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Laufberichte

Malaga Marathon: Run and Sun

15.12.19 Special Event
 

Wenn es bei uns kalt und grau wird, gönne ich mir gerne in der Ferne ein paar Tage Sonne. Nicht zum ersten Mal sind Silke und mein Freund Wolfgang mit dabei. Heuer schließt sich auch meine Tochter Jessi an. Gemeinsam wollen uns ein paar Tage in Malaga gönnen. Für mich ist natürlich die Teilnahme am Marathon Pflicht, Wolfgang entscheidet sich für den Halbmarathon.

Malaga liegt ganz im Süden von Spanien und gehört zur autonomen Region Andalusien. Mit knapp 600.000 Einwohnern ist Malaga die zweitgrößte Stadt der Region und die sechstgrößte Stadt in Spanien. Günstige Flüge findet man zu dieser Jahreszeit genügend, allerdings muss man einen Zwischenstopp einplanen, denn Direktflüge gibt es kaum und wenn, dann sind diese entsprechend teuer.

Am frühen Mittwochabend kommen wir in Malaga an. Es bleibt also noch Zeit für eine kurze Runde durch die Altstadt, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Dort ist richtig was los. Ein Grund hierfür ist sicherlich auch die vorweihnachtliche Lichtershow in der Calle Larios. Vierzig Tage lang ist sie dreimal täglich Magnet für tausende von Zuschauern. Beinahe etwas kitschig ist die gesamt Calle von 22 Lichtbögen überspannt und im Takt von Mariah Carey`s „All I want for Christmas is you“ und anderen Weihnachts-Ohrwürmern blinkt die gesamte Straße im Takt. Tanzend halten die Zuschauer ihre Handys in die Höhe, um das Spektakel filmisch festzuhalten und weltweit im Netz zu teilen.

 

 

Die kommenden Tage nutzen wir für eine ausgiebige Besichtigung der schönen, lebhaften Altstadt, sowie des Castillo de Gibralfaro und der La Alcazaba, die am Rande der Altstadt in den Hügeln liegen. Etwas Ruhe findet man am Hafen von Malaga und so vergehen die ersten Tage wie im Flug.

Am Samstag machen wir uns dann auf den Weg zur Marathonmesse. Viele Läufer lassen sich mit dem Taxi oder Bus zum Palacio de Deportes Josè Maria Martin Carpena rausfahren. Die Sporthalle ist das Zuhause von Unicaja Malaga, einer von Spaniens Top-Basketballmannschaften, die auch in der Euroleague mitmischen. Dieses Wochenende gehört die Halle allerdings den Läufern. Nach einer gut einstündigen Wanderung entlang der Costa del Sol erreichen wir die Sporthalle und haben auch schon bald die Startnummer und einen gut gefüllten Starterbeutel in Händen. Die Messe ist gut besucht und bietet wie üblich sämtliche Sportutensilien. Fleißig werden auch Veranstaltungs-Flyer erteilt, ein paar davon stecke ich ein, vielleicht ist ja für nächstes Jahr etwas Passendes dabei.

Am nächsten Tag heißt es dann früh aufstehen, denn der Start des Malaga Marathons erfolgt bereits um 08:30 Uhr. Nach einem kleinen Frühstück schlendere ich gemeinsam mit Wolfgang durch die noch dunkle Stadt in Richtung Paseo del Parque, wo sich Start und Ziel befinden. In der Stadt ist es noch sehr ruhig, lediglich die Läufer und ein paar Übriggebliebene des Nachtlebens bevölkern die Straßen.

 

 

Der Halbmarathon ist mit 2.500 Startern ausgebucht. Beim Marathon selbst gibt es meines Wissens nach kein Teilnehmerlimit. Etwa 3.300 sind heute am Start. Den Startbeutel mit Wechselkleidung kann man an der nahegelegenen Stierkampfarena abgeben, worauf wir verzichten können, da unser Hotel nur ein paar Minuten vom Zielbereich entfernt liegt. Gut zwanzig Minuten vor dem Start geht schließlich die Sonne auf und wir sortieren uns im hinteren Teilnehmerfeld ein. Der Pacer für die 4:30 Stunden steht ein paar Reihen vor uns. Es hat gut 12 Grad, so dass ich hoffe, dass es auch bald losgeht. Da im Laufe des Marathons Temperaturen von über 20 Grad zu erwarten sind, bin ich natürlich kurz gekleidet, was mich zunächst frösteln lässt.   

Schließlich ist es dann soweit und wir werden auf die Reise geschickt. Der letzte Marathon des Jahres steht für mich an und ich freue mich drauf. Die ersten Kilometer führen uns in einem großen Bogen um die Altstadt herum auf breiten Straßen. Ich genieße die Sonnenstrahlen und stelle zufrieden fest, dass der starke Wind, der uns die vergangenen Tage begleitet hat, heute nur noch ein laues Lüftchen ist. Es herrschen ideale Bedingungen. Mein Wohlfühltempo habe ich auch schnell gefunden und ich komme gut voran. Die Straßen säumen auf den ersten Kilometern zwar nur wenig interessante Wohnblocks, doch die zahlreiche Palmen sorgen für südländisches Flair. Ich bin begeistert. Nach gut acht Kilometern ist die Schleife um die Altstadt beendet und wir biegen auf der Höhe des Starts nach rechts ab in Richtung Hafen.

