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Laufberichte

Die Kunst, einen Marathon zu zelebrieren

 

Nie wieder tue ich mir das an. Das gelobte ich mir, als ich beim zweiten Marathon meines Lebens anno 2003 völlig platt, mehr krabbelnd als laufend die Wiener Hofburg erreichte. Kein Wunder bei 30 Grad im Schatten. Ende Mai war das damals. Bei allem Elend und Frust über die Hitze und eine Finisherzeit, die so gar nicht meinen damaligen Ambitionen entsprach, klingt dennoch bis heute auch ein anderes Gefühl nach: der Stolz, es trotzdem geschafft zu haben. Und die Erinnerung an einen Lauf, der vom Start bis ins Ziel ein überaus beeindruckendes Erlebnis bot.

Nun bin ich wieder da, 16 Jahre und 100 Marathons später, ein paar Erfahrungen und weitere Entbehrungen reicher. Anfang April ist es nun. Die Veranstalter haben ein Einsehen gehabt und den Vienna City Marathon (VCM), Österreichs Marathontor zur Welt, deutlich in Richtung Frühjahr und damit zeitlich vor die anderen großen europäischen City-Marathons verschoben.

 

Kaiserschmarrn zur Einstimmung

 

Nicht, wie damals, mit dem Auto, sondern bequem und deutlich günstiger mit dem Fernbus rolle ich in fünfeinhalb Stunden von München an. Das Vienna International Busterminal in Erdberg ist direkt mit dem U-Bahn-Netz verbunden und so ist auch das weitere Fortkommen in Wien unkompliziert. Vor allem ist direkt am Terminal eine Shuttlebusverbindung zum ersten vormarathonischer Anlaufpunkt eingerichtet: Der Marx Halle. Die einstige Rinderhalle am Zentralviehmarkt in Sankt Marx ist heute eine „der“ Konzert- und Event-Locations Wiens. Und bietet auf 224 mal 114 Metern auch genug Auslauf für die zweibeinige Herde, die hier - erstmals in der VCM-Historie - zum Pflichtprogramm, der Abholung der Startunterlagen, an den beiden Tagen vor dem Lauf eintrudelt. Schnell und unkompliziert geht das. Im Anschluss lädt die Vienna Sports World mit 150 Ausstellern zum Bummel ein.

 

 

Das Highlight im Vorprogramm ist ohne Zweifel die Pasta-Party am Samstagnachmittag. Die hat in Wien nichts mit drögem Messehallencharme, verkochter Billigpasta und Wegwerfplastik zu tun. Schon 2003, damals im Kursalon am Stadtpark, wurde sie als besonders eindrückliches Erlebnis zelebriert. Mittlerweile ist die Location in den Festsaal des Wiener Rathauses verlegt. Beim Anblick des neogotischen Zuckerbäckerbaus fühle ich mich gleich in meine Heimatstadt versetzt: Das Münchner Pendant wirkt zumindest auf den ersten Blick fast wie ein Klon. Schon beim spitzgewölbten Aufgang zum Festsaal fühlt man sich unversehens in eine mitteltalterliche Zauberwelt ersetzt. Aber das ist nichts gegen den Prunk und die Pracht, die einem im Festsaal entgegen schlägt. Bei klassischer Musik, live natürlich, hat man, unter ausladenden Kronleuchtern an zahllosen runden Stehtischen Tischen tafelnd, die Wahl zwischen vegetarischem Pastagericht und Kaiserschmarrn mit Zwetschenröster. Die Kehrseite: Mit 12 € pro Gericht, und das auch nur im Onlinevorverkauf, setzt der VCM auch preislich Maßstäbe. Aber wer um die 100 € für einen Marathonstart hinblättern kann, den wird das kaum abschrecken. Sollte es auch nicht: Der Erlebniswert ist ungleich höher. Und vom Kaiserschmarrn im Wiener Rathaus kann man noch den Enkeln erzählen.

