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Victoria Falls Marathon: „Wagona, wagona…“

 

Der mittlerweile 74-jährige Präsident des Country Marathon Clubs, John Wallace, mit bisher 127 Ländern im vordersten Bereich der Sammlerstatistik liegend, schrieb mir unlängst einige berührende Zeilen. „Carpe diem“ ist sein erklärtes Lebensmotto, von einem zum anderen Tag kann es vorbei sein mit dem Laufen – wie bei ihm selbst. Mit 64 ½ kann auch ich keine Bäume mehr ausreißen und auch nicht auf den großen Wurf hoffen. Aber mehr Zeit zum Verreisen in Sachen Marathon habe ich seit meinem Abgang in die „wohlverdiente“ Pension. Meine Reisefreudigkeit könnte nun eine neue Hochblüte erfahren.

Die kommenden drei Wochen im Juli werde ich nicht vor dem TV-Schirm verbringen, um die Fußball-WM zu verfolgen, sondern im südlichen Afrika unterwegs sein. Es wird an der Zeit, auch in dieser Region einige Länderpunkte zu ergattern. Meine erste Destination ist Zimbabwe, genauer die dank des aufkommenden Tourismus boomende Grenzstadt Victoria Falls. Dort findet am 1. Juli die 12. Auflage des über zwei Länder, nämlich Zimbabwe und Sambia, führenden Econet Marathons statt.

Mit Emirates über Dubai und Johannesburg (mit je einem Tag Aufenthalt) und mit einem eineinhalbstündigen South African-Airways-Verbindungsflug nach Victoria Falls, mit 33.000 Einwohnern auf 1200 m Seehöhe gelegen, treffe ich am 29. Juni im Marathonort ein. Bei der Einreise kann man sich je nach seinen Vorhaben auch ein Mehrfachvisum (KAZA UniVisa ) ausstellen lassen – das bspw. auch für Sambia und Botswana Gültigkeit hat. Für EU-Angehörige (Kategorie B) kostet derzeit der einmalige Aufenthalt im Zimbabwe 30 US$. Zimbabwe hat seit einigen Jahren keine eigene Währung mehr, Hauptzahlungsmittel ist der US$, auch südafrikanische Rand werden u.U. entgegen genommen – wer kein Bargeld hat, der kann (laut ADAC-Reiseführer) auch mit einer Kreditkarte wie Visa oder Mastercard bezahlen. In den kommenden Tagen wird sich herausstellen, wie ich mit meinem Währungsvorrat auskomme.

Der Reiz von Afrika wird einem beim Verlassen des Flughafengebäudes (wieder) bewusst. Auch jetzt im lokalen Winter, wenn es monatelang nicht regnet, werden hier Tagestemperaturen über 20 Grad und mehr erreicht. Aber in den Nächten kann es stark abkühlen. Die trockene, braune Landschaft mit ihren typischen Bäumen, den verdorrten Sträuchern, wo um diese Jahreszeit kaum mehr frisches Grün nachwächst, der wolkenlose Himmel in einem Land mit 13 Mio. Einwohnern und einem Gebiet von 390.757 km², das etwas größer als Deutschland ist und fast fünfmal die Fläche von Österreich umfasst, das kennt man von TV-Sendungen über afrikanische Wildtiere oder Safari-Dokus. Der 1985 in die Kinos gekommene preisgekrönte Film „Jenseits von Afrika“ mit Weltstars wie Robert Redford, Klaus Maria Brandauer und Meryl Streep hat damals zu einem Afrika-Reiseboom geführt, ähnlich wie „Crodile Dundee“ für „Down-under“ neue Touristenströme brachte.

