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Laufberichte

Wir kommen wieder

 

Nach einer Schleife erreichen wir Kandel. Hier stehen ein paar Schlachtenbummler. Auch aus den Fenstern heraus werden wir bejubelt. Auf der gesperrten B427 laufen wir nach Minfeld. Vier mächtige Windräder drehen sich träge. Hinter Minfeld geht es in den Wald. Über einen schmaleren Teerweg erreichen wir die K16, der wir bis zur K 15 folgen. Beide Kreisstraßen sind für den Verkehr gesperrt. Wir laufen jetzt auf der rechten Seite, denn links werden schon die ersten Halbmarathonläufer erwartet. Und tatsächlich: Das Polizeimotorrad fährt dem Führenden, Peter Keinath, voraus. Er wird das Rennen souverän nach Hause laufen und mit über 2 Minuten Vorsprung gewinnen.

In ziemlichem Abstand erst kommen die beiden Verfolger -  und dann geht es Schlag auf Schlag. Zuerst einzeln, dann in immer größeren Gruppen laufen die Halbmarathonis an uns vorbei. Sie sind ganz schön flott. Auf unserer Seite dagegen geht es eher gemütlich zu. Jetzt kommt auch die führende Frau Jutta Brod. Mit einem lockeren Spruch läuft sie an mir vorbei!

Nach dem Wendepunkt für den Halbmarathon ist der Spuk plötzlich vorüber. Ruhe herrscht auf der Laufstrecke. Seit ein paar Kilometern laufe ich mit Martin aus Reutlingen zusammen. Wir sind die ganze Zeit am erzählen. Dadurch hab ich von den 13 bereits gelaufenen Kilometern nicht viel mitbekommen. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass ich viel zu schnell unterwegs bin. Das kann nicht lange gut gehen.
Wir erreichen den Abzweig Richtung Büchelberg. Leider dürfen wir da noch nicht hin. Erst müssen wir geradeaus nach Schaidt, umdrehen und zurücklaufen.
Trotzdem kommen uns hier schon Marathonis entgegen. Die haben bereits km 21 geschafft,  wir sind bei knappen 15.  Die Führenden müssen aber schon durch sein. Nur den 3:00 Zugläufer sehen wir noch.

Ein paar Minuten später kommt Norbert. Das sieht nach neuer persönlicher Bestzeit aus. Mein kurzer Fotostopp reicht aus, um Martin einen gehörigen Vorsprung zu verschaffen. Genau zum richtigen Zeitpunkt - viel länger hätte ich das Tempo auch nicht durchgehalten.

Dann habe ich eine Begegnung der dritten Art: Klaus auf dem Fahrrad. Leider sieht er mich und steigt ab, bevor ich das Bild des Jahres machen kann.

Weiter in lockerem Tempo erreiche ich den Ortseingang von Schaidt. Die Kapelle spielt heiße Rhythmen und das Publikum macht Stimmung. Beschwingt laufe ich weiter. Jetzt kommt Kathi, die den 3:45 er Pacer vor sich her jagt, und kurz dahinter Anja. Das klappt ja prima.

Bis zur Wende ist es ein ziemliches Stück. Ich bin gespannt, wer alles hinter mir ist. Da kommt schon Monika. Also alles im grünen Bereich. Oje, kurz bevor ich Schaidt wieder erreiche, kommt ja schon das Besenfahrzeug. Wie weit ist das hinter mir? Kurz gerate ich aus dem Konzept.

Die Kapelle bessert meine Laune. Es geht auf der K15 zurück. Durch den jetzt fehlenden Gegenverkehr ist es noch ruhiger. Ich behalte die Vorauslaufenden im Blick. Irgendwann müssen sie doch nach rechts in den Wald verschwinden.

Km 21, ich hab den Abzweig Richtung Büchelberg erreicht. Halbzeit. Klaus macht jetzt hier seine Bilder, daher kann ich mir keine Schwachheiten erlauben. Mein Kopf sagt zwar: "Super Zeit"; meine Beine dagegen schreien: "Aufhören".

Jetzt kommt das schönste Stück der Strecke. Die Straße ist schmal, vielleicht ein wenig rustikal, wie es sich für einen Naturpark gehört. Der Wald rückt näher heran und zeigt sich von seiner urwüchsigen Seite.

So laufen wir nun ca 5 km  bis zum nächsten Wendepunkt. Durch die jetzt wieder zahlreichen entgegenkommenden Läufer ist dieser Abschnitt spannend. In den Gesichtern spiegeln sich die unterschiedlichsten Gemütslagen: gequält, konzentriert, unbeeindruckt. Oft aber auch ein Lächeln oder Lachen, wenn man ein bekanntes Gesicht erkennt.

