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Laufberichte

''Ich bin ein Berliner''

 

Diesen Satz sprach US-Präsident Kennedy am Rathaus Schöneberg 1963, zum Zeichen der Freiheit von Westberlin. Heute, etwa 55 Jahre später, passiere ich das Rathaus Schöneberg an KM 23 des Berlin-Marathon. 23, das ist nicht nur die Kilometermarkierung vor dem Rathaus, es ist auch exakt die Zahl meiner Berlin-Marathon-Teilnahmen bis heute.

 

 

Gebürtig bin ich zwar nicht Berliner, aber gefühlt irgendwie schon. Nicht zuletzt weil der Satz für meine Frau Gültigkeit hat, wir hier einige Jahre gelebt haben und Berlin überhaupt „the place to be“ ist. Nicht umsonst zieht es mich immer wieder hierhin, nicht nur zum Berlin-Marathon, zum Berlin-Triathlon und zum Berliner Vollmondmarathon von Ulrich „Etze“ Etzrodt (Letzteres ein  Geheimtipp, da müsst Ihr unbedingt hin!).  Natürlich auch um jenseits des Sportelns die Stadt zu genießen.

„Ich bin ein Berliner“ - Wer wie ich im August 1961 geboren und am 13. August getauft wurde  – ich hoffe Ihr habt in Geschichte aufgepasst und wisst, was sich an jenem Tag ereignete – der muss einfach eine besondere Beziehung zu Berlin und zur Historie der Stadt haben. Und so ist jeder Berlin-Marathon mit seiner fantastischen Strecke, seiner mehrfachen Querung der Linie der ehemaligen Mauer eine emotionale Reise in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft, denn Berlin ändert sich und immer gibt es was Neues an der Strecke zu sehen.

 

Vom Rosinenbomber zur Berlin-Vital

 

Am Samstag, etwa 20 Stunden, bevor ich jene Stelle an KM 23 passiere, besuche ich einen anderen historischen Ort. Berlin-Tempelhof.  Nicht nur ein Stadtteil, noch bekannter ist der Flughafen, wohin 1948 während des Berlin-Boykotts der Sowjetunion die westlichen Alliierten die Versorgung für die abgeriegelte Stadt und Bevölkerung einflogen. „Rosinenbomber“ nannte man die Flugzeuge wegen der Lebensmittel, die statt Bomben in die Flieger gepackt wurden. Übrigens nicht nur in Tempelhof, aber Tempelhof ist das Synonym schlechthin für die „Luftbrücke“, an die mit einem Denkmal erinnert wird. Nun ist Tempelhof Historie – die Zukunft heißt BER. Der neue Flughafen in Berlin, dessen Fertigstellung noch länger dauert als die der Hamburger Elbphilharmonie und des Stuttgarter Hauptbahnhofes. Am BER wird aber die Laufstrecke nicht vorbeiführen. Tempelhof passieren wir dagegen auf der Laufstrecke etwa bei KM 19.

 

 

Um Tempelhof zu besichtigen, müsste man allerdings kurz die Strecke verlassen  und etwa 500m lang einen Hügel hinauflaufen. Das will sich sicher niemand während des Berlin-Marathons antun und so ist es gut, dass im leerstehenden Flughafen die Sportmesse Berlin-Vital stattfindet - eine einzigartige Atmosphäre in den Hangars mit Blick auf das Rollfeld. Hier gibt’s die Startnummer (nur persönlich gegen Vorlage des Personalausweises), das Startband fürs Handgelenk (zwecks eindeutiger Identifizierung der Läufer beim Zugang zum Startgelände morgen) und natürlich Sportartikel ohne Ende.  Ich decke mich wie jedes Jahr mit neuen Schuhen ein.

Und Autos gibt’s – aber nur zum Angucken, denn der Hauptsponsor BMW stellt einige Fahrzeuge aus, u.a. einige Elektromodelle, die morgen vor den Führenden her fahren.  Pasta gäbe es auch, aber ich verzichte darauf, denn Andreas, ein sehr guter Freund, der ebenfalls mitläuft, kocht bessere Pasta. Ich verzichte auch auf die Teilnahme am Frühstücklauf vom Schloss Charlottenburg zum Olympiastadion über 6 km am Samstagmorgen und auf das ökumenische Abendgebet am Samstagabend – Ihr seht, es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm, man kann kaum alles mitmachen.

