Berlinerin mit exzellentem Debüt als zweitschnellste Deutsche aller Zeiten in 2:20:46 / „Der Anfang einer großen Karriere“ / Amanal Petros starker Zweiter in einem spannenden Männerrennen / Abschied von Renndirektor Jo Schindler nach 25 Jahren
Blanka Dörfel hat mit einem außergewöhnlichen Marathon-Debüt für Aufsehen gesorgt beim Mainova Frankfurt Marathon. Hinter der äthiopischen Siegerin Zeineba Yimer, die bei nassen und windigen Bedingungen in 2:19:45 Stunden triumphierte, lief die Berlinerin als Zweite nach 2:20:46 ins Ziel und wurde damit auf Anhieb zur zweitschnellsten deutschen Läuferin aller Zeiten über die 42,195 Kilometer. Auch im europäischen Vergleich ist ihr Ergebnis eine Topzeit: Die 24-Jährige sortierte sich in der kontinentalen Allzeit-Liste sogar auf Rang acht ein. Platz drei belegte in Frankfurt Beriha Gebreslasie (Äthiopien) mit 2:22:46.
Im Rennen der Männer triumphierte überraschend Jirata Dinki. Der Äthiopier war nach 2:05:26 im Ziel in der Frankfurter Festhalle und verhinderte damit einen deutschen Triumph. Mit einem starken Rennen wurde Amanal Petros Zweiter in 2:05:46. Der Europameister ist der erste deutsche Läufer in diesem Jahrtausend, der beim Mainova Frankfurt Marathon einen Podest-Platz erreichte. Dritter wurde mit Benard Biwott (Kenia) der Sieger des Rennens von 2024 mit 2:06:23. Richard Ringer belegte in 2:07:07 Platz fünf, Samuel Fitwi wurde Siebter mit 2:08:57. Drei deutsche Läufer in den Top 8 gab es in Frankfurt seit den 1990er-Jahren nicht mehr.
Für den 43. Mainova Frankfurt Marathon hatten sich mit 19.720 Läuferinnen und Läufern aus 128 Nationen so viele Menschen wie nie zuvor angemeldet. Über das gesamte Rennwochenende bewegte der Laufklassiker am Main 32.820 Menschen.
Der 43. Mainova Frankfurt Marathon markierte zugleich den letzten Einsatz von Renndirektor Jo Schindler nach 25 Jahren. Zudem war die diesjährige Ausgabe das erste Rennen des Mainova Frankfurt Marathon als Teil der neu gegründeten European Marathon Classics.
Zeineba Yimer aus Äthiopien und Blanka Dörfel prägten das sportliche Geschehen beim Mainova Frankfurt Marathon 2026. Yimer wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann in 2:19:45 Stunden souverän. Die 28-Jährige übernahm von Beginn an die Führung und wurde zunächst nur von ihrer Landsfrau Siranesh Yirga begleitet. Von Kilometer 30 an konnte diese das Tempo nicht mehr mitgehen. Obwohl Yimer auf den letzten Kilometern hart kämpfen musste, brachte sie den Sieg ins Ziel. Ihre Zeit ist die sechstbeste einer Läuferin in der Geschichte des Frankfurter Rennens.
„Ich habe gehofft, dass ich gewinnen werden. Das Wetter hat es nicht gut mit uns gemeint, aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung“, sagte sie.
An zweiter Position gelang der 24-jährigen Blanka Dörfel (Berlin Athletics CC) in 2:20:46 Stunden ein sensationelles Debüt. Unbekümmert und mit rundem Schritt löste sie sich aus einer zehnköpfigen Verfolgerinnengruppe. Ab der Halbmarathonmarke verkürzte sie kontinuierlich den Abstand zur Spitze. Ab Kilometer 27 konnten ihre unmittelbaren Konkurrentinnen nicht mehr folgen. Bei Kilometer 33 übernahm Dörfel Platz zwei und behauptete diese Position bis zum umjubelten Zieleinlauf auf dem roten Teppich in der Festhalle.
„Ich bin sehr happy. Dass jetzt eine 2:20 als Ergebnis dasteht, ist toll. Die nasse Strecke war eine Herausforderung, ich hatte viele Fußbäder. Bis zum Halbmarathon habe ich mich super gefühlt, danach wurde es ein kleines bisschen anstrengender. Die letzten fünf Kilometer waren dann hart für mich. Ich laufe auch im Training ohne Uhr und nur nach Gefühl, nicht nach Zeit. Es war für mich immer ein Fragezeichen, welche Zeit möglich ist. Erst in der Festhalle habe ich die 2:20 gesehen und gemerkt, wie schnell ich bin“, erzählte Dörfel. Und: „Ich fand das Publikum toll. So viele Leute haben geschrien ‚Blanka, lauf!‘ Es war ein super Tag.“
Nach Dörfels Topleistung müssen mehrere Bestenlisten umgeschrieben werden: Mit ihrer Zeit ist sie die zweitschnellste deutsche Marathonläuferin aller Zeiten. Nur Irina Mikitenko war 2008 in Berlin mit 2:19:19 Stunden schneller. In der europäischen Allzeit-Liste liegt Dörfel auf Rang acht. Zudem erzielte sie die deutsche Jahresbestzeit 2026 und sie ist die zweitschnellste Europäerin des Jahres – nur knapp hinter der finnischen Europameisterin Alisa Vainio (2:20:39).
