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Großes Interview mit Trailrunning-Star Kilian Jornet

13.03.18
Quelle: Citybeam-Team

Kilian Jornet zählt zu den derzeit besten Extremsportlern. Doch was steckt hinter einem Menschen, der sich zu immer neuen Rekorden antreibt? In einem Gespräch erzählt Kilian Jornet von seinen Träumen und seinem unerschöpflichen Drang, neue Dinge zu entdecken.

Kilian, würdest du uns noch einmal gedanklich mit zurück auf den  Mount Everest nehmen? Du hast im letzten Jahr den Gipfel zweimal innerhalb einer Woche bestiegen. Beim ersten Versuch, der länger dauerte als geplant, hattest du ein paar Probleme. Dein Team wusste lange Zeit  nicht genau, wo du dich gerade befindest. Ich würde gerne wissen, wie dramatisch die Situation wirklich war und warum du nicht abgebrochen hast. Zudem warst du ohne Sauerstoff da draußen unterwegs. Was ist dir durch den Kopf gegangen?

Kilian: Als ich im Basecamp zu meinem ersten Versuch aufgebrochen bin, habe ich mich sehr gut gefühlt. Bis etwa 7.600 Meter war das Gefühl auch weiterhin sehr gut. Ab dieser Höhe habe ich Magenschmerzen bekommen und ich merkte, es läuft nicht mehr perfekt. Ich bin aber weiter aufgestiegen, um zu sehen, ob es mit der Zeit besser wird. Bei etwa 8.000 Metern wurde mir jedoch klar, dass ich ernsthafte Magenprobleme habe. Dann habe ich für mich abgewogen. Einerseits, dass der Gipfel noch weit weg ist, aber nicht unerreichbar weit. Und anderseits, der Weg zurück ist auch sehr weit, um es dann erneut von unten zu versuchen. Also habe ich mir gesagt: „Okay, ich habe sonst keinerlei körperliche Probleme, fühle mich nicht kalt, ich kann also weitergehen, bis ich merke, dass es zu gefährlich wird. Es war die beste Entscheidung weiterzugehen. Mein Team unten dachte jedoch schon darüber nach, was da wohl los ist. Wir hatten aber keine Möglichkeit der Kommunikation. Dies ist für mich genau der Reiz, den Bergsteigen ausmacht. Dort oben zu sein und seine eigenen Entscheidungen zu treffen, weiterzumachen, auch wenn es nicht die besten Voraussetzungen sind.

 

 
Kilian Jornet 2009 als 22jähriger bei seinem ersten Sieg beim UTMB
© marathon4you.de

 

Da sind also Gefühle der Sorge, mit denen man umgehen muss. Man sollte dort oben genau wissen, was man noch kontrollieren kann. Beschreibe doch bitte einem nicht so bergerfahrenen Menschen, wie sich der Körper in so einer Höhe verhält. Was genau ist der Unterschied, wenn man sich dort oben oder unten am Boden bewegt?

Kilian: Wenn man sich auf 8.000 Metern Höhe bewegt, geht alles langsam. Natürlich treibst du dich weiter voran, du versuchst es zumindest. Du bewegst dich zehn Meter nach vorne, dann hältst  du an und dann gehst du wieder weiter. Man kommt nicht schnell vorwärts, benötigt jedoch jede Menge Energie dafür. Auch mental gesehen ist es sehr hart in dieser Höhe. Die Art zu denken wird stark beeinflusst. Schon eine einfache Rechnung, wie 2 plus 5, dauert sehr lange. Jede Entscheidung, auch die weiterzumachen, wird schwer. Da sind viele Gedanken im Spiel wie zum Beispiel: „Ich möchte nicht mehr leiden, ich möchte zurückgehen, ich möchte umkehren.“ Es ist ein stetiger Kampf zwischen – ich möchte weitergehen und ich möchte umdrehen.

