Zum 31. Mal findet der Thermenmarathon in Bad Füssing statt. Ich bin zwar nicht ohne Unterbrechung dabei, im Gegensatz zu Theo Huhnholt vom LC Bayern, aber immerhin 13 Ausgaben durfte ich mitrennen. Und beim Allerersten stand ich auch an der Startlinie.
Wer sich entschließen kann, ins Bayerische Bäderdreieck zu kommen, erhält für seine Meldung einen riesigen Gegenwert. Von der Infrastruktur beim Lauf angefangen bis hin zu Medaille, Eintritte in die Therme am Samstag und Sonntag, Nudelparty, Getränkegutschein, Schuhbeutel und vieles mehr. Günstige Unterkünfte sind bis zuletzt buchbar.
Samstag Nachmittag erhalte ich im Atrium der Johannesbad Therme meine Startunterlage in wenigen Augenblicken. Zahlreiche Helfer stehen hinter der Theke und haben jetzt noch wenig zu tun. „Am Sonntagmorgen müssen wir Gas geben“, meint eine Helferin und schaut auf die noch gut gefüllten Kisten mit den Startnummern. Leider verpasse ich das Sportsymposium, dessen Besuch am Samstag Nachmittag kostenlos angeboten wird. Andreas Breitfeld, professionellen Biohacker, berichtet zum Thema „Longevity und Ausdauersport: Freund oder Feind“. Ich höre von vielen Seiten, dass der Vortag höchst interessant war.
Danach hole ich mir noch einen Schlag Nudeln bei der Pastaparty: Drei Sorten Nudeln, drei verschiedene Saucen werden angeboten. Und der Getränkegutschein wird auch gleich eingelöst und umgesetzt. Ein Österreicher am Tisch hat wohl einen Mordshunger oder er bunkert Kalorien. Er halt nämlich zwei Mal einen kostenlosen Nachschlag und läuft am Sonntag „nur“ die Zehn. Später treffe ich Olaf Schmalfuß und wir erinnern uns an gemeinsame Schlachten bei Bergläufen und Geländemarathons.
Am nächsten Morgen spaziere ich zu Fuß die 10 Minuten von meiner Unterkunft „Königshof“ zum Bad. In der Therme brummt schon das Geschäft. An der Startnummernausgabe hat sich eine lange Schlange gebildet. Im Atrium ist fast kein Durchkommen. Mein Tipp: Wer am Vortag seine Unterlagen holen kann, hat gut gewählt. Im Badebereich sperre ich meine Kleidung in den nächstbesten freien Spind, den Schlüssel nehme ich mit.
Es ist schon praktisch, du kannst direkt vom Warmen in den Startkorridor gehen und nach dem Finish bist du in Kürze wieder im Warmen. Positiv ist, dass das Verpflegungszelt im Zielbereich geheizt ist. Dort kannst du auch noch einen Kleiderbeutel abgeben, wenn du sofort etwas Trockenes am Körper benötigst. Auf der Empore des Atriums spielt eine bayerische Blaskapelle, der ich bis kurz vor dem Start des 10 Kilometerlaufes (09.45 Uhr) lausche.
Draußen ist es im Gegensatz zum sonnigen Samstag mit Hochnebel kalt und etwas ungemütlich. Zumindest geht kein Wind. Das hatten wir hier schon anders. Denn einmal betrugen die Höchsttemperaturen minus zehn Grad und einmal konnte man einen mit freiem Oberkörper laufen sehen bei plus 15 Grad. Schnee gab es öfter, aber die Strecken waren immer geräumt und gut belaufbar. Moderator Peter Maisenbacher entlässt dann zusammen mit den Böllerschützen die fast 800 Sportler auf ihre Runde durch Bad Füssing hinaus auf die Pockinger Heide.