Nicht verzichte ich darauf, beim Stand des Jubilee-Clubs vorbeizuschauen. Was ist das, der Jubilee-Club? Es  ist der Club derjenigen, die mind. 10mal den Berlin-Marathon gefinisht haben. Also 421,95 KM Berlin. Dort bekommt man nicht nur eine besondere „Startnummer“, die am Rücken getragen wird und die Anzahl der Teilnahmen anzeigt, sondern vom netten Standpersonal auch kostenlos Kaffee und Kuchen. Spenden sind willkommen. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit zum Plausch mit anderen Jubilee-Mitgliedern.


Auf der Straße des 17. Juni

 

Genau genommen, des 17. Juni 1953. Ein weiteres wichtiges Datum aus der Zeit der deutschen Teilung. Nein, nicht weil der 17. Juni mal ein westdeutscher Feiertag war, sondern weil … aber Ihr habt ja in Geschichte aufgepasst. Und was treiben wir hier heute am Marathontag? Wir stellen uns, nachdem wir auf dem weiträumigen Versorgungsareal uns vielleicht noch warm gelaufen, umgezogen, eingerieben  und den Kleiderbeutel abgegeben haben (hierfür gibt es Dutzende von Zelten, bei der Suche nach dem Richtigen hilft der Übersichtsplan am Eingang des Areals), zum Start auf. Machen vielleicht bei der Morgengymnastik mit, hüpfen auf und ab, oder meditieren oder unterhalten uns aufgeregt mit dem Nachbarn.  Das geht dann beispielsweise so: „Ich bin schlecht darauf“,  „Und ich erst, mein Training war lausig“. Meist versteht man aber nicht, was gesagt wird, denn alle Welt ist hier versammelt, in diesem Jahr 133 Nationen. Die meisten ausländischen Läufer kommen aus den USA, Großbritannien, China und Dänemark. Nach Müller und Schmidt sind die häufigsten Nachnamen  Li und Wang.

Am lautesten und auffallendsten sind aber die Dänen. Wegen ihrer fast 2000 Teilnehmer wird der Berlin-Marathon auch als der größte dänische Marathon bezeichnet. Spätestens wenn „Sirius“ von Alan Parsons ertönt (Quasi die Marathon-Hymne hier), heißt es Kopf einziehen. Warum? Weil jetzt die nicht mehr benötigte Warmhalteklamotten über die Köpfe an den Rand fliegen.

 

 

Endlich um 09.15 Uhr der Startschuss. Jetzt geht’s los. Nein, wir bleiben stehen. Immer noch. Und immer noch. Jetzt gehen wir ein bisschen. Dann stehen wir wieder. Warum? Weil in Berlin über 40.000 Läufer am Start sind und die werden in Blöcken zeitversetzt losgelassen. Also ein bisschen Geduld mitbringen, derweil kann man auf den Großbildeinwänden ganz gut das Geschehen verfolgen.  Gegen 9.30 Uhr kann dann auch ich die Startlinie passieren. Endlich. Gänsehautfeeling, auch beim 23. Mal ist der Berlin-Marathon wieder etwas Besonderes.

 

Siegessäule und Tiergarten

 

Noch nicht mal richtig angelaufen und schon sind wir bei KM1 wieder in der Vergangenheit angelangt. Großer Stern, ein riesiger Kreisverkehr, für ungeübte Autofahrer ein Graus. Heute fährt hier kein Auto, stattdessen passiert eine nicht enden wollende Läuferschlange die Siegessäule, die mitten im Kreisverkehr steht, auf beiden Seiten.  Die Siegessäule macht, goldig wie sie ist, besonders in der Sichtachse der Straße des 17. Juni mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund schon was her. Errichtet im Kaiserreich zur Erinnerung an gewonnen Kriege, wurde sie 1938 von ihrem ursprünglichen Standort vor dem Reichstag hierher „verpflanzt“.

 

 

Weiter geht es durch den Tiergarten, einer der größten innerstädtischen Stadtparks in Europa und dass ganze Jahr über ein Läufereldorado. Weiter bis zum Ernst-Reuter-Platz bei KM3 und dann… halt, stopp! Wer war das noch, Ernst Reuter? „Völker der Welt, schaut auf Berlin“ rief er 1948 vor dem Reichstag, um die Alliierten zur Aufrechterhaltung der Luftbrücke zur ermutigen und Berlin nicht preiszugeben. Hat funktioniert. Wer weiß, wie sonst alles gekommen wäre….

