgehen. Moderator Peter bringt uns dann noch in Stimmung, pusht uns und dann wird nach dem obligatorischen Laden der Böller heruntergezählt. Schuss und nach einigen Sekunden kann ich schon lostraben.

 

Erste Runde

 

Vier zum Teil unterschiedliche Runden warten auf die Marathonis. Zuerst geht es auf eine Elferschleife, dann wartet eine 10-Kilometer-Runde auf uns.  Wiederholt man das Ganze, sind die klassischen 42,195 Kilometer erreicht. Die letzten zwei, drei Kilometer der Runden sind immer gleich. Eng geht es auf der Johannesstraße, der Startgerade zu. Am folgenden Kreisverkehr geht es gleich nach rechts in die Hochrainstraße in ein Waldstück. Nur kurz geht es nach Würding hinein und dann wartet schon die „Bergwertung“, eine Straßenüberführung mit vielleicht zehn Höhenmetern. Das ist fast die einzige Unebenheit auf dem Kurs. Nun ja, einige wenige Unterführungen sind schon noch zu belaufen, aber ansonsten ist der Kurs flach und schnell, aber windanfällig.

 

 

Noch auf der Brücke zieht der Pacemaker für die 3.45 Stunden an mir vorbei. Ab einer Zielzeit von 3.00 Stunden sind einige Zeitläufer im 15minütigem Abstand unterwegs. Sie sind nur an einem gelben Shirt zu erkennen. Auf Fahnen oder Ballons wird verzichtet. Wegen der Winde? Mein Plan für heute: Wenn es gut verläuft, dann in Richtung vier Stunden. Und wenn es ein paar Minuten mehr dauert, auch egal

Kilometer zwei liegt hinter uns, da fallen mir zwei junge Burschen auf, die sind von der Feuerwehr Passau. Sauber, Buam, da bleibt ihr fit für euren Einsatz für die Allgemeinheit. Und vielleicht sieht man sich auch auf einer Marathonstrecke einmal. Heute laufen sie den Halben.

Die Strecke führt in einem großen Bogen nördlich um Bad Füssing herum. Die Straße ist gesperrt und an den Kreiseln sind viele Helfer abgestellt und weisen uns auf den richtigen Weg. Die erste Verpflegung kann schon vor Kilometer fünf angelaufen werden. Es wird angewärmter Tee und Iso angeboten, dazu Wasser, Äpfel, Mandarinen, Riegel und Schokolade. Der Tee ist mir fast zu warm im ersten Moment, mit etwas kaltem Wasser ist er mir lieber. Im angrenzenden Biergarten „Seinerzeit“ ist heute natürlich nichts los. Weiter.

Kilometer fünf folgt nach wenigen Metern, ich bin 29 Minuten unterwegs, vielleicht ein wenig zu langsam für die vier Stunden. Aber wo ist der Pacer? Auf Höhe Dürnöd verlassen wir den Radweg und laufen nun nach Safferstetten hinein. Im Abstand von etwa 200 Meter läuft hinter mir eine Ansammlung von Läufern. Das wird die Gruppe des Pacers sein.

Am Ortsanfang geht es dann nach rechts auf die etwa 100 Meter lange Wendepunktstrecke in den Hofgartenweg hinein. Am Ende wartet ein Helfer, der alles beobachtet. Eine Kontrollmatte sehe ich nicht. Aber bescheißen wird sich hier keiner trauen, denn die Läufer in Gegenrichtung haben ebenfalls alles im Blick.  Kurz vor dem Ende der Wendepunktstrecke kommt auf der anderen Seite Reporterkollege Andreas entgegen. Wir klatschen uns ab.

Es geht in das Zentrum Safferstetten, eine der Gründergemeinden von Bad Füssing, der Zusammenschluss erfolgte 1971. In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg suchte man hier nach Erdöl. Was man fand, das waren Thermalquellen, die bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wirtschaftlich genutzt wurden. Innerhalb weniger Jahrzehnte erreicht man schon zwei Millionen Übernachtungen im Jahr. Das ist ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region.

