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Laufberichte

Die Bergischen 5

07.04.22 Special Event
 

Die Region Bergisches Land liegt in NRW und erstreckt sich von Köln bis zum Sauerland bzw. von der Wupper und bis zur Sieg. Der Name leitet sich vom historischen Herzogtum Berg ab. Heute wird der Begriff Bergisches Land vornehmlich geographisch für die höher gelegenen („bergigen“) Regionen des ehemaligen Herzogtums verwendet.

Oliver Witzke, in Ultrakreisen bekannter Veranstalter von diversen Laufveranstaltungen, hatte 2018 ein neues Projekt in Angriff genommen: Die Bergischen 5. Im Gegensatz zu anderen Etappenläufen gibt es nur einen Standort. Turnhallenjunkies kommen nicht auf ihre Kosten. Die Läufer sind in 2 Hotels in Wermelskirchen untergebracht.

Nach der erfolgreichen Erstaustragung in 2018 musste der Lauf zweimal abgesagt werden. Nun ist es in diesem Jahr endlich soweit. Das Event beginnt am Samstag ab 14 Uhr mit einchecken im Hotel und anschließender Ausgabe der Startnummern. Nach herzlicher Begrüßung bekommen wir ein schönes T-Shirt, eine Mappe mit allen wichtigen Informationen, sinnvolle Kleinigkeiten und ein außergewöhnliches Geschenk: Ein Vespermesser mit dem Aufdruck der Müngstener Brücke, die in diesem Jahr ihr 125 jähriges Bestehen feiert.

Beim Briefing werden alle Läufer namentlich vorgestellt. Dann gibt es noch ein paar organisatorische Hinweise und das Abendessen im gleichen Raum. Wenn wir gerade nicht laufen, wird das eine Woche der kurzen Wege.

Die Veranstaltung bietet etwas für jeden Geschmack. Grundsätzlich gibt es zwei Wettkämpfe: Die sogenannte Erwachsenen Runde mit Distanzen zwischen 45 und 70 km und die Kindergartenrunde mit 27- 45 km. Die Tage werden unterschiedlich schwierig, der vierte Tag ist sogar ein Traillauf. Je nachdem hat man 10 bis 12 Minuten pro Kilometer Zeit um das Tagesziel zu erreichen. Jeder Lauf kann auch als Einzeletappe gebucht werden.

Norbert und ich haben uns für die Erwachsenen Runde angemeldet. Nach den warmen Tagen im Pfälzer Bergland steht uns jetzt ein Wettersturz bevor. Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes: Regen, Sturm und Kälte. Warme Hosen und Jacken sind auf jeden Fall im Gepäck.

 

1. Etappe: Wunderschönes Eifgental, 50 km 750 Hm


Start ist um 7 Uhr vor dem Hotel. Die ersten Meter im Wohngebiet fährt Oliver mit dem Fahrrad voraus. Es geht an der Hauptstraße Richtung Hunger. Bevor wir den Teilort erreichen, geht es links bergab durch zwei kleine Orte. In Unterwinkelhausen zweigen wir wieder links ab, dann in einen Hof. Die Läufer vor mir kommen zurück. Irgendetwas ist falsch. Bewohner des Hofes rufen aus dem Fenster, wir sollen hier scharf links, km 4.

Im Wald wird es jetzt unwegsam, denn hier wurde vor kurzem Holz gemacht. Nachdem wir den Hindernisparcour unfallfrei überquert haben, geht es auf kleinen Trails im Wald auf und ab. Fast hätten wir den Abzweig auf die Autobahnbrücke übersehen. Noch eine hohe Stufe, dann steht plötzlich Olli mit seinem Fotoapparat vor mir. Er klatscht nochmal ab. Dann überqueren wir die Autobahn.

