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Laufberichte

Grüntal Frühlingsultra: Comeback eines Ex-Läufers

26.03.22 Special Event
 

Beinahe wird meine Rückkehr ins Läuferleben nach 3,5 Jahren Wettkampfpause zu einem DNS. Als ich am frühen Morgen in den Schwarzwald fahre, wird mein Auto immer langsamer. Bald bin ich davon überzeugt, dass ich die letzten paar Kilometer bis zum Start zu Fuß laufen muss. Überraschend erreiche ich doch noch Grüntal. Erst hundert (!) Meter vor dem Haus von Thomas Dornburg bleibt die Karre endgültig mitten auf der Straße stehen. Ich steige aus und hole ein paar andere Läufer, die das Auto die letzten Meter den Berg hinaufschieben.

Als ich im September 2018 meinen 100. Marathon (davon etwa zwei Drittel Ultramarathons) lief, ahnte ich nicht, dass es so lange dauern würde, bis ich wieder an einer Startlinie stehe. Vor einem Jahr bezeichnete ich mich sogar in vielen Gesprächen als Ex-Läufer. Aber die vielen schönen Fotoberichte der anderen Läufer auf Marathon4you und Trailrunning.de weckten schnell den Wunsch, doch wieder selbst dabei sein. Ab Juli begann ich wieder mit dem Training. Für meine „Rückkehr“ wählte ich einen Wettkampf, bei dem wegen dem extrem großzügigen Zeitlimit wirklich jeder das Ziel erreichen kann.

Beim Grüntal Frühlingsultra läuft man vier mal dieselbe Runde mit je 12,9 km und 293 Höhenmetern. Die leicht laufbare Strecke am nordöstlichen Rand des Schwarzwalds führt über bequeme Feld- und Waldwege, manchmal auch über Asphalt. Start, Verpflegung, Ziel und auf Wunsch auch kostenlose Übernachtung ist direkt im Haus des Veranstalters Thomas Dornburg in Grüntal, einem Vorort von Freudenstadt. Da es draußen am frühen Morgen mit 5 Grad recht kalt ist, frühstücken wir im Keller. Erst kurz vor dem Start gehen wir ins Freie. Thomas Dornburg, der unter anderem auch Veranstalter eines neuen Deutschlandlaufs und Transeuropalaufs ist, sowie Ingo Schulze, der legendäre Veranstalter der klassischen Vorgänger, erzählen uns etwas über die Streckenmarkierung. Pünktlich um 8 Uhr gibt Ingo den Startschuss, dann laufen wir los.

 

 

Nur kurz laufen wir durch den Ort, dann in einem Landschaftsschutzgebiet mit wenig Steigung zuerst bergauf, dann wieder bergab, unter dem Stockerbachviadukt hindurch. Das kleine Teilnehmerfeld zieht sich sehr schnell auseinander. Den Ort Aach passieren wir nur kurz am Rande. Dann folgt der erste Anstieg, bei dem ich den Fortbewegungsmodus auf schnelles Marschieren ändern. Schon nach 600 Metern kann ich aber wieder bequem über sonnige Wiesenflächen laufen.

Bald führt uns ein Asphaltweg hinab in den Ortsteil Wittlensweiler. Dort folgen wir unter anderem einem schönen Spazierweg am Ufer des Mühlenbach. Dann laufen wir unter dem Ettenbachviadukt hindurch.

 

 

Nun muss der mühsamste Teil der Strecke bewältigt werden. Die Haldenbergstraße ist zwar nur 600 m lang, kommt mir aber länger vor, da sie mit bis zu 15 % Steigung bergauf führt. Viele Krokusblüten neben dem Fußgängerweg lenken mich von der Anstrengung ab. Ab dem Waldrand folgen dann recht entspannende sechs Kilometer auf bequemen Forstwirtschaftswegen durch dichten Nadelwald. Zuerst führt die hervorragend markierte Strecke lange Zeit mit nur wenig Steigung bergauf. Bei meinen ersten beiden Runden kann ich hier noch gut laufen. Ab dem mit etwa 770 m höchsten Punkt der Strecke geht es dann fast nur noch bergab, auch hier schnell und gut laufbar. Nur in der Senke des Gammertsbach laufe ich kurz etwas steil bergab und wieder hinauf.

Dann verlasse ich den Wald und renne die letzten 1,5 Kilometer im Sonnenschein. Dieser Streckenabschnitt gefällt mir besonders gut, obwohl ich normalerweise nicht gerne auf Asphalt laufe.

Am Ortsrand von Grüntal führt mich eine Straße kurz recht steil bergab. Dann laufe ich unter der 1592 erbauten Johanneskirche vorbei. Schon habe ich die erste Runde geschafft. 90 Minuten – deutlich schneller als geplant! In der Hofeinfahrt wird unsere Zwischenzeit notiert. Zwei Tische sind gut mit Verpflegung und Getränken bestückt. Wer will, kann hier eine kurze Pause einlegen und seine am kühlen Morgen notwendige warme Kleidung gegen leichtere Sachen tauschen.

