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Laufberichte

Genova City Marathon: „Genova nel cuore“

02.12.18 Special Event
 

Nach 14 Jahren findet wieder ein Marathon in Genua statt. Die sechstgrößte Stadt Italiens mit rund 600.000 Einwohnern und dem flächenmäßig größten Seehafen des Landes ist die Heimat des Amerika-Entdeckers Christoph Columbus, dem hier auch ein Denkmal gesetzt wurde. Judith und ich kennen Genua nur von einem Tagesausflug vor über 20 Jahren, bei dem ich von einer Horde strafunmündiger Kinder mit flinken Fingern auf offener Straße beraubt wurde.

Ein erschwingliches Flugticket bringt uns in die ligurische Hauptstadt, die vor wenigen Monaten durch den Einsturz des Polcevera-Viadukts, auch Morandi-Brücke genannt, in die Schlagzeilen geriet. Die Rollbahn liegt quasi im Meer am Hafen. Per kostenlosem Bus fahren wir die wenigen Kilometer ins Zentrum. Ich bin hin- und hergerissen: Viele Häuser sehen ziemlich heruntergekommen aus. Dazwischen sieht man italienische Paare flanieren, teilweise tragen die Damen Pelzmäntel. Die U-Bahnstationen wirken sehr ungepflegt. Wenn sich nicht die Einheimischen so ungezwungen bewegen würden, wäre mir an vielen Stellen etwas mulmig zumute. Andererseits gibt es auch eine große Anzahl herrschaftlich wirkender Palazzi.

Zu Fuß geht es durch die Altstadt durch schöne, stimmungsvolle Einkaufsgässchen zum alten Hafen, dem Porto Antico. An vielen Stellen sieht man die Veränderung seit unserem letzten Besuch: Parkraum wurde zu schönen Plätzen umgestaltet, der Hafenbereich ist nun Fußgängerzone.

 

 

Die Marathonmesse befindet sich in den Magazzini del Cotone, einem ehemaligen Baumwolllager  am alten Hafen. Dort gibt es ein Kino, Lokale und eben auch Veranstaltungshallen. Bei der Abholung der Startunterlagen kommen Diskussionen auf. Auch hier wollten wir uns, wie vor einer Woche in Florenz, mit unserem Sportvereinsausweis anmelden. Ich hatte mir sogar die Bestätigung des Florenz-Marathons ausgedruckt. Aber wir werden nicht handelseinig, man will unsere Vereinsmitgliedschaft hier nicht anerkennen. Auf unsere Runcard können wir auch nicht verweisen, denn die ist vor zwei Tagen abgelaufen und kann vor Ort nicht erneuert werden. Erst nach Vorlage des Gesundheitszeugnisses und dem Erwerb einer Lizenz für 9 Euro dürfen wir an den Start. Bei der Gelegenheit lernen wir einen deutschen Läufer kennen, dessen Gesundheitszeugnis nicht mehr der aktuellen Vorlage entspricht. Bei ihm wird ein Auge zugedrückt, aber er muss ebenfalls die Lizenz kaufen.

Generell gilt: Wer sich anmeldet, das Gesundheitszeugnis hochlädt und die Nummer seiner gültigen Runcard eingibt, bekommt nach Prüfung das o.k. und kann mit der Sicherheit nach Italien fahren, dass er auch starten darf. Darauf verlassen, dass die Mitgliedschaft in einem deutschen Verein anerkannt wird, sollte man sich nicht.

Der durchsichtige kleine Starterbeutel ist gut gefüllt: Power-Pistazien, Nüsse, Schokogetränk, Veranstaltungslaufshirt von Mizuno. Alles für 29 bis 55€, je nach Anmeldezeitpunkt.

Wir nutzen die wenigen Stunden mit Tageslicht für eine Erkundung der großen und hügeligen Altstadt. Auf dem Weihnachtsmarkt wird der Becher Glühwein für 1 Euro angeboten. Dann geht es mit einem alten Jugendstilaufzug zu einem Aussichtsbalkon über der Stadt. Ein stimmungsvoller Abend, allerdings bei 7 Grad und Wind recht frisch.

