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Laufberichte

Keine Laufevents, keine aktuellen Laufberichte

05.04.20 Special Event
 

Ohne Laufevents keine aktuellen Laufberichte. Was treiben die laufenden  M4Y/TR-Reporter(innen) in der Corona-Krise?  Antworten geben folgende Beiträge von Wolfgang Bernath, Bernie Manhard, Andreas Greppmeir, Frank Albrecht, Markus Pitz, Günter Kromer, Anton Lautner, Daniel Steiner, Andreas Bettingen, Klaus Duwe, Klaus Sobirey, Birgit Fender, Thomas Enck:

 

 

 

Thomas Enck: Eigenartiger März

 

Es fing an mit Biel. Abgesagt am 17. März, obwohl noch drei Monate Zeit bis zum Start. Dann trudelten nach und nach die Absagen vom Oberelbe Marathon in Dresden, vom Berliner Vollmondmarathon und vom Rennsteiglauf ein. Zwischendurch verkündet Markus Söder die Ausgangssperre in Bayern, gültig ab dem 22. März. Zwar bin ich Westfale, arbeite aber in München.  Schnell bringe ich jedoch in Erfahrung, dass ich weiter draußen Sport machen darf, denn die Ausgangssperre ist eigentlich eher eine Ausgangsbeschränkung.

Außerdem geht es am Wochenende ja sowieso nach Hause nach Westfalen. Dumm nur, dass einer meiner Mitarbeiter plötzlich über hohes Fieber klagt. Zwar haben wir die Abstandsregelungen eingehalten, aber man weiß ja nie. Meint jedenfalls meine Frau. „Bleib mal schön in München“ meint sie zu Recht, was in meinem Fall heißt, dass ich in meiner kleinen Zweitwohnung ausharren muss. Vorsichtshalber habe ich mit dem Vorfall  (der sich später als Fehlalarm herausstellte) alle ins Home Office geschickt und damit natürlich auch mich.

 

 

Ein  eigenartiger März. Zu Beginn des Monats war der Virus noch fern, zumindest noch nicht so präsent in der Wahrnehmung. Unbewusst, jedenfalls nicht geplant, beginne ich am 6. März meinen ersten Streak überhaupt. Also jeden Tag Sport, am Anfang Schwimmen, Radfahren oder Laufen. Allerdings haben jetzt die Hallenbäder geschlossen. Von nun also nur noch Laufen oder Radfahren. Zwar bin ich „gelernter“ Läufer, aber seit einigen Jahren betreibe ich nebenbei Triathlon. Gut, meine Ambitionen sind hier begrenzt und mehr als ein Triathlon über die Olympische Distanz hätte es ohnehin nicht sein sollen dieses Jahr, also kann ich es verschmerzen, mal einige Zeit nicht zu schwimmen.

Mein Trainingszustand ist allerdings trotz des Streaks, den ich bis heute einhalte, nicht optimal. Zu wenig lange Läufe, immer dasselbe Lied. Und jetzt ohne einen konkreten Marathon vor der Brust, kann ich mich erst Recht nicht dazu durchringen. Also werde ich bis Ende April erstmal auf einen 10 km-Lauf hin trainieren, quasi Grundlagentraining.

Für längere Läufe würde auch ein wenig die Zeit fehlen. Denn wir haben gerade das Gegenteil von Kurzarbeit. Ich arbeite in einer großen Bank und leite die Abteilung, die für die Finanzierung des deutschen Maschinen- und Anlagenbaues zuständig ist. Und da gibt es jetzt viel zu tun, denn diese Branche ist von dem „Shut down“ besonders  betroffen. Die Kreditnachfrage war in den letzten drei Wochen daher größer als sonst in drei Monaten, im Durchschnitt geht jede Stunde ein größerer siebenstelliger Betrag `raus. Irre. Da sind Überstunden angesagt. Damit der Sport nicht zu kurz kommt, habe ich im Terminkalender dafür extra Zeit geblockt.

Ein eigenartiger März, April, Mai, Juni… Mir wird bewusst, welche Privilegien wir genießen. Ein exzellentes Gesundheitswesen verhindert schlimmere Zustände, die uns täglich aus einigen Nachbarländern gezeigt werden. Der Staat unterstützt, wo es notwendig ist, und er hat auch die Mittel dafür, anders als anderswo. Wir halten zusammen, Solidarität ist plötzlich Realität. Menschen setzten sich für andere ein oder tun ihren unentbehrlichen Job in Arztpraxen, Krankenhäusern,  Lebensmittelgeschäften. Danke. Verglichen damit sind unsere Probleme mit ausgefallenen Laufveranstaltungen doch eher klein, oder? Und ich habe großes Verständnis dafür, wenn die meist ehrenamtlichen Veranstalter die Anmeldegebühren nicht zurückerstatten oder aufs nächste Jahr vortragen können.

„Krisen kommen, Krisen gehen“ dies vergegenwärtige ich mir stets, wenn es mal bei einem Marathon schwierig wird…. Ich bin zutiefst überzeugt, dass dies auch für die aktuelle Krise gilt und wünsche Euch eine ebensolche Zuversicht.

 

Bleibt gesund und „Keep on Distance (and) Running”

Thomas

 

 

Birgit Fender: Aus meinem Tagebuch

 

5. April: Laura und ihr Freund Bene kommen nach 14 Tagen selbst verordneter Quarantäne zu uns. Beide trainieren für den Ironman in Kalmar (Schweden) im August. Dieser ist noch nicht abgesagt. Weil in der Großstadt Training an frischer Luft wegen Massenbewegung in Parks und Straßen schwierig geworden ist, genießen sie die Ruhe bei uns. Ein gemeinsamer Haushalt spart auch Ressourcen.

Laura und ich absolvieren nun einen Teil der Laufeinheiten gemeinsam.  Schwimmtraining wird durch Krafteinheiten ersetzt. Fahrradfahren gibt es bei uns im Wohnzimmer auf der Rolle, oder über die nahen Schwarzaldhügel. Zusätzlich treffen wir uns zu gemeinsamen Yoga- oder Gymnastikeinheiten.

 

 

Nebenbei bringen die beiden unseren Garten auf Vordermann. Ich muss in den Baumarkt Farbe und Pflanzen kaufen. Dort herrscht eine komische Atmosphäre. Schilder weisen auf das Einhalten des Abstands hin. Ich fühle mich unwohl, brauche Beratung und die Verkäufer sind im Stress. Wie nah darf ich dem Angestellten kommen? Mit den anderen Kunden übe ich mich im Slalomlaufen.

Bei Edeka braucht man jetzt Eintrittskarten. Ein Mitarbeiter überwacht die Anzahl der Kunden. Toll, ich bin erste in der Schlange. Rein zu kommen ist das erste Erfolgserlebnis, Einkaufen ist entspannt, die Regale sind voll, die Kassen leer. Klopapier gibt es in allen Variationen, Hefe ist allerdings immer noch nicht verfügbar.