Wenn du einen Moment herausstellen möchtest, an den du dich für immer erinnern wirst. Wäre das ein Moment an dem du gekämpft hast, der Moment auf dem Gipfel, oder der Weg zurück? Es ist ja das eine dort oben hinzukommen, dann aber auch wieder abzusteigen.

Kilian: Der Moment auf dem Gipfel ist einer, an den ich mich sehr gut erinnern kann. Es ist jedoch eher ein Moment der Erleichterung, dort oben angekommen zu sein, keine überschäumende Freude. Man ist froh, dass es nicht mehr weiter raufgeht, nur noch runter. Aber man ist sich auch bewusst darüber, dass es noch sehr weit bis unten ist und immer noch sehr viel passieren kann. Es gab aber auch Momente, wie diesen wunderschönen Sonnenuntergang.

Auf 8.700 Metern einen Sonnenuntergang zu erleben ist unglaublich. Dort zu sein mit einem Gefühl der Zuversicht, mit sich selber im Reinen, die Nacht kommt und zu wissen, dass man die ganze Nacht diese Berge für sich ganz alleine hat … An dieses Gefühl wird man sich wahrscheinlich für immer erinnern. Möchtest du noch einmal zurück zum Everest? Gibt es Pläne in diese Richtung?

Kilian: Ich möchte ganz sicher noch einmal zurückkehren. Interessant war für mich, dass wir es durch eine besondere Vorbereitung für diesen Aufstieg geschafft haben, dass ich mich schneller akklimatisiere. Zudem hatten wir eine gute Strategie und Logistik in den Bergen. Für mich haben sich dadurch neue Möglichkeiten aufgetan, die mich von anderen Projekten träumen lassen.

Jetzt warst du auf dem Dach der Welt. Gibt es noch etwas für dich zu entdecken?

Kilian:  Es gibt noch ganz viele Plätze zu entdecken.

So eine Expedition ist hart,   sowohl physisch als auch mental. Auch für die Menschen, um dich herum. Jeder der dir nah ist, wie deine Familie, aber auch deine Sponsoren, geht damit anders um. Was sagen Familie und Freunden dazu, dass du solche „Ausflüge“ unternimmst? Besprichst du das im Vorfeld mit deiner Familie, oder mit Emelie? Wie willst du das zukünftig handhaben? Emelie sagte, sie sei doch sehr angespannt gewesen …

Kilian: Es war meine Entscheidung, bei dieser Expedition komplett ohne irgendein Kommunikationsmittel auszukommen. Das macht die Erfahrung für mich so unglaublich intensiv. Aber natürlich ist auch das Gefühl für die Menschen zu Hause sehr intensiv. Während meines ersten Aufstieges gab es für etwa 20 Stunden keine Nachrichten von mir. Beim zweiten Aufstieg in etwa für die gleiche Zeit. Für mich war das in der Situation einfacher. Ich war dort draußen unterwegs, war beschäftigt. Aber für alle zu Hause grausam, so viele Stunden ohne irgendeine Rückmeldung  und das bei schlechtem Wetter. Vielleicht dachten sie, ich bin tot. Sicherlich ist das kein gutes Gefühl. Als ich nach Hause zurückkam sagte Emelie zu mir: „Siehst du diese vier weißen Haare, die habe ich dir zu verdanken!“ Ich denke, wir werden in dieser Hinsicht bei den nächsten Expeditionen etwas verändern.

Musst du die Dinge mit der „Chefin“ klären? Entscheidest du nicht alleine?
Kilian: Ein Tracker nur für Familie und Freunde, wäre bestimmt eine sinnvolle Überlegung. Vielleicht auch ein Satellitentelefon. Nicht, um es für Entscheidungen zu benutzen, aber für eine Problemsituation. Oder einfach nur, um zu sagen, dass es einem gut geht.

Was ist an deinem Beruf einzigartig in Bezug auf dich und Menschen, die dir nah sind? Viele verschiedene Risiken müssen berücksichtigt werden.

