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Beinahe vom Winde verweht

10.03.19
Quelle: Pressemitteilung

Immer am zweiten Wochenende im März, die Schneeglöckchen stehen in voller Blüte, die Illustrierten machen erste Diätvorschläge für die Strandfigur, kommen etwa 2000 sportbegeisterte Läufer aus 30 Nationen in die Bienwaldstadt Kandel, um Teil des Bienwald -Marathons oder zumindest der halben Distanz zu sein.

Bunt wie ein Krokusfeld im Frühling erscheint nicht nur optisch das Teilnehmerfeld, genauso vielfältig ist auch das Leistungsspektrum, das in Kandel an den Start geht. Vom Spitzenläufer bis zum Spaßläufer ist alles dabei. Das obere Ende des Spektrums wird dieses Jahr durch die 40fache Deutsche Meisterin Sabrina Mockenhaupt belegt. Nach 22 Jahren Leistungssport mit WM-, EM und Olympia – Teilnahmen lässt sie ihre Profikariere langsam auslaufen. Nach Kandel ist sie einer Freundin zu Liebe gekommen, für die sie den Pacemaker macht. 1:24 h ist das erklärte Ziel für den Halbmarathon, was für sie mit einer Bestzeit von 1:08:45 h, gelaufen vor 10 Jahren, vermutlich im Ökomodus zu meistern ist.

Leider stand dieses Jahr die Veranstaltung unter keinem guten Stern. Schon in der Nacht hatte es kräftig geregnet und für den Sonntag gab es sogar Sturmwarnungen, was für eine Veranstaltung, die größtenteils im Wald stattfindet, ein Sicherheitsrisiko darstellt. Als um 10 Uhr Thomas Hitschler(MdB) und Landrat Dr. Fritz Brechtel mit ihrem Startschuss die Läufer auf die Strecke entließen, war noch nicht klar, ob der Lauf nicht wegen zu starkem Wind abgebrochen werden müsste. Schon auf dem Weg nach Minfeld ging ein ordentlicher Wind, der die Windräder kräftig drehte und den Läufern die Kraft raubte. Marathon oder auch Halbmarathon zu laufen erfordert neben körperlicher Fitness auch ein Maß mentaler Härte. Heute erforderte es noch eine Portion mehr davon.

Besonderen Respekt sei den Läufern gezollt, die trotz den widrigen Wetterverhältnissen sich spontan für den Start entschieden haben und noch nachgemeldet haben.
 

 

 

Rennverlauf Halbmarathon

 

Bei den Männern wurde Simon Stützel von der LG Karlsruhe seine Favoritenrolle mehr als gerecht. Der Streckenrekordinhaber, gelaufen 2016 mit 1:05:14 h, machte vom Start weg richtig Tempo und lief die komplette Strecke allein an der Spitze. Sein Ziel, den Streckenrekord erneut zu brechen, wäre bei normalen Wetterbedingungen mit Sicherheit geglückt, aber der Wind machte dieses Vorhaben zunichte. Mit 1:06:18h im Ziel zeigte sich der ehrgeizige Läufer doch enttäuscht und brauchte ein paar Minuten, bevor er sich über den Sieg freuen konnte. Fast 1:30 Minuten brauchte es bis der zweitplatzierte Tim Niklas Schwippel von der LG Braunschweig, Simon ins Ziel folgte.

Bei den Frauen gab es eine Siegerin, mit der man so eigentlich nicht rechnen konnte. Sabrina Mockenhaupt, angetreten als Pacemaker für eine Freundin, kam nach 01:20:43 h lächelnd ins Ziel. Nach Kilometer 10 war ihrer Laufpartnerin klar, dass das angepeilte Ziel von 1:24 h heute nicht machbar ist und sie beschlossen sich zu trennen. Sabrina schaltete darauf in den Wettkampfmodus und gab richtig Gas. Bis Kilometer 19 dauerte es, bis sie an der später zweitplatzierten Aoife Quigly (TV Schriesheim) vorbei zog, natürlich nicht ohne sich dafür zu entschuldigen. Im Ziel erklärte sie, dass sie sich zwar langsam vom Leistungssport zurückziehe, aber immer noch die Herausforderung sucht. Nicht trainieren zu müssen, sondern das zu machen, wozu man gerade Lust hat, genießt sie richtig. Ihre nächste Herausforderung ist die Teilnahme an der Tanzshow „Let’s dance“, für die sich gerade vorbereitet. Tanzen ist von der Bewegung einiges komplexer als Laufen hat sie schon festgestellt.