Wir beschließen unsere Stammpizzeria am Ort zu unterstützen, bestellen am Wochenende Essen dort und lassen es uns bringen. Für Mehl, Kartoffeln und Eier nutze ich unseren regionalen Mühlenservice. Anstatt seiner festen Touren bringt er jetzt die Waren nach Bestellung. Ich bekomme seine letzte Hefe.

Norbert hat nun Kurzarbeit.

Am Sonntag mache ich zum ersten mal wieder einen langen Lauf mit über 18 Kilometern. Es ist herrliches Wetter, warm und die Menschen zieht es nach draußen, Abstandhalten ist manchmal schwierig. Mir kommt es vor, als ob mehr Spaziergänger und Radler unterwegs sind als sonst. Auch einige Jogger kommen mir entgegen.

Am Abend macht mir meine Pollenallergie zu schaffen. Wenn das alles ist ….

Bleibt gesund
Eure Birgit

 

 

Klaus Sobirey: Keep on running – Corona zum Trotz

 

So ganz in meinem Kopf angekommen war zunächst noch nicht, dass Wehmut über abgesagte Laufveranstaltungen wohl eines der geringsten Probleme in Zeiten wie diesen darstellt. Eine Woche Homeoffice legte mir einer der Vorstände nahe. Vorsichtshalber. Ironie des Schicksals: Just einer der Vorstände war eine Woche später erster offizieller Corona-Fall im Unternehmen. Das ganze Stockwerk wurde evakuiert und ins Homeoffice verbannt. Auch ich. Mal wieder vorsichtshalber.

Soll ich mich darüber freuen oder nicht? Mit dem Laptop im Homeoffice zu arbeiten, entspricht ja so ganz dem Zeitgeist. Ich bin da allerdings noch ganz "old school": Ich mag meinen Schreibtisch im Büro, mit anständiger Tastatur, großem Bildschirm und meinem Wissensfundus in vielen Ordnern drum herum. Das kollegiale Umfeld nicht zu vergessen. Nun sitze ich auf einmal mutterseelenallein mit diesem mickrigen Klapp-PC da, nur ab und an mit den Kollegen im „Outer Space“ skypend verbunden, und soll die fachlichen Herausforderungen quasi vom Küchentisch aus bewältigen. Ich weiß diese „Freiheit“ nicht wirklich zu schätzen, zumal der Lockdown draußen vor der Tür gleichmacherisch alle Aktivitäten ausbremst. Alle? Nicht alle ….

 

 

Die uns zu Stubenhockern und Eremiten verdammende bayerische Verordnung zur vorläufigen Ausgangsbeschränkung – wie üblich ein wenig strenger als in anderen Bundesländern gefasst - lässt als Ausnahme immerhin „Sport und Bewegung an der frischen Luft, allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung“ zu. Das muss ich mir nicht zwei Mal sagen lassen. Laufen – seit fast 20 Jahren ist dies mein Sport. Der Sport, der mir wie kein anderer Spaß und Wohlgefühl bereitet. Und der mich so ganz nebenbei fit und gesund hält, mir Distanz und Ausgleich von Arbeit und Alltag verschafft, mir beim Nachdenken und Problemlösen hilft und mich nun schon seit langem mit nicht minder großer Leidenschaft als Laufjournalist durch die Welt treiben und für Euch berichten lässt.

Zu gern würde ich die „staade Zeit“ nutzen und meinen Laufradius angesichts der zunehmend frühlingshaften Tage in Richtung der oberbayerischen Seen ausdehnen. Das ist offiziell unerwünscht, aber ich habe ja das Privileg, eines der schönsten Laufreviere Münchens fast vor der Haustür zu haben: Den Nymphenburger Park. Ein weitläufiges Netz aus Naturwegen durchzieht das teils in strenger Symmetrie herrschaftlich angelegte, teils naturbelassene Gelände mit seinen Kanälen, Seen, Skulpturen, Tempeln, Parkburgen und natürlich dem imposanten Sommerschloss der Wittelsbacher selbst. Hohe Mauern schirmen das 180 Hektar messende Parkareal nach außen ab, selbst Rehe leben hier mehr oder weniger frei. Locker lässt sich durch Kombination verschiedener Runden ein Halbmarathon zurecht zimmern, bei dem man kein Teilstück doppelt laufen muss.

Gerade wenn man sich in einem der beliebtesten Jogging-Spots der Stadt tummelt, bietet das Laufen auch besonderen Anlass und Muße, Milieustudien über das Laufen in Zeiten wie diesen anzustellen. Auffällig diszipliniert sind die Läufer, ordnungsgemäß allein oder zu zweit laufend und ebenso ordnungsgemäß Abstand haltend. Als bewegliche, natürliche Hindernisse entpuppen sich dabei die Spaziergänger, die im Park zahlenmäßig die Oberhand haben und nicht immer gewillt sind, die Wegmitte zu räumen und bisweilen mit aller Selbstverständlichkeit im Familienrudel die volle Wegesbreite beanspruchen. Macht nichts, als Trailläufer bin ich flexibel und weiche gerne auch mal in die Natur aus oder sehe es sportlich als Herausforderung im Sinne eines Riesenslaloms, wobei es hier nicht darum geht, die menschlichen „Stangen“ möglich knapp zu schrammen, sondern den empfohlenen 1,50 m-Abstand zu wahren.

Auch wenn sich so vieles in so kurzer Zeit im Alltag geändert hat und ungewohnt anfühlt, so lässt sich mit dem Laufen ein Stück Normalität bewahren. Mehr noch: Vermittelt das Laufen ein positives Grundgefühl und ein Stück weit Optimismus in einem Umfeld, das, was die wirtschaftlichen Perspektiven und das gesellschaftliche Miteinander angeht, aktuell eher von Tristesse geprägt ist. Auch wenn ich noch keine Ahnung habe, wie lange der aktuelle Ausnahmezustand währen wird, so hilft mir das Laufen auch, Vorfreude auf das unweigerlich kommende „Danach“ zu wecken, wozu für mich vor allem gehört, ein Laufevent, wo immer es stattfinden wird, einigermaßen fit wieder journalistisch begleiten zu können.

In diesem Sinne: Keep on running! Euer Klaus

 

 

Klaus Duwe: Hätte ich, würde ich?

 

Alle in den nächsten Monaten geplanten Laufveranstaltungen sind wegen Corona abgesagt oder sie werden es noch. Und das nicht nur bei uns, sondern weltweit. Der Super-GAU  für jede Läuferin und für jeden Läufer. Mich persönlich trifft es nicht so hart, ich nehme schon etliche Jahre an keinen Wettkämpfen mehr teil, nur ab und zu als Fotoreporter.

Auf dem Höhepunkt meines Läuferdaseins bin ich fast jede Woche einen Marathon gelaufen, manchmal zwei. Wenn ich verletzungsbedingt aussetzen musste, war das eine Katastrophe. Alle sind gelaufen, nur ich nicht. Heute ist das anders. Keiner läuft.