Kilian:  In meinen Augen ist es eine sehr selbstbezogene Aktivität, die ich ausübe. Man macht es nur für sich, zusätzlich geht man einige Risiken ein. Niemand möchte einen Unfall haben, sich verletzen oder gar sterben. Aber es besteht immer die Möglichkeit. Mit seiner Erfahrung versucht man alles, um dies zu vermeiden. Und natürlich ist es wichtig dabei, an all die Menschen zu denken, die um mich herum sind. Nicht nur an die Familie, sondern auch an mein Team. Viele Menschen unterstützen mich dabei und arbeiten für diese eine Sache. Dieses Verständnis für das Team, für die Familie ist sehr wichtig im Bereich Alpinismus.

Gibt es noch andere Dinge?

Kilian: Man braucht auch eine gewisse körperliche Stärke. Gerade in den schwierigen Momenten hilft diese Stärke. Oder dann, wenn du im Training oder in den Bergen zweifelst.

 

 
Kilian Jornet (2.v.r.) beim Matterhorn Ultraks 2013
© marathon4you.de

 

 

 KILIAN ÜBER PLÄNE UND ZIELE:  
„Man entdeckt immer neue Dinge, die möglich sind.“


Springen wir doch mal zu einem anderen Thema. Für was interessierst du dich neben dem Sport? Hast du überhaupt Zeit für Hobbys? Wie sieht es aus mit Gärtnern? Ein durchaus übliches Hobby in Norwegen.

Kilian: (lächelt) Nein, Emelie  mag Gärtnern  wirklich gerne. Ich helfe ihr dabei, wenn sie mich fragt. Die Leidenschaft dafür ist bei mir nicht so ausgeprägt. Ich liebe es zu fotografieren. Ich schieße gerne Fotos, wenn ich reise oder laufen gehe. Ich lese gerne und beschäftige mich mit allem Möglichen. Zurzeit bin ich verletzt und lese viele Artikel über Physiologie und Psychologie. Diese Wissenschaften interessieren mich.

Viele Menschen sind von den Bergen begeistert. Kannst du uns deine Beziehung zur Natur beschreiben? Ich denke, du hast da einen ganz eigenen Blick. Du genießt auch jede Minute, oder?

Kilian: Viele denken sicherlich, dass wir Wettkämpfer die Natur nicht genießen können, weil wir schnell laufen. Im Jahr laufe ich etwa 20 Rennen und an diesen Tagen schaue ich nicht auf die Landschaft. Aber an den anderen Tagen genieße ich die Natur. Es geht darum, sich als ein Teil dessen zu begreifen. Und in vielen Fällen denken wir Menschen auch, dass wir ein Teil dessen sind. Wir Menschen genießen es, draußen zu sein, suchen die Wildnis. Wenn man dorthin reist, kappt man alle Verbindungen zur gewohnten Umgebung. Eventuell kommt auch ein Gefühl der Angst oder Unsicherheit auf. Das passiert dann, wenn wir nicht wissen, wo beispielsweise der Weg langgeht. Man kommt sich verloren vor. Nach und nach verschwindet diese Sorge. Man fühlt sich großartig und schafft es eine wundervolle Beziehung zur umgebenden Natur herzustellen.

Obwohl du schon ziemlich viel gesehen hast, scheinst du weiterhin mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.

Kilian: Normalerweise renne ich langsam, nicht schnell. Ich halte an den interessanten Stellen an, hole meine Kamera raus. Dann pausiere ich für eine halbe Stunde oder Stunde und genieße es einfach dort zu sein. Es ist sicherlich wichtig, zu trainieren, auch hart zu trainieren. Aber, wenn ich trainiere, dann dauert das in etwa vier Stunden. Man hat also noch 20 Stunden zum Genießen, auf einem Gipfel innezuhalten oder andere Dinge zu tun. Es ist also noch genug Zeit für andere Sachen und das ist auch wichtig.

Während deiner Ultra-Wettkämpfe und dem Training bist viel unterwegs. Wird dir eigentlich auch mal langweilig? Kommt so etwas beispielsweise während einer Trainingseinheit vor? Ganz nach dem Motto: „Augen zu und durch“?