Der Tansfer vom Flughafen zu einem der besten Hotels in der Stadt, dem Kingdom, dauert rund 25 Minuten. Bei meiner Anmeldung war kein einzige Unterkunft im Umkreis von 10 km über booking.com mehr verfügbar – ein Veranstalter für Safaris hatte noch ein Kontingent zum Preis von 200 Euro pro Nacht inkl. Frühstück und Dinner im Angebot. Auch drei weitere Kollegen vom Country Club haben sich angesagt. Jeder Zweite im Kingdom scheint am Marathon teilzunehmen, das sieht man am sportlichen Erscheinungsbild der Kolleginnen und Kollegen. Neben mir im Flugzeug in der Mittelreihe des A330-200 Airbus saßen gleich drei Läufer, die am Handgelenk eine GPS-Uhr trugen und ihre Laufschuhe schon an hatten. Die Zimmer im Kingdom sind rund um einen Deich angeordnet. Zum Glück ist jetzt keine Regenzeit, bei höheren Temperaturen würde stehendes Wasser für ein Heer von Moskitos sorgen. Allerdings gilt die Region nicht malariagefährdet, zumindest nicht um diese Jahreszeit. Ebenso ist keine Gelbfieberimpfung mit Nachweis im Impfpass für die Einreise nach Zimbabwe erforderlich, was als Pluspunkt zu werten ist.

 

 
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Ich stürze mich gleich ins  Geschehen – nicht zur schon aufgebauten Expo, die ich mir für den zweiten  Tag  aufhebe, sondern ich will die Gegend um die Victoriafälle zu Fuß erkunden, denn der Marathon wird über die Brücke ins benachbarte Sambia führen. Dieser breite Wasserfall des Sambesi (in der Sprache der Kololo „Mosi-oa-Tunya“ =  donnernder Rauch“) liegt zwischen den Grenzstädten Victoria Falls in Simbabwe und Livingstone in Sambia. Seit 1989 gehören die Fälle zum Weltnaturerbe der UNESCO. Der schottische Missionar und Afrikareisende David Livingstone benannte 1855 dieses Naturschauspiel nach der damaligen britischen Königin Victoria.

Man hat mehrere Möglichkeiten, zu den Wasserfällen zu kommen, zunächst bei einem – nach eingeholter Bestätigung beim Grenzposten – Besuch der Brücke, wo auch Bungee-Jumping in verschiedenen Formen angeboten wird. Von dort aus sieht man allerdings die Wassermassen des Sambesi auf einer Breite von 1,7 km in eine quer zum Flusslauf liegende, 110 m tiefe und 50 m weite Schlucht mit steilen Felswänden aus Basalt nicht direkt, sondern nur eingeschränkt aus der Ferne. Daher empfiehlt sich ein direkterer Weg, der gegen eine Gebühr von 30 US$ von Simbabwe aus oder auch von der Seite in Sambia (20 US$) möglich ist. Ich plane eine Begehung der Wasserfälle von der Seite Zimbabwe aus für morgen ein.

Die Startnummernausgabe ist am 30. Juni länger geöffnet. Die Kollegen und Ländersammler Tenho Lauri und Jürgen Sinthofen haben sich angesagt. Wir machen ein Gruppenfoto als Beleg unserer Teilnahme am Marathon, das John Wallace auf die Clubhomepage stellen wird. Jeder registrierte Marathonläufer erhält ein Singlet – entweder in Weiß oder violett. Tenho wird morgen sein 98. Land anstreben, den Hunderter will er sich für Sydney im September aufheben.

Während die beiden Kollegen für den Nachmittag andere Exkursionen planen, werde ich den Wanderpfad entlang der Schluchten und im Regenwald der Viktoriafälle aufsuchen. Es ist ein einmaliges Erlebnis, wenn die weiße Gischt als Sprühregen wieder nach oben spritzt und in einem Umkreis von gut 500 m die Landschaft überzieht. Alle außer mir haben einen Regenschutz an – bis ich zum letzten Abschnitt mit Blick auf die Brücke komme, ist meine Kleidung triefend nass. Ich versuche so schnell ich kann, dem Sprühnebel zu entwischen.

