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Laufberichte

Treviso Marathon: Running Joy

27.03.22 Special Event
 

30 Kilometer nördlich von Venedig liegt das schöne, 85.000 Einwohner zählende Städtchen Treviso, dessen Geschichte sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen lässt und in dem man noch heute viele Gebäude aus dem Mittelalter bewundern kann. Die Stadt ist über den nahen Flughafen, den hauptsächlich Billigfluglinien anfliegen, gut zu erreichen. Über den Fernverkehrsbahnhof Venedig kommt man per Zug ebenfalls schnell nach Treviso.

Der Marathon, der in diesem Jahr seine 17. Auflage erfährt, belegt anhand der Finisher-Zahlen aus dem Jahr 2019 Platz 11 der italienischen Marathons. Die flache Strecke ermöglicht schnelle Zeiten.

Judith und ich reisen samstags aus Venedig an und holen zuerst die Startunterlagen auf dem Festplatz etwas außerhalb der Stadt ab. Dort befinden sich auch Start und Ziel der Laufwettbewerbe. Im günstigen Preis von 30 € sind ein Veranstaltungsshirt, zwei Schlüsselanhänger, Kekse sowie Getränke vom Sponsor San Benedetto enthalten, der Abfüllanlagen im nahe gelegenen Scorzè betreibt. Natürlich wird, wie auch in italienischen Restaurants, unser Green Pass -oder war es der Super Green Pass?- kontrolliert. Das ist einfach der QR-Code aus Deutschland.

 

 

Unser Hotel liegt im Zentrum, das fast vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist. Die schönen Straßen der Altstadt gefallen mir sehr gut. Wunderschön sind auch die fünf Kanäle des nur zwei Kilometer langen Botteniga (früher: Cagnan), die durch die Stadt fließen und in den größeren Fluss Sile münden. Der Sile wird von Grundwasserquellen gespeist, die hier „fontanassi“ genannt werden. Eine Hauptattraktion, besonders für Kinder, sind im Frühjahr die vielen brütenden Enten und Schwäne am Flussufer. Wie immer am frühen Abend sind gefühlt alle Bewohner der Stadt mit ihrer traditionellen „passeggiata“ beschäftigt, also dem Spaziergang im Zentrum. Die Bars und Cafés sind bestens besucht. Der Aperol Spritz samt einer Schüssel Chips kostet hier 2,50 €,  ein Angebot, das wir uns für nach dem Marathon aufheben. Außerdem sollten wir nicht zu spät zu Bett gehen, denn die Zeitumstellung, hier „tempo legale“ genannt, steht an. Aufstehen also um 5:30 Uhr Winter- bzw. um 6:30 Uhr Sommerzeit.

Wir entscheiden uns, die 2,6 km vom Zentrum zum Festplatz zu Fuß zu gehen, immer am Sile entlang. Dort geht es erst mal in die Schlange vor den vier Toilettenhäuschen. Vielleicht etwas knapp bemessen für über 2.000 Teilnehmer. Wie in Italien üblich, gibt es auch hier ein großes Hallo. Ein Team meist jugendlicher LäuferInnen aus der Ukraine entrollt eine Fahne. Leider treffen wir keine Bekannten. Alles ist gut organisiert. Die Kleiderbeutelabgabe funktioniert zügig. Der Start ist etwas entfernt auf einer großen Straße. Nach kurzen Grußworten samt Vorstellung der FavoritInnen geht es schon los. Eine Sieben-Kilometer-Runde durch die Stadt Treviso steht an. Später wird hier auch ein Sieben-Kilometer-Wettbewerb ausgetragen. Mit uns zusammen startet der 16-km-Lauf, dessen Teilnehmernummern ansprechender gestaltet sind als unsere und mit dem jeweiligen Vornamen in lesbarer Größe bedruckt sind.

 

 

Nach einem Kilometer geht es in die Altstadt, auf das Tor San Tomaso zu. Das Liceo Ginnasio Antonio Canova ist ein großes klassizistisches Bauwerk, vor dem heute ein Antiquitätenmarkt abgehalten wird.

Vorbei am Duomo San Pietro Apostolo. Nebenan das Battisterio di San Giovanni aus dem 12. Jahrhundert. An der Calmaggiore folgt der im 13. und 14. Jahrhundert als Sitz des Hauptverwaltungsrats der Stadt errichtete Palazzo dei Trecento mit einem schönen Turm. Viele Zuschauer sind hier unterwegs. Kurz danach endet das Kopfsteinpflaster am Ufer des Sile auf der Riviera Garibaldi. Das Quartiere Latino beherbergt die Universität und gediegene Wohnungen in schön renovierten Gebäuden. Über der Brücke über einen Cagnan-Fluss prangt ein Dante-Denkmal. Der große italienische Dichter hat in seiner Göttlichen Komödie diese Stelle erwähnt: „dove Sile e Cagnan s’accompagna“. Die Getränkestelle verdeckt etwas den Blick auf die Bastione San Paolo oberhalb des Flusses.