Kilian: Ich trainiere sehr gerne und ich liebe es draußen zu sein. Normalerweise wird mir nicht langweilig bei den Trainingseinheiten. Natürlich gibt es auch diese anderen Tage, vor allem bei schlechtem Wetter. Ich fühle mich dann auch nicht top, aber es muss getan werden. Ich ziehe dann meine Trainingssachen an, absolviere die Stunden, die ich machen muss und komme zurück. Das ist jedoch selten der Fall. Überwiegend ist es so, dass ich aufwache, aus dem Fenster schaue und denke: „Wow, ich möchte dorthin und dorthin.“ Das nutze ich dann als Trainingsmotivation.

Du hast in deinem Sport so ziemlich alles erreicht, bist jetzt 30 Jahre alt. Was setzt du dir für neue Ziele, wo ziehst du deine Grenzen? Oder ist es eventuell so, dass jede neu gemachte Erfahrung dich von neuen Möglichkeiten träumen lässt? Setzt du dich hin und schreibst dir Ziele auf?

Kilian: Ich mag es, die Dinge aufzuschreiben, die ich vorhabe, eine Art Traumliste. Als ich jünger war, war ich immer sehr auf Wettkämpfe fokussiert, ich wollte Rennen laufen. Nach den Wettkämpfen macht man dann jedoch auch andere Sachen. Man reist, trifft Leute. Die Visionen davon, was man in den Bergen alles unternehmen kann, sind sehr vielfältig und unterschiedlich. Man  entdeckt immer neue Dinge, die möglich sind. Dies ist bei mir immer eng verknüpft mit einem neuen Erlebnis. Es gibt so viele tolle neue Möglichkeiten sich in den Bergen aufzuhalten. Die Traumliste wird also immer länger und sie wächst schneller als man die Sachen tatsächlich ausprobieren kann. Das ist schon eine Art Problem. Ich muss also genau auswählen, was ich mache und wo ich hingehe.

Es kommt nicht so häufig vor, dass du ein Rennen nicht gewinnst. Bist du dann enttäuscht, wenn es mal passiert? Oder bist du mehr daran interessiert dich selbst im Wettkampf mit anderen Leuten zu testen, zu sehen, wo dein aktuelles Fitnesslevel liegt?

Kilian: Aktuell sind Wettkämpfe ein gutes Training, um fit zu bleiben. Ohne die Wettkampfsituation  treibt man sich selbst nicht auf diese Art und Weise über so viele Meilen an. Ich mag Wettkämpfe, die guten Wettkämpfe. Ich mag es dort mit meinen Freunden zu sein – es ist ein Spiel, Spaß, nichts zu Ernsthaftes. Ich denke, das ist es, was ich an den Rennen mag. Es ist wichtiger zu scheitern, als Dinge zu erreichen. Wenn man scheitert hinterfragt man sich. Diese Reflexion ist wichtig. Darüber nachzudenken, was man verbessern kann, dass es dann auch funktioniert. Es geht immer darum, ein gutes Gefühl zu haben, um einen Wettkampf genießen zu können. Aber auch darum, sich anzutreiben, ohne es zu wichtig zu nehmen.

Nun, eine knifflige Frage. Wenn du dich selbst beschreiben müsstest. Was sind deine positiven und was sind deine negativen Charaktereigenschaften?

Kilian:Ich denke, positiv ist, dass ich ein sehr optimistischer Mensch bin. Ich sehe immer die guten Seiten. Wenn es ein Problem gibt, sage ich mir: „Okay, jetzt sind wir schon mal hier, also müssen wir auch eine Lösung finden.“ Und ich bin leidenschaftlich, ich liebe meine Leidenschaft. Ich denke, das wären positive Eigenschaften.

Wo kommt diese Leidenschaft her? Bist du dank deiner Familie so aufgewachsen?

Kilian: Ich hatte keine Wahl. Ich wuchs in den Bergen in 1.000 Meter Höhe auf und meine Eltern waren sehr aktiv, sie gingen Bergsteigen und Laufen. Also habe ich schon als Kind damit angefangen.

