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Laufberichte

Marathon: Hart, aber schön

 

Erste Kilometer

 

Lachend und fröhlich macht sich das Feld auf den Weg und überschreitet die roten Zeitmatten. Quasi ein fliegender Start. Aber dann geht es eine ansteigende Wohnstraße hoch zur Bundesstraße, die in Richtung Eisfeld führt. Am Ende der Steigung sind nicht wenige schon am Schnaufen. Die vielen Zuschauer links und rechts helfen uns hoch auf die B 281, den Rennsteig-Zubringer.

Der 170 Kilometer lange Kammweg beginnt in Hörschel bei Eisenach, führt über die Höhen des Thüringer Waldes und Schiefergebirges sowie über den Frankenwald und endet in Blankenstein. Wer ihn bewandern möchte, soll eine Woche dafür veranschlagen. Die erste Erwähnung fand der Rennsteig im Jahr 1330 als Rynnestig, später wurde er auch Renniweg benannt. „Gut Runst“ ist der traditionelle Gruß unter den Rennsteigwanderern.

Die ersten fünf, sechs Kilometer werden auf der Bundesstraße zurückgelegt. Dabei wird das Feld ohne Hektik sortiert. Die Straße ist komplett gesperrt. Nach einer Serpentine hören wir schon den Moderator, der uns die Getränkestelle Sandwieschen (777 Meter) ankündigt. Mineralwasser und warmer Tee warten auf die Läufer. Die Stelle ist personell stark besetzt und kommt auch mit dem Einschenken nach.

Und dann nach ein paar weiteren Metern verlassen wir den bequemen Untergrund: Es geht nach rechts gleich einen kurzen Grasabhang hinein ins Gelände. Die Wege sind gerade richtig für Trailrunner und Liebhaber von Geländeläufen. Mal breiter, mal schmäler, immer wechselnd hinauf und hinunter, nur selten geradlinig. Mit 637 positiven und 706 negativen Höhenmetern ist der Rennsteiglauf ein anspruchsvoller Mittelgebirgs-Marathon. Ein Bergmarathon hat andere Zahlen, eine schnelle Strecke auch. Wer allerdings Natur, Landschaft und gute Luft liebt, der kommt hier auf seine Kosten.

Ein kurzes Gefällstück wartet dann in der Ortschaft Limbach, der im 18. Jahrhundert von den Gebrüdern Greiner gegründet wurde. Die kamen damals aus den Glasmacherort Lauscha unweit von Neuhaus. Wir überqueren eine Ortsstraße und sogleich fallen die ersten Rennsteigläufer in den Wanderschritt, denn eine kurze Rampe wartet. Am Ende tauchen wir wieder in den Nadelwald ein.

Bei Kilometer 10,6 am Dreistromstein (812 Meter) wartet die erste Verpflegungsstelle mit Wasser, Cola, Tee, Obst, Schleim und Wurst. Als ich mich der Ausgabestelle des Haferschleims nähere und einen skeptischen Blick in den Becher werfe, muss ich mir ein „Der will unseren Schleim nicht“ anhören. Ich bleibe beim warmen Tee, vorerst.

Der Dreistromstein markiert den Wasserscheidepunkt von Weser, Elbe und Rhein und ist aus den Gesteinen erbaut, die für den jeweiligen Fluss typisch sind: Quarz für den Rhein, Grauwacken für die Weser und Granit für die Elbe. Weiter.

Entgegen der Prognose der Meteorologen hält Petrus seine Schotten dicht, es sind sogar zaghafte Aufhellungen zu sehen. Nur die Temperatur bleibt deutlich einstellig. Ohne Handschuhe kann ich so gerade noch meine Fotoarbeit verrichten. „Wo kommste denn her“, will der Moderator wissen und auch der m4y-Chef treibt sich hier im Unterholz herum, immer auf der Pirsch.

 

Friedrichshöhe – Eisfelder Ausspanne

 

Frisch gestärkt geht es nun weiter zur Friedrichshöhe, einem Ortsteil von Sachsenbrunn mit weniger als 50 Bewohnern. Der kleine Ort verfügt über ein Naturparkzentrum mit einem angegliedertem Museum und einem Naturlehrpfad. Eine Blasmusik in einem Zelt unterhält uns und die Zuschauer.

Dann spricht mich einer an: Michael Kraus, das Laufurgestein aus Ludwigschorgast, der vor einigen Jahren ein Jubiläum gleich zum Frankenwald Event genutzt hat und uns Langstrecklern einen kleinen, aber feinen Lauf organisiert hat. Er geht nach vorne.

An der Eisfelder Ausspanne (Kilometer 15,8; 752 Meter) trafen sich früher sechs Handelswege. Unter anderem wurden hier am Übergang vom Werratal ins Schwarzatal die Pferde nach dem Anstieg ausgespannt und mit frischen Kräften sich auf den weiteren Weg talwärts gemacht.

Auffällig ist, dass über weite Strecken immer wieder links und rechts des Wanderweges Grenzsteine zu sehen sind. Über 1300 historische Markierungen sollen es sein, die bis ins 15. Jahrhundert zurückgehen. Der Rennsteig war halt über lange Zeiten ein Grenzweg und mit den entsprechenden Hoheitszeichen markierten die unterschiedlichen Herrscher ihre Gebiete.

Der Eselsberg (Kilometer 18,8; 841 Meter) stellt den höchsten Punkt unseres Laufkurses dar. Der Anstieg ist aber völlig unspektakulär und fast mühelos.

 

Masserberg

 

An der Turmbaude hat die SG Rennsteig Masserberg rundherum eine V-Stelle aufgebaut, wo alle Verpflegungswünsche der durstigen und hungrigen Läufer erfüllt werden. Hier konsumiere ich jetzt den ersten Schleim in meinem Läuferleben. Wahrscheinlich habe ich schlechte Erinnerungen aus der  Kindheit.  Aber der warme Schleim schmeckt mir heute nicht mal schlecht.

Wer den 33 Meter hohen Aussichtsturm besteigen möchte, der kann bei Schönwetter ein Panorama bis hin zum Gleichberg, Großen Beerberg und zur Veste Coburg genießen.

Wir verlieren rund 50 Höhenmeter auf dem Abstieg hinunter nach Masserberg (19,8 Kilometer; 785 Meter). Der heilklimatische Luftkurort zählt heute rund 2500 Einwohner. Wir durchlaufen den Ort im westlichen Teil und finden dann das Kilometerschild 20 in grüner Flur. Übrigens ist jeder Kilometer deutlich markiert.

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Informationen: GutsMuths-Rennsteiglauf
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