Bei der folgenden Unterquerung des Kreisverkehrs müssen die größeren Läufe den Kpf einziehen, ansonsten gibt es eins auf die Nuss. Richtig gute Stimmung mit Trommlern verbreitet die Gruppe „Magic Percussion“ in der Ortsmitte beim Kirchawirt „Am Mühlbach“. Hier kreuzt sich die Strecke mit der anderen Runde. Wegweiser und viele Helfer zeigen den richtigen Weg. Man muss eigentlich nur geradeaus laufen.

 

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Bernies Bildgalerie

 

 

 

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Wir verlassen den Ort auf dem Erlbachweg in Richtung Inn und laufen kurz über die Felder. Bei Kilometer neun wechseln wir die Richtung, es geht links zum Einödhof Weis. Bei einer Feuerwehrdrehleiter verlassen wir dann die Inntalstraße, es geht auf der Auenstraße in den Ortsteil Riedenburg.  Der letzte Kilometer der ersten Runde bricht an. Wir laufen auf das Ende des Zehn-Kilometer-Laufes auf und sehen alsbald das große Gebäude des Johannesbades. Runde eins beende ich nach einer Laufzeit von 1.03 Stunden. Robert von der Zeitnahme hebt die Hand. „Schaut gut aus“, höre ich noch.

 

Runde zwei

 

An der Verpflegungsstelle gleich nach der Zeitmatte werkeln viele Helfer herum und reichen die gewünschten Getränke. Weiter hinten wartet Obst, auch das wird dir nachgetragen. Am folgenden Kreisverkehr biegen wir nun nach links ab in den Ludwig-Thoma-Weg, wo nach Kilometer 12 die Pfarrkirche St. Andreas wartet, die im Jahr 1639 erbaut wurde. Wir laufen nun auf den bekannten Kreuzungspunkt beim Mühlwirt hin. Auch hier, Vorwegweiser und persönliche Einsager. Einige Zuschauer haben ihren Sonntagsfrühschoppen nach draußen verlegt. Über den Jägerweg verlassen wir den Ortskern und nach einer Unterführung stehen ein paar Fans mit ihrer mobilen Musikanlage und machen uns Dampf.

 

 

Über Felder geht es weiter zur Pichlkapelle, wo wieder einige Fans und Helfer uns erwarten und anfeuern. Im Ziel werde ich erfahren, dass man hier auf Zuruf Glühwein bekommen hätte! Aber an der folgenden Tränke bei Kilometer 15 wird der bayerische Läufer glücklich. Auf dem Tisch steht eine Goass Maß, schon halb leer. Weißbier hat man auch und das lass ich mir servieren. Während meiner Einkehr hat mich die vier-Stunden-Gruppe überholt.

Kilometer 17, wir tangieren Egglfing, eine Gemeinde, die einen knappen Kilometer vom Inn entfernt ist. Über die Alte Innstraße geht es in die Innauen, jenseits der Grenze lugt die Burg Obernberg vom gleichnamigen Ort im Bundesland Salzburg herüber. Viele österreichische Freunde sind zum Laufen herübergekommen. Wir unterqueren die Staatsstraße und verlassen wieder die Flussauen. Kurz zuvor wechsele ich mit dem Münchener Manfred ein paar Worte. Der ist auch fast jedes Wochenende unterwegs in Sachen Marathon. Bei Kilometer 19 münden wir an der Feuerwehrdrehleiter auf den bekannten Rückweg ein, Runde zwei endet nach knapp zwei Stunden Laufzeit.

 

Erst schnell, dann kraftlos

 

Leider hat es in den letzten Minuten zu Nieseln angefangen, die Wetterprognose hat genau gestimmt. Ich beschließe, auf der dritten Runde ein wenig das Tempo zu erhöhen und kann den Pacer für vier Stunden überholen. Auf der Straßenüberquerung (Kilometer 22) nimmt die Niederschlagsintensität deutlich zu.  Ich merke, dass das Wasser durch das Trikot durchsickert. Braucht’s des, frage ich mich. Fotografieren wird jetzt schwieriger, ich muss dauernd die Linse trockenlegen. „Der Bettingen kommt herangeschlichen“, höre ich jemanden sagen. Andreas hat sein Tempo nun gefunden. Auf meiner Höhe kramt er seine Handschuhe aus der Hose heraus und da sehe ich Löcher in dem Bekleidungsstück. „Die gehören entsorgt“, meint er. Na ja, die zwei Löcher am Daumen und Zeigefinger kommen wohl vom häufigen Bedienen der Kamera. Nach einem kurzen Wortwechsel zieht er davon, obwohl ich auch mein Tempo leicht erhöht habe.

