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Laufberichte

Marathon: Hart, aber schön

 

Halbzeit

 

An einer Wegmarkierung hat man einige Wanderstiefel aufgehängt. Ob die Eigentümer dann barfuß oder „strumpfsockert“, wie wir Bayern sagen, weitergewandert sind, ist nicht überliefert. Ausrangierte Laufschuhe hängen allerdings nicht dran, obwohl heute rund 3000 Renner hier vorbeikommen und mindestens eine Läuferin barfuß ins Ziel gelaufen ist.

An der Halbmarathonmarke überlaufen wir rote Matten, Zwischenzeitnahme.

Bevor der nächste Getränkepunkt „Schwalbenhauptwiese“ (22,7 Kilometer; 703 Meter) erreicht wird, dürfen wir Geschicklichkeit, Koordination und Konzentration testen. Denn das ist notwendig für ein Streckenteil mit einigen Stufen bergab, Wurzeln und grobem Schotter. Wer nicht sicher ist, der geht einige Meter und tritt zur Seite, wenn sich hinter ihm eine die Verfolger stauen. Das ist Trailrunning pur. Hinter mir höre ich einen Fluch und dann den Läufer in den Dreck stürzen.  Bis ich mich aber umgedreht habe, ist er schon wieder auf den Beinen. Rennsteigläufer sind hart (im Nehmen), die Strecke schön!

Ein schmaler Grasweg führt nach der Getränkeaufnahme kurvenreich durch eine Wiese. Für ein längeres Wegstück können wir wählen: Entweder den parallelen Rennsteig, unbefestigt, mitunter wurzelig, oder die bequeme Straße. Das Feld sortiert sich in Trailrunner und Straßenläufer. Letztere sind (noch) in der Überzahl. Wir erreichen die kleine Ansiedlung Kahlert (780 Meter). Die Zuschauer lachen, als ich die Kapelle mit einem lauten „Musik“ auffordere, ihr Geschäft wieder aufzunehmen. So einfach geht Motivation.

 

Neustadt am Rennsteig

 

Klaus Bernschneider aus Frankfurt outet sich als Joes Kumpel, weiß aber nicht, wo sich der an diesem Wochenende herumtreibt. Irgendwas Verrücktes wird schon auf seinem (Lauf-)Zettel stehen, da sind wir uns sicher. Ein längerer Anstieg, nicht übermäßig schwer, führt uns nach Neustadt zur V-Stelle (Kilometer 28,8; 805 Höhenmeter). Durch den Ort verlief einmal eine Grenze, sodass es noch heute zwei Kirchen gibt.

Ich schütte mir nochmals einen Becher Haferschleim rein. Der gibt nämlich Kraft, wie ich eindeutig feststellen kann. 

Das kurze Steilstück jenseits von Kilometer 30, wo jeder geht, nutze ich gleich für einen Batteriewechsel. Ein anderer Läufer plagt sich schon mit einem Muskelkrampf, kann aber dann nach erfolgreichem Dehnen wieder anlaufen.

An einer Schutzhütte steht ein Musikant mit Drehorgel und Schlagzeug. Der gehört zum Inventar des Rennsteiglaufes, denn wie eh und je hilft er hier den Sportlern weiter auf ihrem Weg nach Schmiedefeld.

 

Endspurt

 

 

Am Dreiherrenstein (Kilometer 34,3; 810 Meter) können wir abermals verpflegen. Dieser Punkt war in der Vergangenheit ein Kreuzungspunkt einiger Handelswege. Heute berühren sich dort die Gemarkungen von fünf Gemeinden: Langewiesen, Neustadt, Schleusegrund, Frauenwald und Stützerbach.

In Allzunah (755 Meter), komischer Name für die zu Frauenwald gehörende Siedlung, hilft uns eine Kapelle weiter. An einer weiteren Steigung, ich hoffe, es ist die letzte, läuft einer rückwärts, um nicht zu sehen, wie wie lange es noch bergauf geht. Auch eine Taktik der Steigungsbewältigung.

Ein gefälliges Stück bringt uns zur letzten Tränke in Frauenwald (Kilometer 38,2; 786 Meter), die von der örtlichen Laufgruppe betreut wird. Als ich den Moderator auf den Chip banne, kommt ein Helfer mit einem Stempel gelaufen. Früher war dieser Stempel eine Kontrolle. Ohne diese Markierung auf der Startnummer gab es keine Auszeichnung. Heute ist der Stempel nur noch ein Souvenir.  Aus Tradition lassen sich viele Läufer den Stempel auf die Nummer drücken.