 

 

Ich überlege, wie ich als aktiver Läufer mit Corona umgegangen wäre.  Hätte ich auf meiner Liste enttäuscht jeden abgesagten Marathon gestrichen und gehofft, dass der nächste stattfinden wird?  Die Möglichkeit vorausgesetzt:  Hätte ich an einem Marathon teilgenommen und erwartet, dass  Helferinnen und Helfer ihre Gesundheit riskieren, um mir Wasser und Riegel zu reichen, dass Sanitäter und Ärzte, statt sich um virusverseuchte Kranke  zu kümmern, Läuferinnen und Läufer, die nicht wissen, wo ihre Grenzen sind, wieder auf die Beine stellen?  Hätte ich riskiert, mich zu infizieren und/oder andere anzustecken?

Würde ich mich dankbar daran erinnern, wie viel Arbeit, Herzblut und Geld ein Organisationsteam in eine Veranstaltung investiert und mir damit Freude und unvergessliche Erlebnisse beschert hat? Oder würde ich jetzt, wo die Veranstaltung ausfällt, gnadenlos das bezahlte Startgeld zurückfordern und den Veranstalter mit allen möglichen Konsequenzen auf den Kosten sitzen lassen?

Interessante Fragen, aber ich weiß die Antworten nicht.

Derweil sitze ich in meinem Büro und denke darüber nach, wie ich Marathon4you/Trailrunning.de am Leben halte. Wesentliche Inhalte der Portale sind ja Berichte über Marathons und Trails in aller Welt, die es nun aber auf absehbare Zeit nicht geben wird.  Man könnte also sagen, es fehlt die Geschäftsgrundlage. Dass dem nicht so ist, liegt an dem stattlichen Archiv an Laufberichten und Bildern, die sich im Laufe von nunmehr 15 Jahren  angesammelt haben.

Jetzt, wo keine neuen Beiträge dazu kommen, ist Zeit, darin stöbern und sich zu erinnern.  Manchmal ist es lustig, wenn man auf den Bildern sich selber oder Freunde entdeckt, die man lange nicht gesehen hat. Traurig wird es, wenn man an Freunde erinnert wird, die inzwischen nicht mehr leben.  

Ab sofort kramen wir Woche für Woche zusätzlich zu aktuellen Meldungen Laufberichte zu einigen Veranstaltungen heraus, die gewesen wären, wenn nicht ….

Keine Angst, es wird eine Zeit nach Corona geben. Vielleicht ist dann manches anders.  Aber wir werden  uns wieder bei kleinen und großen Laufevents treffen, uns die Hand geben oder umarmen und gemeinsam Freude haben.

 

Auf Marathon4you gibt es übrigens eine Liste der Veranstaltungen,
die ihren Termin verlegt, also noch nicht abgesagt haben. 

 

Passt auf Euch auf und bleibt gesund.

Euer Klaus

 

 

 

Andreas Bettingen: Ich hatte einen Plan …

 

.... und er schien machbar: Im Oktober wollte ich meinen 15. München Marathon laufen, der auch mein 200. Marathon/Ultra werden sollte.

Zunächst lief alles wie vorgesehen. Nach meiner altersbereinigten Bestzeit in Bad Füssing ging es im Februar nach Nikosia auf Zypern. Zwei Wochen danach stand Bologna in Italien auf dem Programm. In der Hauptstadt der Emilia-Romagna sind wir bereits den Halbmarathon gelaufen. Jahrelang haben italienische Marathonis und ich auf eine 42-km-Version gewartet, in diesem Jahr wird sie endlich angeboten. Die 1.500 Startplätze waren sofort weg. Wir konnten zwei davon ergattern.

 

 

Eine Woche vor dem Rennen dann die ersten Berichte über mehrere COVID-19 Fälle in Norditalien. Die Entscheidung, ob wir die Reise trotzdem antreten sollen, brauchen wir nicht selbst zu treffen, denn alle Veranstaltungen in der Region werden am gleichen Tag abgesagt.

Wie wäre es ersatzweise mit Kandel? Abgesagt. Nach Tschechien, wo sich in Pilsen noch eine Gelegenheit geboten hätte, darf man nicht mehr einreisen. Dann geht es Schlag auf Schlag: Viele italienische Marathons und etliche im übrigen Europa und Deutschland fallen aus. Einige werden in den Herbst verschoben, darunter auch Treviso und Liverpool, wo wir uns angemeldet hatten. Bratislava bietet eine Umschreibung auf September oder eines der folgenden Jahre an. Oder man verschenkt oder spendet seinen Platz. Manche Veranstalter brauchen die Startgebühren, um nicht bankrott zu gehen. Der Kalender für September und Oktober füllt sich mit Doppelbelegungen, von denen wir in mindestens zwei Fällen auch betroffen sind.

Wie es jetzt weitergeht? Judith und ich trainieren fast jeden Morgen. Um sechs Uhr geht es los. Vom Frühstückstisch bin ich in zwei Minuten im Homeoffice. Die Netzwerke und Programme funktionieren erstaunlich gut. Ich sehe die Kollegen in der Videokonferenz. Bei einigen ist es daheim so unordentlich wie bei uns. Andere haben Zimmer, die einem Einrichtungskatalog entsprungen sein könnten.

Am 20. Tag der COVID-19-Ausbreitung gibt es in Deutschland 60 Tote zu beklagen. In Italien waren es im gleichen Zeitraum 1.440. Ich frage mich, warum keiner hilft? Sämtliche Sommerurlaube haben meine Eltern und ich in Bibione an der Adria verbracht. Wenn das so weitergeht, können wir uns in Italien nicht mehr sehen lassen. Ich schreibe Briefe an unsere Politiker. München wird ja gern als „nördlichste Stadt Italiens“ bezeichnet und die Partnerstadt Verona ist nicht viel weiter entfernt als Frankfurt. Nach Tagen zeigt sich endlich so etwas wie Solidarität in Europa.

Langer Lauf am nächsten Wochenende. Abstand halten heißt die Devise. Gruppenausflüge oder gar Picknicks sind inzwischen verboten. Vereinzelt sind Spaziergänger mit Masken unterwegs. Wir versuchen im großen Bogen zu überholen, dabei überrollt mich fast ein Radler. Zwei ältere Damen beugen sich aus Angst vor Ansteckung weit über ein Brückengeländer.

Inzwischen ist auch an Werktagen auf unserer Laufstrecke deutlich mehr los als früher, und wir bringen es auf wöchentlich 80 km statt der üblichen 60. Ich schaue den Krokussen und Osterglocken beim Wachsen zu. Es gibt immer mehr Eichhörnchen, die oft zu zweit oder zu dritt durch die Gegend tollen. Ich fange an, mich für die Mandarinenten im örtlichen Teich sowie Buntspechte und Meisen zu begeistern. Irgendjemand hat die Corona-Warnschilder abgerissen.