 

 

An dem Wendepunkt hat Andreas schon 100 Meter Vorsprung. Er gehört ja noch zu den Jungspunden (er ist eine Altersklasse jünger!) und darf dann ruhig vor mir sein. Flott endet die Runde drei, ich kann sogar noch bei Kilometer 30 auf den Besenwagen auflaufen. Runde drei endet nach 3.02 Stunden Laufzeit. Gefühlsweise war das noch eine sehr schnelle Runde. Vielleicht reichen 58 Minuten für zehn Kilometer? Dann wären es sub vier.

Kilometer 36, hier stand immer Rudolf Gruber, einer der vielen Helfer. Der Rudi wäre genau heute 70 Jahre geworden. Eine Gruppe von rund 30 Leuten hat das zum Anlass genommen, an ihn zu erinnern. Der Läufer aus dem benachbarten Ort Ruhstorf verunglückte vor drei Jahren in seinen geliebten Bergen. „Im Herzen immer dabei“, so erinnert die Gruppe an ihn und seinen Eifer für den Laufsport. Und ich widme ihm mit entsprechendem Titel meinen heutigen Laufbericht.

Fast bis zur Verpflegungsstelle kann ich noch laufen, dann gehen mir der Saft und die Kraft aus. Ich verpflege ausgiebig und kippe noch zwei Becher des edlen Hopfengetränkes hinunter. Zwei, drei Läufer verlangen auch den Hopfensmoothy. Noch fünf Kilometer. Die werden zäh mit Gehpausen und müden Laufeinlagen. Die Zeit läuft mir davon.

Noch zwei Kilometer. Am Straßenrand sehe ich die Hinterlassenschaft eines leidenschaftlichen Trinkers und Saubären.  Fünf, sechs leere Fläschchen Schnaps liegen im Gras, die hat der Trunkenbold einfach weggeworfen. Und dann kommt endlich das Zielgelände langsam in Sicht. An einer Gartenmauer mache ich die letzte Gehpause, weil man mich hier noch nicht sehen kann. Aber dann muss ich joggen, der Peter Maisenbacher sieht mich frühzeitig und kündigt mich im Ziel an.  Finish, meine Kraft ist alle und die Kamera verlangt bei den Zielbildern später auch eine frische Ladung.

 

Im Ziel

 

Dort wird die verdiente Medaille umgehängt. Im Verpflegungszelt erhalten wir Erdinger pur, mit Zitrone und mit Grapefruit. Um das Wasser mache ich einen weiten Bogen. Nach einigen Zielbildern widme ich mich noch der Kuchentheke und verabschiede mich dann in die Therme.

Saublöd ist das: Meine Zeit von 4.06 Stunden reicht für den dritten Platz und für das Siegerpodest. Statt mich feiern zu lassen, hocke ich im Sprudelbecken bis Oberkante Unterlippe und lasse es mir gut gehen. Aber Henny hat sich bei der Siegerehrung Urkunde und Glaspokal reichen lassen.  Danke.

 

Mein Fazit:

 

Nirgends bekommt man für das Startgeld so viel Gegenleistung. Allein die zwei Eintritte in die Therme und die Gutscheine für Pasta und Getränke sind deutlich mehr wert als das Startgeld. Mir hat die Freundlichkeit der Helfer besonders in der letzten Runde gut gefallen, wo man allein unterwegs ist und Zuspruch braucht. Ich war jetzt zum zwölften Mal dabei und muss sagen: Im Herzen immer dabei. Bis Februar 2021, wenn es wieder heißt: Nach Bad Füssing zum Laufen und Relaxen.

 

Ergebnisse Männer

1. Josef Diensthuber, Team Reischacher Holzlandlauf, 2.28.37
2. Marco Bscheidl, LG Passau, 2.35.14
3. Klaus Mannweiler, TSV Wolfratshausen, 2.44.17

 

Ergebnisse Frauen

1. Petra Pastorová, MK Seitl Ostrava, 2.46.38
2. Margit Elfers, SC Kemmern, 3.03.00
3. Basilia Förster, -, 3.04.26

 

Gesamtfinisher 2308, im Marathon 293.

 

Informationen: Johannesbad Thermen-Marathon
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