 

Rennverlauf Marathon

 

Richard Schumacher (Sparda- Team Rechberghausen) kann einem etwas leidtun. 2016 noch Sieger des Bienwald - Marathons, belegte er auch dieses Jahr zum dritten Mal in Folge den zweiten Platz. Dieses Jahr musste er sich Jochen Uhrig von der TSG Weinheim geschlagen geben. Zum ersten Mal in Kandel zeigte er sich begeistert von dem Lauf, der ihm trotz Wetterkariolen sichtlich Spaß bereitete. Er nutze den Lauf als Standortbestimmung vor seinem persönlichen Jahreshighlight, dem Boston Marathon in 4 Wochen. Er ging auch nicht an seine Grenzen, wie er im Ziel zu Protokoll gab und war deshalb mit seiner Zeit von 2:28:06 h mehr als zufrieden. Zu seiner persönlichen Bestzeit ist noch 5 Minuten Luft, die behält er sich für Boston.

Als 5. Läufer im Ziel sicherte sich Matthias Wagner (TV Hinterweidenthal) mit einer Zeit von 02:41:59 h, vor dem Titelverteidiger Michael Ohler, den Pfalzmeistertitel. Mit 02:46:13 h im Ziel nahm er seine Vizemeisterschaft gelassen und gönnte nach drei Jahren Pfalzmeisterschaft seinem Nachfolger den Titel. Als Trost bleibt ihm, gemeinsam mit seinen Vereinskollegen vom TSV Kandel, Christian Flügel und Dirk Karl die Pfalzmeisterschaft in der Mannschaftswertung gewonnen zu haben.

Sieger der Frauenkonkurrenz und damit auch Pfalzmeisterin wurde, die eigentlich mehr im Berglauf beheimatetet Eva Katz von RC Vorwärts Speyer mit einer Zeit von 03:02:22 h. Vor 10 Jahren war sie schon mal in Kandel, musste aber verletzungsbedingt abbrechen, und konnte danach 5 Monate nicht laufen. Diese Negativerfahrung konnte sie mit ihrem Sieg nun hinter sich lassen. Vielleicht kommt sie nochmal nach Kandel um ihr zweites Ziel „unter 3 Stunden laufen“ anzugehen.
Auf den weiteren Plätzen folgten Margit Klockner (SRL Triathlon Koblenz) mit 03:06:01 h und Nina Wabic (Run & More) mit 03:10:24 h. Als 5. Frau im Ziel konnte sich die in Kandel lebende Pia Winkelblech  (Landau Running Company) mit einer Zeit von 3:21:50 h die Vizemeisterschaft in ihrer Altersklasse sichern. Pfalzmeister ihrer Altersklasse wurde, die für den ausrichtenden TSV Kandel startende, Sandra Fätsch (03:27:09h).

 

Fazit des Veranstalters

 

Jede Veranstaltung hat ihren eigenen Charakter. Obwohl in Kandel eine 44jährige Erfahrung mit dem Ausrichten dieses Wettbewerbs existiert, gibt es dennoch Dinge, die im Vorfeld nicht abzusehen sind. Dieses Jahr war das Wetter der Spielverderber. Nach drei Baumbrüchen musste der Marathon sogar frühzeitig beendet werden. Gott sei Dank kam niemand zu Schaden und der Abbruch erfolgt zu einem sehr späten Zeitpunkt, sodass nur wenige Läufer betroffen waren.

Was die Farbe des diesjährigen Finisher Shirts angeht, möchte der Veranstalter deutlich hervorheben, dass neongelb eine schöne Farbe ist, die man gut sieht, was bei Läufern auch ein Sicherheitsaspekt sein kann. Es ist nicht als politisches Statement zu verstehen zumal es ja auch ein Shirt ist und keine Weste.

Zufrieden sind wir als Ausrichter, wenn als einziger Kritikpunkt „wieder keine Wildkatze gesehen“ genannt wird. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

 

Informationen: Bienwald-Marathon
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