In einer Bar am alten Hafen wird ein Apericena angeboten, wie wir es nun schon aus vielen italienischen Städten kennen: ein Getränk, in unserem Fall ein Cocktail, plus Selbstbedienung nach Belieben am Buffet für 7,90 € pro Person. Beim Rückweg zum Hotel kommen wir durch das Viertel Carignano. Schmale Gassen, sehr hohe Gebäude und ganz viele schicke Kneipen und Restaurants gibt es hier, dazu kleine Geschäfte und Handwerksbetriebe, darüber oft weihnachtliche Beleuchtung. Alles Multikulti, in der Hafenstadt gibt es viele Afrikaner und Südamerikaner. Gleich nach dem 2. Weltkrieg haben sich viele Süditaliener hier niedergelassen. Die Straße mit den „Zugereisten“ aus Sao Paulo müssen wir uns wohl für den nächsten Besuch aufsparen. Beim alten Stadttor Porta Soprana gelangt man in die Neubauviertel der Gründerzeit mit ihren riesigen Palazzi. Schlafen gehe ich mit der Gewissheit, dass dieses Wochenende für eine ausgiebige Stadtbesichtigung zu kurz ist und ich noch mal nach Genua kommen muss. Vielleicht zu einer wärmeren Jahreszeit.

 

Marathontag

 

Auf den englischsprachigen Seiten des Veranstalters ist der Start auf 9:00 Uhr angesetzt. Uns hatte man gesagt, dass es um 8:30 Uhr losgeht. Kurzum, wir sind rechtzeitig an der Messe, wo zur  Aufbewahrung nur die Starterbeutel akzeptiert werden. Da aber viele italienische Läufer/innen wie wir noch Sporttaschen oder Rollkoffer dabei haben, gibt es neben der offiziellen Aufbewahrung eine Ecke, in der man diese abstellen kann. Die wichtigen Dinge haben Judith und ich im Plastiksack abgegeben.

Dann einige hundert Meter zurück Richtung Altstadt. Vor dem Palazzo San Giorgio mit seinen sehenswerten Wandmalereien ist der Startbogen untergebracht. Gut geschützt stehen wir unter der Hochstraße. Tschäntoduätschinkwe (102,5) nennt sich ein sehr bekannter italienischer Radiosender, der hier den Moderator stellt. Der fröhliche Mann macht so seine Späßchen, als der Starttermin um 8:30 Uhr verstreicht. Ich vermute mal, dass es doch 9:00 Uhr werden wird. Minütlich steigert sich die Unruhe und um 8:50 Uhr geht es dann endlich los. 1.000 Marathonis und 400 Teilnehmer/innen des 11 km langen Fantozzi-Laufs (benannt nach einer Comedy-Figur, dargestellt von dem Genueser Schauspieler Paolo Villaggio) rasen los.

 

 

Einfach erklären lässt sich die Streckenführung nicht: Irgendwie handelt es sich um einen Auftakt in der Innenstadt mit drei anschließenden Runden auf gleicher Strecke, die jedes Mal kürzer werden. Muss man nicht verstehen, wenn man sich auf die Streckenposten und die Markierung verlassen will. Später stelle ich fest, dass man hier anscheinend den Verlauf des populären Genua-Halbmarathons mit seinen 10.000 Teilnehmern adaptiert hat.

Egal, wir absolvieren zunächst den wahrscheinlich interessantesten Teil des Laufs. Nach 400 Metern rechts in die Altstadt,  vor uns die Basilica della Santissima Annunziata del Vasto. Während es für die motorisierten Einheimischen in den Tunnel Giuseppe Garibaldi geht, biegen wir in die schmale Fußgängerzone Via Cairoli. Die Palazzi dei Rolli sind Weltkulturerbe und beherbergen heute Museen, Rathaus und Universitätsinstitute. Leider ist die Gasse recht schmal und der Himmel bedeckt. Alle Fotos misslingen. Weiter Richtung Oper. Die liegt nahe der großen Piazza de Ferrari. Auf der Viale XX Settembre verlassen wir die Altstadt, leicht bergab rase ich dahin. Über uns verbindet eine Brücke die beiden Hügel hinter den Häusern. Schick und spannend. Rechter Hand erspähe ich hinter einen Markt den weißen Triumphbogen, der zur Erinnerung an die Gefallenen des 1. Weltkriegs errichtet wurde. Es geht wieder Richtung Meer. Der Piazzale Kennedy heißt uns mit guten Wünschen in vielen Sprachen willkommen.

Auf dem Corso Italia werden wir nun Richtung Levante, also nach Osten, laufen. Rechts ein Winterpark, die kühle Version des sommerlichen Lunaparks. Er rühmt sich, der größte winterliche Vergnügungspark Europas zu sein.