Und die negativen Dinge?

Kilian: (Überlegt) … Manchmal möchte ich alles kontrollieren. Es ist schwierig für mich, Dinge zu delegieren. Das ist sicherlich negativ. Und manchmal fällt es mir schwer, mich auf eine Sache zu konzentrieren. Gerade dann, wenn zu viele Dinge auf einmal passieren.

Denkst Du an dein Karriereende? Gibt es Dinge, die du danach angehen möchtest?

Kilian: Vor einigen Jahren dachte ich, dass ich meine Karriere eventuell mit 30 oder 35 Jahren beenden werde und dann was ganz anderes mache. Doch je älter ich werde, desto eher denke ich, ich werde niemals aufhören, Rennen zu laufen. Es wird natürlich alles langsamer werden, klar. Aber ich glaube, ich kann dabei den gleichen Spaß wie jetzt haben. Es wird nicht mehr um den Sieg gehen, aber um ein paar schöne Stunden bis ins Ziel. Im Moment interessiert es mich jedoch, auf den Everest zu steigen. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich noch im Alter von 70 oder 80 Jahren damit beschäftigen. Das inspiriert mich. Sie haben immer noch diese Leidenschaft für das Klettern, erleben Dinge, die so wundervoll sind. Ich würde gerne wie diese Menschen sein. Was ich letztlich machen werde, weiß ich noch nicht. Ich mag Fotografie, Physiologie und Training. Ich mag aber auch die Arbeit mit jungen Leuten und andere Projekte, die inspirierend sind. Wie kann man zum Beispiel einen Sport, der sehr Ich-bezogen ist, mehr für die Allgemeinheit verwenden? Als wir in Langtang waren, nach dem Erdbeben, haben wir das mit Medienpräsenz umgesetzt. Wir konnten dadurch anderen Menschen helfen. Es ist ganz sicher wichtig, schon während der Karriere darüber nachzudenken, was danach kommt. Mit dem Sport kann es auf einmal vorbei sein, man kann sich verletzten, einen Unfall haben … Ich muss darüber nachdenken … (lächelt)

 

KILIAN ÜBER SEINEN PARTNER SALOMON
„Schlussendlich ist es eine Familie.“

 

Du hast gerade erst deine Partnerschaft mit Salomon verlängert. Was hat dir das bedeutet, wie betrachtest du diese Partnerschaft?

Kilian: Die Partnerschaft geht über eine gewöhnliche Partnerschaft hinaus. Ich habe Salomon bereits als Teenager mit 14 Jahren kennengelernt. In all den Jahren habe ich die Menschen und die Philosophie von Salomon sehr gut kennengelernt. Wir sind gemeinsam durch die Jahre gegangen. Für mich ist es eine Riesensache, die große Salomon-Familie hinter mir zu wissen. Schlussendlich ist es eine Familie. Viele Leute kenne ich dort seit Jahren. Wenn ich ein Problem habe, kann ich dort anrufen. Es ist also nicht wie eine normale Sponsorenbeziehung, eher freundschaftlich.

Ich würde dich gerne zum Entwicklungsprozess befragen. Du bist bei der Produkt-Entwicklung sehr involviert, vielleicht mehr als andere Athleten. Dein Name wird häufig mit Entwicklungs- Projekten und ähnlichen Dingen in Verbindung gebracht. Wie wichtig ist dir das? Magst du den Prozess, hast du Spaß daran?

Kilian: Ich würde sagen, ich bin ein Equipment-Fan. Zu Hause habe ich einen kleinen Raum, wo ich   alles an Werkzeugen habe, um die Prototypen herzustellen und Dinge zu modifizieren. Ich schneide überall rein, ich arbeite mit den Schuhen. Es ist genial, dass Salomon auch verrückte Ideen verfolgt. Manchmal ist es so, dass ein Entwickler oder ein Athlet ein Idee hat, die zunächst verrückt klingt, es wird aber dann dennoch ausprobiert und weiterentwickelt. Ich fahre gerne nach Annecy. Ich spreche gerne mit den Entwicklern, mit denen, die die Prototypen entwerfen. Ich verbringe Stunden dort, um neue Produkte und Ideen zu entwerfen.