Ein Ersatz für unsere Reisen sind die morgendlichen Laufrunden natürlich nicht. Ich möchte hinaus, die Welt sehen. Denke an die vielen schönen Erlebnisse der letzten Jahre. Im Mai werde ich nicht durch das Anfield-Stadion in Liverpool laufen, vielleicht dann im Oktober.

Die weitere Entwicklung bleibt ungewiss. Wir müssen jetzt einfach abwarten, unsere Runden vorsichtig drehen. Zur Not könnten wir uns per Trimmrad und Mini-Trampolin auch in den eigenen vier Wänden fit halten. Ein Marathon auf „Balkonien“, wie er neuerdings Mode zu werden scheint,  wäre uns allerdings zu langweilig.

Wir werden wieder Marathon laufen. Spätestens wenn die Münchner Schäffler zum Ende von COVID-19 tanzen wie sonst zur Erinnerung an das Ende der Pest-Epidemie, werde ich den Isar-Marathon veranstalten – versprochen.

Bis dahin, bleibt gesund
Andreas und Judith

 

 

Daniel Steiner: Wie viele Kilometer hat ein Marathon?
 

Wenn ein Läufer davon spricht, dass es ein Marathon sei, man aber noch nicht wisse über wie viele Kilometer, dann braucht er eine Metapher. Dieser Läufer, mit Vornamen ein Namensvetter von mir, ist bei uns in der Schweiz derzeit das Gesicht in der Krise und mit klaren, einfach zu verstehenden Worten wendet er sich täglich anlässlich der Medienkonferenz der Landesregierung an die Bevölkerung. Dabei wäre Daniel Koch, Leiter Abteilung Infektionskrankheiten beim Bundesamt für Gesundheit am 31. März in Rente gegangen. Sein Nachfolger ist im Amt, doch als Delegierter des BAG führt er weiter, was er gut angefangen hat.

Dieser Marathon könnte ein ausgewachsener Ultra werden, dazu nicht einer auf flacher Strecke. Für viele wird es ein harter Trail. Single Trail wegen Social Distancing ist dabei noch der unterste Schwierigkeitsgrad. Ich denke an alle, die sich nicht nur über Felsblöcke und umgestürzt Bäume kämpfen müssen, sondern in Autonomie, ohne staatliche pekuniäre Verpflegungsposten über die Runden kommen müssen. Und wie beim richtigen Laufen ist da die stete Hoffnung, dass die Sanitäter nicht wegen mir an der Strecke postiert sind.

 

 

Wie geht es mir läuferisch? Von der Warte der Zeitmesser und Kilometerzähler aus betrachtet bescheiden, aber das ist nur ein Teilaspekt. Mein Traum, in den Frühlingsferien nach Istrien zu fahren und dort – wie in meinem letzten Laufbericht von Anfang Januar erwähnt – am Istria100 teilzunehmen, ist ebenso geplatzt wie die Vorbereitung darauf. Bienwald, 24-Stunden in Heilbronn, WUT…

Das Wegfallen dieser Veranstaltungen hat mir eine meiner momentan grössten Motivation zum Laufen genommen. Ich vermisse meine Lauffreunde.

Aber das wird wieder. Obwohl wir im Grenzgebiet in der Bewegungsfreiheit mehr eingeschränkt sind als an anderen Orten im Land, kann ich nicht klagen. Wir gehören zu den Privilegierten, haben genug Platz im Haus, ein kleines Gärtchen und den Waldrand für die Hundespaziergänge gleich nebenan. Da ist es einfach nur ein Schönheitsfehler, dass das Wohnmobil im Nachbardorf untergestellt ist, dazwischen aber die geschlossene Grenze liegt. Die neuste Kampagne von Schweiz Tourismus heißt: „Dream now – travel later“. Und im Träumen war ich schon immer gut.  

Von den wirtschaftlichen Auswirkungen des lock down bin ich ebenfalls nicht betroffen. Die Arbeit geht uns Lehrern nicht aus. Von einem Tag auf den anderen von Präsenzunterricht auf Unterricht auf Distanz ist zwar nicht ohne. Wie erteile ich den Kindern, die erst am Anfang der Alphabetisierung stehen, sinnvolle Aufträge, besonders vor dem Hintergrund, dass viele einen Migrationshintergrund haben und ihre Eltern sprachlich noch nicht unbedingt auf dem Stand sind, dass sie die Anleitungen verstehen? Ja, die Eltern sind gefordert und viele vollbringen Meisterleistungen beim Begleiten ihrer Kinder beim Homeschooling. Und ich bin ehrlich gesagt froh, liegt die Schulzeit unserer Kinder schon eine ganze Weile zurück.

Zum Glück habe ich in zwanzig Jahren Fliegerei gelernt, mit Überraschungen zu leben und mich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Viele der bleibenden Erinnerungen sind mit solchen Erlebnissen verknüpft. Zum Beispiel als wir mit einer vollen B747 in Montreal im Schneesturm strandeten und die Odyssee erst drei Tage später zu Ende war.

Ich hoffe jetzt einmal, dass ich Ende Oktober wieder am Swiss City Marathon als Pacemaker laufen kann. Geplant habe ich vorher noch nichts, was Raum für positive Überraschungen bietet.

Bleibt gesund, Euer Daniel
 

 

 

Anton Lautner: Den Blick nach vorne
 

Bei mir läuft es derzeit beruflich eingeschränkt ab. Ich bin Führungskraft in der Sozialhilfe, muss also zusammen mit meinem Team die Leistungsgewährung für die Menschen sicherstellen, bei denen das Einkommen oder die Rente nicht ausreicht, oder die aufgrund eines Handicaps nicht mehr erwerbsfähig sind. Es ist so etwas wie eine Schlüsselfunktion der öffentlichen Verwaltung. Ganz rund läuft es nicht nur wegen Corona nicht, denn zudem haben wir in diesem Tagen die sogenannte elektronische Akte eingeführt und müssen uns in ein völlig neues Programm einarbeiten. Und dann muss ich mich auch noch einen neuen obersten Chef gewöhnen, denn der amtierende Oberbürgermeister wurde von den Wählern abgewatscht, die CSU hat den Posten nach 48 Jahren  an Christian Scharpf von den Roten verloren.

 

 

In der Läuferwelt ist auch  nichts mehr wie es war. Mein letzter waren die Oberbayerischen Cross-Meisterschaften (Bronze-Medaille in meiner Altersklasse!) vor vier Wochen.  Seitdem lebe ich läufertechnisch gesehen von der Substanz. Schon Anfang März war ein gescheites Training beim Sportverein nicht mehr möglich, zuerst wurden das Heim und danach der Platz gesperrt. Dann kam auch noch die Ausgangsbeschränkung. Denke ich an die Bewohner von Altersheimen oder an Patienten in Krankenhäusern, die keinen Besuch mehr empfangen dürfen, will ich mich als Läufer nicht beschweren. Ja, die getroffenen Maßnahmen greifen in unsere Grundrechte ein, aber die aktuellen Regeln sind verhältnismäßig, zielführend  und werden aufgehoben, sobald es möglich ist.