Für 17 Uhr habe ich mit einem Einheimischen an meinen zweiten Tag in Victoria Falls einen Abstecher zum berühmten Boabab-Baum, der zwischen 1000 und 1500 Jahre alt sein soll, ausgemacht, um im Busch nach Elefanten Ausschau zu halten. Man muss wissen, dass Victoria Falls eigentlich mitten oder zumindest am Rande des Sambesi Nationalparks liegt und daher Wildtiere wie Elefanten, Affen (die Kleinen werden liebevoll Baboons genannt, sind aber unglaublich lästig und nur aufs Fressen aus) und manchmal auch Löwen sich unweit der Menschen aufhalten. Die Elefanten legen große Strecken zurück – der Guide kennt ihre Wege. Als wir zwei Bullen bis auf 20 m zu nahe kommen, wendet sich einer uns zu. Der Guide schreit: „Run for your life!“ Das tue ich und renne davon. Aber nach einigen hundert Metern stolpere ich über eine Wurzel und komme zu Sturz. Mit Schürfwunden am Knie sowie einer aufgeschlagenen linken Innenhand und einer Wunde am Ellbogen raffe ich mich auf – zum Glück hat der Elefant erkannt, dass wir keine Gefahr sind und ist stehen geblieben. Ich lasse die Wunde in der nur dürftig ausgestatteten Krankenstation der Stadt versorgen. Morgen beim Marathon, der laut Ausschreibung „one of the most majestic runs on the African Continent“ ist, werden mir diese kleinen Verletzungen nicht unbedingt entgegen kommen.

 

 
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Mein Rennverlauf

 

Es wird heute unterschiedlich gestartet – der Marathon ist für 06:45 angesetzt, der Halbe beginnt ab 07:15, die 7 km-Läuferinnen und Läufer, die kein Startgeld zahlen und für die es kein Cut-off gibt, um 08:15. Um 12:30 sollten allerdings alle im Ziel sein.

Nach dem Startsignal warte ich eine Weile zu, um wieder einige gute Schnappschüsse zu bekommen. Der erste Kilometer führt leicht abwärts in Richtung zur Grenzbrücke über den Sambesi-Fluss. Der z.T. löchrige, von den Schwerfahrzeugen stark beanspruchte Asphalt ist wegen des Sprühregens nass und rutschig. Der Nebel überzieht die Laufstrecke, wir werden richtig geduscht. Noch bevor wir die enge Brücke überquert haben, kommen uns schon die Superschnellen wieder auf der anderen Straßenseite entgegen. Ein Läufer in schwarz-rot-gold fällt mir wegen seines beherzten und zielstrebigen Laufstils positiv auf.

Es geht wieder nach Simbabwe zurück, für  den kurzen Abstecher in einen anderen Staat haben wir keinen Reisepass benötigt – Ländersammler könnten nun auch Sambia statt Zimbabwe als neu anrechenbare Marathondestination wählen. Der kurze Anstieg auf den Zambesi Drive bremst mich etwas, doch andere kommen mir jetzt erst auf der anderen Seite als Nachzügler nach gelaufenen zwei Kilometern entgegen. Auch bin ich inmitten der vielen Halbmarathonläuferinnen und -läufer, die bereits jetzt gemächlich unterwegs sind, gut aufgehoben.  

Die nun folgende Laufstrecke bin ich gestern mit dem Guide abgefahren. Auf der Strecke liegen große, nicht mehr frische Knödel, der Dung von Wildtieren wird in anderen Landesteilen wie etwa Kenia für allerlei Zwecke verwendet. Die nun aufgehende Sonne taucht die afrikanische Landschaft in ein sanftes, noch etwas blasses Gelb, das die bunten Farben der Laufkleidung besser als auf der nebelüberzogenen Sambesibrücke zur Geltung bringt.

Schon bei der ersten Labe wundert man sich als Europäer, dass Wasser paketiert in Plastikbeuteln ausgegeben wird. Andere Länder, andere Sitten bei der Versorgung – das sei gesagt.