Draußen, auf dem Gelände des Rathausplatzes und zu Füßen des berühmten Burgtheaters wird derweil noch emsig am Zielgelände gewerkelt. Gewaltig ist die Zelt- und Pavillonstadt, die hier entsteht, beeindruckend der von Videoscreens und Zuschauerrängen gesäumte Zieleinlauf. Immerhin 40.500 Teilnehmer aus 125 Ländern haben sich 2019 für einen der acht Bewerbe gemeldet. Und man spürt auch hier: Dem Nimbus der Stadt entsprechend will Wien eine außergewöhnliche Marathoninszenierung bieten. Noch am Samstag Spätnachmittag gehen die ersten Bewerbe, insbesondere der 10 km-Lauf, „über die Bühne“. Sozusagen als Generalprobe für die große Show am Sonntag.

 

Auf die Plätze ….

 

Sinn für stilgerechte Inszenierung zeigt der Veranstalter auch am Start: Die breite Wagramer Straße, die die Skyline des UNO-Viertels durchschneidet, bietet ausreichend Kapazität für das imposante Starterfeld. Dieses so wienuntypische Quartier, mittlerweile auch vom Big Business entdeckt, verdankt seine Existenz dem Umstand, dass Wien einer der weltweit vier Sitze der Vereinten Nationen ist. Und die hat bekanntlich richtig viele Institutionen.  

Mit der U1 ist das Startgelände gut erreichbar, wobei man sich bei der Anreise am Sonntagmorgen auf kuschelige Verhältnisse einstellen sollte. An der frischen Luft ist das Gedränge jedoch schnell vergessen, ganz im Gegenteil, es pfeift uns ein kalter Wind um die Ohren. So lasse ich mir bei der Abgabe meines Kleiderbeutels Zeit, ehe ich die lange Karawane der LKW nach dem für mich zuständigen suche.  Alles ist perfekt organisiert – so wie ich es auch in Erinnerung habe.

 

 

Jetzt muss man nur noch den gemäß avisierter Zielzeit zugeteilten Startblock finden. Sechs sind es an der Zahl, sich auf beide Fahrbahnseiten verteilend. Dank großzügiger Raumnutzung stellt sich nie das Gefühl der Enge ein, auch wenn es etwa 30.000 sein dürften, die sich im kilometerlangen Startkorridor sammeln. Dabei sind die Marathonis mit „nur“ etwa 7.000 eine Minderheit; geschätzt mehr als doppelt so viele begnügen sich mit dem Halben. Und mit etwa 3.000 stellen auch die Marathonviererstaffeln ein starkes Kontingent.

Inmitten einer mal pathetisch, mal rockig-poppig hallenden Klangwolke aus Musik und Moderatorentalk harren wir dem Start entgegen. Ein spezielles Erlebnis ist, als ein riesiges, mindestens hundert Meter langes und die volle Straßenbreite überspannendes Transparent langsam von den Läuferhänden über die Köpfe hinweg nach hinten geschoben wird. Alles für die große Show: Denn über uns kreisen die Hubschrauber, die die imageprägenden Bilder vom Start dieser Bombastveranstaltung hinaus in die Welt tragen sollen.

 

Start über die Donau

 

Um kurz vor 9 Uhr ist es soweit. Stilvoll akustisch untermalt von Johann Straussens Donauwalzer darf als erstes der Elitekreis auf die Piste. Dabei sind die ostafrikanischen Spitzenläufer mehr oder weniger unter sich. Über eine Videoleinwand sehen wir sie davon eilen. Die Blöcke 1 und 2 brauchen nicht lange warten: Um Punkt 9 Uhr ertönt der Startschuss für die erste große Startwelle. Alle anderen müssen sich noch in Geduld üben und werden mit allerlei Hands-Up-Animation bei Laune gehalten. Eine Viertelstunde später heißt es dann für die Blöcke 3 und 4 „go“. Bei dieser zweiten Startwelle bin ich dabei, auch wenn es ein Weilchen dauert, bis ich mich im Pulk bis zur Startlinie vorgetastet habe und exakt jenseits dieser Linie aus dem Steh- und Geh- in den Laufmodus wechseln darf.