Ich laufe für mich alleine, meist nur kürzere Strecken um meinen Wohnort Neuburg herum oder an meinem Dienstort Ingolstadt. Bei meinem letzten „längeren“ Lauf über 16 km ging es zum Schluss recht zach heim und die Beinmuskulatur hat noch einige Zeit gemault. Die Geselligkeit fehlt mir. Kontakte zu Vereinsfreunden gibt es über Telefon, Mail oder WhatsApp. Der Trainingszustand wechselt langsam in einen „maladen“ Modus, besonders die Langstrecke leidet. Mein letzter Marathon war im Februar in Bad Füssing. Immerhin. Viele Kameraden gehen für längere Zeit ganz leer aus.

Spätestens ab Ostern möchte ich mein Training intensivieren. Vielleicht wird es etwas mit einem Laufkollegen aus Bergheim. Interesse hat er, nur wir müssen uns halt irgendwie absprechen, denn miteinander laufen ist verboten. Startet jeder an seinem Heimatort, begegnen wir uns auf dem Kurs zwischen Neuburg und Ingolstadt zweimal, wenn einer im Uhrzeigersinn und der andere entgegen der Uhr läuft. Auch eine Runde auf dem Urdonautalsteig, ein zertifizierter Wanderweg zwischen Dollnstein, wo alljährlich der Altmühltrail stattfindet, habe ich mir vorgenommen. Das wären schätzungsweise gut 40 Kilometer.

Egal, was ich unternehme. Ich halte mich an die Regeln, halte Abstand („Riechst du von andern einen Furz, war der Abstand wohl zu kurz“) und vermeide persönliche Kontakte. Der Blick ist nach vorne gerichtet. Wir sehen uns im Startblock, wo immer und wann immer es sein wird.

Bleibt gesund und haltet die Ohren steif. Euer Anton

 

 

Günter Kromer: Wie gewohnt und doch völlig anders

 

Eigentlich wäre am 5. April nach mehr als 1,5 Jahren Pause mein Marathon/Ultramarathon Nr. 101 auf dem Programm gestanden. 2019 verzichtete ich auf Wettkämpfe und konzentrierte mich auf mein D-Wanderer Projekt, bei dem ich bis 30.6.2020 innerhalb von 2 Jahren 10.000 km auf Deutschlands schönsten Fernwanderwegen wandern wollte. So gut mir das Wandern gefiel, freute ich mich nun sehr auf eine Rückkehr ins Läuferleben und auf ein Wiedersehen mit vielen Lauffreunden. Aufgrund der aktuellen Situation steht erst im August wieder ein Wettkampf auf meiner Liste, doch daran glaube ich ehrlich gesagt auch nicht mehr. Ebenso schließe ich aus, dass ich die letzten tausend Kilometer meines Wanderprojekts innerhalb der geplanten Frist beenden kann.

 

 

Beruflich ist meine Lage durch den kompletten Ausfall aller Einnahmequellen seit Corona richtig mies. Zeit zum Laufen habe ich daher mehr als zu normalen Zeiten. Ich bin davon überzeugt, dass Bewegung an der frischen Luft wichtig ist, nicht nur trotz, sondern ganz besonders auch wegen der Corona-Gefahr. Wer alleine wandert oder läuft, vorwiegend einsamere Strecken wählt und dort genügend Abstand zu anderen Leuten hält, stärkt seine Abwehrkräfte und trägt damit zur allgemeinen Gesundheit bei. Dass man sich momentan vor allem auf Strecken in der unmittelbaren Umgebung beschränkt, anstatt z. B. 100 km durch die Gegend zu fahren, halte ich für selbstverständlich.

Alleine oder nur zu zweit Laufen bzw. Wandern bin ich gewohnt, das bedeutet für mich keine Umstellung. Mangels Job kann ich nun das herrliche Wetter jeden Tag für einen langen Trainingslauf nutzen. Daher laufe ich nun ausgerechnet in der Zeit ohne Wettkämpfe, ohne Laufgruppen und ohne Vereinstraining mehr Kilometer pro Woche, als im gewohnten Alltag. Unterwegs kommt es mir manchmal vor, als würden mehr Menschen spazieren gehen oder laufen als früher. Vielleicht lernen manche erst jetzt so richtig ihre Heimat kennen.

Inzwischen kann man sich auch ohne gemeinsamem Start und Zieleinlauf sportlich mit anderen messen. Die Zahl der Online-Challenges, bei denen man ganz alleine eine Strecke läuft und die Daten auf einer Internet-Seite einträgt, wächst von Tag zu Tag. Von festgelegten Routen, die man möglichst schnell laufen soll, über Kilometer- oder Höhenmeter-Sammlungen auf beliebiger Strecke (sogar auf dem Laufband zuhause), gibt es für jeden Geschmack etwas. Ich sammle momentan Höhenmeter beim Schinder Trail Mile High Club. Obwohl ich weiss, dass ich die maximalen 66.700 Höhenmeter innerhalb von 111 Tagen nicht schaffen werde, bietet mir so etwas Verrücktes einen zusätzlichen Ansporn beim Training. Aber auch andere Ideen wie z.B. Rock The Block finde ich recht interessant. Langweilig ist mir bis jetzt nicht.

Bleibt gesund, Euer Günter

 

Markus Pitz: Wie einst Pheidippides

 

Wer hätte das gedacht. Da freut man sich auf eine schöne Laufsaison mit zahlreichen Höhepunkten (ich zum Beispiel auf meinen ersten 100 Meilenlauf bei der Tortour de Ruhr) und plötzlich ist alles hinfällig. Und das alles „nur“ wegen eines kleinen Virus, das uns unsere Grenzen aufzeigt. Statt gemeinsamem Laufen ist die gemeinschaftliche Solidarität gefragt und Verantwortung tragen für sich und andere. Läufe lassen sich, wenn auch in vielen Fällen problematisch, nachholen. Oder sie fallen eben aus. Alles letztlich kein Beinbruch, wenn dadurch Menschenleben gerettet werden können, die unwiederbringlich sind.

Bleibt die Frage, wie es läuferisch weitergeht. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er sich fit hält, denn bei allem Verdruss, den die derzeitige Situation bereithält, der nächste Marathon kommt bestimmt. Also gilt es, aus der Not eine Tugend zu machen. Laufen kann ich schließlich alleine, wie das große Vorbild für alle Marathonläufer. Nur zu intensiv und anstrengend sollte es nicht sein, denn wie Pheidippides bei seiner Ankunft in Athen möchte ich nicht tot umfallen. Dafür gefällt mir die Botschaft, die er überbringt: Die eines Sieges, den auch wir im Kampf gegen das Coronavirus erzielen werden.