An welchen Innovationen bist du denn beteiligt? Gib uns doch mal einen Einblick, wie muss man sich das vorstellen? Gehst du bei der Bekleidung von dem einen zum anderen Produkt? Wie ist da der Ablauf?

Kilian: Momentan arbeiten wir an einem spannenden Projekt namens ME:sh. Es ist verrückt, dass die Produktion von Schuhen seit Jahren immer mehr oder weniger gleich abgelaufen ist. Bei diesem Projekt geht es aber nicht nur darum, das Produkt zu verändern. Normalerweise wäre die Vorgehensweise diese: lass uns mal besseren Grip verwenden oder diese Schnürsenkel, diesen Schnitt … Aber darüber nachzudenken, Schuhe einfach anders zu machen, das ist interessant.  Es eröffnet eine Vielzahl an Möglichkeiten, beispielsweise im Design. Man kann einzigartige Schuhe entwickeln, abgestimmt auf die unterschiedlichen Füße und Bedürfnisse. Wir stehen gerade am Anfang. Wir setzen uns mit Leuten aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen, nutzen die Erfahrung vieler Experten. Ein Teil dessen zu sein, ist wirklich cool.

Normalerweise gehe ich in Annecy von einem zum anderen. Manchmal starten wir mit den Schuhen, denken darüber nach, was ich für Schuhe für das kommende Jahr gebrauchen könnte. Wir starten damit, was für Grip benötigt wird, nehmen uns das Obermaterial, die Unterseite zur Hand, schauen, was wir modifizieren können. Manchmal denken wir ein bisschen weiter. Was könnte der Schuh der Zukunft sein, für welche Aktivität soll er sich eignen? Für das Laufen oder Radfahren, oder um 100 Meilen, 500 Meilen oder vertikale Strecken zu absolvieren. Was wäre der zukünftige Schuh?

Dann geht es weiter zur Kleidung und ich mache genau das gleiche. Ich denke über Rucksäcke nach, Klamotten, welches Material ist sinnvoll. Einen ganzen Tag damit zu verbringen ist inspirierend und die Dinge werden ja dann auch umgesetzt. Beispielsweise beim Rucksack hatten wir das Konzept, eine Trinkblase in den Rückenbereich zu legen und andere Sachen nach vorne zu packen. An einem anderen Tag hatten wir die Idee, die Trinkblasen einfach nach vorne zu versetzen, man kommt so einfach besser dran. Der Skin Rucksack wurde schließlich auf den Markt gebracht. Das gleiche gilt für Ortholite. Wir brauchten einen Schuh, um unter warmen Bedingungen schnell rennen zu können.

Am Anfang stand nur ein Prototyp, mit dem ich den Western States laufen konnte. Am Ende wurde es ein Schuh, den viele Leute laufen.

 

Das Gespräch führte das Team von Citybeam


Die Marke SALOMON


Salomon, 1947 im Herzen der französischen Alpen gegründet, hat sich dazu verpflichtet, im Bereich Bergsport neue Maßstäbe zu setzen. Salomons innovative Produktentwicklungen ermöglichen es, sich neuen Herausforderungen zu stellen, besser zu werden oder einfach nur Spaß zu haben -  bei allen Outdoor-Aktivitäten. Das Unternehmen produziert und vertreibt Schuhe, Bekleidung und Ausrüstung für eine Vielzahl von Outdoor-Sportarten. Die Produkte werden im firmeneigenen Annecy Design Center entwickelt, wo Ingenieure, Designer und Athleten zusammen an innovativen Lösungen arbeiten.

Progressive Ausrüstung für mehr Freiheit für all jene, die die Natur als große Spielwiese sehen.

www.salomon.com
 

 

 


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