Aber jetzt heißt es langsam Gas geben, sonst wird das heute nix mehr. Erst 3 Km gelaufen und schon so viel gesehen. Da hilft es, dass es die nächsten Kilometer durch Moabit geht.  Nicht dass dies nicht auch ein interessanter Stadtteil wäre und auf eine bestimmte, urbane, Art auch ein attraktiver, mit dem „Highlight“ der Justizvollzugsanstalt bei KM6. Zuvor gib es die erste Getränkestelle, hier nur Wasser, später kommen auch Verpflegungsstellen mit anderen Getränken und Obst hinzu. Es knirscht, wenn man über hingeworfene geborstene Plastikbecher läuft.

Nach vielen historischen Plätzen sind jetzt bei KM7einige moderne Gebäude in Sicht, wie z. B. der gläserne Hauptbahnhof mit dem neu entstehenden Stadtviertel drum herum, das Bundeskanzleramt und die Abgeordnetenhäuser. Hier ist richtig was los an der Strecke, denn es gibt jede Menge Zuschauer, viele davon sind vom Startgelände hier her gekommen.  Einen netten Kontrast zur modernen Umgebung bilden die zwei Musketiere, die mich gerade passieren. Moment, waren das nicht drei? Ja, der Dritte folgt.

 

Ab durch die Mitte

 

Wir queren mit der Spree die ehemalige Grenze zwischen Ost und West und durchlaufen den Stadtbezirk Mitte. Da begegne ich Günther Hallas. Wer ist das? Liebe Freunde, das wisst Ihr nicht? Eine Legende! Sieger des ersten Berlin-Marathon 1974, damals noch im Grunewald, heute zum 41ten Mal dabei.  Es wird nicht der letzte Berliner Marathonsieger sein, dem ich heute begegne. Kurze Zeit später steht der fröhliche Franzose Michel am Straßenrand. In der Nähe des  Friedrichstadtpalasts bei KM8 sehe ich Asterix und Oberlix, Caesar und einen römischen Soldaten. Tolle Leistung, in diesen Kostümen einen Marathon zu laufen.

In der Torstraße bis KM10 spielt die Musik, womit ich nicht nur meine, dass hier schon erstaunlich viele Zuschauer unterwegs sind, sondern auch schon zahlreiche Bands aufspielen. Das führt mich zu einigen Zahlenspielchen. Oder ist Euch noch zu früh zum Rechnen? Es heißt, dass mehr als 80 Bands aufspielen, weswegen man auch vom Musikmarathon spricht -  also wie groß ist der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Bands und stören die sich nicht gegenseitig? Noch eins: Mehr als eine Million Zuschauer sollen an der Strecke stehen. Wenn die also beidseitig stehen würden und jeder 50cm Platz braucht, in wieviel Reihen würden die Zuschauer stehen? Zurück zur Torstraße, hier erfreut uns ein Drehorgelspieler mit alter Berliner Musik.

 

 

Noch viel mehr Zuschauer gibt es am Alexanderplatz bei KM11 und am Strausberger Platz bei KM12. Nach den schönen alten Häusern aus dem 19. Jahrhundert an der Torstraße, mehr als 50 sind denkmalgeschützt, sind beide Plätze gekennzeichnet durch die typische Architektur der DDR. Während die alte Mitte in der Nähe des Alexanderplatzes dem Bombenkrieg (unter anderem befand sich hier früher das verwinkelten Scheunenviertel) zum Opfer fiel und einem Plattenbauviertel weichen musste, ist die Bauweise am Straußberger gefälliger. Die Unzufriedenheit der Bauarbeiter, die hier unter schlechtesten Bedingungen harte Arbeit verrichten mussten, führten am 17. Juni 1953 zum Aufstand.

Wir sind aber nicht in einem Architektur- oder Politikkurs der Freien Universität Berlin (auch dieser Name symbolisiert die Freiheit von Westberlin, denn die Hochschulen nach dem Krieg waren überwiegend im Ostteil der Stadt angesiedelt), sondern wollen einen Marathon laufen. Nach einer erneuten Spreeüberquerung in Kreuzberg laufen wir bei KM14 über eine gepflasterten Bodenlinie, die den ehemalige Mauerverlauf markiert.

 

Durch den Kreuzberger Kiez nach Schöneberg

 

Bei KM15 am Kottbusser Tor wird es richtig voll an der Strecke. Schön, dass es hier in Kreuzberg richtig multikulti zugeht. Schön auch, dass Anwohner mit Boxen an der Straße oder auf den Balkonen das vielseitige Musikprogramm noch ergänzen. Es folgt die lange Gerade durch den Kiez von KM17 bis KM19 an der Hasenheide (heute gibt’s hier nur Läufer, keine Hasen) zum Südstern (eigentlich ein Platz mit einer Kirche drauf, die sinnigerweise Kirche am Südstern heißt). Ein Passant ruft mir zu, dass ein neuer Weltrekord gelaufen wurde. Ich kann mir schon denken, dass es Eliud Kipchoge ist, aber die Zeit von 2:01:39 kann ich kaum glauben. Den ersten Weltrekord in Berlin lief übrigens vor genau 20 Jahren der Brasilianer Ronaldo da Costa in 2:06:05. Ich war damals schon dabei und habe seitdem alle Berliner Weltrekorde, ich glaube 10 waren es, quasi miterlebt.