 

 

Zunächst lassen wir das Kunstmuseum Centre Pompidou rechts liegen. Das Museum ist zwar unterirdisch angelegt, doch ein bunter Glaskubus zieht den Blick auf sich. Er sorgt für einen ganz besonderen Lichteinfall im Museum selbst. Ein paar Kurven weiter steht der Leuchtturm La Farola de Malaga vor uns. Eigentlich heißt der Leuchtturm im spanischen „El Faro“, ist also weiblich und angeblich der der einzige Leuchtturm auf der iberischen Halbinsel mit einem weiblichen Namen.  Er wurde 1817 gebaut und überstand mehrere Erdbeben, Kriege und Schiffbrüche völlig unbeschädigt.

Wir laufen rechts am Leuchtturm vorbei und befinden uns auf dem Pier auf einer Begegnungsstrecke wieder. Die macht wirklich Laune. Hier treffe ich auch Wolfgang wieder, der bereits auf dem Rückweg ist. Am Ende des Piers erreichen wir Kilometer 10.

Zurück am Leuchtturm laufen gen Süden. Auch hier haben wir auf den nächsten Kilometern eine Begegnungsstrecke vor uns. Es macht wirklich Spaß hier zu laufen, zahlreiche Palmen säumen den Weg  und rechts von uns liegt die Costa del Sol. Unzählige Mönchssittiche tummeln sich in den Palmen und machen sich lautstark bemerkbar. Was mir ausgesprochen gefällt, ist in zahlreichen spanischen Städten inzwischen zum Problem geworden. Die lautstarken und vermehrungsfreudigen Papageien stammen ursprünglich aus dem Norden Argentiniens und wurden in Spanien teilweise ausgesetzt oder sind einfach aus ihren Käfigen entflogen. Da die Mönchssittiche einheimische Singvögel verdrängen, ist man von ihrer Anwesenheit in den Städten wenig begeistert.

 

 

Bei etwa Kilometer 16 erreiche ich den Wendepunkt und mache mich auf den Rückweg in Richtung Stadtzentrum. Bis jetzt läuft es bei mir gut, auch wenn es inzwischen ordentlich warm geworden ist. Die zwanzig Grad-Marke dürften wir schon geknackt haben. Ich begleite die Halbmarathonis noch bis kurz nach Kilometer 20 zurück und verabschiede mich dann von ihnen. Kurz vor der Streckenteilung stehen Silke und Jessi am Straßenrand. Wir winken uns zu. Wolfgang haben sie wohl übersehen.

 

 

Nun geht es bis Kilometer 24 entgegengesetzt auf der Strecke weiter, die ich zuvor schon auf der Schleife um die Altstadt gelaufen bin. Trotz meines gemäßigten Tempos bin ich nicht allein. Vor und hinter mir sind noch etliche Marathonis am Laufen. Sechs Stunden hat man übrigens für den Malaga Marathon Zeit, das ist äußerst entspannt. Doch wie ich in der Ergebnisliste lesen konnte, nimmt man es auch damit nicht so genau. Auch wer eine halbe Stunde über dem Limit blieb, findet sich am Ende in der Ergebnisliste wieder.

Über die folgenden Kilometer gibt es nichts Aufregendes zu berichten, sie sind ziemlich  eintönig. Breite Straßen, Industriegebiete und Baustelle, sonst gibt es nichts. Schlecht für die Motivation, wo doch der Marathon  jetzt die kritische Phase erreicht. Lediglich das Durchlaufen des Estadio de Atletismo Ciudad de Malaga, dem Leichtathletik-Stadion Malagas machte etwas Laune.

Etwa bei Kilometer 39 liegen La Alcazaba und die Altstadt vor mir. La Alcazaba, eine Mischung aus Festung und prächtigem Palast aus der maurischen Zeit, haben wir die Tage zuvor bereits besichtigt. Ebenso das davorliegende römische Theater.

 

 

Obwohl ich auf den letzten Kilometern ordentlich Zeit gelassen habe, sind noch ein paar Läufer um mich herum, die offensichtlich ebenfalls das Ziel herbeisehnen. Es geht nun auch der Catedral de la Encarnacion vorbei, die mitten in der Altstadt liegt. Einheimische nennen sie auch „Manquita“, was so viel wie die Einarmige bedeutet. Man will damit auf das Fehlen des Aufsatzes auf dem rechten Turm hinweisen. 

Durch von vielen Passanten gesäumten Altstadtgassen  laufe ich dem Ziel entgegen, gelegentlich bekomme ich Applaus und aufmunternde Zurufe.  Dann liegt sie vor mir - die Zielgerade. Tempomäßig kann ich  nicht mehr zulegen und so schleiche ich eher den Zielbogen entgegen. Silke, Jessi und Wolfgang stehen bei Kilometer 42 und treiben mich noch einmal an.

Ich lasse mir meine Finisher-Medaille umhängen und suche mir erst einmal ein ruhiges Plätzchen. Es dauert ein paar Minuten, bis ich mich über mein Finish freuen kann. Mir hätten zwei identische Runden besser gefallen, denn die zweite Hälfte ist wenig attraktiv. Dennoch kann ich den Malaga Marathon empfehlen. Die Stimmung vor, während und nach dem Lauf ist klasse. Auch Malaga selbst ist einen Besuch wert. Wer ein paar Tage mehr einplant, kann auch Sevilla, Granada oder Gibraltar noch einen Besuch abstatten.

 

 


 

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