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Blanka Dörfel, die mit dem Groove

26.10.26
Quelle: Pressemitteilung

Triumphlauf in die Festhalle mit Luftsprung gekrönt / Berlinerin verblüfft mit Debüt in 2:20:46 Stunden / Rang zwei trotz reichlich „kalter Fußbäder“ auf der Strecke / Führt der Weg der 24-Jährigen über Frankfurt in die absolute Weltklasse?

Ein famoser Spurt über den roten Teppich in die Festhalle, ein Luftsprung für die Fotografen im Ziel, federnd der Schritt auch noch die Stufen hinab auf dem Weg zur Pressekonferenz. Blanka Dörfel machte am Sonntag den Eindruck, dass sie noch hätte weiter laufen können als 42,195 Kilometer. Und dass sie vom Laufen eh überhaupt nicht genug kriegen kann. Warum auch?

Denn die Botschaft, die Dörfel während und nach ihrem großartigen Auftritt beim Mainova Frankfurt Marathon aussendete, war: Jetzt geht es erst richtig los. Und zwar mit „Groove“, den sie dabei immer spüren will, und „Flow“, in den sie stets geraten will. Man durfte aufgrund ihrer Vorleistungen in diesem Jahr – deutscher Meistertitel über 10.000 Meter auf der Bahn, Halbmarathonbestzeit auf 68:06 Minuten gestellt – einiges erhoffen von der Berlinerin. Aber dass Dörfel bei ihrem Marathondebüt in Frankfurt derart brillierte, verblüffte Experten und Zuschauer gleichermaßen.

Auf Anhieb lieferte die 24-Jährige in 2:20:46 Minuten die zweitschnellste Zeit ab, die je eine deutsche Frau gerannt ist. Nur sieben europäische Läuferinnen waren je schneller als Dörfel. Platz zwei als Topergebnis beim Laufklassiker am Main gab es obendrein.

 

 

Und dass trotz der „vielen kalten Fußbäder“, die das Leichtgewicht auf den nassen Frankfurter Straßen nahm. Es waren Bedingungen, die sie eigentlich überhaupt nicht schätzt. Die sie aber mit Kampfgeist und „Groove“ angenommen hat und in ein Toprennen überführt hat. Trotz der Umstellung nach wochenlangem Aufenthalt im amerikanischen Trainingslager in Boulder (Colorado), wo Dörfel überwiegend bei Temperaturen von 20 bis 30 Grad trainiert hatte.

Die lange Zeit nasskalten Bedingungen haben auch sie Zeit gekostet. „Ich hatte im letzten Teil des Rennens in Armen und Händen kein Gefühl mehr, so dass ich auch keine Verpflegung mehr greifen konnte. Meine Beine waren auch kalt“, erzählte Dörfel. Aber zu dem Zeitpunkt im Rennen war sie längst im Flow, arbeitete sich im Rennen immer weiter nach vorn. Letztlich war nur die äthiopische Siegerin Zeineba Yimer (2:19:45) für sie bei ihrem unbekümmerten wie forschen und frischen Auftritt nicht mehr einzuholen.

Schon unterwegs, gerade auf den „harten letzten fünf Kilometern“, genoss sie die Unterstützung der Zuschauer am Streckenrand sehr. Dörfels Einlauf in die Festhalle geriet dann zu einem umjubelten Triumphlauf auf dem roten Teppich. „Erst in der Festhalle habe ich die 2:20 gesehen und gemerkt, wie schnell ich bin“, sagte sie strahlend. Im Rennen und selbst im Training rennt die Berlinerin stets ohne Uhr.

Der Mainova Frankfurt Marathon war ein aufsehenerregender Schritt für sie auf die große Marathonbühne. Und doch nur ein erster, wie ihr Trainer Dieter Hogen betont. „Wenn man Richtung Weltklasse gehen will, muss man klar unter 2:20 Stunden laufen, sonst ist man sehr weit weg“, sagt der 73-Jährige. „Den meisten fehlt dafür die Schnelligkeit über die kürzeren Distanzen. Zeiten von unter 14:30 über 5.000 Meter und unter 30:00 sind notwendig.“

Hogen hat in seiner langen Trainerlaufbahn schon bedeutende Athleten zu großen Erfolgen geführt. Darunter einige afrikanische und in den 1990er Jahren auch die deutsche Ausnahmeläuferin Uta Pippig. „Sie ist eine Ikone des Marathons und hat ein richtig tolles Mindset“, sagt Dörfel. „Aber ich möchte nicht in irgendwelche Fußstapfen treten, sondern meine eigenen formen.“

Dörfels Parforceritt über das Frankfurter Pflaster war zugleich ein besonderes Abschiedsgeschenk für Jo Schindler in seiner letzten Veranstaltung als Renndirektor nach 25 Jahren. „Ich bin spätestens seit ihrem tollen Auftritt beim Gutenberg Halbmarathon Mainz, den wir ebenfalls organisieren, ein großer Fan von Blanka. Sie hat eine tolle Zukunft im Marathon vor sich. Wir sind stolz, dass wir ihr in Frankfurt eine tolle Bühne für ihr Debüt über 42,195 Kilometer bieten konnten“, sagte Schindler.

Im Blickpunkt der 43. Ausgabe der Traditionsveranstaltung stand natürlich vor allem der Dreikampf der Giganten: Amanal Petros, Richard Ringer und Samuel Fitwi, die drei besten deutschen Marathonläufer aller Zeiten vereint in einem Rennen auf Rekordjagd – so etwas hatte es noch bei keinem Citymarathon gegeben. Letztlich konnte nur Petros in den spannenden Kampf um den Sieg eingreifen, erreichte beim Erfolg des Äthiopiers Jirata Dinki (2:05:26) nach starker Vorstellung in 2:05:46 Rang zwei.

Amanal Petros war übrigens auf die Sekunde genau eine Viertelstunde vor Blanka Dörfel im Ziel. Die Berlinerin resümierte derweil, dass bei besseren Bedingungen noch mehr drin gewesen wäre. „Ich denke nach vorne - nächstes Mal ist es vielleicht wärmer, dann kann ich noch ein bisschen schneller laufen“, sagte sie. Eine Rückkehr zum Mainova Frankfurt Marathon am 31. Oktober 2027? Natürlich nicht ausgeschlossen. Solch ein großartiger Einlauf in die Festhalle, wie Dörfel erlebt hat, kann süchtig machen.

Am Montagvormittag ist sie im Gym des Frankfurter Hotels, in dem die Topathleten untergebracht sind, schon wieder auf dem Laufband gesichtet worden. Vielleicht noch nicht wieder im „Flow“ nach dem Kraftakt tags zuvor. Aber gewiss mit reichlich „Groove“.

 

 

Informationen: Mainova Frankfurt Marathon
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