Norbert kommt angerannt. Er ist noch kein bisschen langsamer. Ich bin froh, den Wendepunkt bei km 26 zu erreichen. An der nächsten VP gibt es zum ersten Mal Cola. Na, wenn das nicht hilft!

Bei Kilometer 30 steht wieder ein Ansager mit der Durchgangszeit. Für meine Bestzeit wird es knapp. Schneller kann ich unmöglich. Gott sei Dank biegen wir hinter km 31 wieder auf die K15 ein. Glatter Asphalt ist doch angenehmer für die Füße als diese Löcher und Rinnen in der kleinen Straße. Außerdem waren wir hier schon zu Anfang. Das Schlimmste ist also geschafft. Die Restkilometer werden nun einstellig.

Auch andere scheint das zu motivieren. Obwohl die Abstände teilweise ganz schön groß sind, laufen doch einige an mir vorbei. Aber keine Panik: das sind die erfahrenen Ultras, die von Anfang bis Ende stur dasselbe Tempo laufen. Mit denen kann ich leider (noch) nicht mithalten.

Die Kilometer werden weniger. Die Helfer an den VPs kümmern sich rührend um uns und sprechen uns immer wieder Mut zu. Hinter km 35 geht es auf die kleine Teerstraße zum Naturfreundehaus. Auf den nächsten Kilometern regieren Sonntag-Nachmittag-Spaziergänger. Ich freue mich über jeden, der mich aufmunternd anspricht. Sogar die beiden Reiterinnen lassen sich auf uns ein: Sie wollen uns ihre Pferde für günstige Miete zur Verfügung stellen.

Bei Km 38 verlassen wir den Wald. Es geht über weitläufige Wiesen. Die ersten Häuser von Kandel sind in Sicht.  Es geht nun rechts zwischen den wasserführenden Hinter-  und  Floßgraben entlang. Auch hier herrscht Sonntag-Nachmittag-Stimmung. Die paar Läufer scheinen niemanden zu stören. Hier zieht es sich ein wenig.

Ab km 40 kann man die Lautsprecherdurchsagen vom Ziel wahrnehmen. Nein, ich bilde mir das nicht ein. Obwohl man das Stadion noch nicht sehen kann, ist es ganz in der Nähe. Nur noch rechts auf den Hubhofweg, dann links abbiegen und schon geht es am Stadion entlang.

Hier kommen gefinishte Läufer und Begleiter entgegen. Jeder feuert uns an, so dass ich letzte Kräfte mobilisieren kann. Es geht ins Stadion und noch eine Runde auf der Laufbahn.

Schon von weitem sehen ich meine Zielzeit schwinden. Knapp verpasst! Meine Enttäuschung ist nur von kurzer Dauer. Im Ziel sind alle happy und ich dann auch. Wir beglückwünschen uns gegenseitig. Norbert hat eine neue persönliche Bestleistung geschafft (3:26:xx), Gratulation! Es gibt leckeres Erdinger und die normale Verpflegung.

Die nahe Bienwald-Halle ist wieder Läufertreff. Noch immer sind hier die Masseure im Einsatz. Bei vielen Veranstaltungen gibt es diesen Service um diese Zeit nicht mehr. Wir lassen unsere Urkunden ausdrucken, verzichten aber auf die Medaille, die man für ein kleines Entgelt erstehen kann.

In der kleinen Halle wird die Siegerehrung vorbereitet. Rekorde sind heute keine gefallen. Trotzdem bewundern wir die gelaufenen Zeiten; vor allem die Leistungen der Altersklassenathleten sind wirklich herausragend.

Bevor wir nach Hause fahren, prüfen wir noch das Angebot des Honigstandes und decken uns gehörig ein. Ein gelungener Lauftag geht zu Ende.

Schnell – naturverbunden - familiär - was macht diesen Lauf zum Kultlauf? Die perfekte Mischung und eine verlässliche Organisation, dazu der frühe Termin im Jahr. 

Wir kommen wieder.

 

Marathonsieger

Männer

1 Skalsky, Martin (GER)LG Rüsselsheim 02:28:37
2 Müller, Matthias (GER) Team Exotenwald 02:32:44
3 Stegner, Carsten (GER) Skivereinigung Amberg 02:38:29

Frauen

1 Veith, Pamela (GER)TSV Kusterdingen 0 2:59:59
2 Kuch, Celia (GER)TSG Weinheim 03:02:38
3 Bernhard, Isabella (GER) TSG Maxdorf 03:09:28

488 Finisher

 

12
 
 

Informationen: Bienwald-Marathon
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