 

 

Nun, da die Spitze im Ziel ist, muss ich keine Gedanken mehr an einen Sieg verschwenden und kann in Ruhe der weiterhin endlos geradeausführenden Straße folgen. Endlos gerade Straßen mag ich eher weniger, diese Passage aber schon, wegen der Zuschauer, der Musik (u.a. peruanische mit Panflöten und eine deutsche Drumband) und wegen der Schatten spendenden Bäume. Es folgen die zahlreichen Bahnbrücken an der Yorckstraße bei KM20. Zuschauer überall – gefühlt eine Million, vielleicht kann ich aber nur nicht rechnen…

Nach der Halbmarathon-Marke verlassen wir bald Kreuzburg und erreichen Schöneberg. Aber nicht „Schöneberg im Monat Mai“, wie es 1913 in einer Operette erstmals klang. Wir sind im September, aber das Wetter ist heute so schön wie im Mai. Und Musik gibt’s hier auch an jeder Ecke – nur diesmal etwas soulig. Und hier in Schöneberg, am Rathaus bei KM23 sprach Kennedy  1963 … aber das wisst Ihr ja schon. Just als ich das Rathaus passiere, ertönt die Freiheitsglocke, eine Spende der Amerikaner 1950.  Unbeschreiblich.

Seid Ihr schon mal unter einer Brücke gelaufen, unter der eine Steelband spielt (das sind die mit den Ölfässern). Nein? Dann müsst Ihr zum Berlin-Marathon. KM24, Innsbrucker Platz unter der Stadtautobahn-Brücke. Gänsehautfeeling pur. Wir sind mittlerweile in Friedenau angekommen, wo uns kurz vor KM25 traditionell eine Balkonbeschallung allererster Sahne erwartet. Schaut nach rechts oben, nicht zu überhören und zu übersehen. Auch am Südwestkorso nach KM26 ist richtig was los, diesmal jazzig. Die Anwohner verstehen es zu feiern, bei Cocktails und Wein. Von zwei freundlichen Zuschauerinnen bekomme ich zwar kein Wein angeboten, dafür aber Traubenzucker. Auch gut. Vielleicht sogar besser.

 

Tierisches in Schmargendorf und
städtisches in Wilmersdorf

 

Ein Höhepunkt jagt den anderen: Der Platz am wilden Eber in Schmargendorf bei KM28 ist DER Hotspot vom Berlin-Marathon. Musikbands, Cheerleader, Zuschauer, eine wahre Hölle. Da werden Tote wieder lebendig und Geher können wieder laufen, denn einige hatten schon eine Begegnung mit dem „Mann mit dem Hammer“.

 

 

Ansonsten ist dieses Viertel durch eine schöne Wohnbebauung gekennzeichnet, fast ein dörflicher Charakter, daher auch das „Dorf“ in Schmargendorf. Wohnen dürfte hier nicht ganz billig sein. Dann schon eher auf dem Weg nach Wilmersdorf, über den endlos geradeaus führenden Hohenzollerndamm. Jedenfalls fühlt sich dies nach KM30 recht endlos an, bis wir bei KM32 den Wilmersdorfer Platz erreichen. Hier sind wir wieder mitten in der Großstadt angekommen.

 

Charlottenburg, Ku‘Damm, Berlin, Berlin

 

Bald darauf erreichen wir bei KM34 den Ku‘damm. Nein, nicht Kuh-Damm. Kühe mag es hier vielleicht mal gegeben haben. Aber spätestens nicht mehr seit dem 19. Jahrhundert, als dieses Gebiet in Charlottenburg bebaut wurde und die Straße in Anlehnung an die Vorfahren des damaligen Kaiserhauses „Kurfürstendamm“ genannt wurde, wobei der Name schon älter ist.  Aber wen interessiert das. Bis zum Ende der Teilung (nächste Quizfrage, wann war das?), war der Ku‘damm das Zentrum von Berlin, jedenfalls aus westlicher Sicht. Berlin, Berlin eben. Aber eigentlich ist das ziemlich egal, denn mittlerweile sind doch alle hier im Feld recht müde und freuen sich auf das bald nahende Ziel.

