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Laufberichte

Der Härteste ganz soft?!

26.06.10

Mittlerweile ist aus dem Laufwettkampf eine Wanderveranstaltung geworden. Gelaufen wird kaum noch. Vorne unterhalten sich zwei Athleten und debattieren über die eigenen Schweinehunde. So ist man wenigsten nicht allein. Ich sag mal in so einem Fall auf Englisch: Never walk alone.

Dann dauert es wieder ewig lange. Wo ist der Kilometer 39? Bernd weiß auch keinen Rat. Dann kommt das nächste Schild bei der Alpe Nova (1980 m). Der vierzigste ist geschafft. Die Musik hat gerade Pause. Nochmals gut verpflegen. Nach einem kurzen Wegstück fängt die Kapelle wieder zu spielen an.

An einem steileren Aufschwung steht Simon schon wieder: „Ich brauche eine Minute Pause“. Ich marschiere weiter. Durch die viele Colasauferei ist mir ein wenig übel. Ich muss mich ablenken und halte Ausschau nach bunten Bergblumen. Sogar Enziane sind zu betrachten.

Dann sehen wir unser Ziel auf direktem Weg. Der Piz Scalottas ist ein Kegelberg und da müssen wir rauf. Verdammt, einige Kehren sind da auch darunter. Und wo ist das Ziel? Vielleicht hinten am Berg? Sanitäter auf einem Quad kommen von hinten und fragen nach der Verfassung. Ich mache den beiden lange Hasenohren als Antwort.

Kilometer 41, letzte Verpflegung. Der Simon ist noch mal von hinten gekommen und auf und davon. Wie ein Dieb auf der Flucht. Wo nimmt der die Kraft her? Ein richtiges Steh-Auf-Männchen!

Dann sehe ich einen Alphornbläser in Person von Andreas Michel. Ich kann ihn gerade noch mit dem Zoom der Kamera herholen. Ein kleines Schneefeld rechts des Weges. Wenn wir in Richtung Rothorn schauen, da ist noch deutlich mehr Altschnee vorhanden.

Im Ziel

Es folgt noch ein übles Steilstück, vielleicht 30 Meter lang, da bräuchte man fast einen Allradantrieb. Den Zielbogen sehe ich erst am Ende des Anstieges. Dann laufe ich noch mal 20 Meter, bleibe vor der Zielmatte stehen, hüpfe mit einem Standweitsprung auf die rote Matte und handele mir fast durch den Schmarrn einen Muskelkrampf ein. Geschafft. Allegra auf dem Piz Scalottas (2321 Meter).

Da es ein wenig bläst, ziehe ich mir sofort trockene Klamotten an und widme mich dann wieder meiner Aufgabe, noch ein paar Bilder zu sammeln. Die Rückfahrt mit der Bergbahn geht zügig ins Tal. Bei der Siegerehrung können dann die Pasta-Bons eingelöst werden. Ou, etz isch högschte Zeit, für a Bier.

War jetzt diese Strecke die softe Ausführung des härtesten Marathons? Nun, einfach ist der Wettkampf auch nicht. Es gibt viele Läufer, die mit letzter Kraft und gezeichnet das Ziel erreichen. Zu wenig Wasser, zuviel Sonne, zu hohe Temperaturen oder zu wenig Essen, das muss sich jetzt jeder selber fragen. Aufs Rothorn hätte ich mit Sicherheit die sechste Stunde noch vollgemacht. So finde ich mich jetzt auf der Ergebnisliste mit 5.27.43 Stunden. Mir reicht’s. Für heute.

Rothorn oder Piz Scalottas als Ziel. Mehr Höhenmeter oder zum Ende hin blumiger und grüner. Gipfelpanorama oder weniger steil. Die Läufer werden im Feedback gefragt, wo denn 2011 der Lauf enden soll. Ich sag’s mal so. Wenn es keine eindeutige Entscheidung gibt, dann kann man ja das Ziel jährlich wechseln. „Kommst Du nächstes Jahr wieder“, fragt Andrea vom Orga-Team. „Wenn’s mir nausgeht, scho.“

Teilnehmer:
Marathon 343 Finisher. 20 Miles 111 Finisher. Scalottas Run 100 Finisher. Halbmarathon 84 Finisher. Walking Bewerbe 556 Finisher.

Zeitnahme:
Per Chip von Datasport.

Auszeichnung:
Urkunde aus dem Internet, Finishershirt, Medaille. Geldpreise für die schnellsten Männer und Frauen. Sachpreise für die Klassensieger.

Drumherum:
Duschmöglichkeit und Massage in der Mehrzweckhalle. Gepäcktransport zum Ziel. Gratisrücktransport vom Piz Scalottas nach Lenzerheide.

Verpflegung:
Alle vier, fünf Kilometer Mineraldrinks, Wasser, Cola, Energieriegel, Brot, Bananen, Gel und Bouillon. Zum Ende des Rennens hin noch engerer Abstand.

Zuschauer:
An gut erreichbaren Stellen viele Zuschauer, es gibt auch Streckenteile, wo kaum eine Menschenseele anzutreffen ist.

Fazit:
Ein schwerer Berglauf, den man mit großem Respekt vor der Topographie angehen sollte. Erfahrung am Berg kann für die Teilnahme nur von Nutzen sein. Viele Teilnehmer nutzten den LGT-Alpin-Marathon als „Aufwärmprogramm“. Das hatte mir gefehlt, aber der Bieler war auch kein schlechtes Vorbereitungsprogramm.

Marathonsieger

Männer

1. Short Timothy, GB-London                  3:24.58,1
2. Bundi Gion-Andrea, Davos Frauenkirch      3:29.02,1
3. Barz Michael, D-Durach                    3:31.35,9

Frauen

1. Meneghin-Pliska Maja, Vermes              3:59.14,1 
2. Zimmermann Denise, Mels                   4:11.21,3
3. Dalcolmo Jeanette, Dürnten                4:19.53,2

344 Finisher

 
 

Informationen: Graubünden Marathon
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