Gleich danach geht es zur Startaufstellung der Halbmarathonis und der Marathonis. Die Zeitläufer von 3.00 Stunden bis 4.15 Stunden werden vorgestellt. Damit kann man seine Zielzeit laufen, vielleicht. Aber sie sind ein guter Anhalt für ein gleichmäßiges Tempo. Einige Prominente haben sich auch versammelt, um sich den Auflauf der vielen Läufer nicht entgehen zu lassen.
Wir erhalten letzte Infos, dann wird heruntergezählt und die Böllerschützen hauen uns mit lautem Geschepper auf die Strecke. Ich warte noch ein paar Augenblicke am Rand und lasse die deutlich schnelleren Läufer noch vorbei, ich will ja keinen mit meinem „Geschleich“ behindern. Meine schnellen Zeiten sind auch hier längst vorbei. 3.16 Stunden bin ich bei der Premiere gelaufen.
Heute reichen mir zwei Runden und der Halbmarathon. Mit einer Minute Verzögerung überschreite ich die Zeitmatten, los geht es. Sehr diszipliniert laufen wir den ersten Kilometer entlang der Johannesstraße und am Kreisverkehr gleich rechts in die Hochrainstraße. Es gibt zwei verschiedene Runden, die erste misst elf, die zweite zehn Kilometer. So kommt man dann auf seine gelaufene Distanz und die Zwischenzeit wird für jede Runde gestoppt, und du kannst überprüfen, wie deine Renneinteilung war. Der erste Kilometer ist in etwas mehr als sechs Minuten in Würding geschafft.
Würding tangieren wir nur am Ortsrand. 1971 wurde der Ort mit einigen anderen Dörfern zu Bad Füssing zusammengeschlossen. Weitere wenige Höhenmeter warten auf der nächsten Straßenüberquerung bis zum Kilometerschild zwei. Der Kurs ist aber recht flach und bei Windstille schnell zu belaufen. Der Kurs ist eigentlich windanfällig, aber heute sind für Februar perfekte Bedingungen. Den zweiten Kilometer hake in in genau sechs Minuten ab. So darf es weiterlaufen.
In einem großen Bogen führt die Strecke nördlich um Bad Füssing herum. Bei Kilometer drei sehe ich einen alten Bekannten. Gerhard Wally, auch ihn zieht es häufig im Februar hier her. Wir wechseln ein paar Worte, und dann schickt mich Gerhard weiter. Erst beim Betrachten der Bilder fällt mit auf, dass er seinen 777.
Marathon läuft. Hoffentlich wartet jemand mit einem Schnaps im Ziel auf ihn.
Kurz vor dem fünften Kilometer können wir erstmals verpflegen. Warmer Tee, Cola, Wasser gibt es zu Trinken, Äpfel, Bananen, Orangen und Riegel zum Futtern. Die Helfer sind engagiert bei der Sache und reichen sogar die Getränke zu. Nach ein paar Schlucken warmen Tee mache ich mich wieder auf den Weg und erreiche nach genau 30 Minuten Kilometer fünf. Vor mir sehe ich Andreas Holzner mit einem großen Anhang. Er ist Garant für die 4.15 Stunden als Pacer. Ich bleibe kurz dran, wechsle ein paar Worte mit seinen Schäfchen und mache mich dann langsam nach vorne.
Später biegen wir links ab und laufen nun wieder nach Bad Füssing hinein. Doch am Ortsrand wartet eine vielleicht 100 Meter lange Wendepunktstrecke im Hofgartenweg. Da kann man seine vorauseilenden Mitläufer und Verfolger gut beobachten. Da ich meine Kamera schwinge, bekomme ich von vielen Sportlern ein Lächeln zugeworfen. Viele Zuschauer sind halt nicht zu sehen, da ist man aber schon fröhlich, wie drei Mädels mit selbst gebastelten Plakaten an der Strecke warten. „Ihr seid großartig“, kann ich lesen und „lächeln, ihr habt dafür bezahlt“.