 

 

Gleich die erste Passage wartet mit einem besonderen optischen Appetizer auf: Der Querung der Donau über die Reichsbrücke. Frisch wie wir sind ist der leichte Anstieg kaum zu merken, jedenfalls weniger als der Schwung, den wir beim Brückenabgalopp erhalten. Wunderbar ist vor allem im Scheitelpunkt der Panoramablick in alle Himmelrichtungen: Zur linken und rechten über den breiten, trägen, durch die langgestreckte Donauinsel geteilten Fluss, dazu die City vor und das UNO-Ensemble hinter uns. Der Wow-Effekt gebührt aber dem Blick über die Menschenmassen, die in diesem Moment die Brücke überfluten.

Über die Lassallestraße geht es zunächst schnurgeradeaus weiter in Richtung Innenstadt, ideal, um trotz der Massen relativ entspannt in Schwung zu kommen. Erst nach 2,5 km erwartet uns der erste Streckenknick. Am siebenstrahligen Verkehrskreisel des Praterstern zweigen wir nach links ab. Direkt hinein geht es von hier in den Prater, Wiens berühmten Stadtpark. Gleich zu Beginn grüßt das schon 120 Jahre alte Riesenrad. Spätestens seit seinem Gastauftritt im „Der dritte Mann“ ist es eines der weltweit bekannten Markenzeichen der Stadt.

Und wieder folgen wir einer wie mit dem Lineal gezogenen Geraden. Gute zwei Kilometer währt der Jog entlang der Hauptallee durch das zart frühlingshafte Grün. Dann endet unser erster Schnupperausflug durch den Park. Weiter werden wir gelotst bis zum Donaukanal. Dessen begrünte Uferstraße bildet ab km 5,5 einen weiteren entspannten Laufparcours.

Erst bei km 9 setzen zum Sprung ans andere Ufer an und gelangen damit direkt auf die Ringstraße, die Wiens Altstadt hufeisenförmig umschließt. Einst heftig umstritten ist die vier Kilometer lange, 57 Meter breite, von altem Baumbestand gesäumte Ringstraße mit ihren zahllosen pompösen Repräsentierbauten aus den Bereichen Regierung, Kunst und Wissenschaft heute eine der Hauptattraktionen der Stadt. Und wir als Läufer haben das Privileg, diese ansonsten dicht befahrene Straße ganz für uns allein in weiten Teilen im Laufschritt erleben und auf ihr auch ins Ziel einlaufen zu dürfen - auch das ohne Zweifel ein Zeichen der Wertschätzung der Stadt für ihren Marathon. Vorbei führt uns der Weg zunächst am Museum für angewandte Kunst und dem Stadtpark, sodann in einem Knick via Kärtnerring den zentralen Highlights des Ring entgegen.

 

Ausflug nach Schönbrunn

 

Eines dieser Highlights ist die monumentale Staatsoper, seit 150 Jahren eines der größten Opernhäuser dieser Welt. Just hier, kurz vor km 11 verlassen wir - vorerst - den Ring. Ein längerer Ausflug ist angesagt, tief in den Südwesten der Stadt hinein, dem besucherzahlenmäßig größten Magneten der Stadt entgegen.

Via Operngasse gelangen wir auf die Linke Wienzeile, eine der bekanntesten Ausfallstraßen Wiens. Dieser nun fünf Kilometer folgend haben wir Gelegenheit, auch Facetten Wiens jenseits von Pomp und Gloria kennenzulernen. Weiterhin von seiner Schokoladenseite präsentiert sich die Stadt jedoch zu Beginn: Mit der Secession, dem Ausstellungsgebäude der gleichnamigen Wiener Künstlervereinigung, dürfen wir ein spezielles Stück Wiener Kultur- und Kunstgeschichte erleben. Der wuchtige weiße Bau mit der vergoldeten Lorbeerblätterkuppel ist das vielleicht markanteste architektonische Beispiel des Wiener Jugendstils.

 

 

Mit dem Naschmarkt direkt im Anschluss erreichen wir eine weitere Wiener Institution, auch wenn diese im Moment noch im sonntäglichen Dämmerschlaf verharrt. Er ist der größte, traditionsreichste und auch bekannteste der Wiener Märkte. Von Ramsch und Trödel über klassische Marktstände mit Frischware und Spezialitäten bis zu Gastrobetrieben jeder Provinienz reicht das Angebot auf dem langgezogenen Gelände, das zu unserer Linken vorüber zieht. Vor allem abends mutiert der Markt zur wohl angesagtesten Fressmeile der Stadt.