 

 

Wieder im Wald hoch und runter kommen wir gut voran. Ungefähr bei km 8 erreichen wir die alte Bahntrasse. Nach ihrer Stilllegung wurde auf dem ehemaligen Gleis ein nahezu flacher Radweg erschlossen. Dort laufen wir nun entlang. Trotz sehr langen Geraden finde ich das gar nicht langweilig. Bei km 12 kommt die erste VP. Ich brauche nicht viel, aber freue mich über alkoholfreies Bier und Lebkuchen.
Hinter der VP verlassen wir den Radweg in Burscheid. Es geht parallel durch den Ort. Die Kindergartenrunde zweigt hier nach links. Wir laufen hinter einer Baustelle erneut auf die Bahntrasse. Norbert hat Probleme: seine linke Wade zwickt. Er ist froh, als wir bei km 23 auf einen schmalen Trail abzweigen.

Es geht durch die Wiembachaue. Am Ortsrand von Opladen wartet die 2. VP. Hier wird meine schlimmste Befürchtung wahr: Norbert muss aussteigen. Er kann mit dem Fuß nicht mehr abrollen. Schweren Herzens verabschieden wir uns.

Es geht jetzt ein Stück durch den Ort, an einer Straße entlang, anschließend bergauf durch den nächsten Ort und auf einen schmalen Spazierweg. Hinter den Tennisplätzen müssen wir eine steile Wiese hinauf. Oben angekommen an der Straße und über die Felder. Konzentriert laufe ich auf der mit rosa Pfeilen markierten Strecke.

Ein traumhafter Trail bringt mich nun steil bergab. Erneut auf der Straße werde ich erinnert, dass heute Sonntag ist. Mühsam schlängele ich mich zwischen Spaziergängern hindurch. Auf einem großen Parkplatz warten die Helfer mit der nächsten VP. Hier gibt es sogar Kaffee. Fast hätte ich Norbert übersehen, der warm eingepackt im Wohnmobil auf den Rücktransport wartet. Ich vermute, er würde lieber laufen.

Ein Schild kündet den Märchenwald Altenberg an. Auf dem leichten Anstieg sind viele Familien unterwegs. Hier gibt es eine Art Vergnügungspark für Kleinkinder. Schnell lasse ich das Getümmel hinter mir. Pfeile weisen auf einen netten Pfad direkt am Eifgenbach entlang. Umgestürzte Bäume und felsige, teils abgerutschte Passagen bieten Abenteuer.

Hier ist es wirklich traumhaft schön. Etwas höher führt ein breiter Wanderweg. Mein Pfad läuft im Zick zack auf und ab, immer am Bach entlang. Ungefähr bei km 35 verlasse ich das Tal und laufe oberhalb auf breitem Weg. Aufgepasst! Fast hätte ich den kleinen Abzweig übersehen. Schnell bin ich wieder unten am Wasser.

 

 

Im Briefing hat Olli angekündigt, dass der Eifgenbach einmal ohne Brücke überquert werden muss. Hier ist der Fluss ca. 3 Meter breit und 2 Baumstämme liegen darüber. Weil es nicht hoch ist, komme ich trotz Brückenangst gut hinüber.
Bald erreiche wieder einen gut besuchten Spazierweg. Ich überhole eine Wandergruppe, dann stehe ich unvermittelt an der Straße. Trotz größter Aufmerksamkeit kann ich keine Markierung erkennen. Der Track meiner Uhr zeigt geradeaus. Ich überquere die Straße und finde nur einen völlig zerstörten Wanderweg. Meterhoch gestapeltes Holz zeigt, dass hier vor kurzem noch gearbeitet wurde. Muss ich hier wirklich entlang? Auch die Wandergruppe ist ratlos: „Hilfe, unsere Schuhe werden ganz dreckig!“

Ich laufe ein Stück und hole das große Navi, das mir Norbert noch zusätzlich zugesteckt hatte, aus dem Rucksack. Ok, ich bin hier richtig, deshalb wate ich durch tiefen Matsch weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit wird es trockener. Die folgenden Kilometer entschädigen für die schmutzigen Schuhe. Der schmale Trail immer in Bachnähe ist genau wie ich es liebe: weicher Waldboden, welliges dahingleiten, tolle Natur.