 

 

Dafür lohnt es sich weiter zu laufen. Aber alleine eben. Das ist nicht für alle leicht. Ich bin privilegiert, ich wohne in Bad Driburg in NRW und habe noch „Ausgang“. Zudem gibt es viele schöne Laufstrecken, wie die über den Sachsenring, von dem Kollege Anton auf Trailrunning.de 2017 schon begeistert berichtet hat. Ob die diesjährige Veranstaltung im August stattfinden kann, ist nicht mehr sicher. Da helfen Erinnerungen und der Trost, diese Strecke mit Genuss alleine zu laufen. Gerade jetzt im Frühling, wo die Natur erwacht und man täglich neue Eindrücke sammeln kann.

Sogar ein Solo-Marathon vor der Haustür lässt sich mit Hilfe der Familie organisieren. Für mich zum Beispiel auf den wundervollen Wegen durch den Bad Driburger Kurpark. Abwechslungsreich ist die Strecke allemal, so dass auch 13 Runden nicht langweilig werden.

Alles in allem also kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Auch ohne die liebgewonnenen Wettkämpfe kann man als Läufer überleben. Also raus in die Natur, aber bitte im Rahmen der Beschränkungen.

Bleibt gesund, Euer Markus

 

 

Frank Albrecht: Wo laufen Sie denn?

 

Saure-Gurken-Zeit, alles ist abgesagt. Ausgerechnet jetzt, im Frühling, zur wohl schönsten Jahreszeit. Der hat es: kalt bis kühl, Sonne satt, es grünt und blüht. Die Natur erwacht, wohin man auch hinschaut. Frühlingsgefühle - nur nicht im Laufkalender.  Aber wem erzähle ich das. Ihr wisst es ja selber. Also – in Eigeninitiative raus, alleine geht das ja. Überall. Noch.

Ich für meinen Teil habe meine alten Trainingsstrecken wiederentdeckt. Die kurzen, die langen. Ich erkenne manches kaum wieder. Borkenkäfer und diverse Stürme haben die Sicht freigemacht. Wo früher dichter Wald war, gucke ich jetzt über Stümpfe in die weite Runde. Mein Revier ist nämlich das Land der tausend Berge! Kennern auch als Sauerland bekannt.

 

 

Anstiege: reichlich. Abstiege: genauso. Dazu Aussicht vom Gipfel. Unten, im Talgrund, dann die Bäche und Flüsse. Klarstes Wasser. Die Quellen sprudeln nur so – die Trinkblase bleibt zuhause. Stattdessen trage ich eine Thermosflasche mit heißem Kaffee und eine gute Brotzeit mit mir herum. Rosinenbrötchen, saftig und weich. So kann ich eine ganze Weile traben. Wären da nicht die inzwischen völlig vermurksten Pfade, früher tolle Trails, jetzt Hindernisparcours. Die Holzfäller räumen ja nicht auf. Oder nicht sofort. Jede Zeitrechnung ist überflüssig. Trotzdem: ich muss raus.  Und weil ich das so mache, habe ich in den letzten 10 Jahren nur eine milde Erkältung erlebt.

Das lag aber nicht an mir. Das waren die Frauen, die meine Praxis aufsuchen. Nicht wegen Schnupfen, in meinem Fach arbeitet man weiter unten. Aber beim tiefen Blick in die Augen springen wohl auch mal Erreger über…

Die gegenwärtige Seuche ist daher kein Kernthema bei mir. Aber das wird es noch, fürchte ich. Der Betrieb geht weiter, diverse Schutzmaßnahmen sind installiert. Ein paar Pausen mehr zwischen den Terminen schaden nicht. Interessant, die „normalen“ Krankheiten gibt’s auch noch! Die kümmern sich nicht um die Corona-Konkurrenz, die brechen auch einfach so aus. Also geht’s weiter wie bisher.

Sind alle gerettet, heißt es Laufsachen aufgerödelt und ab. Auf manchem Lauf hatte ich die Kamera dabei. Ein paar Impressionen aus dem Sauerland für euch! Thema – Sonne im Wald, Burgen und Schlösser, die Ruhr. Die DC3 im Garten hat übrigens keine Tragflächen mehr. Der Schlossvogt hat die absichtlich dort hingestellt, mitten auf seine Rehwildwiese. Dunkel ist mir seiner Taten Sinn. Und so trabe ich km für km so vor mich hin…

Verdammt, ihr fehlt mir! Ihr alle fehlt mir! Ich will das mit euch genießen! Euch sehen, gemeinsam laufen, klönen, isotonisch aufhopfen! Nur eine verschworene Gemeinschaft, wie wir Läufer ja nun mal so sind, kann die Glücksgefühle herbeizaubern, wie wir uns  über die Tracks quälen, durch Regen und Schlamm arbeiten, mal verlaufen und zum Schluss grandiose Zieleinläufe erleben! So ganz und gar für sich. Dafür gibt es einfach keinen Ersatz.

Aber auch die Sauregurkenzeit wird einmal vorbei sein. Eines Tages. Ich ahne, die ersten offizielle Läufe werden überbucht sein, wir haben ja schließlich was aufzuholen!

Passt bis dahin auf euch auf – jeder noch so banal erscheinende Virusinfekt kann bei (Über)-Anstrengung gefährlich werden. Herzmuskelzellen nehmen es sehr übel, wenn sie von diversen Viren angegriffen werden - und hören oft genug auf zu arbeiten. 2 – 4 Wochen Pause (ernsthaft!!) sollten dann eingehalten werden. Aber wer gesund ist – ruhig raus auf die Tracks, trotzt dem Winterspeck (mir will das irgendwie nicht so gelingen…), testet die neuen Laufschuhe auf Herz und Nieren, sucht neue Strecken in eurer Umgebung. Ihr werdet sicher fündig!

Das Alte Eisen wünscht euch alles Beste (das Gute wünschen ja alle)!

 

 

  

Andreas "Greppi" Greppmeir: Regeln einhalten

 

Die Corona-Krise hält momentan die Welt in Atem. Bei uns in Bayern wurden ja die Ausgangbeschränkungen bekanntermaßen als erstes umgesetzt. Zu Absagen von Laufveranstaltungen war es schon die Tage zuvor gekommen. Meine Hoffnung ruhte zunächst auf den kleinen Veranstaltungen, doch nach und nach wurde auch hier ein Marathon nach dem anderen abgesagt. Auf meiner Liste der geplanten Läufen ist schon einiges geschwärzt und keiner weiß, wie lange noch Großveranstaltungen dem Virus zum Opfer fallen.

Das heißt für mich als M4Y-Autor nicht nur auf  Läufe zu verzichten muss, sondern auch, es gibt auch keine Laufberichte und kein Treffen mit  Lauffreunden. Als ich meinen vorläufig letzten Bericht vom Neckarufer-Marathon in Stuttgart schrieb, konnte ich nicht wissen, dass es für längere Zeit auch der letzte sein würde. Die Idee, jetzt „alte“ Laufberichte  noch einmal in den Vordergrund zu stellen und sich an schöne Erlebnisse zu erinnern, finde ich klasse.  Irgendwie sind die Berichte noch immer aktuell.