Die großbürgerlichen Häuserfassaden werden zunehmend rarer, das Straßenbild zunehmend beliebig und monoton. Einfacherer und neuzeitlicher, eben „normaler“ Wohnungsbau, gemischt mit Gewerbebetrieben bestimmen zunehmend das Bild. Das ändert sich erst wieder nach 15,5 km. Menschenmassen in gespannter Erwartung säumen dichtgedrängt die Straße. Des Rätsels Lösung: Die erste Wechselstelle der Staffelläufer ist erreicht. Noch mehr Stimmung an der Strecke, und dieses Mal in Form von „richtigen“ Zuschauern, dürfen wir kurz darauf erleben, als sich endlich das Ziel unseres Ausflugs vor unseren Augen auftut: Der barocke Palast des Schloss Schönbrunn. Die einstige kaiserliche Sommerresidenz ist Unesco-Weltkulturerbe und kann sich rühmen, in ihrem weitläufigen Park den weltweit ältesten noch existierenden Tierpark zu beherbergen.

Wir bleiben allerdings in vornehmer Distanz zum Schloss. Nur ein paar ferne Blicke sind uns vergönnt, dann wechselt am westlichsten Streckenpunkt die Laufrichtung. Und wieder geht es über Kilometer immer geradeaus, nun der Stadt entgegen, aber einer Straße folgend, die an Renommee und Bedeutung ganz weit oben steht: Der Mariahilfer Straße.

 

Zwischen Shopping und Museen

 

Zu Anfang deutet sich das im eher schlichten Umfeld nur zaghaft an. Dann wird es zunehmend bunter und lokalitätenträchtiger. Und schließlich bildet sich das heraus, was den Ruf dieser Straße ausmacht: Den der größten und längsten Einkaufsmeile Wiens. Auch wenn die Geschäfte geschlossen haben, so ist doch recht viel los hier. Das schöne Wetter trägt ohne Zweifel dazu bei, dass die Straßencafes voll sind und die Lust am Stimmungmachen auch neben der Strecke steigt. Noch angenehmer macht den Run, dass es leicht abschüssig dahin geht.

So vergehen die Kilometer im Nu und wir erreichen den – im Sinne des Wortes – wegweisenden Kilometer 20. Hier endet die Maraihilfer Straße am MuseumsQuartier Wien, einem architektonisch wie thematisch höchst abwechslungsreichen Sammelsurium verschiedenster Museen, das für uns aber leider nur in Ausschnitten sichtbar wird. Aber Augen und Gedanken haben die Läufer hier ohnehin für etwas ganz anderes.

 

 

Direkt dort, wo der weitläufige Museumsplatz auf die Mariahilfer Straße stößt, signalisieren zwei aufgeblasene Torbögen und viel Lärm drum herum: Wir haben die Weiche erreicht, jene Stelle, an der sich das Läuferfeld aufspaltet und die Halbmarathonläufer via Ringstraße ins nicht mehr ferne Ziel abgeleitet werden. Für die Marathonis stellt sich die Gewissensfrage: Will ich, soll ich, kann ich? Denn sie haben die freie Wahl, durch das blaue Tor schreitend hier und jetzt „Erlösung“ und Eingang in die Wertung des Halbmarathons zu finden oder – das rote Tor nehmend - Freud und Leid der zweiten Marathonhälfte zu erleben. Es ist schön, dass es diese Option gibt. Aber zumindest ich sehe niemand, der sie wirklich zieht.

Nirgendwo sonst wird die Dominanz der Halbmarathonläufer deutlicher als hier. Die Masse zieht geradeaus weiter, der weitaus kleinere Teil fließt nach links ab auf den Museumsplatz. Im ersten Moment etwas seltsam, aber nicht unangenehm fühlt sich die plötzliche Weiträumigkeit an. Einsam ist es auf dem breiten Laufkurs weiterhin nicht. Und die Kulisse verspricht ohnehin jede Menge Abwechslung. Sightseeingmäßig geht es über den lang gezogenen Museumsplatz hinweg Schlag auf Schlag weiter.