Das war es dann mit der Stadt Treviso, denn nun folgt eine 35-km-Runde über das flache Land. Wir werden viele schöne Häuser sehen, Einkaufszentren (Domenica aperto – Sonntags geöffnet – aber heute nicht) und Industriebetriebe (Benetton Group, Electrolux, DeLonghi, Geox, Pinarello..) und natürlich auch landwirtschaftliche Flächen, an einer Stelle mit temperamentvollen Schafen, die laut blökend auf uns zugerannt kommen, glücklicherweise aber von einem Zaun in Schach gehalten werden.

 

 

Gerade als mir etwas langweilig wird, sehe ich ein Tattoo von Picassos berühmter Skizze „Don Quijote und Sancho Panza“ auf der Wade des Läufers vor mir und kommentiere meine Entdeckung. So kommen Judith und ich mit Claudio ins Gespräch. Der hat den Berliner Mauerweglauf schon in beide Richtungen absolviert und ist eher für die ganz langen Strecken zu haben. Auf einmal fliegen die Kilometer dahin und wir werden erst in Biancade bei km 20 aus dem Gespräch gerissen.

Hier auf dem Dorfplatz geht die Post ab. Eine Band sorgt für Stimmung. Vor einer Bar (so heißen in Italien die Cafés) sitzt der sindaco, also der Bürgermeister. Da muss gleich ein Foto her. Wieso ich den kenne? Eigentlich habe ich ihn nur an seiner Tricolore-Schärpe erkannt. So erscheinen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zu offiziellen Terminen.

Eine Anwohnerin steht mit dem Gartenschlauch vor ihrem Haus und bietet eine Erfrischung an. Dass es ein fast hochsommerlich heißer Tag wird, hatten wohl auch viele einheimische Sportler nicht erwartet.

Kilometer 21 vor einem futuristisch wirkenden Einkaufszentrum in der Pampa. Heute geschlossen. Die VPs gibt es alle 5 Kilometer mit Wasser, Tee und Energydrink-Flaschen. Dazu Bananen, Kekse, Äpfel. Toilettenhäuschen auch gelegentlich. Bemerkenswert ist auch die absolut verkehrsfreie Strecke. Sogar Radfahrende sieht man selten, was für Italien höchst ungewöhnlich ist.

Roncade bringt das nächste Highlight. Drei Bands spielen auf. Einige Oldtimer stehen hier und Honoratioren mit Weingläsern schauen dem sportlichen Treiben zu. Sogar Grillpartys finden an der Laufstrecke statt. Ich bin hin und weg. Für italienische Marathonverhältnisse ist die Stimmung phänomenal.

 

 

Über den Sile kommen wir nach Casale. An den Tankstellen ist das Benzin zurzeit 50 Cent billiger als in Deutschland. Verrückt das alles. Und wieder ein Bürgermeister.  Der hat die Tricolore gleich auf dem T-Shirt aufgedruckt, plus der Bezeichnung „Sindaco“. So gibt’s kein Vertun.

Noch zehn Kilometer, Judith und ich rollen das Feld von hinten auf beginnen einige MitstreiterInnen einzusammeln. Ewig lange schnurgerade Straße voran. Strada del Radicchio, es muss nicht immer Vino sein. Gelegentlich Zuschauer, eine Werft neben der Straße lässt vermuten, dass der Sile gleich dahinter verläuft. Dann endlich eine Abwechslung: Die Chiesa Parrocchiale di San Teonisto e Compagni Martiri di Casier steht malerisch am Sile. Das Foto mit der Sindaca, also der Bürgermeisterin, misslingt.

Bei Km 36 dann in den Parco del Fiume Sile. Auf den alzaie, den alten Treidelwegen, geht es nun auf  sandigem Untergrund weiter.

Auf der anderen Uferseite kommen Laufende entgegen. Die Abkürzung über die Fußgängerbrücke nimmt (fast) keiner. Wir müssen 500 Meter weiter und queren an einem Wasserkraftwerk den Kanal, um dann Richtung Treviso weiterzulaufen. Das Kraftwerk wurde 1954 angelegt, indem eine große Schleife des Sile abgekürzt wurde. Alte Fabriken liegen am Ufer, wo es an einer langen Mauer auch sozialkritische Wandmalereien des Kunstfestivals „Anthropica zu sehen gibt.

 

 

Der Zieleinlauf ist nichts für schwache Nerven: Vor dem Zielbogen sind noch eine kurze Pendelstrecke und ein großer Bogen zurückzulegen. Dann ist es geschafft.

Das hat mir heute wirklich Spaß gemacht. Die Strecke war abwechslungsreich und die Stimmung wirklich bemerkenswert.

Im Ziel gibt es Nudeln mit Bohnen, Äpfel und die bekannten Getränke. Dann geht es bald wieder zum Hotel, es ist einfach zu heiß in der sengenden Sonne.

 

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Siegerinnen

 

1. TAPPATA' Denise              2:45:45 (S.E.F. STAMURA ANCONA A.S.D:

2. ILIJAS Jasmina                   2:56:56 (TK MARATHON 95);

3. TUROLO Elisa                   3:10:04 (SPORTIAMO);

 

Sieger

 

1. NJERI Simon Kamau          2:15:37 (RUN2GETHER);

2. KARBOLO Tatiyia                         2:22:12 (PUROSANGUE);

3. CONFESSA Edgardo          2:29:17 (A.S.D. TEAM KM SPORT);

 

628 Finisher, meist aus Italien, außerdem einige Österreicher, Deutsche und Schweizer

 


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