 

 

Auch sonst hat sich mein Leben innerhalb weniger Tage rapide verändert. Auf mein Arbeitsleben hat diese Krise einen großen Einfluss. Ich bin Polizist auf einer mittelgroßen Dienststelle im bayerischen Schwaben. Nach gut 25 Jahren im Schicht- und Streifendienst kümmere ich mich inzwischen um die Verwaltung der Dienststelle und habe geregelte Arbeitszeiten. Dennoch spüre auch ich die Auswirkungen rund um die Corona-Krise, die E-Mail-Flut wird täglich gewaltiger. Nicht nur Informationen aus dem Präsidium und Innenministerium laufen über meinen Schreibtisch, auch die Zahl der Anzeigen, die über das Internet erstattet werden, nehmen deutlich zu, da den Bürgern angeraten wird, nur noch in dringenden Fällen persönlich auf der Dienststelle zu erscheinen.

Verstärkt werden meine Kollegen vom Streifendienst inzwischen durch Praktikanten, die sich noch in Ausbildung befinden. Dies ist zwar eine Erleichterung bei der Wahrnehmung unserer Aufgaben, zu der nun ja auch Kontrollen von Spielplätzen, öffentlichen Plätzen und Gaststätten gehört. Allerdings birgt das Ganze ein Problem mit sich. Die Räumlichkeiten auf unserer Dienststelle sind für das Mehr an Personal nicht ausgelegt und so ist die Einhaltung der geforderten Mindestabstände nicht möglich. Homeoffice ist natürlich in unserem Beruf keine Option. Zudem sitzen die Kollegen stets zu zweit im Streifenfahrzeug auf engstem Raum und bei den diversen Einsätzen ist oft auch naher Kontakt nicht zu vermeiden.

Trotz aller Umstände ist die Laune auf unserer Dienststelle gut und wir werden die Krise gemeinsam bewältigen. Allerdings bin ich nach Dienstschluss oft ziemlich platt und Motivation, mich auch noch läuferisch zu betätigen, kaum vorhanden. Ab und zu ringe ich mich dann aber doch zu einer Laufeinheit durch, damit ich einigermaßen fit bin, wenn die Marathonwelt wieder in Ordnung ist. Ich kann es kaum erwarten. Ich merke, dass mir vieles fehlt und wie wichtig mir das Laufen und Schreiben geworden ist.

Jetzt noch eine Bitte an Euch alle. Haltet Euch bitte an die Beschränkungen, dann werden wir gemeinsam bald wieder loslaufen können. Alleine laufen könnt und dürft Ihr ja schon jetzt.  Aber bitte wirklich nur alleine. Frische Luft und Bewegung ist gesund und stärkt Euer Immunsystem. Wenn wir uns alle daranhalten, werden wir diese Krise überwinden. Ich bin zuversichtlich.

Bleibt gesund. Bis bald mal wieder. Wir sehen uns.
Euer Greppi

 

 

 

Bernie Manhard: Sturmschäden im Homeoffice

 

„Homeoffice“ und „Social Distancing“ sind in Corona-Zeiten gerade in aller Munde. Laut einer Studie arbeitet derzeit jeder zweite Beschäftigte bereits ganz oder teilweise im Homeoffice. Bei uns Läufern sieht das noch viel krasser aus, wir bewegen uns jetzt zu 100 % nur mehr im „Läufer-Homeoffice“, das sind die heimischen Fuß-, Rad- und Feldwege, Berge oder wie in meinem Fall, bevorzugt die Wälder und Hügel. Da ich zu beiden Gruppen zähle, bin ich froh, dass uns wenigstens diese Möglichkeit „noch“ gegeben ist.

Frustrierend mussten viele mitansehen, wie ein Lauf nach dem anderen gestrichen oder zumindest vorerst einmal in den Herbst verlegt wurde. Mir geht’s natürlich genauso und für die nächsten im Mai/Juni in meinem Blickfeld liegenden Veranstaltungen besteht, realistisch gesehen, kaum noch Hoffnung. Wann wir uns wieder gemeinsam in einem größeren Teilnehmerfeld auf die Socken machen können, steht noch in den Sternen. Natürlich sind das Luxusprobleme angesichts der schockierenden Nachrichten von der Corona-Front, dessen bin ich mir schon bewusst.

Jede Form von Stress (positiv wie negativ) wirkt sich auf unser Immunsystem aus. Mit Sport setzt man einen zeitlich begrenzten Stress, der das Gesamtsystem beansprucht und auch für das Immunsystem eine Trainingsphase darstellt und dieses dadurch optimiert. Nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation sollten möglichst 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche erreicht werden, um diesen Effekt zu erzielen. Wahrscheinlich mit ein Grund, warum uns das noch erlaubt ist.

 

 

Natürlich wollen auch laufende Reporter ihre Form konservieren und gleichzeitig auch ihr Immunsystem stärken. Also begebe ich mich heute auf einen Teil meiner „Windradrunde“. Erstmals heuer, da sie im Winter nur sehr schwierig passierbar ist. Der eisige Ostwind, der die ganze Woche über herrschte, hat sich endlich wieder verzogen. Nach zwei Kilometer Anlauf, an gesperrten Spielplätzen vorbei (echt traurig), erreiche ich auch schon den Waldrand. Viele Leute sind laufend, spazierengehend oder bikend unterwegs, wesentlich mehr als ich jemals sonst beobachtet habe.

Nach den ersten Anstiegen bin ich mitten im Wald. Gewaltige Sturmschäden durch Sabine, Ute, Victoria und wie die Sturmtiefs alle hießen, die beinahe in Tagesabständen im Januar und Februar über unser Land zogen, werden mir erst heute so richtig vor Augen geführt. Aber man kann dem ganzen natürlich auch etwas Positives abgewinnen, denn im Prinzip ist hier ein riesiger Abenteuer-Spielplatz für Trailrunner entstanden. Riesige Fichten liegen gefällt über meinen Trails, die diverse Klettereinheiten erfordern. Teils sind fast abstrakte Kunstwerke aus den Resten der noch stehenden Stämme entstanden. Schön anzusehen, aber natürlich auch traurig.

Meine Kamera ist heute ausnahmsweise auch einmal bei einem Trainingslauf am Mann, so nehme ich per Selbstauslöser einige Aktionen auf. Macht wirklich Spaß, kann ich euch ans Herz legen. Selbstverständlich bin ich ganz alleine unterwegs, wie’s uns in den heutigen Tagen auferlegt ist. Reiter nutzen die gefällten Bäume auch für kleinere Sprungübungen, kann ich beobachten.