 

 

Am Ende des Ku’damm folgt die Gedächtniskirche. Eigentlich Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Was nach den Bombenangriffen von ihr übrigblieb, gehört zu den   bekanntesten Sehenswürdigkeiten Berlins und gleichzeitig ein Mahnmal, quasi ein Gedächtnis an und gegen den Krieg.

Hier bei KM35 war lange Zeit das Marathonziel. Jetzt geht es weiter über die Tauentzien-Straße am KaDeWe vorbei. KaDeWe muss ich Euch nicht erklären, oder? Gestern war es voll, irre voll, weil offenbar alle Marathon-Touristen dem Kaufhaus einen Besuch abgestattet haben. Sagt jedenfalls Andreas Freundin, und die muss es wissen, da sie dort arbeitet. Heute ist es zu und das Leben tobt auf der Straße.

Wir kommen noch einmal nach Kreuzberg, wo Deutsch-Rap gespielt wird, den Zuschauern und Läufern wird per Megaphon kräftig eingeheizt. Warum vertont man die Fotos nicht? Alles haben die Berliner drauf,  Blasmusik, Rock, Jazz, Drums, dazu Steelbands und zahlreiche DJs, die unermüdlich auflegen. Und alles allererster Sahne, das pusht ordentlich. Manchmal bedaure ich es fast, nicht länger zuhören zu können. So auch jetzt, denn nun geht es in das neue Zentrum von Berlin, dem Potsdamer Platz.

 

Finale: Potsdamer Platz, Gendarmenmarkt
und Brandenburger Tor

 

Hier am Potsdamer Platz bei KM38 wurde auf der Brache des Todesstreifens in den 1990er Jahren ein Einkaufs-, Verwaltungs- und Wohnzentrum auf der grünen Wiese erstellt. Aber an historischer Stelle, denn der Potsdamer Platz war in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts einer der verkehrsreichsten Plätze Europas, weswegen hier 1924 die erste Ampel Berlins errichtet wurde, als Nachbau noch zu sehen.

Heute sind hier viele Ampeln, viele zeigen Rot, interessiert uns aber nicht, denn die Straße ist für uns gesperrt. Außerdem könnte man sie wegen der vielen Zuschauer hier ohnehin nicht sehen… Noch einmal eine Gerade, die Leipziger Straße entlang. Endlos, sagte ich schon, oder? Dann nach einigen Kurven der Gendarmenmarkt, einer der schönsten Plätze Berlin.  Deutscher und Französischer Dom rahmen das Konzerthaus ein. Wir sind zurück in Berlin-Mitte. Gendarmen gibt’s hier auch, wie an der ganzen Strecke, denn Sicherheit wird groß geschrieben. Vielen Dank.

 

 

KM 41, „Unter den Linden“. Hier beginnt praktisch die Zielgerade. Es ist noch einmal richtig was los, bevor wir bei KM42 das Brandenburger Tor durchlaufen. Dieses Tor, auf ehemals östlicher Seite stehend, ist Symbol der Teilung und Einheit gleichermaßen. Gebaut im 18ten Jahrhundert, war es die Begrenzung der Stadt nach Westen hin, zum Tiergarten. Die Szenen, die sich hier am 9. November 1989 und in den folgenden Tagen abspielten (ich war Augen- und Ohrenzeuge). gehen mir nicht aus dem Kopf. Selbstverständlich und unbeschwert (mit der Unbeschwertheit  ist nach 42 Kilometern so eine Sache) passieren wir das Tor.  Wir sind wieder auf der Straße des 17. Juni und werden von unheimlich vielen Zuschauern gefeiert, als hätte jeder von uns einen Weltrekord gelaufen. Naja, Sieger sind wir ja allemal. Und wen treffe ich im Ziel? Ronaldo da Costa, erster Berliner Weltrekordler, heute als Freizeitläufer nach 4:03.59 im Ziel.

Damit schließt sich irgendwie meine Reise durch Stadt- und Sportgeschichte, von alt nach neu, von der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft.  Jetzt heißt es nur noch, die Medaille in Empfang zu nehmen, den Kleiderbeutel wieder abzuholen und sich auf der Wiese vor dem Reichstag in die Sonne zu legen. Ansich wollte ich noch was zur Geschichte des Reichstags erzählen. Aber eigentlich bin ich müde und es ist so angenehm hier in der Sonne zu liegen, vielleicht nächstes Mal. Oder schlagt selbst nach, oder besser noch: Lauft einfach mit!

 

 


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