 

 

Nach sehr kurzem Aufenthalt laufe ich weiter. Bisher wollte ich nie an Rundenläufen teilnehmen. Mehrmals die selbe Strecke zu wiederholen, bietet für mich nun überraschend ganz neue Reize. Auf einer eintönigen Route mag das anders sein, doch hier handelt sich um eine attraktive Runde, die es lohnt mehrmals zu durchlaufen.  Lanfweilig ist das keineswegs, denn irgendwann  wird man von den schnellen Läufern überholt,  was zusätzlich für Abwechslung sorgt.

Als ich wieder das 1879 errichtete Stockerbachviadukt erreiche, fährt gerade eine Bahn über die 296 m lange und 42 m hohe Brücke. 1945 wurden Viadukt kurz vor dem Einmarsch der Franzosen von der Deutschen Wehrmacht zerstört. Bereits 1949 wurde es wieder aufgebaut.

Im Aach komme ich wieder am schönen Fachwerkhaus des Gasthof Waldgericht vorbei. Nachdem ich bei der ersten Runde vor allem auf die Landschaft achtete, wende ich mich nun mehr den kleinen Details neben der Strecke zu. Ich lasse mir Zeit und gönne  mir den Luxus, zwischendurch auch Blumen und Vögel zu fotografieren. Ich bin nicht der einzige, denn weitere Läufer schwärmen im Ziel davon, dass unterwegs viele Tiere und Pflanzen zu sehen sind.

Dann erreiche ich wieder Wittlensweiler, marschiere die anstrengende Straße hinauf und wieder durch den Wald. Die extreme Trockenheit in diesem März führt leider unter anderem auch dazu, dass viele Frösche ihren gesamten Nachwuchs verlieren. Wo normalerweise in tiefen Rinnen neben dem Weg Kaulquappen schwimmen, vertrocknet der Froschlaich nun auf dem Sandboden.

Mir war von Anfang an klar, dass ich bei meiner dritten Runde von schnelleren Läufern überholt werde, aber dass bereits bei meiner zweiten Runden Christian Mörmann mit Vollgas an mir vorbei sprintet, überrascht mich doch.

Dann erreiche auch ich wieder Start/Ziel in Grüntal, ziehe meine Jacke aus, trinke etwas, rede kurz mit Wolfgang Neuweiler, der im Gegensatz zu mir nur noch eine statt zwei Runden vor sich hat, und laufe weiter.

 

 

Während ich gerade den Aufstieg aus Aach hinaus marschiere, eilt mit hohem Tempo Pamela Veith, die schnellste Frau, an mir vorbei. Einen Moment lang fühle ich mich sehr langsam. Aber egal, ich habe Zeit genug!

Die Strecke ist mir schon sehr vertraut und ich zweifle nicht daran, dass ich hier auch die vierte Runde problemlos schaffen werde. Nun überholen mich immer mehr der schnellen Läufer.

Als ich zum dritten Mal Grüntal erreiche, sitzen viele Teilnehmer bereits als Finisher gemütlich im Garten und essen Maultaschen, wahlweise mit Fleisch oder vegetarisch. Obwohl noch eine Runde vor mir liegt, esse ich ebenfalls davon. Dann rufe ich den anderen zu: „Ihr müsst jetzt hierbleiben, aber ich darf den warmen, sonnigen Nachmittag noch eine Weile genießen“ und laufe weiter.

Im Mai und Dezember organisiert Thomas weitere Grüntal-Ultras auf derselben Strecke, die man dann wahlweise auch noch im Backyard-Modus um so viele weitere Runden verlängern kann wie man schafft.

Immer öfter wechsle ich nun bei sanften Aufstiegen vom Laufen zum Speedhiking. Dies war während der letzten Jahre ohnehin meine liebste Disziplin. Über 10.000 km bin ich so durch Deutschland gelaufen und im Anschluss  noch viele weitereTouren. Ich fühle ich mich nach wie vor sehr gut. Es macht mir viel Spaß, endlich wieder bei einem Wettkampf zu laufen.  Die 3,5 Jahre Wettkampfpause spüre ich kaum.

Ursprünglich hatte ich mich nur bis Juni 2020 auf mein Deutschland-Wanderer Projekt beschränken wollen, doch danach wurden alle Wettkämpfe abgesagt. Außerdem musste ich wegen der Pandemie meine berufliche Selbstständigkeit gegen einen festen Job tauschen, bei dem ich fast an jedem Wochenende arbeiten muss.

 

 

Das Zeitlimit beträgt in Grüntal 12 Stunden, aber so lange braucht natürlich niemand. Ich bin heute mit meinen 7:10 Stunden und Platz 23 von den gestarteten 7 Frauen und 23 Männern zufrieden. Im Sommer will ich deutlich schneller laufen, doch für den Anfang reicht mir das.

Am Ziel würde ich gerne noch längere Zeit mit anderen Teilnehmern plaudern, aber muss mich um mein Auto und um die Heimfahrt kümmern und ADAC und Abschleppdienst organisieren. Daher habe ich keinen Kopf für „After-Race-Fotos“. Erst 2,5 Stunden später wird mein Auto auf einen Abschleppwagen gezogen und zurück nach Karlsruhe gebracht. In fünf Wochen kann ich dann mit neuer Kupplung hoffentlich ungestört zum „Tanz in den Mai“ fahren.

 

 

 

 

 

 

 


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