Bei km 45 überholt mich ein Läufer. Er wird von einer Radlerin begleitet. Wie konnte sie die Strecke bis hierher auf zwei Rädern schaffen? Sie meint, dass sie zwischendrin das Rad getragen hätte. Das glaube ich sofort. Die beiden sind schneller als ich. Ich versuche sie so lange wie möglich im Blick zu behalten, damit ich die Strecke nicht selbst suchen muss.

Leider geht es jetzt tendenziell bergauf und bald ist der Läufer mit seiner Radbegleitung im Wald verschwunden. Dafür sind nun wieder Spaziergänger unterwegs. Der letzte Anstieg liegt nun vor mir, es geht nochmal richtig hinauf. Die ersten Häuser von Wermelskirchen kann ich schon erkennen.

Im Ort steigt die Straße steil an, ich überquere eine Straße, auf der anderen Seite geht es genauso steil weiter. Pfeile zeigen rechts, ich stehe vor dem geöffneten Tor der Schule. Da muss ich aber nicht hinein, mein Weg geht links. Vor mir liegt ein Parkplatz und dahinter unser Hotel. Nanu, ein rosa Pfeil zeigt nach rechts.
Erst ein paar Meter weiter darf ich Richtung Hotel laufen. Ich komme eine schmale Zufahrt hinunter und habe es geschafft. Oliver und Norbert beglückwünschen mich. Ich entledige mich meiner matschigen Schuhe bevor ich aufs Zimmer gehe.

 

2. Tag: Röntgenweg durch Remscheid, 60 km 1350 Hm


Der Start der Erwachsenen Runde erfolgt um 7 Uhr. Nach einem tollen Abendessen und genauso gutem Frühstück werden wir wieder von Olli auf die Strecke geschickt. Heute stehen 60 km mit 1350 Hm auf dem Programm. Norbert hat immer noch Schmerzen und setzt aus.

Weil es die ersten Kilometer tendenziell bergab geht, bin ich lange in einer Gruppe unterwegs. Bei den angekündigten Eseln (km 4) machen wir vorschriftsmäßig die Gatter wieder zu. Der folgende steile Abstieg ist ebenfalls wie beschrieben. Wir passen auf und kommen unfallfrei hinunter.

 

 

Nach Überquerung einer Straße verliere ich auf der folgenden Steigung meine Mitläufer aus den Augen. Reinshagen liegt auf dem Gipfel unserer Steigung. Auf der anderen Seite des Berges geht es nun steil hinunter ins Wuppertal. Ich erreiche einen welligen breiten Waldweg. Bald kann ich vor mir die Müngstener Brücke erkennen. Sie ist die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands und verbindet Remscheid mit Solingen. Gerade kommt auch eine S-Bahn die zwar langsam, aber doch deutlich hörbar, die imposante Metallkonstruktion überquert.

Eine mir wohlbekannte Wegmarkierung, das „R“ sagt mir, dass ich mich jetzt auf dem Röntgenweg befinde. Auf dieser Strecke wird im Herbst der Röntgenlauf ausgetragen, bei dem Norbert und ich bereits zweimal teilnehmen durften. Wir laufen die Strecke heute aber in umgekehrter Richtung.

Interessehalber scrolle ich die Displays meiner Uhr durch, um zu erfahren wie viele Höhenmeter wir bereits geschafft haben. In diesem Moment hängt sich meine Uhr auf. Alle Funktionen sind eingefroren. Hilfe, wie soll ich nun den Weg finden?