Vor allem die baugleichen, durch eine gepflegte Parkanlage getrennten Riesenpalazzi des Kunst- und des Naturhistorischen Museums zur Rechten dominieren das Blickfeld. Zur Linken verhindert ein langer Gebäuderiegel den „Durchblick“ hinein ins Museumsquartier und damit etwa auf den kalksteinweißen Würfel des Leopold Museums oder den Basaltklotz des Museums moderner Kunst. Am Volkstheater und weiteren Prachtbauten wie dem Palais Auersperg vorbei gelangen wir schließlich zur Rückseite des Rathauses, wo  - wie auch alle fünf Kilometer – fiepende Zeiterfassungsmatten signalisieren: Exakt die Hälfte ist geschafft. Ein paar Schritte weiter, entlang der Universitätsstraße, wartet bereits der nächste Riesenpulk der Staffelläufer auf Ablösung.

 

 

Entlang des Donaukanals

 

Die inmitten eines weiträumigen Platzes exponiert thronende Votivkirche signalisiert das vorläufige Ende unseres Trips entlang der Monumente herrschaftlicher Kaiserzeitarchitektur. Sie ist einer der größten und prachtvollsten Sakralbauten der Stadt, ein Meisterwerk der Gotik, könnte man meinen. Ist es aber nicht, dafür ist sie ein halbes Jahrtausend zu jung. Aber nett anzuschauen ist sie allemal.

Etwa bei km 22 abzweigend führt uns der Kurs via Liechtensteiner Straße durch die dicht bebaute Stadt gen Norden, bis bei km 24 auf Höhe der Friedensbrücke wieder der schon bekannte Donaukanal erreicht ist. Von der Brücke aus können wir am nördlichen Horizont einen kurzen Blick auf die Müllverbrennungsanlage Spittelau erhaschen. Das klingt nach  höchst profanem Zweckbau. Ist es aber nicht. Denn man hat den legendären Friedensreich Hundertwasser künstlerisch wirken lassen. Und der hat Fassade und Turm seinen ganz eigenen, höchst fantasievollen, farb- und formenreichen Stempel aufgedrückt.

 

 

Für die nächsten Kilometer ist nun der Donaukanal wieder unser Laufrevier, nur jetzt nicht von Süd nach Nord, sondern umgekehrt. Der Kanal ist nichts anderes als der zentrumsnächste Donauarm in Wien. Von der dem leicht gewundenen Kanalverlauf folgenden Uferstraße haben wir einen stetigen Blick auf die wechselnde Citykulisse entlang der gegenüber liegenden Kanalseite.

Ein Abzweig kurz nach km 27 bringt führt uns zu einem Streckenpunkt, den wir schon 25 km vorher passiert hatten: den Praterstern. Und stehen damit erneut am Zugang zu Wiens größtem Stadtpark.

 

Durch den Prater

 

Dieses Mal steht nicht nur eine Stippvisite an. Gut erinnere ich mich noch an 2003: Das war damals nicht nur hitzebedingt ein hartes Stück Laufarbeit. Denn die folgenden zehn Kilometer stehen ganz im Zeichen des Parks. Ruhe und Grün dominieren den Kurs, optische Ablenkung ist rar, beste Voraussetzungen für einen Jog mit meditativem Touch. Wer allerdings mit schweren Beinen zu kämpfen hat, wird dafür wenig empfänglich sein.

Weitestgehend entlang der den Prater schnurgerade längs durchschneidenden Hauptallee . und zu großen Teilen auf einem Pendelkurs bewegen wir uns durch den Park. Zumindest gewisse Abwechslung bietet dabei der jeweils gegenläufig vorbei ziehende Läuferstrom. Für akustische Motivation ist zudem auf zwei längeren Passagen gesorgt, bei denen wir durch eine Kette im Baumgeäst aufgehängter Lautsprecher popmusikalisch dauerbeschallt werden. Ansonsten darf man sich ganz auf sich selbst und seine Befindlichkeit konzentrieren.