 

 

Ich genieße die Ausblicke auf das Meer, die prachtvollen Villen und Kirchen und die Überreste des Fort San Giuliano. Hier befindet sich seit 1995 der Sitz der Carabinieri von Genua. Die Villa Canali Gaslini würde mir auch gefallen. Eigentlich wäre ich schon mit dem Pförtnerhaus am Eingangstor zufrieden. Schwammstelle mit guter Musik, die Helfer haben bei 10 Grad nur wenige Schwämme zu verteilen und halten sich mit Anfeuerungen warm. Für uns geht es bis Boccadasse. Hier ist in den Romanen von Andrea Camilleri Livia, die Dauerverlobte des sizilianischen Kommissars Salvo Montalbano, beheimatet. Den Ort gibt es also wirklich, anders als die fiktiven Städte Montelusa, Vigata und Marinella auf Sizilien, wo der commissario seiner Arbeit nachgeht. Laut Stadtinformation ist dieses charakteristische Seefahrerviertel mit seinen guten Lokalen ein Treffpunkt romantischer Liebespaare.

Wieder zurück beim Piazzale Kennedy geht es nun auf die Sopraelevata Aldo Moro. So nennt sich die Hochstraße, die findige Verkehrsplaner am Hafen entlang gebaut haben und die im August 1965 der Nutzung übergeben wurde. Die Hochstraße ermöglicht viele Blicke auf das Hafengebiet. Es geht erst leicht nach oben und dann sanft nach unten. Der Bodenbelag ist spitze, man kann sich ganz dem Rausch der Geschwindigkeit hingeben. Vor mir sehe ich den kompakten Pulk der Vierstundenläufer. An die werde ich mich langsam heranschieben. Am Hafen gibt es eine Abfahrt, wo auch Zuschauer stehen. Die 11-km-Läufer dürfen nun schon nach unten ins nahe Ziel. Für uns geht es weiter.

Das Aquarium von Genua, das wir linker Hand sehen, ist das zweitgrößte Aquarium Europas nach dem L´ Oceanogràfic im spanischen Valencia. Es wurde 1992 anlässlich der Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas eröffnet und seitdem mehrmals erweitert. Planung und Ausführung lagen bei den Architekten Renzo Piano und Peter Chermayeff. Besonders interessant sind drei große Meerwasserbecken mit Delfinen, Haien, Robben und Wasserschildkröten. Auch diese Besichtigung muss ich mir für einen späteren Besuch der Stadt aufsparen. Schade, zu gerne hätte ich die Rundschwanzseekühe aus der Nähe betrachtet.

Die geschichtsträchtige Stazione Marittima, die einen Teil des Hafens ausmacht, ist heute ein Kreuzfahrtterminal. An fünf Piers gibt es 15 Liegeplätze für Kreuzfahrtschiffe und Fähren. Die Anlagen für den Fährverkehr haben eine jährliche Gesamtkapazität von 4 Millionen Passagieren, 1,5 Millionen Personenfahrzeugen und 250 000 Lkws.

 

 

Das nahe Hochhausgebiet, auf einem Hügel gelegen, kündigt das Ende unserer Hochstraße an. Über eine eher flache Brücke geht es auf die rechte Fahrspur und dann weiter Richtung Ponente, also in den Westen. Helfer weisen den Weg. Alternativ käme man hier schnell auf die Autobahn. Wir laufen ins Viertel Sampierdarena. Zwischen Bahndamm und schönen Gebäuden geht es dahin. Ein nettes kleines Sträßchen. Nun kommen auch immer mehr Läufer entgegen.

In der Via Walter Filak spürt man italienisches Leben pur. In den großen Wohnblöcken leben augenscheinlich nicht die reichsten Genueser. Aber sie sind alle an den Straßenrand gekommen, um  sich die verrückten Läufer mal anzusehen.