Nach Kilometer sieben (mein Schnellster in 5.40 Minuten) laufen wir auf den Hot Spot zu: Beim Kirchawirt Safferstetten kreuzen sich die Runden, es sind einige Zuschauer aus der Wirtschaft draußen beim Zuschauen und auch Trommler machen uns Beine. Die Helfer und die Feuerwehrleute agieren gut und weisen jeden den rechten Weg, denn hier könnte man einen Irrweg einschlagen.
1937 wurden hier in Safferstetten bei der Suche nach Öl Thermalquellen entdeckt. Schon in den 50er Jahren begann der Kurbetrieb und innerhalb weniger Jahrzehnte schafften es die Füssinger, dass mehr als zwei Millionen Übernachtungen im Jahr abgewickelt wurden. Das 56 Grad warme Thermalwasser hilft bei Arthritis, Osteoporose, Stoffwechselkrankheiten und zur Reha nach Herzkrankheiten.
Auf dem Erlbachweg verlassen wir Safferstetten, dann fällt mir bei Kilometer acht auf, dass bei der Markierung auf dem Boden kein „km“ für Kilometer, sondern ein „m“ steht. Ein Mitläufer meint, wir haben nun acht Meilen abgespult. An der Füssinger Alm vorbei laufen wir nun in den Ortsteil Riedenburg hinein, kein ganzer Kilometer mehr und die erste Runde endet. Der hochgezogene Bau des Johannesbad ist schon zu sehen und ich höre auch die Moderation mit Peter Maisenbacher und Roland Balzer (aus Ingolstadt).
Gleich an der Ecke nach der Inntalstraße steht die Kilometermarkierung elf und danach lese ich auf der Uhr beim Zielbogen eine 1.06 Stunden für die elf Kilometer. Das könnte sich mit einer Zeit von deutlich unter 2.10 Stunden für den Halben ausgehen. Schaun mer mal. Die zweite Runde greife ich nach einem Becher warmen Tee an. Etwa zehn, meist Jugendliche stehen als eifrige Helfer an der V-Stelle.
Am bekannten Kreisverkehr biegen wir nun nach Westen ab. Kurz nach Kilometer zwölf laufen wir an der Pfarrkirche St. Andreas vorbei, die im Jahr 1639 erbaut wurde. Beim Kirchawirt Mühlbach wartet wieder der vorher beschriebene Kreuzungspunkt. Den Ort verlassen wir gleich danach über den Jägerweg.
Auf einem geteerten Radweg rennen wir nun auf der Pichlstraße zur Pichlkapelle und dort biegen wir links ab in die Thierhamer Straße. Mittlerweile hat sich das Feld der 850 Halbmarathonis und 250 Marathonis gehörig auseinandergezogen. Kurz nach Kilometer 15 kommt eine weitere V-Stelle bei einer Gärtnerei. Sanis halten ihren Frühschoppen mit Kaffee, Tee und Obst und beobachten die Szenerie. „Wenn ihr eure Arbeit gut macht´s und mir koana ham, dann samma alle zufrieden“, sagte einer vor dem Start zu mir. Einsätze habe ich bisher keine gesehen. Ich greife mir nochmals einen Becher Tee und gehe die letzten Kilometer an. An Tempo bin ich weiterhin schnell, auch wenn ich langsam die Kilometer im Fahrgestell merke. Zwei Frauen aus Ruhstorf (liegt nur ein paar Kilometer entfernt) machen sich nach vorne davon.
Kurz vor Kilometer 17 dürfen wir einen weiteren Wendepunkt anlaufen, und dann tangieren wir Egglfing, das keinen Kilometer vom Inn entfernt ist. Im Rahmen der Gebietsreform kam Egglfing zu Bad Füssing. An der Roßschwemme verlassen wir den Ort über die Alte Innstraße.
Bei Kilometer 18 sind wir in Schlagweite zum Inn, der aufgrund des Hochwasserdammes aber nicht zu sehen ist. Am jenseitigen Innufer sieht man von Obernberg am Inn nur die Häuserspitzen, der Ort liegt übrigens schon in Österreich. Wir unterqueren die Staatsstraße und laufen nun rund einen Kilometer auf dem Radweg. Der 19. Kilometer ist voll, noch zwei.