Noch vor dem Boabab-Baum sind 6 km erreicht. Der Fluss befindet sich zu unserer Rechten, ist allerdings wegen des Buschwerks nicht einsehbar. Gestern las ich auf einer Tafel „Beware of Crocodiles“ – so  ein Nationalpark zieht allerlei unliebsame Tierchen an. Der Guide erzählte gestern, dass in der Stadt in einem versperrten Basin ein riesiges Kroko für Schauzwecke gehalten wird – man füttert es mit Kleintier – ob lebend, wisse er nicht.

Ich schließe zu Tenho auf, wir laufen nun zusammen – die ansteigende Strecke auf Asphalt führt nun in einem langgezogenen Bogen nach Nordwesten. Da der Marathonkurs nur bei der Brückenüberquerung für den Verkehr gesperrt war, sind wir jetzt  angehalten, die hiesige StVO einzuhalten. Die Entgegenkommenden laufen auf der rechten Seite, stets das Linksfahrgebot vor Augen. Doch knapp vor 8 Uhr und an einem Sonntag ist (auch in Afrika) das Verkehrsaufkommen noch gering. Zwei nachstürmende Amigirls, mit denen Tenho offenbar (bei der Expo) schon geredet hat, bieten sich an, uns Grand Dadies zu knipsen – „well done“, sagt die eine mit bandagiertem rechten Knie. Eine junge farbige Einheimische, die ich bei der Labe um eine rasche Übersetzung frage, sagt: „Wagona, wagona“ – gut gemacht. Das sollte unser Motto bleiben – Tenho scheint heute gut drauf zu sein. Als es nun vom Gefälle her gesehen abwärts geht, ziehe ich davon. Doch beim nächsten Anstieg holt mich der um acht Jahre ältere kleingewachsene, aber wieselflinke Finne wieder ein.

 

 
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Bei der Startnummmernausgabe war auch ein Plan des Kurses zu sehen – was fehlte, war eine Angabe der Höhenmeter, die nach bald 10 km schon deutlich zu spüren sind. Vor der Victoria Safari Lodge stehen einige Zuschauer – einer trägt eine Haube in den deutschen Nationalfarben. Ich rufe ihm einen „Guten Morgen“ zu – mit seiner Begleiterin spricht er aber in Englisch. Das einstige Rhodesien wurde aufgeteilt – in Zimbabwe und Sambia leben viele britischstämmige Menschen.
Meine Uhr hat bei 10 km 62 min angezeigt. Jetzt, wo es wieder auf einer sehr unebenen Schotterstraße aufwärts geht, ist Tenho in seinem Element: Leichtfüßig zieht er davon, wenngleich ich dranbleibe.

Nach 12 km biegen die Halbmarathonläufer links ab, für uns geht es in diesem Teil des Nationalparks nach rechts weiter – teilweise auf Asphalt, zumeist aber auf Schotter und sandigen Untergrund.  Auf engsten Raum kommen uns die schnelleren Läufer entgegen. Die Laufstrecke führt wieder zur Lodge zurück – uns kommen nun die schnellen Marathonläufer auf ihrer bereits zweiten Runde sowie viele Halbmarathonis, an ihren roten Nummer erkennbar, entgegen. Bei Kilometerpunkt 15 zeigt meine GPS-Uhr 1:40 an, angesichts der welligen Beschaffenheit und dem Untergrund der Strecke ist das für mich ok.

Erst gestern Abend habe ich mit einem  Läufer aus Südafrika geredet – er meinte auch, dass es immer weniger Marathonläufer etwa beim im September stattfindenden Cape Town-Lauf gibt, weil die Halbdistanz insgesamt mehr Gefallen findet und man sich weniger abmühen muss. Das ist auch hier der Fall – es sind gut viermal so viele Läuferinnen und Läufer am Start, die bewusst nur die 21,1 km anpeilen. Der Marathonlauf ist als sportliche Herausforderung dennoch – wie ich meine – nicht gefährdet, weil immer Novizen diesen Reiz (zumindest einmal) erleben wollen.