 

 

Mehr denn je Oasen der Entspannung sind die Verpflegungsstellen, die der Kurs im 2,5 km-Rhythmus bereithält. Alternierend gibt es Wasser pur und das „Vollprogramm“ zusätzlich mit Isodrink und Bananen. Nicht wirklich opulent, aber zweckmäßig. Nicht nur hier im Park ein eindrückliches „Erlebnis“ ist die Geräuschkulisse, die jedes Mal entsteht, wenn die dahin trappelnden Läuferbeine entlang der Verpflegungsstellen die zu Tausenden den Boden bedeckenden Plastikbecher zum Bersten bringen.

Unterbrochen wird das Ganze von einem Abstecher zum Ernst-Happel-Stadion, Österreichs größter Sport- und Eventarena. Das nach der österreichischen Trainerlegende benannte Oval ist direkt in den Prater integriert. Auch dieser Abstecher ist als Pendelkurs abgesteckt und führt damit direkt zur Hauptallee zurück. Für die Staffelläufer steht hier zum letzten Mal der Staffelwechsel an.

Bei km 38 heißt es Abschied zu nehmen vom Park, was zugegebenermaßen aktuell nicht schwer fällt. Ein letztes Mal über den Donaukanal hinweg erreichen wir nach knapp 40 km erneut den Ring.

 

Grande Finale über den Ring

 

Die letzten 2,5 Kilometer dürfen wir noch einmal das Privileg genießen, Wiens größten und prachtvollsten Boulevard im Laufschritt zu durchmessen. Freilich dürften die wenigsten noch einen Blick für die Szenerie, sondern nur noch eines im Sinn haben: Die Ziellinie.

Vorbei geht es ein weiteres Mal an der Staatsoper und via Opernring weiter zum Burgring. Hier nun thront die Hofburg, über Jahrhunderte die Residenz der Habsburger Kaiser und damit quasi Herz des Kaiserreichs. Zur Linken, nun von der der anderen Seite, ziehen wir erneut am Kunst- und Naturhistorischen Museum vorbei. Am Horizont im Visier haben wir bereits das Parlament. Im Griechenland der Antike wähnt man sich bei dessen Anblick, der allerdings beim Näherkommen durch eine Großbaustelle getrübt wird.

 

 

Ein letztes Mal macht der Ring einen Knick und erstmals kann man hier nun den Zielhauch spüren. Der durch Gitter gesäumte Laufkorridor verengt sich, mehr und mehr Zuschauer säumen den Parcours und richtig stimmungsvoll wird es, als wir die menschengefüllten Zuschauerränge direkt vor dem in der Sonne leuchtend weißen Burgtheater passieren. Was für eine Kulisse!

 

Geschafft

 

Erst ist er blau, dann gelb: Der Bodenbelag, über den wir die letzten Meter zurücklegen und dessen Farben anscheinend unwillkürlich als Tempobeschleuniger wirken. Dann wölbt sich auch schon der Zielbogen über uns.

 

 

Im Stakkato prasseln die Läufer ins Ziel, aber auch hier hat die Organisation alles gut im Griff. Einen goldglänzenden Stern mit Swarowskistall bekomme ich als Medaille umgehängt, schon geht es weiter zur Zielverpflegung, die praktisch, aber wenig ambientegemäß darin besteht, dass man eine dünn befüllte Tüte in die Hand gedrückt bekommt. Ein nettes Zielbuffet wäre zur Abrundung der großen Marathonaufführung angemessener. Wenigstens gibt es kühles Weißbier vom allgegenwärtigen Laufsponsor aus Erding als Balsam für das erschöpfte Finishergemüt. Wer seinen Triumph an Ort und Stelle feiern will hat dazu aber außerhalb des umzäunten Zielgeländes reichlich Gelegenheit. Im Parkgelände zwischen Rathaus und Burgtheater gibt es Bänke und Tische sowie Ess- und Getränkestände in Hülle und Fülle.

Zwanzig Minuten langsamer als vor 16 Jahren, aber deutlich entspannter angekommen – das ist die Bilanz meines Wien Revivals. Und die Erkenntnis, dass Wien mehr denn je willens und auch in der Lage ist, einen der stimmungsvollsten Citymarathons in Europa nicht nur zu veranstalten, sondern zu zelebrieren. Noch einmal 16 Jahre werde ich wohl nicht warten, um wieder Wiener Marathonluft zu schnuppern.

 


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