Einige ziehen nun ihren Endspurt an, ich bin froh, mein Tempo noch halten zu können und erreiche am Ortsanfang Riedenburg Kilometer 20. Der letzte Kilometer wird dann noch auf der linken A...backe heruntergerissen und dann sehe ich schon das Johannesbad vor mir. Ich biege auf die Zielgerade ein und durchlaufe den Zielbogen. Geschafft. „Aus is und schad is, dass gar is“. Ein Blick in die Ergebnisliste weist dann bei mir eine Nettozeit von 2.05.21 Stunden aus, das reicht für Rang 21 der Klasse M65. Damit bin ich hochzufrieden.
Norbert Wilhelmi klatscht mich ab, kalt ist es ihm auch geworden. Ich bleibe noch einige Minuten, sammle einige Bilder und sehe, dass die meisten Marathonis noch eifrig am Laufen sind. So verziehe ich mich nach einigen Minuten im Zielkanal in das angrenzende beheizte Zelt und lasse mir es gut gehen bei Kuchen, Obst und warmen Tee. Das angebotene Erdinger ist mir etwas zu kalt.
Danach geht es ins Thermalwasser und zur Siegerehrung und später mache ich mich an den Rückweg mit den Öffentlichen. Bei der Bushaltestelle an der Katholischen Kirche lerne ich Karl Heiler aus Bad Waldsee kennen. Er erzählt mir, wie er vor gut zehn Jahren zum Laufen gekommen ist. Bei dem Marathon in Bad Waldsee, wo ich auch einmal war, machte er seinen ersten Wettkampf und er ist trotz eines überwundenen gesundheitlichen Rückschlages weiterhin bei der Lauferei. Wenn wir uns vorher kennengelernt hätten, dann wären wir gemeinsam gelaufen. Im Ziel waren wir nur wenige Minuten auseinander.
Als erster Test nach der Winterpause genial. Schnelle Strecke, gute Verpflegung, das Drumherum mit Therme und Unterkünfte bestens gelöst. Es überzeugen die vielen Helfer und die Freundlichkeit der Organisation. Herzlichen Dank. In Bad Füssing bekommst du viel für das Startgeld.
Marathon (234 Finisher):
Ergebnisse Männer
1. Michael Diensthuber, Intersport Siebzehnrübl, 2.24.17
2. Florian Spötzl, PTSV Rosenheim, 2.35.49
3. Robert Reiter, LG St. Wolfgang, 2.39.56
Ergebnisse Frauen
1. Maria Elisa Legelli, Munich Athletics, 2.46.45
2. Jessica Wedel, ASV Eggstätt, 2.55.55
3. Lena Absmeier, LG Passau, 3.00.36
Halbmarathon (833 Finisher):
Ergebnisse Männer
1. Hannes Namberger, o.V., 1.07.32
2. Moritz Auf der Heide, Turnerschaft Innsbruck/Salomon Running Team, 1.08.46
3. Johannes Löw, Salomon Running, 1.09.19
Ergebnisse Frauen
1. Verena Cerna, SSV Ulm 1846, 1.20.39
2. Juliane Rößler, TG Viktoria Augsburg, 1.21.07
3. Klara Popp, MaliCrew, 1.23.37
10 km-Lauf (781 Finisher):
Ergebnisse Männer
1. Elias Kolar, LG Telis Finanz Regensburg, 29.53
2. Tobias Prater, VFL Sindelfingen, 29.58
3. Bastian Mrochen, LG Telis Finanz Regensburg, 30.13
Ergebnisse Frauen
1. Domenika Mayer, LG Telis Finanz Regensburg, 31.41
2. Pia Schlattmann, LG Brillux Münster, 33.04
3. Linda Meier, LAC Passau, 33.44