Vor uns sehen wir nun den mittleren Pilon des Polcevera-Viadukts, der den Beginn der A10 Richtung Nizza markiert. Der 1182 Meter lange Viadukt überspannte hier in 42 Metern Höhe das Polcevera-Tal. Am 14. August 2018 stürzte der westliche 90 Meter hohe Pilon samt 250 Metern Fahrbahn ein. In den mit abstürzenden Fahrzeugen starben 43 Insassen. Wie belastend dieses Ereignis für die Menschen ist, kann man an den vielen Läufern erkennen, die Luftballonherzen mit der Aufschrift 43 oder ein Trikot mit der Zahl 43 tragen. Judith und ich hatten gestern das fehlende Teilstück bei der Flugzeuglandung und aus dem Bus sehen können. Unvorstellbar, mehr als drei Mal bin ich selbst über diese Route gefahren. Mitten zwischen Hochhäusern hindurch führte die Straße, die auch für den innerstädtischen Verkehr sehr wichtig war.

Der Genueser Marathoni Roberto Bolognesi kommt mir mit einem Erinnerungsplakat entgegen. Vor uns steht der mittlere Pylon samt Fahrbahn. Nach verdächtigen Geräuschen mussten die direkt unter ihm liegenden Wohnhäuser geräumt werden. Die Konstruktion dieser Schrägseilbrücke von Riccardo Morandi aus dem Jahr 1967 galt schon lange als sanierungsbedürftig. Ebenso wird schon lange an einer neuen Autobahnumfahrung Genuas geplant und mit Bürgerinitiativen, die  dagegen sind, diskutiert. Noch im Dezember soll mit dem Abbruch der Brücke begonnen werden. Der Genueser Architekt Renzo Piano wurde mit dem Neubau beauftragt.

Km 17, für uns geht es zurück in die Läuferwirklichkeit. In einer Halle der Verkehrsbetriebe stehen auch historische Omnibusse. Nochmals an der Bahn vorbei. In den Bogengängen befinden sich wohl Geschäfte, deren heruntergelassene Rollläden mit Darstellungen aus dem Genueser Alltag bemalt sind. Mir gefällt es hier. Nur Züge fahren heute keine. Wie sich später herausstellt, war ein Fehler in der Stromversorgung der Grund.

 

 

Ein Verantwortlicher schreit mit knallrotem Kopf die Standbetreuer von km 15 an, sie sollten uns Zurücklaufenden keine Getränke reichen. Wie sage ich immer: In Italien ist die Verwaltung noch effizienter als in Deutschland. Ich freue mich auf km 20 am Anfang der Hochstraße. Dort gibt es dann zwar kein Iso mehr, aber ziemlich grüne Bananen.

Nun also links auf der Häuserseite der Sopraelevata. Ich beobachte das Treiben auf den Straßen unten, die Wohnblöcke auf den Hügeln und die wirklich schönen und gepflegten Paläste dazwischen. Ein von vielen Palmen umgebenes Gebäude ist wohl das Grand Hotel.

Der Halbmarathon wird unspektakulär vollzogen, Hinweise darauf, dass man die Hälfte geschafft hat, gibt es keine. Wer mag die Kilometerschilder geklaut haben? Die Führenden kommen uns entgegen, sie dürften 12 km voraus sein. Wir kommen am Porto Antico vorbei. Die Auffahrt links wurde vor Jahren entfernt. Rechts werden wir später ins Ziel laufen, nach weiteren 19 km.  

Piazzale Kennedy. Eigentlich klar, dass wir geradeaus noch mal ins romantische Boccadasse müssen. Die Führungsgruppe hat uns nicht einholen können, sie darf hier wenden. Leider steht hier nur ein kleines unauffälliges Schild, sodass einige Läufer hinter uns zu früh umkehren und unfreiwillig abkürzen werden. Ich freue mich auf die Animation bei der Schwammstelle. Der Himmel über dem Meer ist düster und schwarz. Aber es ist windstill und der befürchtete Regen bleibt aus. In der malerischen Kirche San Antonio di Boccadasse ist gerade ein Gottesdienst zu Ende gegangen. Dann wieder zurück.

An einem Hang steht ein Wohnblock, oben drauf eine große Kirche. Am Winterpark sind die ersten sonntägliche Besucher eingetroffen. Ich sehe einen Helfer, der das von der anderen Seite ankommende Läufervolk aufteilt: Wer sich bei km 24 befindet, muss geradeaus laufen, wer schon 39 km hinter sich hat, muss wenden.

Giuseppina, die Pacerin für 3:30 - sie wird Erste in der AK35 - kommt uns entgegen und hat sogar noch Zeit, ihr Team zu fotografieren. Da fühle ich mich plötzlich ganz schön alt.