Der Anstieg zur Safari Lodge hat es in sich – auch die Halbmrathonis marschieren, Tenho vor mir hingegen tanzt leichtfüßig den Hügel auf der Anfahrtsstraße hinauf. Oben angekommen, führt die mittlerweile als Schlaufe erkennbare Strecke nach Süden und beim Amadeus Garden wieder nach Westen weiter. Bald darauf wendet der Kurs, es geht in Richtung Start direkt gegenüber dem Kingdom Hotel zurück. Während die Halbmarathonis nach rechts abbiegen, geht es für uns in vollem Tempo in den tiefer liegenden Stadtteil von Victoria Falls. Das Feld ist so dünn geworden, weil nun nur mehr Läuferinnen und Läufer unterwegs sind, die auf 42, 195 km und zwei Runden eingestellt sind. Man kann diese an den Fingern einer Hand abzählen.

Nach dem Durchlauf unter dem luftgefüllten Startbogen geht es wieder in die schon gelaufene Strecke entlang dem Zambesi Drive in die zweite Runde. Die Brückenüberquerung wird diesmal ausgespart – offenbar würde man so den wichtigen Grenzverkehr und Gütertransport zu lange unterbinden. Ab und zu stehen am Rande der Straße einige Zuschauer, zumeist Kinder, die das Ereignis gewiss nicht so genau zuordnen können.

Nach bald drei Stunden ist die Sonne gegen 10 Uhr vormittags fühlbar stärker geworden, meinen Kurzarm-Windbreaker habe ich längst verstaut. Nun sollten zumindest die paar deutschen Läufer – wenn sie mittlerweile nicht zu weit vorne liegen, erkennen, dass M4Y wieder an Ort und Stelle ist – und auch den von Europa 10.000 entfernten Victoria Falls Marathon mit einem Bericht abdecken wird.

 

 
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Bei der 27 km-Marke ist der nun zweite Anstieg bald geschafft, dann folgt wieder ein zügiger Abwärtslauf auf einer Strecke von gut einen Kilometer, bevor es dann bei den National Parks Lodges auf schwierigen Terrain in den Buschwald geht. Und hier hole ich Tenho eigentlich wider Erwarten wieder ein.  Die 30 km schaffe ich noch in 3:20, eine Finisherzeit unter 5 wäre eigentlich für mich eine Überraschung, denn der Marathon ist weitaus anspruchsvoller als die üblichen Läufe in flacherem Gelände.

Ich bin heute auf einen kontrollierten Ablauf eingestellt – nach dem Lauf habe ich eine River Cruise gebucht. Dafür sollte man sich vorher nicht verausgaben.Bei der Wende kommt mir der in deutschen Farben laufende Mittvierziger entgegen, er hat einen Vorsprung von vielleicht einem Kilometer. Bei 31 km zeigt das Display 3:30 an, ich liege für meine Verhältnisse gut in der Zeit, das zählt.

An mehreren Kontrollstellen wird genau notiert, wer bzw. welche Startnummer durchgekommen ist. Tenho im gelben Country Club Shirt läuft wie ein Uhrwerk ca. 30 m vor mir. Er hat sich seit Stunden nicht umgedreht, sonst hätte er mich gesichtet. Ich fühle mich gut, könnte zulegen, will das aber für den Schluss aufsparen.

Eine junge Läuferin im roten Singlet spricht mich an – wir haben uns seit Stunden immer wieder abgewechselt – einmal war sie, dann wieder ich ein Stück vorne. Sie kenne Wien, aber nicht vom Marathon – dann bitte 2019 hinfahren.

Wenigstens hole ich jetzt auf dem Schlussstück wieder ein paar Kollegen ein – einer ist darunter, der mich nach der Wende bei der Brücke überholt hat. Doch zu früh gefreut – es geht auf dem vorletzten Kilometer wieder aufwärts. Uns kommen die Finisher entgegen – viele weichen nicht einmal aus, sodass man sich einen Weg suchen muss. Schlimm wird es in Zielnähe. Die Laufstrecke wird von parkenden und anfahrenden Autos, Taxis und aus dem Zielbereich hinausdrängenden Zuschauern und Halbmarathonis förmlich geflutet.  Ich muss auf den letzten 500 m permanent jemandem ausweichen. Fast wäre sich doch noch eine sub 5 h Zeit ausgegangen. Mit 5:01 liege ich nur knapp darüber. Vielleicht hätte ich bei meinem 25. Marathon in diesem Jahr doch mehr kämpfen sollen.

