Jo Schindler blickt in einem ungewöhnlich ausführlichen und offenen Interview auf seine 25-jährige Ära als Chef des Frankfurt Marathons zurück, bevor er zum 1. Januar 2027 in den Ruhestand geht.
Der 67-Jährige übernahm die Leitung im Jahr 2002, als ein schwerer Orkan seine erste Edition überschattete und radikale Reformen erzwang. Zu seinen größten Erfolgen zählt der spektakuläre Zieleinlauf in der Frankfurter Festhalle, der heute als emotionales Markenzeichen des Laufs gilt.
Unter seiner Führung entwickelte sich die ehemals krisengebeutelte Veranstaltung zu einem der größten Marathons in Deutschland, der im Jahr 2011 weltweite Aufmerksamkeit erregte, als Wilson Kipsang den damaligen Weltrekord nur um vier Sekunden verpasste.
Neben den sportlichen Triumphen spart das Gespräch auch persönliche und emotionale Rückschläge nicht aus. Schindler berichtet bewegt vom privaten Absturz und der späteren Alkoholkrankheit des kenianischen Rekordsiegers Kipsang. Zudem gibt er Einblicke in die lebensbedrohende Situation 2020, als mit einem Herzinfarkt am Schreibtisch zusammenbrach und ihm eine Mitarbeiterin das leben rettete. Dieses Ereignis und die daraus resultierende verringerte Belastbarkeit gaben letztlich auch den Anstoß, rechtzeitig eine Nachfolgeregelung für die Organisation des Großevents in die Wege zu leiten.
Die Zukunft des Marathons ist derzeit jedoch von einem intensiven Machtkampf um die Austragungsrechte geprägt. Um das Event langfristig abzusichern, verkaufte Schindler seine Agentur motion events an die renommierte Organisation London Marathon Events. Während das bewährte Frankfurter Team unter der neuen operativen Leitung von Holger Kranz fortbestehen soll, drängt eine neu gegründete Frankfurter Sportagentur mit Unterstützung des lokalen Sportkreises als Mitbewerber auf den Plan.
Schindler kritisiert diesen Vorstoß scharf als extreme Selbstüberschätzung und bezeichnet den Versuch, ein solches logistisches Großprojekt ohne Vorerfahrung zu übernehmen, als skandalös. Da die Vergabe städtischer Zuschüsse eine europaweite Neuausschreibung der Rechte ab 2027 zwingend erforderlich macht, stellt sich die Organisation auf eine jahrelange juristische Hängepartie und drohende Klagewellen unterlegener Bieter ein, weshalb eine endgültige Entscheidung sich bis 2029 hinziehen könnte.
Das vollständige und detaillierte Interview mit allen Hintergründen lesen Sie im Originalartikel der Frankfurter Rundschau.