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Laufberichte

Rekordverdächtige Verpflegung

 

Wie viele Verpflegungsstellen hat ein Marathon? Alle Antworten zwischen 6 und 10 stellen wohl den normalen Durchschnitt dar. Nicht so in Senftenberg, hier werden 169 Möglichkeiten zur Verpflegung geboten! Doch Schritt für Schritt…

Für mich beginnt am Samstagmorgen die 530 km lange Anreise nach Senftenberg in der Lausitz. 60 km nördlich von Dresden, 140 km südlich von Berlin liegt in der Nähe der Lausitzring. Mein Ziel ist allerdings die legendäre Niederlausitzhalle, in welcher der TSV Senftenberg zum 13. Mal seinen Hallenmarathon anbietet. Doch damit nicht genug, neben dem möglichen Marathon gibt es noch 100 km, 50 km, ein zweiter Marathon, Halbmarathon, 10 km Lauf, 10 km Paarlauf, 5 km Lauf, 3 km Laufen, 3 km Walken, 1000 m, 250 m Lauf und ein Ergotrainer Wettbewerb. Ein stramm gebündeltes Programm für drei Tage und für jeden etwas. Und das auf einer ganz besonderen, 250 m langen Strecke.

Die Niederlausitzhalle trägt ihren Namen erst seit der Wende. Davor war der 1957-1959 umgebaute Kohleschuppen unter dem Namen „Aktivist“ bekannt. Bei der Eröffnung 1959 handelte es sich um die größte freitragende Sporthalle Europas. Anfangs lief man noch auf Naturboden, im Rahmen einer Renovierung bekam sie 1971/1972 eine Tartanbahn und Steilkurven. Zwei Rekorde aus den glorreichen Zeiten bestehen noch heute, der Halleneuroparekord im Kugelstoßen der Männer und der deutsche Hallenrekord im 60 m Lauf der Frauen. Für 1200 Zuschauer ist auf der riesigen Tribüne Platz, welche sich auf einer Längsseite durch die ganze Halle zieht.

Ich beziehe zuerst mein Zimmer in einer kleinen Pension in der Stadt, um dann meine Startunterlagen in der Halle und die ersten Eindrücke abzuholen. Als ich eintrete, läuft gerade das 3000 m Rennen zusammen mit ordentlicher Rockmusik und man ist sofort mitten im Geschehen. Etwas nostalgisch wirkt der Charme der unter Denkmalschutz stehenden Halle und mit Gänsehaut freue ich mich schon jetzt, hier gleich laufen zu dürfen - bei angenehmen Temperaturen im Trockenen, während ich draußen Schnee und Kälte zurück lasse. Die Startnummernausgabe ist gut organisiert, viele helfende Hände sind zu sehen. Startnummer und einen Transponder von Lausitz-Timing gegen 20 € Pfand gibt es im Umschlag ohne Schnick-Schnack und Werbung. Ich schieße die ersten Fotos und der Test mit dem Blitz lässt schon erahnen, dass ein Bild mit einem Läufer in Bewegung bei den Lichtverhältnissen und mit Blitz eine große Herausforderung sein wird.

 

 

Senftenberg hat etwas 25.000 Einwohner und ist stark geprägt vom Braunkohletagebau. Es gibt eine  Universität, die aus der bereits 1947 gegründeten Bergingenieurschule hervorging und heute zur Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus gehört. 1999 endete der Braunkohleabbau und man flutete mit Hilfe der Schwarzen Elster die bis zu 40 m tiefen Eingriffe in die Landschaft. Der Senftenberger See und damit einer der größten künstlich angelegten Seen Deutschlands war geboren. Apropos geboren, im nur 12 km entfernten Hosena wurde Joachim Sauer geboren, der selten zu sehende Ehemann von Angela Merkel.

Pünktlich zum Start finde ich mich in der Halle ein. Das Teilnehmerlimit von 75 wurde nicht erreicht und man kommt sich mit dem übersichtlichen Starterfeld in der riesigen Halle etwas verloren vor. Durch den vorher durchgeführten 10 km Paarlauf und dessen Siegerehrung ist auf der Tribüne noch einiges los, auch an den Ergometern wird noch gekämpft. Rein in die Startaufstellung, mit einem lauten Startschuss geht es auf die Strecke. Wir fliegen das erste Mal durch die Steilkurve und nach ungefähr 30 Sekunden erreichen wir bereits das erste Mal den Verpflegungspunkt auf der Gegengeraden. Es laufen tatsächlich alle dran vorbei! Wir haben ja noch 168 mal die Möglichkeit, uns an dem reichhaltigen Angebot zu laben. Wasser, Iso, Tee und Cola, sogar alkoholfreies Bier und Weizen ist vorhanden. Kekse, Salziges, Datteln und Rosinen bis hin zu Gurken und Suppe. Hier findet jeder mehr, als er braucht.

Trotz fotografieren sind die ersten Runden in 1:40 min. geschafft, nachdem ich die Kamera weggesteckt habe laufe ich die 250 m zwischen 1:25 – 1:30. Viel zu schnell, wie ich noch zu spüren bekomme, aber auf der kleinen Runde ist das „sich mitziehen lassen“ bedeutend schwerer zu kontrollieren. Da schon nach wenigen Runden die ersten Überrundungen beginnen und dann nicht mehr aufhören, gibt man fast automatisch etwas mehr Gas, als sinnvoll wäre. Die Steilkurven sind wirklich steil, die Bahn ist so verlegt, dass man aber ganz innen eine flache Strecke hat. Nur beim Überholen muss man sich in den Kurven nach oben wagen. Beim Durchlaufen von Start/Ziel erklingt ein Ton, die Runde ist registriert und auf einem Display wenige Meter dahinter bekommt man die restlichen Runden und die schon erreichten Kilometer angezeigt. Dahinter steht eine große Leinwand und gibt Auskunft über Platzierung, Rundenzahl und Zeit. So ist man immer auf dem Laufenden, wenn man mag und den Blick riskiert.