Nach einer kurzen Panikattacke überdenke ich meine Möglichkeiten: Norbert will mich am ersten VP treffen, bestimmt kann ich seine Uhr haben. Dort muss ich also irgendwie hin. Weil ich nicht navigieren kann, versuche ich nach Schildern zu laufen.
Bei km 11 erreiche ich glücklich die VP. Norbert kann meine Uhr wieder starten, sie geht wieder. Da habe ich aber Glück gehabt. Nach ausgiebiger Stärkung kann ich beruhigt weiter laufen. Immer wieder kommen mir Streckenabschnitte oder Gebäude bekannt vor. Bei km 20 erreiche ich Remscheid-Clemenshammer, dort ist das Ziel des Röntgenlauf-Halbmarathon. Hier geht es in das wunderbare Gelpetal auf weicher Erde tendenziell bergauf.

Bald stehe ich vor einem verschlossenen Tor. Wegen der Hochwasser letztes Jahr, droht hier massiver Hangrutsch, mein Track zeigt links zum Bach hinunter. Unten muss ich das flache Gewässer überqueren. Ich suche eine Furt, tappe aber beim letzten Schritt doch ins Wasser. Ui, ist da kalt. Bald geht es wieder auf befestigtem Weg. Die Führenden der Kindergartenrunde spurten jetzt von hinten an mir vorbei. Sie sind eine Stunde später gestartet. Wir grüßen freudig hin und her.

Hinter dem Restaurant Zillertal gelangen wir ins Saalbachtal immer weiter bergauf bis Langenhaus. Gut, dass vor mir ein Läufer abbiegt, sonst hätte ich den Abzweig auf den engen Trail übersehen. Nach kurzem Downhill erreichen wir die 2. VP bei km 22. Norbert erwartet mich.

Während ich durch den Wald jogge, merke ich, wie das Wetter kippt. Es sieht nach Regen aus und der Wind frischt auf. Als ich den Wald verlasse, stellt sich mir eine steife Brise entgegen. Beim Bergablaufen habe ich einen phantastischen Blick auf den Stadtkegel von Remscheid, Rathausturm und Waterbölles, dem Remscheider Wasserturm auf der nächsten Anhöhe.

Doch so weit komme ich gar nicht. Links geht es auf einen Feldweg und zurück in den Wald. In Lüttringhausen geht es durch den Park. Dann auf der Hauptstraße entlang und am Bahnhof vorbei; hier ist beim Röntgenlauf immer tolle Stimmung.
Wieder im Wald führt eine Brücke über die A1. Beim Verlassen des Waldes beginnt feiner Sprühregen. Wenn der Wind nicht so pusten würde, wäre das nicht einmal unangenehm. Seit einiger Zeit ist Olaf mal vor, mal hinter mir. Er hat ein Navi mit Sprachausgabe. Das klappt super gut. Wenn er vor mir ist kann ich mich gut an ihm orientieren.

 

 

Wir sind gerade auf einer Anhöhe als der Himmel unvermittelt seine Schleusen öffnet. Es schüttet. Das ist richtig widerlich. Fast noch schlimmer ist, dass die 3.VP bei km 33 ebenfalls keinen Schutz bietet. Wir machen uns schnell wieder vom Acker.
Die nächsten Kilometer sind zum Vergessen: Regen und Sturm machen das Vorankommen schwierig. Dazu geht es meist bergauf. Wir erreichen die verlassenen Straßen von Lennep. Hier ist irgendwo der Start des Röntgenlaufs. Für uns geht es hinter dem Ort bergab und dann am Stausee der Wuppertalsperre entlang. Mittlerweile sind Gabi, Sara und Paul auf uns aufgelaufen. Ich versuche an der Gruppe dranzubleiben, schaffe ich aber nicht.

Eigentlich mag ich laufen am Wasser ganz gerne, aber dieser See nimmt gar kein Ende. In Niederfedelbach bei km 40 verlassen wir endlich das Gewässer. Mittlerweile sind meine Handschuhe durchnässt, ich muss die Kamera wegstecken und meine Hände in die Ärmel meiner Jacke einziehen. Das macht die Handschuhe zwar nicht trocken, aber die Hände sind nicht mehr tiefgekühlt.