Links ein Fährschiff, dessen Fassade die Comic-Darstellungen von Superwoman und Superman zieren und vor uns am westlichen Rand des alten Hafens der Leuchtturm „Torre della Lanterna di Genova“. 1128 gab es den ersten Turm, ab 1326 hing eine Öllaterne darin. Am Wochenende kann man dieses Wahrzeichen der Stadt besichtigen.

km 35, der westliche Turnaround liegt hinter uns, Judith läuft voraus. Das Stück um den Hafen herum bietet auch beim zweiten Mal noch neue Einsichten. Aus einem Wohnblock feuert uns ein Pärchen an. So ein Marathon kann auch Ruhe in die Stadt bringen. In einer Stunde tobt hier wieder der Verkehr. Auf den Ausweichstrecken scheint es aber dicht zu werden, denn das Gehupe nimmt zu. Noch einmal geht es direkt an den Balkonen einzelner Häuser vorbei. Wie mag es sein, da zu wohnen?

 

 

Wieder Piazzale Kennedy. Nun ist alles klar: Wir müssen sofort zurück. Von vorne kommen noch Läufer, die haben noch zwölf Kilometer vor sich, ich 2,5. Judith ist kurz vor mir. Aber ich bringe den Ehrgeiz nicht auf, noch mal an Geschwindigkeit zuzulegen. Rechnen kann ich auch nicht mehr. Unter 4:15 h müsste doch klappen? Auf einmal werde ich unsicher, ich gebe Gas. Keine zweihundert Meter, dann überquere ich das Ziel.

Zum Gedenken an die 43 Toten des Brückeneinsturzes war der Lauf über 43 km ausgeschrieben, mit dem Motto „Genova nel cuore“ („Genua im Herzen“). Daher geht es noch 800 Meter weiter Richtung Riesenrad. Aber warum werden uns dann hier schon die Medaillen umgehängt? Dass es nach dem offiziellen Marathon eine Zeitnahme gibt, leuchtet ein, aber den letzten knappen Kilometer hätte man doch auslaufen können. Wir unterhalten uns mit dem deutschen Teilnehmer, den wir vom Vortag kennen und der zwischen Judith und mir ins Ziel kommt. Irgendwann machen wir uns auf zu km 43. Und siehe da: Hinter der Baumwollhalle taucht die Zielverpflegung auf. Kekse, Iso, Wasser, Schokoladenmilch, Pistazien.

Duschen gibt es leider keine. Unsere Reisetaschen sind noch da, wir streifen uns trockene Kleidung über und machen uns gleich auf den Weg zum Flughafen. Um 17:00 Uhr geht es schon nach Hause. Ein schickes Terminal gibt es hier, wo heute aber nur noch drei Flüge abgefertigt werden.

Der erste Marathon in Genua nach 14 Jahren Pause zeigt, wie schwierig es ist, einen gut organisierten Lauf zu veranstalten. Am verrücktesten ist das Fehlen jeglicher Toilettenhäuschen.

Wer sich vorher mit den Informationen im Internet auf Italienisch und Englisch auseinandergesetzt hatte und außerdem über einen guten Orientierungssinn verfügt, konnte sicher auch mit den fehlenden Kilometermarkierungen und den Verzweigungen umgehen. Manchen dürfte die mangelhafte oder gar fehlende Beschilderung aber den Spaß verdorben oder gar eine Disqualifizierung eingebracht haben. Letztendlich wurde die Straßensperrung verfrüht aufgehoben. Alle Läufer, die km 32 nicht nach 3:45 h passiert hatten, mussten anscheinend abbrechen.

Trotz des Ärgers äußern viele Genueser im Internet Stolz und Freude darüber, wieder einen Marathon zu haben. Die Streckenführung ist etwas Besonderes und ermöglicht schnelle Zeiten. Ich würde an diesem Lauf jederzeit wieder teilnehmen, dann aber mit einem zusätzlichen Tag, um die Stadt besser kennenzulernen.


Erstplatzierte:

 

1 RITY MOHAMED              ITA 2:31:54
2 LOTTI LORENZO             ITA 2:32:26
3 CALCATERRA GIORGIO     ITA 2:37:57

1 VITTORIA DANIELA        ITA 3:11:42
2 GIUDICI FABIOLA        ITA 3:11:52
3 SIMONELLI STEFANIA        ITA 3:12:17

 

770 Finisher von 820 Startern

6 Deutsche, der erste davon kam aus München: Scalise Sandro in 3:11:49
3 Teilnehmer aus Großbritannien

 


 

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