Nach 7 Kilometern erreiche ich das erste Windrad. Ich fühle mich ja immer etwas unbehaglich unter den laufenden Rotoren und schau, dass ich schnellstmöglich darunter durchkomme. Geht’s euch auch so? Normalerweise führt meine Runde noch an zwei weiteren Windrädern vorbei, für heute lass ich es aber gut sein, um nicht zu übertreiben, wie uns das u.a. auch Arne Gabius in einem Bericht derzeit empfiehlt. Zu intensives Ausdauertraining führt wiederum zu einer Schwächung des Immunsystems. So begebe ich mich wieder auf den Rückweg. Noch ein kurzes Bergtraining, dann bin ich wieder zu Hause. 15 km, ganz gemütlich, im Homeoffice kann’s auch wirklich sehr schön sein.

Bleibt gesund, bleibt zuversichtlich und vor allem bleibt zu Hause (außer zum Laufen natürlich).

Ich hoffe man sieht sich bald wieder einmal an am Start eines Marathon- oder Trailevents.

Euer Bernie

 

 

Wolfgang Bernath: Kein Grund zur Verzweiflung

 

Mit reichlich müden Beinen überquere ich zufrieden am 29. Februar  die Ziellinie der Marathondistanz des Lahntallaufs,  lasse mir meine Medaille umhängen, fachsimpele mit den Moderatoren und bilde mir ein, eine gute, lange Trainingseinheit für meinen Wiedtal-UltraTrail am 28. März absolviert zu haben.

Einbildung ist auch eine Bildung, denn nur Tage später wird dem organisierten Sporttreiben nicht nur in unserem Land ein Riegel vorgeschoben. Nichts geht mehr, was am Ende die Zahlen 2 über- und die 1,50 unterschreitet. Zur Vermeidung jeglicher Virenübertragung sollen also grundsätzlich nicht mehr als zwei Personen zusammen sein und die auch noch in anderthalb Meter Abstand voneinander. Das ist natürlich der Tod jeglicher gemeinsamer Sportausübung. Folgerichtig habe ich mit meinem Vereinsvorstand schon vor zwei Wochen bis zum Ende der Osterferien den kompletten Sportbetrieb im Verein ausgesetzt. Dazu zählt auch der Lauftreff. Und natürlich haben wir auch ganz schweren Herzens unseren WUT abgesagt.

 

 

Desperate Houserunner?

Nicht nur der WUT geht mir also flöten, auch die für April gebuchte Marathonreise ist bereits abgesagt und die für Mai hängt an weniger als einem seidenen Faden. Ist also Verzweiflung angesagt im Haushalt eines Hardcore-Runners? Wie geht er mit der Laufabstinenz um? Wie hat sich sein Alltag geändert?

Ich bin jemand, der unabänderliche Dinge klaglos hinnehmen kann und sofort positiv nach vorne schaut. Eigentlich geht es mir ja gut: Ich befinde mich weitgehend im Homeoffice, der Rubel rollt weiter und die täglich zum Dienst eingesparte Fahrzeit kann ich auch sinnvoll einsetzen. Nämlich – zum Laufen! Runde sechzig Wochenkilometer, garniert mit jeder Menge Höhenmeter, das war mein bisheriges durchschnittliches Wochenpensum. Und daran hat sich nichts geändert. Eigentlich bin ich sogar besser dran, denn dank grundsätzlich freier Zeiteinteilung kann ich bei schönem Wetter auch mal tagsüber ausgiebig laufen gehen. Das heimatliche mittlere Wiedtal im rheinischen Westerwald ist ein Läuferparadies vor dem Herrn. Du kannst flach an der Wied viele km in beide Richtungen laufen oder auf ungezählten Waldwegen und Trails die beiderseitig 200 bis 250 m aufragenden Bergflanken rauf- und runterwetzen. Na ja, was man halt in gehobenem Alter so wetzen nennt.

 

Trainiert werden kann, der Wettkampf fehlt trotzdem

Da besteht eine normale Trainingseinheit aus 10 bis 12 km mit 200-300 hm. Das drei- bis viermal unter Woche und einmal am Wochenende über 20 km gemacht erhält die Fitness genauso wie in der Zeit vor Corona. Was ist aber mit dem Zählbaren, das uns Marathon4you-Reportern so sehr am Herzen liegt? Die abgesagten Veranstaltungen sind natürlich schon bitter, denn wer mich kennt weiß, dass gerade ich einen Lauf mit Startnummer einem langen „sinnbefreiten“ Trainingslauf immer vorziehe. Und da sieht's halt echt düster aus. Schon schiele ich in unsere Terminliste, um mögliche Ziele im Juni zu identifizieren. Wird man es schon wieder riskieren können, nach Südtirol zu fahren? Nach Spanien? Oder bleibt man doch besser in Deutschland?

Mein Freund Günther z.B. vermeldet Grausames aus Tirol: Alle 279 Orte stehen unter Quarantäne, niemand darf ohne triftigen Grund seine Wohnung verlassen. Alles, was man außerhalb zu erledigen hat, sollte im eigenen Ort erfolgen. Freizeitaktivitäten sind untersagt außer kurzen Spaziergängen. Joggen ist ausdrücklich verboten, das Verlassen des eigenen Wohnsitzes auf ein zeitlich und örtlich unbedingt notwendiges Minimum zu beschränken. Kein Radfahren, kein Berggehen, keine Skitouren, keine Wanderungen. Da soll ich mich beklagen? Null, niente, nada!

 

Ist es richtig, Trübsal zu blasen?

Am Tag des nicht stattfindenden WUT scheint die Sonne bei mittäglichen 18 Grad vom wolkenlosen Himmel. Sitze ich zuhause, beklage mein Schicksal und blase Trübsal? Mitnichten! Ich bin gesund, darf und kann mich bewegen. Also genieße ich diesen herrlichen Tag, absolviere wenigstens die beiden letzten von fünf Etappen über 23 km und +600/-850 hm und freue mich meines Lebens. Ich weiß, dass ich dank nach wie vor bestehender Freiheiten in einem großen Haus mit ebensolchem Garten privilegiert bin und es mir gut geht.

Aber die fehlenden Marathons? Nun, ein Haar in der Suppe findet sich immer, denn das kann ich  nicht ändern. Wirklich nicht? Markus hat für sich alleine in Bad Driburg über 13 Runden einen Trainingsmarathon absolviert, ein Franzose das gar auf seinem 7 m breiten Balkon. Ganz so weit ist es bei mir noch nicht, denn es gibt auch nach fast zwanzig Jahren unverändert jede Menge bisher unentdeckter Wege, die es zu erkunden gilt.

Damit werde ich die nächsten Tage und Wochen prima überbrücken können. Trotzdem ist die Kamera aufgeladen, die Speicherkarte leer und die Schuhe geputzt. Sobald ich wieder darf, werdet Ihr von mir lesen.

Haltet Euch tapfer! Euer Wolfgang

 


 

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