Die Helfer der VP4 bei km 43 sind auch schon total durch gefroren. Weil ich Letzte bin dürfen sie nun zusammenpacken. Die letzte VP kommt bei km 54. Olaf ist wieder in Sichtweite. Gemeinsam laufen wir den letzten versteckten Trail hinunter. Unten müssen wir ca. 300 m an einer stark befahrenen Straße entlang. Gut, dass Olaf eine Neongelbe Jacke anhat, denn das können die Autofahrer gar nicht übersehen. Die letzten 3 km sind nochmal mehr oder weniger steil ansteigend.

Ich brauche für die 60 km Heute 10h19 min, davon gut die Hälfte im strömenden Regen. Deshalb beschließe ich, morgen auf die 70 km Etappe zu verzichten und auf die 45 km der Kindergartenrunde zu wechseln. Natürlich komme ich dadurch nicht in die Gesamtwertung, was mir aber auch nicht so wichtig ist.

 

3. Tag: Der Klingenpfad in Solingen, 45 km 987 Hm


Die Läufer der Kindergartengruppe fahren zum Schloss Burg, wo der Lauf heute starten wird. Die Erwachsenen sind bereits vor einer Stunde am Hotel in Wermelskirchen los gelaufen. Heute soll es den ganzen Tag regnen. Weil es aber 5 Grad wärmer ist, kann ich bald ohne Handschuhe laufen.

Schloss Burg (auch Schloss Burg an der Wupper) war seit dem 12. Jahrhunderts der Stammsitz des Geschlechts „von Berg“ und ist heute das Wahrzeichen des Bergischen Landes. Seit 1890 wird das Schloss rekonstruiert und renoviert; auch im Moment sind die Mauern eingerüstet.

 

 

Wir laufen durch den Burghof und auf der Rückseite der Anlage bergab. Hier im historischen Ambiente, hat sich allerlei Gastronomie angesammelt. Im Tal passieren wir das Örtchen Unterburg und überqueren auf einer Brücke die Wupper.
Der Klingenpfad gilt als einer der schönsten und abwechslungsreichsten Wanderwege im Bergischen Land. Die Wege führen durch abwechslungsreiche Natur, vorbei an historisch bedeutsamen Orten. Die Länge des gesamten Wanderwegs beträgt knapp 75 Kilometer. Aufgrund der seit dem Mittelalter in ganz Europa gerühmten Solinger Messerindustrie wurde der Wanderweg Klingenpfad getauft. Der Weg ist mit einem „S“ markiert.

Heute bin ich gleich von Anfang an allein. Bei km 4 unterquere ich die Müngstener Brücke, diesmal bin ich auf der linken Seite der Wupper. Plötzlich tauchen Läufer vor und hinter mir auf. Schnell merke ich, dass dies die Kollegen der Erwachsenenrunde sind. Ich bewundere, mit welcher Geschwindigkeit sie auf ihrer, heute 70 km langen, Runde unterwegs sind. Die erste VP ist eigentlich nicht für mich gedacht, ich habe ja erst 6 km auf dem Tacho. Natürlich darf ich mich trotzdem bedienen. Bald bin ich wieder allein.

Bei km 10 ist dann meine erste VP. In Solingen geht es auf dem Gehweg steil bergauf. Oben darf ich wieder auf eine stillgelegte Bahntrasse mit dem Highlight eines alten Tunnels. Nach ca. 2 km verlasse ich das Flachstück, dann geht es auf und ab im Wald. Wieder Richtung Ort, stehe ich vor einem geschlossenen Tor. Mein Track zeigt hinein. Ich befinde mich in einer gepflegten Kleingartenanlage. Auf dem gepflasterten Weg komme ich gut voran. Hier liegt quasi ein grünes Band mitten in der Großstadt Solingen.

 

 

Dann bekomme ich doch noch Stadtfeeling; ich muss im Zickzack zwischen Häusern hindurch, laufe auf Spielplätzen, durch Einkaufsstraßen und über eine große Eisenbahnbrücke.