Ein paar Meter wird ein dunkles Bier ausgeschenkt. Da lasse ich den Tee gleich stehen. Ein paar Bierliebhaber kommen hinzu, wir stoßen auf die letzten fünf Kilometer an und machen uns auf den Weiterweg. Mit welcher Zeitverzögerung und mit wie viel Promille der Laufkollege, der es sich zur Getränkeaufnahme auf einem Stuhl bequem gemacht hat, ins Ziel gekommen ist, habe ich nicht recherchiert.

Die 40. Kilometer-Tafel leitet ein längeres Gefälle ein. Manche können es noch richtig laufen lassen, andere joggen gemach hinunter zur Marathonmarkierung, wo wir rund 150 Höhenmeter verloren haben. Aber ein wenig Kraft brauchen wir noch, denn zum Ziel hinauf beim Sportplatz müssen wir uns knapp 90 Höhenmeter erarbeiten. Das fällt mir nicht wirklich schwer, dem Haferschleim und Dunkelbier sei’s gedankt. Ab Ortskern ist für die Marathonis eine Spur, teils auf der Straße, teils auf dem Gehweg, abgesperrt.

Immer weiter müssen wir hoch und hören schon den Sprecher. Weitere Kurven, ich sehe das Zieltransparent immer noch nicht, klatsche dafür einige Kinder ab und ziehe dann noch Susanne Behrendt aus Leipzig mit, die mir allerdings auf den letzten Metern die Führung abnimmt. Dann ist er geschafft, der Rennsteiglauf. Kein normaler Marathon, sondern ein harter, aber schöner Lauf über 43,5 Kilometer.

 

Schmiedefeld (711 Meter)

 

Wir erhalten Medaille von den Medaillenmädels. Getränke gibt es im geräumigen und abgesperrten Zielareal. Bratwurstduft und Rauch von den Grillstationen liegen in der Luft. Ob das Zielfeld so hieß wie früher der Ort, ist mir unbekannt. 1406 wurde das schönste Ziel der Welt uf dem Smidfeldt genannt.

Das Finish ist sehr emotional. Einige Läufer nehmen stolz ihre Kinder an die Hand,  andere genießen still ihren Erfolg, wieder anderen laufen gruppenweise ins Ziel, umarmen und feiern sich. Ich erkenne Dunkelbierliebhaber Ralf Pastowski und Bernd Fallenstein. Oder Theo Huhnholt, in der Ultraszene Bayerns ein bunter Hund.

Was ist noch wichtig? Nun, die Kleider sollten wasserdicht verpackt sein, denn das Gepäck wird unterm Himmelszelt gelagert. Zwar blieb es während des Rennens trocken, aber wenn es regnet (fragt Klaus), hat man Pech.

Die Gutscheine für Bier und heiße Suppe können eingelöst werden. Und wer noch eine Thüringer Rostbratwurst braucht, kann sich an den zahlreichen Buden bedienen. Der Rücktransport ist problemlos. Nur, ein paar Euro sollte man im Gepäck stecken haben. Ich bin sicher, es dauert keine weitere 20 Jahre bis zu meinem nächsten Rennsteiglauf. Denn der ist zwar hart, aber schön.

 

Weitere Berichte und Bilder vom Marathon und vor allem auch vom Supermarathon findet ihr auf www.trailrunning.de

 

Siegerlisten


Marathon (43,5 km)
Männer

1  Bräutigam, Marcel (GER)    GMRV Erfurt    02:37:44   
2  Schwarzbach, Dirk (GER)    TSV Kirchdorf    02:42:31    
3  Liston, Chunky (GER)    Team Salomon    02:44:21   

Frauen

1  Berthold, Anne (GER)    LAC Erdgas Chemnitz      03:03:31 
2  Herzberg, Anna (GER)    KS-Sportsworld    03:10:37    
3  Jakob, Anja (GER)    Klingenthal    03:14:00    

Supermarathon (72,7 km)
Männer

1 Seiler, Christian (GER) GMRV Zeulenroda-Trie 05:10:25
2 Stegner, Carsten (GER) SV Amberg 05:27:07
3 Kühne, Karsten (AUT) Team RuN Sport 05:30:50

Frauen

1 Hajek, Branka (GER) 06:15:45
2 Schiebel, Gitti (GER) Uni Augsburg 06:29:31
3 Kern, Karin (GER) LAV Tübingen 06:33:23

 

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Informationen: GutsMuths-Rennsteiglauf
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