 

 

Die nächsten Stunden und Runden spielen sich ziemlich unspektakulär ab, bis auf ab und an wechselnde Zuschauer bleibt das Umfeld gleich. Hier muss man wirklich seinen Kopf und die mentale Stärke im Griff haben, um den langsamen Countdown der 169 Runden zu verarbeiten. Erst einmal bis auf 100 runterzählen, so die Strategie. Dann die 100 Runden voll bekommen. Ich denke an einen Hamster in seinem Laufrad…

Jeder Läufer kann vorab seine Lieblingslieder einreichen und diese werden dann zur Motivation und temporären Ablenkung in die Halle geschmettert. Wie ein Uhrwerk zieht der spätere Sieger immer wieder an uns vorbei. Aber auch langsamere Läufer wie ich kommen mal in den Genuss, überholen zu können. Leider erwischt mich ein Krampf, den ich den Rest des Rennens nie ganz loswerde. Es geht nur noch langsam voran und ich muss von den 12 Runden Vorsprung, die ich mir auf Alexander erkämpft habe, eine nach der anderen wieder abgeben. Am Ende sind es keine 3, die noch übrig bleiben. Aber ich behalte die Nase vorne und fixiere mich auf Plan B, wenigstens zu finishen und im 5 Stunden Zeitlimit zu bleiben.

Jeder, der in die Letzte Runde geht, wird vom Team Lausitz-Timing mit einer großen Glocke lautstark angekündigt und bekommt den letzten Motivationsschub. Dies gelingt auch bei mir und ich komme glücklich als 35. über die Ziellinie. Eine hübsche Medaille erwartet mich, schnell noch ein Foto im Ziel und dann zur reichhaltigen Zielverpflegung.

Ich nutze die Möglichkeit, mir auch gleich meine Urkunde ausdrucken zu lassen, ebenso die Liste der Rundenzeiten. 169 möchte ich hier noch einmal anmerken! Das Zeitlimit wird nicht gnadenlos durchgezogen, man lässt die Marathonis ihr Rennen im anschließenden Mitternachts-Halbmarathon beenden. Eigentlich bin auch noch für morgen früh um 8 Uhr für den Morgen-Marathon gemeldet, denn es sollte dieses Wochenende mein erster Doppeldecker werden. Aber wegen der Schmerzen wird da leider nichts draus.

Fazit:

Der TSV Seftenberg organisiert hier eine tolle Veranstaltung, die meines Erachtens ausgebucht sein müsste. Wo bekommt man schon Ende Januar einen garantiert trockenen und warmen Lauf? O.k., Rundendrehen ist schon gewöhnungsbedürftig, aber dafür gibt es 169 Versorgungsmöglichkeiten an einem reichhaltigen Buffet. Und dabei sei auch noch erwähnt: Jede Schüssel war immer voll! Ein unendliches Dankeschön an alle unermüdlichen Helfer! Vor allen an den netten Herrn, dem ich sein Red Bull vom Verpflegungstisch geklaut habe. Für mich war es garantiert nicht der letzte Lauf in der legendären Niederlausitzhalle!

 

Nachtmarathon (Samstag 18 Uhr):

Männer

1.    Martin Lamm – Berlin - 3:06:26
2.    Sebastian Böhm – DFG LFA Freiburg -  3:25:18
3.    Jörg Gieske – Asphaltschleifer Heidesee –  3:26:17

35 im Ziel

Frauen
1.    Angie Naumann – Wir sind Marathon Leipzig –  4:01:34
2.    Iris Martini – Team Klinikum Nürnberg  – 4:02:28
3.    Anne Rehn – SV Pastow - 4:11:14

4 im Ziel


Morgenmarathon (Sonntag 8 Uhr):

Männer

1.    Bernd Schwiebs – Bautzener LV Rot-Weiß 90 - 3:35:28
2.    Torsten Fischer – Fishguin München - 3:40:51
3.    Stefan Rehn – Neuendorf – 3:53:06

11 im Ziel

Frauen

1.    Jana Bieler – Berlin –  4:21:39
2.    Gerda Pietrucha – SV Chemie Guben  – 4:57:20
3.    Anne Wendler – LT Bernd Hübner Berlin - 5:08:41

4 im Ziel


50 km Ultramarathon (Sonntag 8 Uhr):

Männer

1.    Georg Schützka – LG TuS Weinböhla - 3:31:11
2.    Dirk Kiwus – LG Nord Berlin Ultrateam - 3:40:10
3.    Michael Kascha – Radebeul – 4:08:22

22 im Ziel

Frauen

1.    Almut Dreßler – LG Nord Berlin –  3:45:46
2.    Madeleine Timmermann – Team Erdinger Alkoholfrei  – 4:18:46
3.    Natalia Chadzel – Bernau bei Berlin - 4:57:02

3 im Ziel


100 km Ultramarathon (Freitag 11 Uhr):

Männer

1.    Benjamin Brade – Berlin - 7:55:39
2.    Mark van Hoorn – Altis Amersfoort - 8:32:13
3.    Fabian Benz – LG Ultralauf Heidelberg – 9:07:18

15 im Ziel

Frauen

1.    Katrin Tüg-Hilbert – LG Ultralauf Kasseedorf –  10:21:14
2.    Sandra Schunke-Bleiß – Multisport LOS Berlin – 12:21:06

2 im Ziel

 

Informationen: Hallenmarathon
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