Bisher mache ich gute Fortschritte. In der Stadt sind die Pfeile gut zu erkennen, der Regen hält sich in Grenzen, auch der Untergrund der Wege ist weitgehend in Ordnung. Doch jetzt habe ich Probleme. Den Einstieg in einen kleinen Trail an der Bahn entlang, habe ich mit Mühe gefunden.

Bei km 22 an der VP wartet Norbert mit einem Bier. Nach dem Schock genieße ich das doppelt. Doch das nächste Problem lässt nicht lange auf sich warten: ich laufe in den Hof einer Kirche. Hier soll der Weg abzweigen. Aber wo? Ich kann den Einstieg nicht finden. Ich frage einen Anwohner, der mir ein geöffnetes Gartentürchen zeigt, an dem ich vorbeigelaufen war. Hinter dem Türchen kommt nun ein traumhafter Trail.

Bald geht es auf eine romantische Straße. Holger von der Erwachsenen Runde kommt von hinten. Wir vergleichen unsere Daten: ich muss noch 21,6 km laufen er hat noch knappe 26. Schnell macht er sich von dannen.

Ich will es ausnahmsweise kurz machen: Für die folgenden 21, 6 km brauche ich über 5 Stunden. Wegen des Dauerregens sind die Wege aufgeweicht. Es gibt so gut wie keine Pfeile, so dass ich, an gefühlt jedem Abzweig, aufwendig navigieren muss. Oft muss ich hin und zurück, bis ich den richtigen Weg finde. Es geht steil bergauf, steil bergab, manchmal ist es super rutschig. Ich bin total verdreckt und zu allem Überfluss laufe ich mir in meinen neuen Goretex-Schuhen Blasen.

Nach fast 10 Stunden erreiche ich das Ziel. Den Trail, der morgen auf dem Programm steht, werde ich auslassen.


4. und 5. Tag


Am nächsten Vormittag machen wir eine kleine Entspannungsrunde und Norbert nutzt das, um seine Lauffähigkeit zu prüfen. Schnell finden wir einen schönen Waldweg, müssen aber feststellen, dass Norbert auch die letzte Etappe nicht laufen kann. Oh je - dann bin ich morgen schon wieder alleine im Wald!

Zurück im Hotel werfen wir einen Blick auf den Wetterbericht: Er verspricht für den morgigen Tag Regen und Sturm. Jetzt bin ich endgültig raus. Das ist mir echt zu viel.
Wir melden uns bei Oliver ab und können unsere zusätzliche Übernachtung stornieren. Noch bevor die Läufer am Donnerstag von ihrer letzten Etappe zurück sind, sind bereits wieder daheim.

 

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Fazit:

 

Das Bergische Land ist ein Traum. Trotz vieler großer Städte gibt es hunderte von Kilometern fast unberührte Natur. Die Trails sind klasse und gut zu laufen. Dass es hier oft regnet ist ein offenes Geheimnis.

Bei der genialen Streckenauswahl der Bergischen 5 wird es nicht langweilig. Das gilt auch für die Verpflegung. Sie ist reichhaltig und lecker.
Im Hotel haben wir uns sehr wohlgefühlt, das Essen war sehr gut und abwechslungsreich.

Weil ich jeden Tag so lange unterwegs war, konnten wir beim Rahmenprogramm der Bergischen 5 nicht teilnehmen. Im Angebot waren informative und unterhaltsame Multimediavorträge.

Eine gewisse Grundschnelligkeit ist Voraussetzung um die Etappen in der vorgegebenen Zeit zu bewältigen, um dann auch noch genügend Zeit zur Regeneration zu haben.

Der Umgang mit Navigationsgeräten sollte vorher geübt werden.
Erfahrung im Etappenlauf ist von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Oliver, sein Team, ebenso wie die anderen erfahrenen Läufer unterstützen mit Tipps, wo immer es geht.

Vielen Dank an Veranstalter und Helfer; macht weiter so.

 


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