Ihr Rennen bedeutet zudem das schnellste Marathondebüt einer deutschen Läuferin – bisher 2:23:57 von Melat Kejeta in Berlin 2019. Zudem ist sie nun mit großem Abstand die schnellste Deutsche in der Geschichte des Mainova Frankfurt Marathons. Diese Position hatte bisher Fate Tola mit 2:25:42 aus dem Jahr 2016 inne. „Das war der Anfang einer großen Karriere“, sagte Philipp Kopp, Sportlicher Leiter des Mainova Frankfurt Marathon.
Nach dem Start schlug die Spitzengruppe der Männer ein Tempo ein, das ungefähr im Bereich des deutschen Rekordes lag. Der Europameister und Vize-Weltmeister Amanal Petros (Hannover 96), der die Bestmarke mit 2:04:03 Stunden hält, und Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier) wollten den Rekord angreifen. Und auch Richard Ringer (LC Rehlingen) lief vorne in einer großen Gruppe mit. Doch es wurde recht schnell klar, dass die ungünstigen Wetterbedingungen keine Rekorde möglich machen würden. Bei Kilometer 10 deutete die Durchgangszeit von 29:55 Minuten bereits auf eine Zielzeit von etwas über 2:06 Stunden hin. Der Halbmarathon-Punkt war dann nach 63:01 Minuten erreicht.
In der Folge entwickelte sich kein superschnelles Rennen, aber ein sehr spannendes. Es waren Amanal Petros und Benard Biwott, die rund zehn Kilometer vor dem Ziel das Tempo verschärften und einen kleinen Vorsprung herauslaufen konnten. Zu diesem Zeitpunkt fiel Samuel Fitwi, unter muskulären Problemen leidend, zurück, während Richard Ringer versuchte, Anschluss an die beiden führenden Läufer zu finden. Doch der Europameister von 2022 kam nicht an das Duo heran und fiel in der Folge auch weiter zurück. Jedoch machte ein anderer Läufer immer weiter an Boden gut auf das Spitzenduo: Der 24-jährige Jirata Dinki, der mit einer Bestzeit von 2:08:18 ins Rennen gegangen war, schloss nach rund 37 Kilometern auf.
Nun startete Amanal Petros einen kraftvollen Vorstoß und es sah so aus, als ob der Vize-Weltmeister das Rennen gewinnen könnte. Benard Biwott war geschlagen, aber wiederum kam Jirata Dinki zurück und ergriff dann seinerseits die Initiative. „Ihn hatte ich nicht auf der Rechnung“, sagte Amanal Petros, der sich rund zwei Kilometer vor dem Ziel endgültig geschlagen geben musste. Nur zweieinhalb Monate nach einem extrem harten EM-Rennen fehlte dem Europameister die Kraft, um noch einmal an Jirata Dinki heranzukommen.
„Ich habe es versucht, aber es war klar, dass es nichts wird mit dem Rekord. Dann habe ich wohl etwas zu früh attackiert - daraus werde ich lernen. Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber so ist es im Marathon“, sagte Amanal Petros, der aber als Zweiter mit 2:05:46 die mit Abstand schnellste Zeit eines deutschen Läufers in der Geschichte des Mainova Frankfurt Marathons erreichte.
„Das Wetter war nicht optimal, daher bin ich vorsichtiger angelaufener. Ich war mir aber sicher, dass ich ein gutes Rennen laufen würde. Das ist ein sehr großer Sieg für mich“, sagte Jirata Dinki, der in seinem dritten Marathon den mit Abstand größten Erfolg seiner Karriere feierte.
Philipp Kopp schätzt die gezeigten Leistungen sehr hoch ein. „Die Zeiten bei diesem Wetter sind sehr stark. Es wäre vielleicht eine Minute oder eineinhalb Minuten mehr möglich gewesen“, sagte der Sportliche Leiter.
Renndirektor Jo Schindler beging nach 25 Jahren an der Spitze sein letztes Wochenende als Kopf der Veranstaltung. Mit Holger Kranz steht vom 1. Januar an sein Nachfolger als Geschäftsführer der Agentur motion events bereit.
„Ich werde weiterhin als Berater für das Rennen zur Verfügung stehen und mich darum kümmern. Ich freue mich auf die Zeit, die kommt. Wir haben mit London Marathon Events einen großartigen strategischen Partner gefunden und mit Holger Kranz kommt ein Nachfolger, der die Veranstaltung hervorragend entwickeln kann. Ich gebe mit, dass der Laufsport viel Liebe braucht, und dass man die Menschen, die es machen, verstehen muss. Letztendlich geht heute eine schöne Reise zu Ende“, sagte Schindler.
Ferdinand Huhle, Leiter Konzernkommunikation und Public Affairs der Mainova AG: „Wir haben großen Sport mit viel Begeisterung an und neben der Strecke gesehen. Die Energie, mit der zehntausende Läuferinnen und Läufer auf die Strecke gegangen sind, hat mich sehr beeindruckt. Der Mainova Frankfurt Marathon hat eine großartige Entwicklung genommen.“