Ich treffe Tenho, wir machen noch ein Finisherfoto – im Ziel herrscht Jubel-und Feierstimmung. Es wird Essen und Getränke ausgegeben.  Jetzt bemerke ich, dass mir die afrikanische Sonne doch zugesetzt hat – trotz Stirnkappe. Ich setze mich ins Gras und ruhe mich aus.

 

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Mein Fazit:

Wer einen Marathon in Afrika im Juli zu laufen gedenkt, sollte seine Reise- und Aufenthaltszeit ausdehnen, denn es bieten sich weitere Läufe in der Nachbarschaft um diese Jahreszeit an. Ich plane davon demnächst wieder zu berichten. Der 12. Econet Victoria Falls Marathon ist eine mehr als beeindruckende Laufveranstaltung, die von Wild Frontiers unter der Patronanz der Regierung hervorragend organisiert wurde. Am Marathonwochenende befanden sich Tausende Touristen auch aus dem nahen Südafrika in der Stadt – so viele wie sonst nie, resümierte der Captain beim River Cruise. Somit fördert dieser Event die ganze Region und sorgt für gute Einnahmen.

Der wellige Kurs des Marathons ist anspruchsvoll, es sind 1400 ft., ca. 450 Hm, zu überwinden. Der sandige unebene Untergrund auf  einigen Abschnitten bremst. An den Versorgungsstellen wurde Wasser und Cola. Als feste Nahrung standen Bananenstücke zur Verfügung. Die beeindruckende afrikanische Landschaft kommt erst gegen Mittag bei stärkerer Sonneneinstrahlung voll zur Geltung. Wer sich beim Marathon Zeit nimmt und sich von der Laufstrecke ein paar Meter ins Gebüsch begibt, könnte  Elefanten, Antilopen und diverse Vögel zu Gesicht bekommen.

 

 
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Mit dem Singlet und einer schönen Medaille sind 40 Euro Startgeld nicht überzogen – auf der Website kann man sich seine Urkunde ausdrucken und sein Einlaufvideo abspielen. Das Preis-/Leistungsverhältnis des Marathons ist somit gut, doch für jemandem, der nach Zimbabwe reist, um in der Königsdisziplin des Laufens die nötigen 26.2 Meilen (es wurden Kilometer bei den Markierungen ausgewiesen) zu erbringen,  fällt dies kaum mehr ins Gewicht, weil ja insgesamt hohe Kosten anfallen. In der Business-Class beim South African Airways Rückflug nach Johannesburg saß ein Läufer aus Dallas neben mir. Er sprach aus, was auch ich denke: „I’ll come back to Zimbabwe“

Was man noch wissen sollte: Die meisten Menschen in Simbabwe sind bettelarm – man wollte meine Schuhe, meine Uhr und meine Jacke haben. Demnächst finden Wahlen statt, das Land ist nach dem sanften Putsch gegen Langzeitpräsident Mugabe in einer instabilen Lage. Erst letzte Woche gab es in Harare einen Bombenanschlag mit Toten. Danke an die Veranstalter, dass man den Event im fernen Victoria Falls trotzdem durchgeführt hat.

 

Siegerliste bei den Männern:

1. Nkosinazi SIBANDA  – 02:21:08   
2. Mathews MUTANYA – 02:21:51  
3. Lyno MUCHENA – 02:22:28

Frauenwertung:

1. Olivia CHITATE – 02:58:35
2. Tabitha TSATSA – 03:01:48
3. Rutendo MAPINDU – 03:04:27

428 Finisher beim Marathon und 1703 bei der Halbdistanz laut der offiziellen Ergebnisliste des Veranstalters Wild Frontiers.

 


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